Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 4 (25.1.1918)
- Date
- 1918-01-25
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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- Emden 1× ep/1044505
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3 und Wirken niemals der Verdienst, sondertt da s Verdienst lockte. Es sprachen ferner noch die Lehrer S e e l i g (Emden) als Verwandter und K a tz (Nienburg), der in Dragoneruniform, von seinem Truppenteil beurlaubt, erschienen war, im Namen und Aufträge des Vereins jüdischer Lehrer in der Provinz Hannover, Worte der Anerkennung und Verehrung. Die Gebete verrichtete der Amtsnachfolger Lehrer Mosbach (früher Brakel), der an einem der nächsten Sabbate in. der Synagoge eine Gedächtnisfeier ahzuhalten gedenkt. tzoUanL. — Den Haag, 18. Januar. Die bedeutsamen Ereignisse der letzten Zeit haben in den verschiedenen jüdischen Kreisen das lebhafte Bedürfnis wachgerufen, nunmehr ernstlich für die finanzielle Fundierung einer großzügigen Volkskolonisation in Palästina vorzusorgen. Dies kommt in einer Reihe von Konferenzen und Beschlüssen zum Ausdruck, von denen die folgenden hervorgehoben seien: Auf der zionistischen Rayonstagung in Moskau, bei der 25 Gouvernements Zentralrußlands vertreten waren, wurde eine Resolution angenommen, wonach der Jüdische Nationalfonds als vornehmstes Kolonisationsinstrument der zionistischen Organisation in nächster Zeit mit solchen Mitteln auszustatten sei, daß er Boden in größtem Maßstabe als Gemeineigentum erwerben und zugleich aus die private Kolonisation maßgebenden Einfluß nehmen kann. Zu diesem Zwecke sollen die Vereine und Stadtkomitees neben sonstigen Sammlungen eine obligatorische Selbstbesteuerung entsprechend dem Einkommen systematisch durchführen. Aehnliche Beschlüsse sind aus einer Anzahl anderer Rayonstagungen gefaßt worden. — Die jüdische Gemeinde in Odessa faßte nach einer telegraphischen Meldung den Beschluß, e i n e M i l l i o n Rubel zur Begründung einer genossenschaftlichen Kolonie in Palästina auszubringen. — Die zionistische Föderation Südafrikas stellt sich die Aufgabe, hauptsächlich die Mittel zum Aufbau des Zerstörten in den jüdischen Kolonien durch Bildung eines Restaurationsfonds im Nahmen des Jüdischen Nationalfonds beizutragen. Als erste Maßnahme veranstaltete sie jüngst einen sogenannten „Kettentag", an dem jeder Jude im ganzen Lande für sich und jeden seiner Angehörigen mindestens je einen Schilling für den Nationalfonds zu spenden hatte. — Eine kürzlich stattgefundene Konferenz der V >e rtrauensm ä n n e r i n England beschloß u. a., den 9. November, den Tag, an dem die englische Negierung die bekannte Erklärung über die Errichtung einer jüdischen Heimstätte in Palästina publizierte, mit einer namhaften Summe ins Goldene Buch des Jüdischen Nationalfonds einzutragen. — Von einer ungenannt sein wollenden Spenderin erhielt die Sammelstelle des Jüdischen Nationalfonds für Oesterreich einen Friedensscheck über 250 000 Kronen, welcher binnen sechs Monaten nach Friedensschluß fällig sein soll. Gleichzeitig mit diesem Friedensscheck übersandte die Spenderin als erste Teilzahlung den Betrag von 10 000 Kronen und ein Schreiben, welches wir nachstehend wörtlich wiedergeben: „Sehr geehrte Herren Gesinnungsaenosten! Die großen Umwälzungen des Krieges find wohl auf keinen Menschen ohne Einfluß geblieben. — Für uns Juden steigt in der Ferne bereits die Morgenröte einer besseren Zukunft auf. — Wir seben Möglichkeiten vor uns entstehen, an welche wir vor Kriegsausbruch noch gar nicht zu denken gewagt haben. — Für das Werk der Wiedergeburt des jüdischen Volkes eröffnen sich gewaltige Perspektiven. — Es hat den Anschein, als ob die ungeheuren Schmerzen, welche unser Volk in seiner tausendjährigen Leidensgeschichte erleiden mußte und welche während der Ereignisse des letzten Krieges die höchste Steigerung erfahren haben, sich ihrem Ende nähern würden. — Dies alles mutz auf jeden Inden einen nachhaltigen Einfluß in der Richtung ausgeübt haben, daß er sich seiner Pflicht seinem Volke gegenüber bewußt wurde. Wenn ich auch keinen Augenblick daran zweifle, daß das jüdische Volk sich dem großen Augenblick gewachsen zeigen wird, wenn ich auch tief davon überzeugt bin, daß die großen Mittel, welche wir nach dem Kriege benötigen werden, mit Leichtigkeit aufgebracht werden, so glaube ich, daß es jetzt an der Zeit ist, die Forderung an die Juden der ganzen Welt zu richten, mit ihren Gaben und Beitragen, nicht zu zögern, sondern sofort herzugeben, was sie nur geben können, sofort die Opfer zu bringen, die der große Augenblick erheischt. — Ich habe mich selbst entschlossen, um meinen Worten Nachdruck zu verleihen, dem Jüdischen Nationalfonds einen Friedensscheck über 250 000 Kronen zu