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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-02-01 · Heft 5 (1.2.1918) · p. Seite 51

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 5 (1.2.1918)
Date
1918-02-01
Page
Seite 51 (sequence 3)
Language
German
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51 verlangen. Die Freiheit der Individualität muß bei aller Einheitlichkeit gewahrt bleiben. Anderseits genügt aber auch die gleiche äußere Gestaltung des Unterrichts, um der Behörde ein einheitliches Bild vom jüdischen Religionsunterricht an den höheren Schulen zu geben. Hat sie doch selbst den neuesten Lehrplan für den evangelischen Religionsunterricht nach den auch von mir innegehaltenen Gesichtspunkten gestaltet. Zum Schlüsse noch die Bemerkung, daß ich es für sehr zweckdienlich erachte, wenn nun auch von dritter Seite zu dem Lehrplan das Wort genommen würde. Nur möge man mir bei der ferneren Diskussion nicht Ansichten und Aoußerungen zuschieben, die tatsächlich nicht vorhanden sind. Me Woche. B erlin, den 29. Januar 1918. ent Kaiser, der am 27. Januar in sein sechzigstes Lebensjahr eingetreten ist, entbieten wir ehrfurchtsvollen Gruß und Glückwunsch. Der erhabene Herrscher hat dem Ernst der Zeit entsprechend von jeder lauten Feier abgesehen; im Herzen haben viele mit uns den Tag, gefeiert. Vielleicht mit noch innigeren und herzlicheren Gefühlen als früher. Denn gerade die Bemühungen unserer Feinde, Zwietracht zwischen Herrscher und Volk zu säen, einen Gegensatz zu statuieren, der nicht vorhanden ist, hat, wenn, es möglich war, das Band zwischen dem Fürsten und den Seinen fester geschmiedet und die Deutschen aller Stände daran gemahnt, daß sie untrennbar mit dem hohen Herrn verbunden sind, der an ihrer Spitze steht. Sie neigen sich ehrfurchtsvoll vor dem König, der von Gottes Gnaden genannt und doch als ein Herrscher des Volks begrüßt und gefeiert wird. Sie haben ihre Geschicke mit dem seinigen eng verknüpft, weil sie wissen, daß seine Sorge nicht seiner Ehrbegier und Ruhmessehnsucht, sondern ihrem Wohl und ihrer Größe gewidmet ist, daß sein Streben, das Reich unberührt und unverletzt in seiner alten Macht und Herrlichkeit aus diesem aufgedrungenen Kriege hervorgehen zu lassen, von ihnen geteilt wird, daß seine tiefe Friedenssehnsucht, von der er die herrlichsten, entsagungsvollsten Beweise gegeben hat, nur der Ausdruck ihres eigenen Verlangens ist. Wir deutschen Juden teilen ganz und vollkommen diese Gesinnung und Empfindung, als Deutsche und als Juden. Besonders als Juden wollen wir nicht vergessen, daß der hohe Herr schon am Anfang seiner Regierung Stöcker und seine Gefolgschaft abgeschüttelt und daß er am Beginn dieses Krieges die mannhafte Erklärung abgegeben, hat, keinen Unterschied bei den Deutschen zu kennen. Wir leben der festen Ueberzeugung, daß er auch nach dem Kriege allen Anstrengungen kräftig widerstehen wird, die von manchen Seiten gemacht werden, um den Juden ihre wohlerworbenen Rechte zu schmälern oder gar zu rauben, und daß er, ein wahrhafter Fviedenskaiser, auch im Frieden die Juden sicher und ruhig, beschützt und gestärkt, unter dem sieggekrönten Adler weilen lassen wird. * Die Reden der leitenden Staatsmänner Oesterreich- Ungarns und Deutschlands, die der letzten Berichtswoche angehören, waren, so viele Verschiedenheiten sie auch auswiesen, einig in ihrem kräftigen Ton. Einig auch darin, daß sie trotz allem offen ausgesprochenen Friedensverlangen zu keiner schmählichen Unterwerfung neigen, einig vor allem in dem Bekenntnis der unverletzlichen Bundestreue und in der Hervorhebung der Pflicht, daß keinem der beiden mächtigen Reiche auch nur ein Teilchen seines Besitztums verlorengehe. Darum sprachen beide es. -unumwunden