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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-02-08 · Heft 6 (8.2.1918) · p. Seite 71

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 6 (8.2.1918)
Date
1918-02-08
Page
Seite 71 (sequence 11)
Language
German
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71 ein -wenig groß sei für ein Kind in diesem -Alter. Und besonders die Gret' hielt sich für sachverständig in allem, was Kinder ärilangte, denn sie war die Hebamme des Dorfes. Und ihr Mann saß auch dabei in einer Ecke. Und weil der keineso rechte Beschäftigung hatte und die Frau für zwei verdienen mußte, so hatte ihm die Großmutter den Spitznamen aufgebracht: „Der Hebammerich". * Und hier bei den Großeltern war es, wo Hermann gewöhnlich seine Sommerferien verbrachte. Und besonders dieses Jahr fand ihn die Großmutter blaß aussehend und hoffte, ein weites Feld zu haben für ihre Kochkunst, ihn wieder aufzupäppeln. „Vom Wachsen", hatte der Vater gesagt, als er ihn hergebracht. Und dies schien auch ohne weiteres einleuchtend bei dem mit eins hochaufgeschossenen Jungen. Doch war es dies nicht allein, sondern der dreizehnjährige Knabe hatte kurz vor den Ferien folgendes erlebt: Da war ein kleines Mädchen und die hieß Gerda von der Uhlenburg, Und Hermanns Mitschüler, der Bäumke, kannte sie, weil die beiden Väter Regimentskameraden waren. Und der lief öfter Schlittschuh mit ihr auf der „großen Wiese". Und der Hermann lief auch. Und wenn sie eine „Schlange" machten oder „so fahren Sie, so fahren Sie, der Letzte muß bezahlen" oder sonst ein Spiel, da war es schon öfters vorgekommen, daß Hermann nebender Kleinen zu stehen kam. Und darüber freute sich der Junge allemal sehr. Und noch lange danach sah er das kleine Mädchen vor sich in dem grünen Kleidchen und Mätzchen, beide mit grauem Pelz zierlich besetzt. Und die blonden Locken sielen ihr über die Schultern herab und umrahmten lieblich das Gesichtchen mit den stillen, blauen Augen. Lange kannten sich nun die Kinder auf diese Weife, ohne je ein Wort miteinander gesprochen zu haben. Bis die kleine Gerda einmal ankam und vergebens nach einem freien Plätzchen suchte, sich die Schlittschuhe anzuschnallen. Da half ihr denn Hermann und -danach gab es sich von selber, daß sie miteinander liefen, denn der Bäumke kam heute nicht. Der hatte — zum Glück dachte Hermann — beim „Deutschen" von 4 bis 6 „eine Stunde Arrest", wie der allemal höhnisch sagte. Weil er seinen Hausaufsatz nicht rechtzeitig abgeliefert hatte. Und da fuhren nun die beiden dreizehnjährigen Kinder dahin und sprachen von der Schule und von den Klassengenossen, von den Lehrern und deren drolligen Eigenheiten. Und -dann kamen sie auf ihre Lieblingsfächer, und es stellte sich heraus, daß sie beide das Deutsche bevorzugten und besonders Gedichte und Dramen. Und als es Zeit zum Heimgehen wurde, da verabredeten sie sich-gleich auf den nächsten schulfreien Nachmittag. Aber da war der Bäumke wieder da, und es -war lange nicht so nett zu -dreien. Und überhaupt war der Bäumke heute komisch. Es paßte ihm offen-bar etwas nicht. Erst mußte er unbedingt alleinmit -Gerda „zu zweit verschränkt" fahren, und Hermann hatte das Nachsehen. Dann veranstaltete er ein Spiel, bei dem das halbe Gymnasium mittat — immer etwas, das Hermann daran hinderte, mit der Kleinen zu lausen. Endlich, als es der Zufall wollte, daß die beiden in einem Spiel Sieger geblieben waren und eben -beginnen wollten, lustig miteinander davonzusliegen — da fuhr der Bäumke beim „Rückwärts-Bogen-Probieren" so hart an Hermann an, daß dieser das Gleichgewicht verlor und längelang zu Boden fiel. Und wie er sich erhob, da sah er, wie der andere seine Partnerin eben veranlassenwollte, mit ihm weiterzufahren. Das Kind stand noch unschlüssig, -als Hermann hinzueilte und sich auf sein gutes Recht als Sieger -b-soief. - Der Bäumke meinte -höhnisch, -daß er eine „gefallene Größe" sei, ein Wort gab das andere, und mit eins stürzte sich der große Junge aus den etwas kleineren, -indem er außer sich vor Wut schrie: „Mach', daß -du weiterkommst, sonst schlag' ich dich tot, Sauju-d!" Das kleine Mädchen enteilte zu ihren Genossinnen, und um die beiden Raufenden bildeten sich sogleich zwei Parteien. Und es ist schwer zu sagen, wer Sieger geworden wäre, wenn nicht 'der Aufseher dazwischen gedroht hätte, er werde die „Lausbuben" in der Schule anzeigen, wenn sie sich nicht anständig benehmen würden. Da fuhren sie auseinander. Und -es war höchst sonderbar, was sich dabei herausstellte: mit dem Bäumke war der dicke Helmut v. Schneider, und der Alex v. Sandner und der Schmitt-Staufen und der lange Baumann und der andere Baumann und der Müller und der Müllerle. Und bei Hermann fand sich der Kahn I und der Cohn und der Bendiener und der rote Hirsch und der große Hirsch und die beiden Fuchs, die Zwillinge. Und diese Fehde dauerte — bald heimlich, bald offen — fort bis in den -Sommer hinein. Ja, so ganz verwischte sie sich nie, die lange Schulzeit hindurch. Nicht einmal -die Tatsache konnte etwas -daran ändern, daß die beiden Hauptbeteiligten — der Kahn II und der Bäumke — sich kurz vor Ende des Schuljahres wieder ausgesöhnt hatten. Und -das war so gekommen: Eines Tages nach dem Unterricht ging -der Bäumke erst einen Augenblick neben Hermann her, dann auf einmal sagte er mit rauher Stimme: „Du, die Gerda von -der U-hlenburg ist heut nacht — an der Lungenentzündung — gestorben." — Beide Jungen sagten kein Wort und -gingen eine Weile schweigend nebeneinander her. Jeder blickte für sich geradeaus. Nach -einer langen Pause — er hatte sich inzwischen umständlich geschneuzt und geräuspert — fuhr der Bäumke fort: „Heut' nacht um zwei -war's vorbei, um zwölf haben sie noch meine Eltern holen lassen." Hermann konnte die ganze Zeit außer einem halblauten „so, so" keine Silbe hervovbringen, obgleich der andere den weiten Umweg machte und ihn bis an seine Haustür begleitete. Bloß ehe er ging, sagte Hermann noch: „Du kannst auch morgen gern Widder meine Disposition kriegen zum Klassenaufsatz". „Dreck" machte der Bäumke und -ging seiner Wege. Cr hatte aber die Institution -des Klassenaufsatzes gemeint und keineswegs das Angebot; wie sich den anderen Vormittag mit Sicherheit feststellen ließ. (Fortsetzung folgt.) Sie Fsust. Und eine Faust erhob sich wider Israel, Bestand aus Fläche, Maus und allen Fingern') Und es entstand ein Ringen zwischen Ringern, Es schien, -statt Gott gab Luzifer Befehl. Aus ihrer Untreu macht -die Hand kein Hehl. Die andern -hielt sie all für die Geringern, Hielt sich für den -von allen Fahnenschwingern, Den ganz allein ein Gotteshauch beseel'! Doch Israel hielt Stand all seinen Drängern, Bald -wurden Kühnste gegen es zu Büngern, Es kam -der Dag — da allen Feinden graust. Schon bittet um den Frieden hier der eine"). Bald nahen sie flehend alle im Vereine — Sie streckt sich aus zum Frieden auch — -die Fa u-st! Alfred Fried ma nn. i) England, Frankreich, Rußland, Italien, Amerika. -) Rußland.

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