Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 6 (8.2.1918)
- Date
- 1918-02-08
- Page
- Seite 64 (sequence 4)
- Language
- German
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64 Regierungen zu <den englischen Plänen, Mitteilungen über Unterstützung 'der palästinensischen Bevölkerung mit Getreide, Notizen Wer den Jubel der Zionisten aller Länder zu verbreiten. Aus den von ihm verbreiteten Meldungen erscheint die folgende tatsächlich als die wichtigste: Die Wahlen zum jüdischen Kongreß in Rußland haben am 29. Januar begonnen. Eine kräftige Wahlagitation entwickeln die Zionisten. Die zionistischen Organisationen richteten ein Manifest an die Juden Rußlands, in welchem es u. a. heißt: Auf dem Kongreß werden die Zionisten folgende Grundsätze verteidigen: 1. Das ruffische Judentum ist nur ein Teil der allweltlichen jüdischen Nation. 2. Das jüdische Problem wird endgültig durch die Schaffung eines jüdischen staatlichen Zentrums gelöst werden, das in Palästina errichtet werden muß. 3. In den Ländern jüdischer Maffensiedlung verwirklicht das Judentum seine Rechte und befriedigt seine nationalen Bedürfniffe durch die Vereinigung in einer autonomen und nationalen Organisation. Die zionistischen Delegierten werden beantragen, daß der Kongreß sich auf folgende Plattform in der zionistischen Frage festlege: 1. Der allrußländische jüdische Kongreß deklariert im Namen des Judentums der russischen Republik die Forderung auf Schaffung eines nationalen Heimes für das jüdische Volk in Palästina, das durch das internationale Recht anerkannt werden muß. 2. Der allrussische jüdische Kongreß beschließt, daß zu den , Aufgaben der Organe der nationalen Selbstverwaltung die Mitwirkung zur Schaffung eines nationalen Heimes für das jüdische Volk in Palästina gehören muß. Zur Charakterisierung des Bureaus' glauben wir folgende Mitteilung der „Frankfurter Zeitung" -bringen zu müssen: Das „Jüdische Korrespondenzbureau". In einer uns aus dem Haag zugegangenen Mitteilung war kürzlich die Ansicht ausgesprochen, das -dort tätige Jüdische Korrespondenzbureau siebe in Englands Diensten. Das Bureau legt gegen diese Behauptung Verwahrung ein, wovon wir hierdurch unseren Lesern Kenntnis geben. Unser Haager Korrespondent teilt uns mit, daß sich für direkte Abhängigkeit des Bureaus von englischen Einflüssen in der Tat gegenwärtig wohl kein Beweis führen lasse. Wir halten jedoch für unsere Pflicht, in diesem Zusammenhang das Urteil wiederzugeben, das in einer offiziellen Erklärung der Vorstand des niederländischen zionistischen Bundes über den Inhaber jenes Bureaus gegeben hat. Da h^rßt es: „Jakob Landau, der als Deserteur Oesterreich verlassen hat, ist nicht der Mann, der die politische Aktion unserer Bewegung führen oder öffentlich besprechen darf. Sicherlich nicht, wenn der Inhalt seiner Veröffentlichungen den Eindruck hervorruft, die Zionisten in der Richtung einer Stimmungsmache für die englische Regierung beeinflussen zu wollen. Die zionistische Bewegung, ist ihrer Art nach neutral." * In Preußen beginnt nun die Frage über die Vertretung der Juden im Herrenhause lebhaft ventiliert zu werden. Im Ausschuß des preußischen Abgeordnetenhauses -wurde die Sache beraten: Ein Fortschrittler tritt dafür ein, daß die jüdischen Religionsgemeinschaften eine Vertretung im Herrenhause erhalten. Es würde als Zurücksetzung betrachtet werden, daß man die Juden auf das königliche Vertrauen verweisen wolle. Zwar habe sich die freie Vereinigung des orthodoxen Judentums dafür ausgesprochen, aber sie vertrete nur einen kleinen Teil der Juden. In Elsaß-Lothringen und einigen süddeutschen Staaten bestehe bereits eine Organisation des Judentums, die auch für Preußen kommen werde und der man die Präsentationen übertragen könne. Minister Dr. Drews erklärt die Bereitwilligkeit der Regierung, Vertreter der Juden zur Berufung durch den König vorzuschlagen. So gut wie die 450 000 Juden könnten auch die Altlutheraner und Altkatholiken ein Präsentationsrecht