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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-02-01 · Heft 5 (1.2.1918) · p. Seite 55

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 5 (1.2.1918)
Date
1918-02-01
Page
Seite 55 (sequence 7)
Language
German
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55 Abraham Berliner s. A. erzählte mir schon vor vielen Jahren so manches über die geheime Wohltätigkeit des Jubilars und rühmte gleichfalls dessen ausgeprägten Familiensinn. Diesen bekundete der Jubilar auch durch seine Bemühung, zusammen mit seinem Vetter Rabbiner Dr. Bondi in Mainz aus Grund archivalischer Nachforschungen die Geschichte der Familie Hirsch hevauszugeben sowie durch die auf, Anregung Abraham Berliners erfolgte Veröffentlichung einer Handschrift, die im Hause eines seiner Urahnen, nämlich Gumprich ha-Levi in Göttingen, im Jahre 1721 geschrieben worden ist. Dieser 1914 im Verlag von Louis Lamm erschienenen Schrift, betitelt: „Religionsgespräch, gehalten am kurfürstlichen Hose zu Hannover 1704, nach einer hebräischen Handschrift herausgegeben und übersetzt von Professor Dr. A. Berliner auf Veranlassung von Aron Hirsch", schickte letzterer eine Vorbemerkung voran, die zum Schluß also lautet: „Zugleich möchte ich aber mit dieser Schrift einen besonderen Akt der Pietät verbinden, indem ich sie dem Andenken teuerer Angehörigen widme, welche mir auf meinem Lebenswege stets treu zur Seite standen." Die Widmung gilt dem Andenken seines „treuen" Onkels Kommerzienrat Benjamin Hirsch, gestorben am 11. Mai 1911, und seines „geliebten" Bruders Gabriel Hirsch, gestorben am 6. Februar 1913. — Sein ausgeprägter Familiensinn, eine der schönsten Eigenschaften, die die meisten Glieder des jüdischen Stammes von jeher auszeichnet, ist auch ein treuer Spiegel seiner Stellung zum Judentum, dessen geistige Ideale und sittliche Errungenschaften er als ein unantastbares Gut betrachtet, das der denkende Jude, um es zu besitzen und weiter vererben zu können, immer von neuem zu erwerben strebt. Er verfolgt mit großem Interesse alle Strömungen und Vorgänge innerhalb unserer Glaubensgemeinschaft, unterstützt und fördert deren Wohlfahrtseinrichtungen und nimmt ebenso regen Anteil an allen Bestrebungen — er gehört u. a. auch dem Vorstand des Verbandes der Vereine für jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland an —, die zur Hebung des Judentums nach außen und seiner Vertiefung im Innern dienen. Sein Jnteresie für jüdische Angelegenheiten veranlaßte ihn auch, obgleich er erst nur kurze Zeit in Berlin ansässig war, die im Jahre 1901 auf ihn getroffene Wahl als Mitglied der Repräsentantenversammlung der Berliner jüdischen Gemeinde anzunehmen und so seine Intelligenz und Tatkraft in den Dienst der Gesamtheit zu stellen. Er wurde zugleich in den Vorstand der Alten Synagoge, dann in verschiedene Kommissionen, darunter die Festgottesdienst-, Friedhofs-, Rabbinerwahlkommission, sowie in den Schul- und Talmud-Thora- Vorstand gewählt, vereinigte auf sich die Stimmen des Kollegiums bei seiner vor einigen Jahren erfolgten Wahl zum zweiten Vorsitzenden der Repräsentantenversammlung, brachte stets, da er einen nur sehr gemäßigt konservativen Standpunkt vertrat, auch den Forderungen der Liberalen Sinn und Verständnis entgegen und wirkte so sriedensfördernd zum Wohle der Gemeinde, bis er Mitte vorigen Jahres aus parteipolitischen Gründen, aus die wir hier nicht näher eingehen möchten, alle seine Aemter niederlegte und zum großen Bedauern auch seiner liberalen Freunde zusammen mit seinen FraktionSgenossen aus der Repräsentantenversammlung ausschied. Indes tut dieser Schritt, mögen wir ihn noch so sehr bedauern, ja sogar mißbilligen, der persönlichen Würde und den großen Verdiensten dieses Mannes um die Allgemeinheit nicht den geringsten Abbruch. Wir schätzen und ehren ihn nach wie vor als großzügigen Menschen und einen dem Fortschritt huldigenden Juden, und zweifeln keinen Augenblick, daß sein Interesse für die Gemeinde in gleicher Weise wie das für das Judentum, dessen Gedeihen und Fortentwicklung ihm nicht minder als uns am Herzen liegt, fortdauern wird. Dafür birgt uns ebenso sein ganzer Lebenslauf wie auch seine Zugehörigkeit zu einer Familie, in deren Stammbaum mit unvergänglichen Lettern das Wort geschrieben steht: Die Krone der Vorfahren sind ihre Kindeskinder, und der Ruhm der Kinder ihre Eltern. Möge es dem Jubilar, dem Seniorchef des Hauses Aron Hirsch & Sohn und Begründer der 1906 ins Leben getretenen Firma: Hirsch, Kupfer- und Messingwerke Aktiengefellschast, die dazu bestimmt war, im Weltkriege 1914/1918 mit in vorderster Reihe zu stehen, um Deutschlands Wehrmacht zu Wasser und zu Lande mit den zur Kriegführung unerläßlichen Metallfabrikaten zu versehen, vergönnt sein, diesen Tag in geistiger und körperlicher Frische noch viele, viele Jahre und seinen nächsten Geburtstag schon unter den Segnungen eines ' für unser deutsches Vaterland ehrenvollen Friedens zu feiern! A. K. Lin nruer heine-CArr. Von Kurt Bürger (Berlin). ie Lorbeeren der großen Heine-Töter Adolf Bartels, Professor Werner (Gießen) und Generalsekretär Henningsen, von denen jeder einzelne schon den Dichter des Buches der Lieder mindestens zehnmal mausetot geschlagen hat — was ihm freilich bisher ganz gut bekommen ist — scheinen Herrn N. St. Chamberlain nicht schlafen zu lasten. Er hat bereits vor Jahren einmal (November 1906) ein, damals wie es scheint, gänzlich unbeachtet gebliebenes oder vielleicht auch gar nicht veröffentlichtes fogenanntes literarisches Gutachten über Heine abgegeben, in Form einer Antwort aus die Frage eines völkischen jungen Mannes, wie er sich, der den Dichter sehr hoch schätzte, zu seinem Judentum stellen soll. Dieses verstaubte Dokument hat Herr Chamberlain jetzt wieder ans Tageslicht gezogen Aron pirsch.

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