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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-02-01 · Heft 5 (1.2.1918) · p. Seite 54

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 5 (1.2.1918)
Date
1918-02-01
Page
Seite 54 (sequence 6)
Language
German
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54 italienische, amerikanische Juden keine Spur eines internationalen Zusammenhanges gezeigt in keiner Weise an. Auflösung des Geistes ihrer Nation, nämlich der, in der sie wohnen, gearbeitet, sondern sich nur als Engländer, Franzosen, Italiener, Amerikaner bekundet haben. Die deutschen Juden aber haben den Krieg nicht erst gebraucht, um sich als Deutsche zu fühlen und zu bewähren. Statt an der Auflösung des deutschen Geistes zu arbeiten, haben sie im Gegenteil seit' Mendelssohns Tagen an der Aufnahme dieses deutschen Geistes in ihre Mitte, an der Hebung, Stärkung und Verbreitung des deutschen Geistes geyrbeitet. Unter Schwierigkeiten und Bedrückungen, trotz aller Zurücksetzungen und Schmähungen, die ihnen auch den Eintritt in deutsches Geistesleben verwehren wollten oder ihre Beteiligung als Eindrängenwollen brandmarkten, haben sie den deutschen Geist, statt ihn aufzulösen, zu festigen gesucht, seine Herrlichkeit anerkannt, sich selbst mit Kraft und Begabung in seinen Dienst gestellt. Sie fühlen sich berechtigt, diesen deutschen Geist mit zu lieben, sie werden nicht ermüden, den deutschen Geist, statt ihn auszulösen, zu binden, zu stärken, zu verbreiten. Zu seinem 60. Geburtstage. er Jubilar, einer alten, angesehenen Familie der deutschen Judenheit entstammend, wurde am 6. Februar 1858 als Sohn des Mitinhabers der Firma Aron Hirsch & Sohn, Herrn Siegmund Hirsch, und seiner Ehefrau Helene, einer geborenen Hirsch, in Halberstadt geboren und von seinen frommen, durch vornehme Gesinnung ausgezeichneten Eltern in echt jüdischem Geiste erzogen. Eingedenk des Wortes in den „Sprüchen der Väter": „Schön ist religiöses Wissen, wenn es mit für das menschliche Leben erforderlicher Art und notwendigen Kenntnissen vereint ist" ließen sie ihrem von der Natur mit herrlichen Geistesgaben begnadeten Sohne eine den Traditionen ihres Hauses entsprechende Ausbildung angedeihen, die ihm den Weg . in die Zukunft ebnen und sein späteres Leben erfolgverheißend und tatenfroh gestalten sollte. Er besuchte zunächst die jüdische Elementarschule seiner Vaterstadt, in der er neben dem Unterricht inden obligatorischen Fächern die erste Unterweisung in Religion und in der hebräischen Sprache und mit dieser zugleich die Grundlage für einen ersprießlichen Unterricht in der Bibel im Urtext erhielt. Dieser wurde ihm von besonders qualifizierten Lehrern erteilt, die, ihn von Stufe zu Stufe führend, ihm allmählich die Kenntnis beibrachten, die Bibel ohne Hilfe einer verwässerten und nicht selten sinnentstellenden Uebersetzung verstehen, kennen und würdigen zu lernen. Die von dem Knaben in dem Buche der Bücher gemachten Fortschritte, begleitet von Lerneifer und Wißbegierde, veranlaßten die Eltern, ihm auch Unterricht im Talmud erteilen zu lassen, den er nach genügender Vorbereitung von dem Rabbinatsassessor Isaak Lange, teilweise auch von dem 1871 verstorbenen Halberstädter Rabbiner Dr. B. H. A u e r b a ch und später von seinem Onkel, dem Gemeinderabbiner Dr. Selig Auerbach, erhielt und den er bis zum 17. Lebensjahre emsig fortsetzte. Der talmudischie Unterricht, der das Denkvermögen des Knaben in hohem Maße in Anspruch nahm, übte aus ihn eine außerordentliche Anziehungskraft aus und verlieh ihm die Fertigkeit, an seiner Bar - Mizwa - Feier die hochbeglückten Eltern mit einem von seinem Urgroßvater Rabbi Aron Hirsch-Göttingen für Kinder und Enkel zur Benutzung bei derartigen Gelegenheiten hinterlassenen talmudischen Vortrag zu erfreuen, der dem Jubilar, wie Bekannte von ihm mir versichern, noch Heute geläufig und eine der schönsten Erinnerungen