übergeben, welchen ich bis spätestens sechs Monate nach Friedensschluß bezahlen werde. — Als erste Teilzahlung empfangen Sie anbei den Betrag von 10 000 Kronen. — Ich will, daß dieser Betrag dem jüdischen Volke ganz gehören soll. — Ich glaube, daß wir in Palästina nun Zustände schaffen müssen, wie sie unsere Besten, die Träumer wie auch die Wissenschaftler, die Theoretiker wie die Praktiker herbeifehnen, den Zustand, daß der Boden in Palästina nicht Privatbesitz, sondern Eigentum des Volkes bleiben soll. — Da ich aber selbst nach Friedensschluß mit meiner Familie nach Palästina zu übersiedeln gedenke und der dem Jüdischen Nationalfonds zu gedachte Betrag den größten Teil meines Vermögens bildet, so knüpfe, ich an meine Spende die Bedingung, daß mir nach Friedensschluß und nach einer entsprechenden Probezeit in Palästina, in einer vom Jüdischen Nationalfonds nach dein Plane von Oettinger zu begründenden Kolonie, eine entsprechende Wirtschaft übergeben wird. Ich stelle diese Bedingung nur deshalb, um selbst in Palästina leben und meine Kinder auf dem heimatlichen Boden im nationalen Geiste erziehen zu können. — Nach meinem Tode soll das ganze Anwesen wieder an den Jüdischen Nationalfonds zurückfallen, der darüber frei verfügen können wird. — Ich werde weder testamentarisch noch anderwärts über dasselbe verfügen und hoffe, daß es mir gelingen wird, meine Kinder in Palästina so zu erziehen, daß sie mit Hilfe der bescheidenen Mittel, welche ich ihnen aus meinem Privatvermögen noch überlasten werde, sich selbst eine Existenz ausbauen können werden. . Ich gebe diese Spende in der Ueberzeugung, daß ich nicht die einzige verbleiben werde und daß mein Beispiel andere zur Nachahmung veranlassen wird." Koien. Z. Warschau, 18. Januar. In der Wohnung des Konsuls und Ratmannes Boleslaw E i g e r fand kürzlich eine politische Besprechung statt, an welcher angesehene Mitglieder der polnischen Gesellschaft und der jüdisch-assimilatorischen Kreise teilnahmen. Diese auf Initiative der neuen „Vereinigung für gesellschaftliche Arbeit zwischen Juden und Polen" zustande gekommene Konferenz sollte die Aufgabe haben, die polnischen Politiker mit allen Einzelheiten der Judenfraae in Polen bekannt zu machen. Unter den Anwesenden befanden sich die Minister Bukowiecki, Staniszewski und Panikowski, der Staatssekretär Rostworowski und andere Staatsmänner. Eingeleitet wurde die Beratung durch ein Referat des Referenten für jüdische Angelegenbeiten im volitischen Departement, Joseph Wasserzug, über die verschiedenen iüdischen Parteien. In der Diskussion wurde von jüdischer Seite darauf hingewiesen, daß die Behauptung der polnischen Regierung, daß sie bereit sei, die jüdische Frage in objektiver, wohlwollender Weise zu behandeln, raschestens durch entsprechende Handlungen erhärtet werden müßte. Der Zusicherung des Ministerpräsidenten gegenüber der Abordnung der jüdischen Journalisten müsse bald die Tat folgen. Wenn auch zugegeben werden soll, daß jetzt die Zeit für gesetzgeberische Aktionen nicht geeignet sei, so müßten doch all die Rechtsbegrenzungen gegen die Juden, die als Erbschaft des finsteren zaristischen Regimes noch immer bestehen, unverzüglich abgeschafft werden. So müßte der Vertreibung der Juden aus den Dörfern Einhalt geboten, das Getto im „Goszczini-Dwor" abgeschafft, das Verbot des Betretens des „Lasenki-Parks" in polnisch-jüdischer Kleidung aufgehoben, die doppelte Spitalsteuer der Juden und andere Ausnahmegesetze ausgehoben werden. Die anwesenden Politiker zeigten ein besonderes Interesse für die Frage der Auswanderung der Juden aus Polen, wobei einige Polen, ganz offen erklärten, daß die jüdische Auswanderung aus Polen sehr erwünscht sei, und stellten an die anwesenden Vertreter der jüdischen Astimilanten die ausdrückliche Frage, ob sie auf die Entwicklung der jüdischen Auswanderung einwirken könnten. Die anwesenden Astimilanten antworteten, daß eine öffentliche Aktion zur Entwicklung einer größeren Auswanderung sowohl in den Einwanderungsländern als auch in Polen selbst nur eine der gewünschten .entgegengesetzte Wirkung haben würde. Anderseits seien die emigrationsfähigen, produktiven Elemente für das Land selbst wichtig. Im Zusammenhang mit dieser Frage wurde auch die Frage aufgeworfen, wie es gegenwärtig um die Palästinafrage stehe und ob der Plan der Zionisten Aussicht auf Erfolg habe, und wenn ja, welche Bedeutung Palästina als Einwanderungsland besitze. Die Antwort der Juden lautete, daß über die Aussichten des^ zionistischen Planes dermalen nichts Bestimmtes gesagt werden könne und daß auch bezüglich der Aufnahmefähigkeit Palästinas die Meinungen geteilt seien. Nach mancher Ansicht könnten bloß einige Millionen, nach anderem Urteil mehr als zehn Millionen angesiedelt werden. Ferner brachten