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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-02-01 · Heft 5 (1.2.1918) · p. Seite 59

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 5 (1.2.1918)
Date
1918-02-01
Page
Seite 59 (sequence 11)
Language
German
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59 Stoffgebiete beilegt — er unterscheidet äußere Geschichte nebst Kulturgeschichte, Religionsgeschichte, Literaturgeschichte— kann ich vor allem in den praktischen Konsequenzen dieser Sonderung nicht beilegen. Er spricht von einer „anhangsweisen Behandlung" der letztgenannten Gebiete in Religions¬ und Volksschulen (also jedenfalls in jüdischen!), und zwar der „Religionsgeschichte im Anhang an die Religionslehre, wo sie ganz natürlich hingehört, der Literaturgeschichte im Anhang zu der äußeren Geschichte". (S. 110.) Wenn Gottschalk auch den Stofsrecht beschränkt, so wollen wir diesen Fächern nichts anhängen, was ihnen nicht zukommt. Mit den erstrebten einheitlichen Stoffgebieten, die er unter verschiedene Fächer verteilt, bewirkt Gottschalk nur Zersplitterung. Seltsam ist auch die Auswahl in der „Literaturgeschichte". Hier will er „von Jehuda halewi, Gabirol und aus der neuen Zeit vielleicht von Frankl, Loewenberg und Rosenfeld handeln". Von Frankl darf man doch wohl absehen; von Jakob Loewenberg finden sich fast in allen deutschen Lesebüchern Gedichte — wir betrachten sie in der deutschen Stunde; in jüdischen Schulen können wir im deutschen Unterricht auch solche Gedichte besprechen, die jüdische Stoffe behandeln — Rosenfeld mit seinem charakteristischen Lebensgeschick mag man den Gettodichtern in der jüdischen Geschichtsstunde zugesellen. Die Abwechslung in den Stoffen kann hier nur nützlich sein- Gerade das Leben von Männern wie Jehuda halewi und Gabirol gewährt den Kindern die besten Einblicke in die jüdische Geschichte. Von ihren übersetzten Dichtungen können wir den Kindern doch nur verhältnismäßig wenig nahebringen. Es ist schon recht, wenn Gottschälk die deutsch-jüdische Geschichte in einer lebensvollen Darstellung zu ihrem Rechte kommen lassen will. Wenn er dann aber für die Behandlung der Geschichte der Juden in andern Ländern die Forderung stellt: „Kein Land ist dabei zu übergehen; wir haben die Pflicht, schon in der Schule das Solidaritätsbewußtsein der Kinder zu stärken", so verfällt er in den Fehler, den er selbst so energisch rügt, indem er eine aus pädagogischen Gründen hier höchst unangebrachte Lückenlosigkeit des Stoffes erstrebt. Aus den 25 Seiten, die dem Religionsunterricht auf höheren Schulen gewidmet sind, findet man sehr wenig rein methodische Darlegungen. Den Hauptraum nehmen Stosfverteilungspläne ein, die um so weniger Wert haben, als die Verschiedenartigkeit der Unterrichtsmöglichkeiten auf diesen Schulen einer Normalisierung, besonders unter den heutigen Verhältnissen widerstrebt. Eine Disposition zur Erläuterung des Messiasbegrifses, die der „Veranschaulichung des Verfahrens" dienen soll, häuft in Ueberschristenmanier allerhand Materialandeutungen und steht recht vereinsamt an ihrem Platze. Das Buch ist vom Verlage vortrefflich ausgestattet. Der Autor hätte aber genauer Korrektur lesen müssen. , Druckfehler, auch in Namen, fallen unangenehm aus. Auch die sprachliche Form läßt zuweilen die letzte Feile vermissen. „Beides ist fälsch und kann nur der behaupten..." (Seite47.) „Sowie man auf eine geeignete Stelle stößt, läßt man sie singen." (Seite 60.) „Der Gesang aber ist ein ausgezeichnetes Mittel, die Trockenheit zu vertreiben " (Seite 60.) „Wir treten nun auf