aus, daß das Verlangen unserer Feinde nach Rückgabe von Elsaß-Lothringen völlig un- ' t annehmbar sei, daß sonst aber die Vorschläge -Amerikas wohl die Grundlage zu gemeinsamen Besprechungen bilden könnten. Diese Erklärung hat das Wutgeheul der Westmächte erregt, während aus Amerika bisher noch keine Aeußerung zu uns gelangt ist, und die Besorgnis jener Feinde gezeitigt, als kärne es uns darauf an, sie von Amerika zu trennen. Vielleicht aber ist dieses scheinbar feste Bündnis lockerer, als man denkt. Denn Amerika beginnt bereits die Not zu fühlen, so daß von drüben der Ruf nach äußerster Sparsamkeit erschallt. Das amerikanische Volk fängt an, die Bevormundung durch seinen Präsidenten und das gänzlich Unzureichende seiner Heeresausrüstungen und Kriegsvorbereitungen zu erkennen. Nicht minder sieht sich Italien durch Mangel, Verluste, durch die ungenügende Unterstützung seitens seiner Bundesgenossen aufs äußerste bedrängt; dort bricht sich die Ansicht Bahn, daß -es in seinem Verlangen allein steht, daß mt Verwirklichung der Ansprüche, wegen deren es in den Krieg gezogen ist, keine Aussicht besteht, und daß es daher zu einer Fortführung des entsetzlichen Krieges keinen Grund mehr besitzt. So sind unsere Aussichten für die nächste Zukunft gut. Um so besser, als der Luft- und der Unterseebootkrieg, der mit der größten Machtentfaltung weiter fortgeführt wird, uns große Erfolge, den Gegnern immer fühlbarere Verluste bereitet und ihnen immer deutlicher die Ueberzeugung aufdrängt, daß sie unseren Mitteln nicht gewachsen sind. Entspräche nur die Fortführung der Verhandlungen mit Rilßland besser unseren Hoffnungen. Dem vorzeitigen Frühling, der nach schrecklichen Winterstürmen eingetreten ist, will ein Völkerfrühling sich nicht gesellen. Die Verhältnisse in Rilßland gestalten sich immer verworrener. Zwischen Russen lind Rumänen ist es zir feindlichen Begegnungen gekommen, in denen die ersteren unterlegen sein sollen; die. Mgximalisten treten gewaltsam irnd siegreich gegen die Ukrainer auf und bindern dadurch den Frieden Deutschlands mit diesen, der nahe schien. Vielleicht bringen die nächsten Tage, in denen die Friedensverhandlungen wieder aufzunehmen beabsichtigt ist, eine Klärung der Lage. Hoffentlich sind wir dem Frieden näher, als manche m hoffen wagen, einem Frieden, der, dauerhaft und beständig, geeignet ist, die entsetzlichen Wunden schnell zu heilen, an denen die ganze Menschheit blutet. * Zu der brennenden P a l ä st i n a f r a g e veröffentlicht das Jüdische Preßbureau in Zürich einige merkwürdige Aeußerungen. So verschieden sie auch sind, und so vieles sie auch enthalten, mit dem wir nicht übereinstimmen, so seien sie hier mitaeteilt, weil sie deutlich bekunden, daß die Utopie eines jüdischen Staates, namentlich eines solchen von Englands Gnaden, von vielen aufgegeben wird, und daß sich bei vielen, besonders den wirklich Klarsehenden, die Ueberzeugung durchringt, daß sür die Juden das wahre Heil nicht aus einer neuen Staatenbildung erwachsen, sondern nur in der Stärkung ihres Glaubens, in der Verinnerlichung der Religion gefunden werden kann. Diese lauten: - Englische S t i m m e z u r P -a l ä st i n a f> r a g e. „The Jewish Chronicle" bringt in seiner Nummer vom 21. Dezember unter der ständigen Rubrik „Blätter auseinem jüdischen Tagebuch", unter welcher das Blatt Einsendungen prominenter jüdischer Gemein d^milglieder über jüdische Tagesfragen Raum gewährt, wenn sie auch von seinem Standpunkt abweichen, folgenden interessanten Brief: An den Herausgeber des „Jewish Chronicle"! 14. Dezember. Sir! Sehr ehrerbietige Verneigungen vor dem Klönigtilm liegen etwas außerhalb meines Schlages/, ab^er der

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