Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 5 (1.2.1918)
- Date
- 1918-02-01
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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1. Louis Philippson, Ritter des- Eisernen Kreuzes und.des Georgenordens; 2. Wolf Vietenshoff; 3. Lippman Rosenbaum. Am 29. Dezember 1839, nach dem Tode des oben erwähnten L. Philippson, wurde, gemäß einem vom Bürgermeister der Stabt Magdeburg ausgesprochenen Wunsche, „die KriegsdenkmüNiAe des Verstorbenen in kirchliche Aufbewahrung zu bringen", eine Tafel während des Gottesdienstes an der dem Eingänge -gegenüber befindlichen Wand aufgehängt. Der-damalige Magdeburger Rabbiner, Dr. Ludwig Philippson, knüpfte vor der versammelten Gemeinde hieran die Mahnung, „insgesamt in -allen Bürgerpflichten, menschlichen und göttlichen Gesetzen gemäß, eifrigst zu streben". — Elberfeld, 25. Januar. Frau Max Goldberg begründete hier einen jüdischen Kinderhort und unterhält das Heim aus eigenen Mitteln. Sie widmet sich täglich den Kindern, bewirtet diese und erzieht sie zu brauchbaren Menschen. Gegenwärtig sind etwa vierzig Kinder im Hort. Die Stadl Elberfeld erkennt die segensreichen Bestrebungen der Frau Goldberg an und gewährte derselben Karten für Milch, welche den Kindern täglich verabreicht wird, sowie Brotkarten und zu Chanukka auch Mehl, welches es Frau Goldberg, ermöglichte, m diesem Feste Kuchen zu backen. Kürzlich wur.de im Hort eine stimmungsvolle Jahresfeier, verbunden mit einer Ausstellung von Handarbeiten der Zöglinge, die vielen Beifall und zahlreiche Kauflustige fanden, veranstaltet. 8. E. Worms, 25. Januar. Die Feier zu Ehren des 70. Geburtstages Samson R o th schi l d s legte Zeugnis ab von dem hohen Ansehen und der allgemeinen Beliebtheit des Jubilars. An seinem Ehrentage wurde er morgens in der Schule von seinen Schülerinnen, oberste Mädchenklasse, durch eine herzinnige Feier erfreut. Wie leuchteten die Augen der Mädchen, als sie ihren allverehrten Lehrer, der in geistiger Frische und körperlicher Rüstigkeit vor ihnen stand, begrüßen durften. Der Oberlehrer der Schule übergab ihm ein Schreiben, in welchem alle Hauptlehrer der sämtlichen Sckulgruvpen herzlich gratulierten: ebenso der Bezirkslehrerverein, dem Herr Rothschild stets ein rühriges, tätiges Mitglied war. Hm 11 Uhr begrüßte Herr Hofrat L evv im Namen des Vorstandes ihn mit prächtiger Rede und überreichte eine Ehrengabe, Herr Berliner im Namen des Synagogenchorvereins, Herr G u t m a n n im Namen der Dalberg- Loge, Herr Landtagsabgeordneter Geheimer Rat Stephan im Namen der Musikgesellschast Liedertafel, Oberlehrer Dr. Heid im Namen der höheren Mädchenschule, deren Direktor im Felde steht. Herr Rothschild. sichtlich gerührt, dankte jedem einzelnen in gewandter und liebenswürdiger Weise. Das Haus glich einem Blumengarten: die ganze jüdische Gemeinde nahm herzlichen Anteil und erfreute den Jubilar durch prächtige Geschenke. Auch die Stadt gratulierte durch. ihren Oberbür aermeister herzlich, ebenso die evangelische und katholische Geistlichkeit, viele Bürger und Schüler nsw. ' Don fern und nab liefen unzählige Beglückwünschungen von Kollegen, Rabbinern. Gelehrten und früheren Schülerinnen ein. Möge es Herrn Rothschild noch recht lange vergönnt sein, zum Segen der Gemeinde und der Schule zu wirken. g/3> Stuttgart, 25. Januar. Dem Herrn Qberkirchenrat Dr. K r o n e r hier war es vergönnt, dieser Taae sein 50sähriaes Doktoriubiläum in körverlicher und geistiger Frische zu feiern. Aus diesem Anlaß wurde ihm von der philosophischen Fakultät der Universität Breslau sem Doktordivlom erneuert. In der Erneuerunasurkunde wird der Verdienste des Jubilars in seinen verschiedenen Stellungen als Rektor mehrerer Lehrerbildunasanstalten. als Rabbiner und als theologisches Mitglied der Kgl. Israelitischen Oberkirchenbehörde unseres Landes, sowie seiner erfolgreichen wissenschaftlichen Tätigkeit auf dem Gebiete der Philosophie, der Pädagogik und der Literatur, vor allem der vielfachen Förderung und Vertretung der Interessen des Judentums in warmen Worten gedacht. Möge es dem allerorten verehrten Greise vergönnt sein, zur Förderung der Wissenschaft und der Gesinnungsveredelung der Menschheit noch manches beizutragen. er. Slrastbura. 