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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-02-01 · Heft 5 (1.2.1918) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 5 (1.2.1918)
Date
1918-02-01
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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82. Jahrgang Nr. S Der Gemeindeüote. Berlin, I. Februar 1918 ^Beilage zur „Allgemeinen Leitung deK Judentums". Sorrrlponvm?rn und Mschrichtm. SkutschlanL. LZ Berlin, 29. Januar. Die Fürsorgekommission der jüdischen Gemeinde kann wieder aus ein arbeitsreiches Kriegsjahr zurückblicken. Die ungünstigen Nebenwirkungen, die der Krieg auf die Jugendlichen, je länger, desto fühlbarer, hervorbringt, kommen i.n der Arbeit der Kommission deutlich zum Ausdruck. Die Fürsorge des Kollegiums erstreckt sich satzungsgemäß aus entlassene jüdische Straf- und Untersuchungsgesangene, auf die Familien dieser Personen sowie auf verwahrloste und aus der Zwangserziehung entlassene jugendliche Personen. Im letzten Geschäftsjahr wurden insgesamt 348 Fälle behandelt, von denen 245 Jugendliche betreffen, während in 103 Fällen Straf- und Untersuchungsgesangene bzw. deren Familien der Obhut der Kommission unterstanden. Unter den Strafgefangenen befanden sich nur drei Frauen; bei den Männern waren die verschiedenen kaufmännischen Berufszweige mit 53 Köpfen am stärksten vertreten. 87 Personen besaßen die deutsche Reichsangehörigkeit, 36 waren verheiratet, 67 ledig. In 16 Fällen wurden Familien unterstützt. Die Beihilfen bestanden in Geld und Naturalien; auch gelang es in vielen Fällen, den Frauen der Inhaftierten Arbeitsgelegenheit zu vermitteln, wobei der von den Logen begründete Verein für Arbeitsnachweis die Fürsorgekommisston in ihren Bestrebungen wirksam unterstützte. In 63 Fällen mußte die Kommission sich der schütz- und aussichtsbedürftigen Jugend annehmen bzw. tür sittliche Gefährdete und Verwahrloste einschreiten. In 32 Fällen wurde Fürsorgeerziehung beantragt; die Zöglinge wurden in den beiden Anstalten des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes, zum Teil auch in Familien untergebracht. 14 Gefährdete wurden in Familienpflege und Lehrstellen gegeben. Auch mit 68 noch nicht bestraften Jugendlichen beschäftigte sich die Kommission. Von diesen sind 57 noch schulpflichtigen Alters, 11 Knaben sind in Lehrstellen untergebracht; 66 Pfleglinge der Kommission befinden sich im Heeresdienste. Mit der Deutschen Zentrale für Jugendfürsorge unterhält die Kommission eine sehr lebhafte Verbindung. Von der Abteilung für Jugendgerichtshilse wurden im vergangenen Jahre 114 jüdische Fälle zur Behandlung übergeben. Gegenwärtig bemüht sich die Fürsorgekommission, gemeinsam mit den anderen der Jugendpflege gewidmeten Gemeindeanstalten neue Einrichtungen zum Schutze von Jugendlichen zu schaffen. Die Erziehung der gefährdeten Jugendlichen zu brauchbaren Mitgliedern unserer Gemeinschaft gehört zu den wichtigsten Aufgaben der jüdischen Großstadtgemeinden nach dem Kriege. & Berlin, 29. Januar. Die Waisenkommission der jüdischen Gemeinde ist die Fürsorgestelle für alle elternlosen jüdischen Kinder in Berlin, die in keinem Waisenhause Aufnahme gefunden haben, sondern in Familien untergebracht sinv, bzw. die als Halbwaisen bei ihren Müttern belassen wurden. Die Tätigkeit der Waisenkommission erstreckt sich sowohl auf die Verausgabung der ' für die Waisenpflege von den Gemeindebehörden bewilligten Mittel, wie vor allem auf die pflegerische Behandlung der einzelnen Fälle. Jedes Kind untersteht der Obhut eines Kurators und einer der Ehrendamen der Waisenkommission. Fünfzehn Herren und sieben Damen bilden die Kommission, die im letzten Jahre 664 Schützlinge zählte gegen 596 im Vorjahre. Von den 143 Vollwaisen, die sich in dieser Zahl befinden, waren 115 in Privatpflegestellen untergebracht, die in sechzig Fällen je ein Kind, im übrigen zwei bis sechs Kinder zu versorgen hatten. In Anstaltspflege befanden sich 28 Schützlinge, von denen acht im jüdischen Säuglingsheim in Niederschönhausen, zehn in auswärtigen Anstalten, der Rest in Lehrerhäusern oder in anderen geeigneten Familien auf dem Lande untergebracht worden waren. In der Pflege ihrer Mütter befanden sich 521 Halbwaisen (im Vorjahre 480). Die Unterhaltungskosten für die in (fremden) Pslegestellen befindlichen Kinder stellten sich pro Kopf und Monat auf 19,40 Mark gegen 18 Mark irm Vorjahre. Von den Unkosten der Waisenkommission, die sich für die in offener Waisenpslege befindlichen Kinder aus .115129 Mark beliefen, wurden 893 Mark durch Pflegegeldbeiträge der Stadt Berlin, der Rest aus Gemeindenütteln oder Stiftungszinsen usw. gedeckt. Der Krieg hat der Waisenkommission einen gewaltigen Zuwachs von Aufgaben gebracht, die Sorge für die Kinder der für das Vaterland gefallenen Krieger bildet eine Ehrenpflicht für die jüdische Gemeinde. 