einen Boden, der zwar auch noch mit Wundern und Legenden, im wesentlichen aber mit feststehenden geschichtlichen Tatsachen angefüllt ist." (Seite 65.) „Weder hier wie dort." (Seite 75.) „Bedeutung der hier aufzuziehenden Gesellschastsschichten." (Seite 158.) Diese Beispielsammlung ist leider nicht vollständig. Ich möchte jedoch mit diesen Ausstellungen nicht den guten Gesamteindruck, den das Buch macht, verwischen. Es wäre sehr erfreulich, wenn der Verfasser nach vielfach gewonnenen Erfahrungen und eingehenden Studien dieses Werk in einer verbesserten und vermehrten Form als eine Methodik des jüdischen Religionsunterrichts in nicht zu ferner Zeit herausgeben könnte. Aber auch inder vorliegenden Gestalt kann das Buch.Gutes stiftentkif. DrrWegvksjungklltzkrmgml Lahn. Von Clementine Krämer (München). ^^^er Großvater stand auf und begann: Heisa, juchheia! Dudeldumdei! Das geht ja hoch her. Bin auch dabei! Und so fort, mit Auslassung der lateinischen Sätze, bis dahin: Wie die Glieder so auch das Haupt! Weiß doch niemand, an wen der glaubt! Der alte Mann ihm gegenüber war — wie der Großvater zu deklamieren angefangen hatte — erschrocken aufgefahren aus einem kleinen Schläfchen. Und nun llatschten alle und viele schüttelten dem Großvater die Hand. Er ließ es sich aber an diesen Beifallsbezeugungen noch nicht genug sein und ging bald — noch einmal sein Lob aus aller Munde zu hören — um den Tisch herum. Wobei er jedem ein Prieschen anbot aus seiner silbernen Schnupftabaksdose. Als er bei Frau Hannah, der Schwiegertochter, vorbeikam, sagte sie: „Schön, Großvater, bloß haben Sie wieder gesagt: ,D.er Rheinstrom ist worden zu einem.Weinstrom', es heißt aber doch: .Peinstrom'." Der Großvater behauptete nun zum Hundertsten Male, daß es in seinem Buch so, gerade so und nicht anders dringestanden habe. Was die Schwiegertochter eifrig bestritt, indem sie ihn neckte, ob der Schiller vielleicht für ihn extra eine Kapuzinerpredigt gemacht habe. Sie war aus dem Württembergischen daheim und hatte auf diese Weise — wie sie meinte — ein besonderes Verhältnis zu ihrem großen Landsmann. Was wußten die viel von ihm! Die im Badischen! Der Großvater spazierte indes bald weiter die Tafel entlang nach Anerkennung für seine „Deklamation". Dennoch ging er, als er beim Kindertisch angekommen war, dort nicht vorüber, obgleich hier keine Lorbeeren zu erwarten waren, sondern er bot auch den Kleinen zum Spaß ein Prieschen an und machte seine Witze mit ihnen. Denn das Witzemachen war nun einmal die Stärke der Kahns. Oder auch ihre Schwäche — wie man will. Auf keinen Fall konnten sie es lassen. Und wenn ihnen ein gutes Wort einfiel, „war ihnen nichts mehr heilig", wie Frau Hanna meinte. Und ihre „Possen" kolportierte man weit in der Umgegend. Im Oberland und im Unterland und sogar bis drüben im Elsässischen. Zum Beispiel dies, daß der alte Isaak Kahn gesagt habe, wenn er einmal stürbe, solle man ihn unter die Kinder „vergraben", damit er es ihnen wegnehmen könnte, wenn sie etwas Gutes zu essen bekämen. Oder: als der vorletzte von den zwölf Brüdern starb — d. h. zwei davon waren in jungen Jahren nach Amerika ausgewandert und zählten nicht mit — also da sagte der letzte: es sei nicht schön von ihnen, ihn so allein zu lassen und er wolle nur sehen, wer ihm einmal zur Beerdigung ginge. Denn sie schlossen das Sterben durchaus nicht aus von ihren Mtzen, im Gegenteil, sie zogen es auf diese Weise mit hinein in ihr Leben. Im Ernst aber sprachen sie niemals davon und hatten alle eine Heidenangst vor dem Tod.

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