25. Januar. Seit 75 Jahren findet in der hiesigen Hauptsynagoge der Gottesdienst mit Orgelbegleitung statt. Die Einweihung der Orgel erfolgte bemerkenswerterweise nicht bei einem Gottesdienst, sondern bei einer Trauerfeier, die in der damals noch französischen Hauptstadt des Elsaß für den verstorbenen Herzog von Orleans veranstaltet wurde. Der Eindruck der Orgelklänge an der feierlichen Stätte scheint ein ganz gewaltiger gewesen zu sein. Ein Zeitungsbericht, der die interessante Trauerfeier eingehend beschreibt, hebt die tiefe Wirkung des Orgelspiels nachdrücklich hervor. Der Bericht, der ein Stück Theater in einer Synagoge schildert, mag als Kulturbild aus dem Leben der elsässischen Juden vor dreiviertel Jahrhundert hier Platz finden: „Bei der erhebenden Trauerfeier für den Herzog von Orleans ertönten im hiesigen Tempel zum erstenmal die harmonischen Töne einer Orgel, und dies hat wesentlich zur Erhöhung des Eindrucks beigetragen. In der Mitte hatte das Konsistorium einen reichen Katafalk aufrichten lassen, welcher während des ganzen Gottesdienstes von einer Ehrenwache umgeben war. Dieselbe, aus Kommando der Militärbehörde gestellt, war durch eine doppelte Reihe Soldaten verstärkt, an ihrer Spitze ein Tambour und befehligt von einem Offizier. Sowie die Thora aus dem Heiligtum genommen ward, erwiesen diese derselben die militärische Ehre, indem die Trommel gerührt und das Gewehr präsentiert ward. Der Großrabbiner sprach, den Wünschen Sr. Majestät gemäß, nur ein französisches Gebet für die Ruhe der Seele des Kronprinzen und die Bewahrung der kostbaren Tage des Königs und seiner ehrwürdigen Familie." Gesttrreich-AnMM. z. Brag, 25. Januar. Mit dem am 29. vorigen Monats im Alter von 84 Jahren verschiedenen Rabbiner Professor Sal. Knöpfelmacher ist der Senior der Prager israelitischen Religionslehrer dahinqegangen. Geboren im Jahre 1834, legte er nach Absolvierung der Rabbinatsschulen in Leipnik und Preßburg die Gymnasialstudien und das philologische Triennium in Prag zurück. Nachdem er an Privatanstalten unterrichtet hatte, war er Rabbiner in Laun und wurde später wieder nach Prag berufen, wo er am Kleinseitner. Graben- und Altstädter Deutschen Gymnasium sowie an der Zweiten Deutschen Realschule und der Lehrerbildungsanstalt wirkte. Eine Zeitlang bekleidete er die Würde des Oberrabbinerstellvertreters. Professor Knöpfelmacher war eine der ehrwürdigsten Erscheinungen der Präger jüdischen Seelsorge. Gleich ausgezeichnet durch tiefes Wissen wie durch lauteren Charakter und Würde seines Wesens, bat er als vorbildlicher Lehrer bei vielen Generationen von Schülern ein dauerndes, ehrendes Andenken hinterlassen. Die hohe Achtuna, die er auch über den Kreis seiner näheren Bekannten hinaus genoß, gab sich auch darin kund, daß ihn der Verband der israelitischen Religionslebrer an den Mittelschulen zu seinem Ehrenpräsidenten, der Verein „Mike Jehuda" zu seinem Ehrenobmann und der Israelitische Fortbildungsverein zu seinem Obmann wählte. Professor K n ö p f e l - macher, der bis ins höchste Greisenalter dem Lehrberufe oblag, erfreute sich noch in der letzten Zeit vollkommen geistiger und körperlicher Frische. Montag, den 31. Dezember 1917, fand unter imposanter Beteiligung und Anwesenheit sämtlicher Rabbiner Prags und der Vororte das Leichenbegängnis vom israelitischen Badbofe aus statt. Im Badhofe sprach ergreifende Worte der Trauer der Prediger der Tempelgemeinde Professor Dr. Em. S ch w.a r tz , auf dem Friedhofe sprachen die Rabbiner Professor Dr. I. Hirsch, Professor Dr. A. Deutsch, Professor. Dr. Hugo Lieben und der Sohn des Verblichenen, Rabbiner Friedrich Knöpfelmacher. Unter den vielen Trauergästen sah man n. a. den Präsidenten der Prager Israelitischen Kultusgemeinde, Oöerfinanzrat Dr. Koserak, Hofrat Dr. U n g e r , viele Advokaten. Aerzte, ehemalige Schüler, Professoren der Mittelschulen mit Landesschulinspektor Regierungsrat Dr. Strach usw. Das Andenken dieses ebenso frommen wie toleranten Rabbiners wird in unserer Gemeinde in Ehren fortleben. Von Mh und ssern. — Der Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde ehrte das Gedächtnis des großen Klinikers Ludwig Traube in seiner letzten Sitzung durch eine Ansprache, in welcher Gemeindeältester Geheimer Sanitätsrat Dr. Julius Stern die Bedeutung Traubes für die medizinische Wissenschaft und die besonderen- Verdienste hervorhob, die Traube sich als Leiter der Inneren Abteilung des Jüdischen Gemeindekrankenhauses um diese Anstalt erworben hat. An diesen Festakt schloß sich eine lange Dauersitzung. — Der Z e n t r a l v e r e i n d euts ch e r SI aats b ü r g e r j ü d i s ch e n Glaubens, der im Februar dieses Jahres auf eine 25jährige Wirksamkeit zurückblicken kann, veranstaltet am 2. März d. I. im großen Saale der Philharmonie die Feier seines 25jährigen Bestehens. Die Veranstaltung wird durch einen Prolog eingeleitet, dem eine Ansprache des ersten Vorsitzenden des Vereins, Geheimen