Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 6 (8.2.1918)
- Date
- 1918-02-08
- Page
- Seite 69 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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- Homer 1× ep/1025156
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gangenes Mhen, die Zukunft liegt in Gottes Truhen -«5-7« #c6W lv youvosixEt-ai singt Homer!), ertränkeSorch und Pein im Glase Wein; alles ist eitel Schein" ,1"12 1'712.1 ,s'8 122.1 (S.74 rr^L) 1" 717112 Dip Diese letztere Weisheitsregel erinnert wohl mehr an Horazens bekannten epikuräischen Rat in seinen Oden: „Sei weise, kläre den Wein und bei des Lebens kurzer Spanne gib nicht langer Hoffnung Raum, genieße die Gaben des gegenwärtigen Augenblickes und laß fahren den Ernst usw." Natürlich will die altjüdische Regel damit nicht auch etwa das zügellose Wohlleben und den uneingeschränkten Lebensgenuß empfehlen ... Weit entfernt davon ... . .! Denn dieMäßigkeit bildet ja stets, wie ich schon häufig anderweitig hervorhob („Hygienische Rundschau" 1910 bis 1917), den Grundzug deraltjüdis che n Lebensweisheit — wie ich auch weiter unten ausführlicher darlegen werde —, welche immer und immer vernünftige Lebensweise empfiehlt und ganz besonders vor übermäßigemAlkoholgenuß streng w ar nt; sondern es soll bloß damit gesagt werden, daß im Notfälle, wenn die übermäßigen, schwarzen, unnützen Sorgen den Menschen überfallen, ihn zu überwältigen drohen, er sogar zuweilen zum äußersten, sonst verpönten Mittel greifen dürfe, um sich ihrer um jeden Preis zu entledigen, sie für immer zu bannen! Denn diese zerstören und trüben bei langer Dauer den Geist, ja, ruinieren auch den Körper ebenso wie allzu heftige Gemütsaf f e k t e, welche die Psyche schädigen. Und damit mag nun der Uebergang geschehen zur weiteren Betrachtung eines anderen, nicht minder wichtigen Punktes der altjüdischen Seelendiätetik. Es mögen hier aber vorher noch kurz einige fernere gleichartige Sprüche angefügt werden. „Die Sorge um etwaiges drohendes Leid ist schlimmer als das Leid selbst" (nutn p 7112p mxn 1» 71181»'1111 rui). Oder (Ben Sirah): „Die Opfer der Traurigkeit sind zahlreich — und nichts wird dadurch erreicht. Neid und Zorn verkürzen des Menschen Tage, — und ein s orgendeS Herz altert allzu früh. (Arteriosklerose! Siehe Anmerkung S. 68.) Ferner Piut zu 7VHTI12 (von Jöm Kippur): „Was klagt der Mensch und bebt? Genug ist's, daß er lebt!" (TI 8171 11282 VI Tt D18 pi87V 7I2-) Immer und immer wird aber in allen Lebenslagen, bei allen Widerwärtigkeiten Zuversicht (slN22) dringend als probates Mittel empfohlen. „Alles zum Guten, geschieht zum Besten" (.1212^ 11 DU), war die Devise des vielgeplagten Nahum Jsch gamsu, dessen Art als musterhaftes Lebensbeispiel im Traktat Taanith 5a angeführt wird"). II. Starke Seelenasfekte meiden, ganz besonders sich vor übermäßigem Zorn hüten wird immer und immer bei jeder Gelegenheit eindringlichst geraten. Schon der König Salomo, der „weiseste aller Menschen", ermahnt den heißblütigen Jüngling (Koheleth Kap. XI, 10): „Banne den Zorn auS deinem Herzen, jage das Böse (die Bosheit) von deinem Leibe." „Wer zornig ist, den verläßt die Weisheit" (Traktat Pesachim 66b), so künden in ganz charakteristischer Weise die altjüdischen Lehrer. Ebenso heißt es anderwärts (Traktat Kidduschim 41a): „Der Zornmutige trägt nur den Zorn (Aerger) als Gewinn davon" (lfilJUl 8^8 11’2 nnbv 8“? ]in)- Ganz besonders wird davor gewarnt, das aufbrausende Gemüt, die ärgerliche Stimmung zu Tätlichkeiten sich hinreißen zu lassen oder seinen Zorn an etwas auszulassen. „Wer seine Kleider im Zorne zerreißt, wer im Jngrimme Hausgerät zerbricht, der handelt so, als ob er Götzendienst treibe" (Traktat 2). Man darf sogar nicht in übermäßiger Traurigkeit oder Ausgelassenheit zu beton beginnen: ^lflD' «S ^STITI*? s'1212 s'8 121 1281 7t6p "[1712 «bl 711222 (Traktat Berochüth). Sabbat 105 b: 121'. 