22 Berlin, 29. Januar. Der Zentralverein für die Interessen der jüdischen Gemeinde zu Berlin hat bei der Repräsentantenversammlung der jüdischen Gemeinde folgenden Antrag eingebracht: „Die verehrliche Repräsentantenversammlung der jüdischen Gemeinde zu Berlin bitten wir ganz ergebenst, bei dem Vorstand der Gemeinde den dringenden Antrag zu stellen, daß er unverzüglich alle erforderlichen Maßnahmen trifft, damit bereits bei. der nächsten Wahl oder Ersatzwahl zur Repräsentantenversammlung nach dem Verhäl'tmiswahlsystem gewählt wird. Die Erfüllung dieser Forderung der Gerechtigkeit, für die alle Richtungen der Gemeinde eintreten, darf nicht mehr verzögert werden. Auch die Repräsentantenversammlung wird die Wiederholung des offenkundigen Unrechts nicht wollen, daß tausende Wähler, wenn ihnen auch nur wenige Stimmen an der Mehrheit fehlen, ganz unvertreten bleiben. Mit der Einführung des Verhältniswahlsystems, bei dem alle Parteien entsprechend ihrer Stimmenzahl Vertreter in die Repräsentantenversammlung entsenden können, wird der innere Frieden in der Gemeinde gefördert werden. Die erbitterten, den Ruf der Gemeinde schädigenden Wahlkämpfe werden sich nicht wiederholen, wenn keine Partei mehr zu befürchten hat. daß ein ihr ungünstiges Wahlergebnis ihren völligen Ausschluß aus der Repräsentantenversammlung zur Folge haben kann. Die bisher aus den Zeitverhältnissen hergeleiteten Bedenken gegen die Aenderung der Wahlordnung können nicht mehr ausschlaggebend sein, nachdem die preußische Regierung den Gesetzentwurf für ein neues Wahlrecht eingebracht hat." 22' Berlin, 29. Januar. Die vom Ausschuß für jüdische Kulturarbeit für das von ihm veranstaltete Preisausschreiben für Jugenderzählungen eingesetzten Preisrichter, Dr. Max Brod, Dr. Martin B u b e r und Oberlehrer Moses C a l v a r y, haben nach Prüfung des Einlaufs beschlossen, von der Verleihung eines ersten Preises abzusehen, dagegen den Erzählungen „Der Lichtsieder undsein Gast" (Kennwort: Elijahu) und „Jerusalem" (Kennwort: Erez Israel) je einen zweiten Preis im Betrage von 200 Mark und der Erzählung „Elisar und Jonadab" (Kennwort: wie Titel) einen dritten Preis im Betrage von 100 Mark zuzuerkennen. Bei Eröffnung der Umschläge ergaben sich die nachstehenden Verfassernamen: „Der Lichtsieder und sein Gast": C. Z. Klötzel; „Jerusalem": Helene Hanna Cohn; „Elisar und Jonadab": Dr. H. Glanz-So har. E. M. Berlin. Die Beerdigung des Stadtverordneten S i e g m u n d S a I i n,g e r, über dessen Hinscheiden ttm in der vorigen Nummer berichteten, erfolgte unter großer Beteiligung aus dem Friedhofe in Weißensoe. In der großen Trauerversammlung bemerkte man die Vertreter der . städtischen Behörden von Berlin - Schöneberg, Abordnungen des Roten Kreuzes von Berlin, den Kommandeur der Roten-Kreuz-Kolonnen Berlin-Schöneberg, Oberst W y b e r g, und zahlreiche bekannte Persönlichkeiten. Ein Gesang des Weinbaumschen Synagogenchores ging der Grabrede voran, in welcher Rabbiner Dr. W arschauer das soziale Wirten des Heimgegangenen hervorhob. Seine Arbeit auf dem Gebiete der Wohlfahrtspflege kam auch dem Judentum zugute, für dessen Recht und Ansehen er stets einzutreten bereit war. Nach einem Schlußliede des Chores wurde der Verstorbene an der Seite der ihm im. Tode vorangegangenen Gattin beigesetzt. E. M. Berlin, 29. Januar. Der. älteste und bekannteste deutsche Gerichtsberichterstatter, Hugo Friedländer, wurde jüngst auf dem Friedhofe der jüdischen Gemeinde in Weißensee zur letzten Ruhe geleitet. Ein kleines Trauergefolge, darunter mehrere Vertreter deutscher Zeitungen, erwies 'dem Verewigten die letzte Ehre. Für die engeren Kreise der Berus sgenossen legte K r i egsbe richtersta tter Paul Sch weder einen Lorbeerkranz am Grabe nieder. — Friedländer hatte sich durch seine unparteiischen und flott geschriebenen Berichte einen geachteten Namen erworben. Als Berichterstatter beim Tan teuer Mordprozeß war sein Name vor 25 Jahren der großen jüdischen

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