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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-02-08 · Heft 6 (8.2.1918) · p. Seite 65

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 6 (8.2.1918)
Date
1918-02-08
Page
Seite 65 (sequence 5)
Language
German
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65 Baniri tjaroüy. Ein Gedenkblatt. Von Ludwig Geiger. ie Reihen lichten sich. So ist auch unser Daniel Jacoby dahingegangen. Er selbst hat über sein äußeres Leben folgende Auszeichnungen gemacht: Daniel Jacoby wurde am 2. Januar 1844 zu Johannisburg in Ostpreußen geboren. Sein Water war Kaufmann; er erhielt 1845 wegen der in Zeiten der Not dem Kreise geleisteten Dienste den Titel eines Königlichen Kommerzienrats. Jacoby besuchte kurze Zeit das Kneiphöfische Gymnasium in Königsberg und nachdem die Eltern nach Berlin gezogen waren, das dortige Gymnasium zum Grauen Kloster. 1862 bezog er die Universität Heidelberg, um dort unter Vangerow ein Semester römisches Recht zu studieren. Auch in Berlin widmete er sich noch ein Jahr diesem Studium, dann folgte er seiner innersten Neigung und widmete sich der Philosophie und der klastischen wie deutschen Philologie. 1867 wurde er in Berlin promoviert auf Grund der Dissertation „Oe Leibnitii studiis Aristotelicis". Im selben Jahre erhielt er den Preis von der Berliner Universität für die Lösung der Aufgabe, die Lehren Lockes und Leibnizens von der menschlichen Erkenntnis darzustellen und zu prüfen. Nach bestandenem Staatsexamen ging er nach Wien und wirkte als angestellter Professor für deutsche Literatur ein Jahr an der dortigen Handelsakademie, bis er 1873 an die Kantonschule in Aarau berufen wurde. Dort blieb er vier Jahve, während des letzten zugleich Privatdozent für deutsche Literatur. 1877 an das neugegründete Königstädtische Gymnasium in Berlin gewählt, lehrte er daselbst 33 Jahre, bis er 1910 seine Entlastung nahm. 1874 erschien zu Basel „Friedrich der Große und die deutsche Literatur". Zahlreiche Aufsätze, deutsche Literatur betr., erschienen im Archiv für Literaturgeschichte, im Goethe-Jahrbuch, im „Euphorion" und anderen Zeitschriften, sowie in der Sonntagsbeilage zur „Vosfifchen Zeitung". Jacoby war langjähriger Mitarbeiter an der „Allgemeinen deutschen Biographie". 1866 erschien in Berlin sein Programm über den Dramatiker des 16. Jahrhunderts, Macropedius. 1905 veröffentlichte er „Xenien zu Schillers Todestag", 1916 „Kriegsxenien und andere Gedichte zum Völkerkampf". Mit August Sauer gab er Weißes „Richardt III." heraus. Sein besonderes Arbeitsgebiet war Shakespeare und Goethe; unter neueren Dichtern zog ihn Paul Heyse hauptsächlich an, Seine Bücher sind gering an Zahl, um so größer die Reihe seiner kleinen Aussätze und Studien. Unsere gelehrten Zeitschriften weisen eine stattliche Menge solcher Arbeiten auf. Er versuchte sich ferner in geschmackvollen Versen, in denen er die Großen unserer Literatur verherrlichte und seine Anschauungen über die gegenwärtige Zeit auch über den tobenden Weltkrieg aussprach. Sinnig und gediegen — das mag als die Bezeichnung seines Wesens gelten.. Wo der schlichte Mann auch immer austrat, sein und zurückhaltend in seinem äußeren Benehmen, leise aber klar und bestimmt, zierlich und gewählt in seiner Sprechweise, war en sicher, Teilnahme zu erwecken und die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer zu erzwingen. Er drängte sich nicht vor, hielt sich eher schüchtern zurück, aber er wußte seine aus gründlichen Studien erwachsene und durch scharfe Beobachtung gefestigte Meinung mit Marheit und Eindringlichkeit geltend zu machen. Was er schrieb war geglättet, gefeilt und künstlerisch gestaltet. Er hatte ein seines Gefühl für Stil und Abrundung. Voll genährt mit umfassenden Kenntnissen, Mb er lieber kleine Beiträge, in denen er immer etwas Neues, oft etwas Ueberraschendes zu bieten wußte, als große Werke, in denen er das von anderen Gesagte hätte wiederholen müssen. Voll neidloser Anerkennung verehrte er die bedeutenden Fachgenossen; mit besonderer, nie ermüdender Bewunderung sah er zu seinem großen Meister Wilhelm Scherer aus. Mt seinem umfassenden Wissen, mit seiner Heilighaltung des Schönen und Großen vereinigte er einen gediegenen Charakter, eine seltene Ueberzeugungstreue, eine rührende Schlichtheit. Er war eine geborene Lehrernatur, ohne aufdringliche Rechthaberei, ein emsiger Forscher ohne abgeschmackte Kleinlichkeit, eine kindlichreine Seele, voll Freude an dem Erhabenen, ein wackerer Kamerad, ausgestattet mit echter Güte und wahrer Menschlichkeit, den man genau kennen mußte, um das Herrliche seines Wesens und die Tiefe seiner Empfindung zu erkennen. Voll Treue hing er an seinem Vaterland. Mit tiefem Schmerze durchlebte er dessen Leiden, fand er, der Milde und Ruhige, strafende Worte gegen die Feinde unseres Reiches. Aber mitten im körperlichen Leiden, mitgenommen durch die schweren Entbehrungen und die schlimme Not der Zeit, blieb er hossnungssreudig und vertrauend aus eine schöne Zukunft seines geliebten Deutschland und auf den Ausstieg der Menschheit zu höherer ungetrübter Kultur» enbfaltung. Ein leuchtendes Vorbild der Mitstrebenden, ein Mann, zu besten Beharrlichkeit und unerschütterlicher Sicherheit man vertrauensvoll aufschaute wie zu einem Felsen, an den man sich anLlammert. Daniel Jacoby war als Jude geboren und ist als Jude gestorben. Er war mit einer Christin vermählt, blieb aber selbst dem väterlichen Glauben treu, trotz aller Schwierigkeiten, die chm dadurch! in seiner Laufbahn erwuchsen. An jüdischen Angelegenheiten beteiligte er sich wenig, doch ergriff er manchmal das Wort Mer jüdisch-literarische Dinge, so daß diese Zeitung und die früher von mir herausgegebene „Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland" manchen schätzenswerten Beitrag auszuweifen hatten. Der Gedanke eines Uebertritts kam chm, dem Treuen, nicht. Denn Treue war ein Grundzug seines Wesens. Ich habe den trefflichen Mann, seitdem er in Berlin lebte, oft gesehen und gesprochen, hauptsächlich in gelehrten Vereinigungen, aber ihn auch manchmal in seinem bescheidenen Heim ausgesucht. Ich habe mich gern an seinen belehrenden Gesprächen erfteut; man ging nie von chm, ohne etwas gelernt zu haben, und erquickte sich immer an der Gediegenheit seines Charakters und an der Lauterkeit seines Wesens. Sir Wirmr Juden. 1700 bis 1900. Bigmünd May er, der ehemalige Großkausmann und Gemeinderat der Stadt Wien, ist ein Mann, dem wir stets mit großem Vergnügen auf dem Büchermarkt begegnen. Prof. Dr. Daniel Jacoby. 8MK

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