verlangen. Ein Freikonservativer erklärte, daß seine Partei bereit sei, dem Judentum zwei Vertreter einzuräumen, doch müsse es bei dem königlichen Berufungsrecht bleiben. Sämtliche Anträge werden einem Unterausschuß überwiesen. In dieser Angelegenheit sendet uns der Verband der Deutschen Juden folgende Aeuherung: Der Verband der Deutschen Juden hat in einer ausführlich begründeten Eingabe an das Abgeordnetenhaus dringend beantragt, daß die Berufung von Vertretern des Judentums in das neuzugestaltende preußische Herrenhaus gesetzlich gesichert werde. In der Eingabe ist betont, daß bei der Wichtigkeit des Judentums als religiöser Quelle es eine nicht gerechtfertigte Zurücksetzung bedeuten würde, wenn neben Vertretern der evangelischen und katholischen Kirche das Judentum, nicht berücksichtigt würde. Die Wünsche des Verbandes der Deutschen Juden sind in der Kommiffionsberatung von einem Mitglieds der Fortschrittlichen Volkspartei nachdrücklich vertreten worden. Es wurde von allen Seiten anerkannt, das es durchaus am Platze sei, daß auch das Judentum im Herrenhaus vertreten sei. Ueber die Art der Berücksichtigung dieses Wunsches gingen die Ansichten auseinander. Der Minister des Innern erklärte, daß die Regierung beabsichtige, durch Berufung aus königlichem Vertrauen für eine Vertretung des Judentums Sorge zu tragen. Ein Präsentationsrecht hielt er nicht für durchführbar, während von anderer Seite dies als wohl möglich erklärt wurde. * Ueber russische Verhältnisse entnehmen wir dem „Berliner Börsen-Kurier" die folgenden Notizen: Pogrome in Beßarabien. Wien, 28. Januar. Vor zwei Wochen fanden in Sucharan, Jednize, Belz und Edingo sowie anderen Kleinstädten Mittel- und Südbeßarabiens große Pogrome statt, die von der dortigen rumänischen Bevölkerung veranstaltet wurden. Größere Banden, die vielfach Soldatenuniformen angelegt hatten, haben am hellichten Tage die Judenviertel überfallen und völlig ausgeraubt. In einigen Fällen wurden Huden getötet, in den meisten Fällen aber schwer mißhandelt. In Sucharan selbst soll es 25 Tote gegeben haben. Infolge der vollkommen ungenügenden Sicherhertsverhältnisse haben die Juden in diesen Städten eigene Milizen gebildet, die erfolgreich den plündernden Banden entgegentraten. Das erste jüdische Regiment. Stockholm, 29. Januar. (T. U.) Mit der Genehmigung Lenins und Trotzkis sowie des an die' Front abgereisten Generalissimus Krhlenko hat sich in Petersburg aus den dort stationierten jüdischen Soldaten ein besonderes jüdisches Regiment gebildet. Das Regiment wird als neutrales Regiment anerkannt und begünstigt. * Wir schließen mit nachstehender Meldung der „Frankfurter Zeitung": Ukrainische Banknoten. Anfang Januar wurden in Kiew, wie schon kurz gemeldet, die ersten ukrainischen Banknoten ausgegeben-; zunächst sind Hundertrubelnoten in Umlauf gesetzt, später sollen Einrubelscheine folgen. Der russische Rubel wird dem Nominalwerte nach -beibehalten, heißt aber Karbowanez. Die Noten werden in russischen Blättern folgendermaßen beschrieben: Auf weißem, stark satiniertem Papier im Format von 171 auf 105 Millimeter ist der Text in brauner Farbe aufgedruckt. Oben steht in einem Halbkreis „Ukrainische Volksrepublik", darunter in sieben Zeilen in einem Achteck: „Staatskreditbillett Hundert Karbowanez." Ein Karbowanez entspricht 17 424 Lot reinem Golde. Die Ornamente, die der Maler Parbut entworfen hat, sind im ukrainischen Barockstiel gehalten. Die alten Wappen von Wladimir und Kiew bilden den Hauptschmuck. Der Text ist aus der Vorderseite in ukrainischer Sprache; auf der Rückseite ist er aus russisch, polnisch und jiddisch wiederholt. Die ukrainischen Noten dürften wohl die ersten papierenen Geldzeichen sein, aus denen hebräische Lettern erscheinen. Auf der Rückseite steht der Vermerk, daß die Noten durch den Nationalreichtum der Volksrepublik gedeckt sind, insbesondere durch Bergwerke, Wälder und Forsten, sowie durch die Staatseinkünfte, worunter das Zuckermonopol ausdrücklich erwähnt wird.