aus seiner Jugendzeit ist. Wie großes Gewicht aber die Eltern auch darauf legten, ihrem Sohne die Kenntnis des jüdischen Schrifttums in außergewöhnlicher Weise zugänglich zu machen, so wenig vernachlässigten sie seine profane Ausbildung, die Hand in Hand mit seiner jüdischen ging. Er besuchte in Hälberstadt das Realgymnasium, absolvierte es mit gutem Erfolg und trat dann, 16 Jahre alt, als Lehrling in die von seinem Urgroßvater Rabbi Aron Hirsch-Göttin gen im Jahre 1805 begründeten Firma Aron Hirsch & Sohn ein. Hier, unter Leitung seines Vaters und der anderen Nachkommen des Begründers der inzwischen zu einem Weichaus emporgewachs enen Firma, fandder junge Lehrling reichliche Gelegenheit, seine geistigen Fähigkeiten, verbunden mit seltener Arbeitskraft, zu entfalten. Er oblag mit großem Eifer und Fleiß den ihm übertragenen und von Jahr zu Jahr erweiterten Pflichten, zeichnete sich besonders durch den ihm angeborenen Scharfsinn aus, erhielt nach dem im Jahre 1877 erfolgten Ableben seines Vaters die Prokura und widmete sich fortan ausschließlich den kaufmännischen und industriellen Aufgaben der Firma. Im Jahre 1884 schloß Aron Hirsch, der schon damals als hervorragend tüchtiger Kaufmann galt, den Bund für das Leben mit seiner ihm gleichgesinnten Gattin Frau Mally Hirsch. Sie ist eine Tochter von Moses Michael Mainz in Frankfurt am Main, eine Großnichte des berühmten Talmudgelehrten RabbiMoses Mainz, und entstammt auch von seiten ihrer Mutter, die eine geborene Oppenheim und eine Schwester von Frau Emil Wassermann in Bamberg war, einer alten Familie,, die zu den bekanntesten und angesehensten der deutschen Huden zählt. In der Erkorenen seines Herzens fand Aron Hirsch eine ebenbürtige Gefährtin, die ihn in seinen humanitären Werken unterstützte und förderte und sein Haus zu einer Stätte idealen und glücklichsten Lebens ausgestaltete, in der jüdisches Empfinden, zeitgemäße Weltanschauung, Kunstsinn und edles Streben nach Wissen und Bildung, harmonisch vereinigt, vorherrschend sind. Der glücklichen Ehe sind zwei Kinder entsprossen: ein Sohn, Direktor S i e g m u n d H i r sch, und eine Tochter Namens Dora, die mit dem Direktionsmitglied der Firma, Herrn R. Schw a r tz, verheiratet ist. Im Jahre 1898, nach dem Tode seines Onkels Gustav Hirsch, übernahm der Jubilar, der bis dahin in Halberstadt wohnte und seine hauptsächlichste Tätigkeit der Firma Aron Hirsch & Sohn widmete, das 1863 von dieser erworbene Messingwerk bei Eberswalde und übersiedelte nach Berlin. Ein mir seit vielen Jahren bekannter Jugendgenosse des Jubilars, dem ich zum großen Teil das Material für diese biographische Skizze verdanke, schreibt mir: „Herr Aron Hirsch ist ein genialer, weitsichtiger Kaufmann und, wie die meisten Glieder dieses in der deutschen Hanjdelswelt dominierenden Hauses, die stets große Ziele zu erreichen suchten, von unermüdlichem Tatendrang erfüllt. Streng gegen sich — morgens in aller Frühe war er schon im Geschäft, eine Gepflogenheit, die er bis auf den heutigen Tag beibehalten hat — ist er nachsichtig und gerecht gegen andere. Er ist ein liebevoller Ehef und Arbeitgeber, der väterlich für seine Angestellten sorgt und an ihren Leiden und Freuden den innigsten Anteil nimmt. Er ist eben, waS nicht genug betont werden kann, ein vornehmer, edeldenkender Mensch, ein würdiges Glied seiner der deutschen Judenheit zur Ehre gereichenden Familie. Was er außerhalb des Rahmens seines Geschäftes als Philanthrop so ganz im geheimen getan und noch tut, wie er jede Art von Dank und Erkenntlichkeit geradezu haßt, davon könnte ich, wenn ich dürfte, viel erzählen. Dabei ist er persönlich so selbstlos, einfach und bescheiden in seiner Lebensführung, wie nur wenige aus unserer Mitte, in seiner sozialen Stellung ... Er besitzt einen hohen Familien-, Freundschafts- und sehr viel jüdischen Sinn." Auch Professor

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