1712712 D'b2 "1211271); das heißt mit anderen Worten: Wer seiner bösen Laune hofiert, seinem „lieben Ich" nachgibt, sich von seiner jeweiligen Stimmung beherrschen und hinreißen läßt, der treibt mit seiner eigenen, menschlichen Natur Götzendienst, ist verächtlich. Vielmehr wird wiederholt und eindringlichst sich zu beherrschjen, die überschäumenden Leidenschaften im Zügel zu halten empfohlen. Ganz markant ist hierbei der Ausspruch des Ben Sümah (Aboth IV, 1): „Wer ist ein Held? Derjenige, welcher seine Leidenschaften bezwingt." Denn so heißt es (Proverb. XVI, 32): „Der Langmütige ist besser (tapferer) als der Kriegsheld, und wer sein Gemüt beherrscht, ist mehr als ein Städtebezwinger!" Bon der Schädlichkeit eines zornigen Gemütes, welches das menschliche Leben verbittert, kündet eine andere Weisheitsregel (Traktat Pesachim, fol. 103 b, Beza-h 39 b): „Dreier Menschen Leben ist nicht lebenswert (kein Leben): des Zornigen, des Allzuweichmütigen und des Allzuempfinjdlichen (Neurasthenischen). (D"n DJ'8 D7TT, .1121112 712*171 'J’381 010221 21271171). Vielmehr wird geraten (Traktat Sabbat 30a): „Immer sei der Mensch versöhnlich (nachgiebig) wie Hillel und nicht zornmütig (aufbrausend) wie Schamai." Zu den heftigen Leidenschaften gehören bekanntlich neben einem aufbrausenden Gemüte auch der Stolz, die Ueberhebung, der falsche Ehrgeiz sowie die Streitsucht und der Haß; nicht minder sind es zuweilen der Neid, die Scheelsucht. Von allen diesensich fernzuhalten wird ebenfalls wiederholentlich und eindringlichst empfohlen zum Heile des Geistes und des Gemütes. Nur eine kleine Auslese aus den diesbezüglichen zahlreichen Aussprüchen mag hier zur Illustration wiedergegeben werden. So heißt es vor allem als Grundr e g e l (TraktatTaanith 5a): „Immer sei der Mensch nachgiebig (bescheiden) wie das Schilfrohr und nicht so stolz und unbeugsam wie die Zeder (TP 181 .13,12 “p D18 '71' 0^12^ 1182 7,12,1). Braust ein mächtiger Sturm dahin, bricht er die Zeder; aber das Schilfrohr neigt das Köpfchen, bleibt unversehrt, wenn Sturm vorüber!" (Vergleiche daselbst die rührende Erzählung aus dem Leben eines Großen als Beispiel, wie die Ueberhebung schädlich!) Ganz besonders in den „Sprüchen der Väter" finden sich sehr beherzigenswerte Ratschläge darüber. In Abschnitt II, Mischna 10 empfiehlt Rabbi Elieser: „Die Ehre deines Nächsten mutz dir so wert und teuer sein als die deine. Laß dich nicht leicht in Zorn bringen!" Ebenderselbe, befragt hierüber, welcher der b ö s c Lebensweg sei den man meiden müsse, antwortete (ibid. Mischna 9): „Ein böses, mißgünstiges Auge!" Rabbi Jösua tat den lapidaren Ausspruch (daselbst Mischna 11): „Ein böses Auge, die Leidenschastlichkeit und der Menschenhaß trügen den Menschen aus der Welt (verkürzen seine Tage)". Daselbst (Abschnitt IV, Mischna 4) wird warm geraten: „Sehr und sehr sei demütig (bescheiden), denn des Menschen Hoffnung ist der Wurm (das Grab 7,21 12118 711,17112 Nil 1212 '1.1 1182 1182). Ben Azai spricht daselbst (Mischna 1 und 3): „Wer ist geehrt?" Wer andereehret!. . . VerachtekeineMenschen, erkläre nichts für unmöglich (übertreibe nichts); denn es gibt keinen Menschen, der nicht seine Stunde hätte; es gibt kein Ding, das nicht irgendwo Platz hätte (keine Stellung fände)". Rabbi Melr lehrt ebenfalls (ibid. Abschnitt IV, Mischna X): „Sei demütig (bescheiden) g e g en je d en Men s ch e n." Dagegen prägte Rabbi Eleazar den bedeutenden Spruch (daselbst Mischna 21): Neid, Lüsternheit und übertriebener Ehrgeiz bringen dvn Menschen um die Welt!" — Aber nicht allein Bescheidenheit und Freundlichkeit, sondern in noch erhöhtem Maße werden Friedfertigkeit und Gerechtigkeitsliebe als Ideal, als Richtschnur eines musterhaften Lebens hingestellr.