Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 4 (25.1.1918)
- Date
- 1918-01-25
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3229339-3229343--73739-3286219- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
mosaischer Religion, ihren an der Front erlittenen schweren Verwundungen hier im Lazarett erlegen find und gemeinsam zu Grabe getragen wurden. Lange vor der festgesetzten Stunde war der große Säulengang des Friedhofes derart überfüllt, daß die Leichenfeier im Freien ab gehalten werden mußte. Die ernste Friedensstätte stand so recht im Zeichen des Krieges, denn preußische, bayerische und österreichische Regimenter hatten größere Deputationen zur Leichenfeier entsendet. ES war -ein glücklicher Gedanke, daß die beiden amtierenden Feldgeistlichen, unbeschadet des verschiedenen Rituals ihrer Religion, sich schon vorher verständigt hatten, um sich in der Ausübung des Zeremoniells gegenseitig zu ergänzen, was auch nach außen einen vortrefflichen Eindruck machte. Zunächst nahm Pfarrer T h o m die kirchliche Einsegnung der Leichen vor, indem er für -die gefallenen Kameraden ein tiefergreifendes Gebet vortrug. Hierauf hielt Feldrabbiner Dr. Link die Leichenrede. Redner ging von dem Gedanken aus, daß der deutsche Jude in seinem geistigen Ringen nach Selbstbefreiung, mit einem heißen Sehnen nach Wahrung seiner gefestigten Glaubenstrene, begeistertes Deutschtum dem teuren Vaterlande entgegenbringt, mit allen Fibern seines Herzens in der deutschen Külturgemeinschast wurzelt, für die er an allen Fronten kämpft, blutet und stirbt, sein aufrechtes Judentum so zu Ehren bringend. In glühenden Worten wertete hierauf der sichtlich gerührte Feldrabbiner den idealen Beruf des Arztes im Kriege, der in eisigen Gletschern des Hochgebirges auf dem Posten schwerster Arbeit und mühevollster Pflicht steht, gegen Freund und Feind ein warmes Herz edler Mienschlichikeit sich bewahrt und mit fester, starker Hand oft zugreifen muß, die der Schwerverwundete doch gerne streichelt, weil sie so viel Barmherzigkeit und Wohltun in sich ballt. Dann nahm Pfarrer Thom im Namen der trauernden Angehörigen in der lernen Heimat wehmütigen Abschied von den gefallenen Helden. Mit dem „Vom Staube bist dü genommen", daS Pfarrer Thom aeivrochen und Dr. Link auch hebräisch zitierte, schloß die einheitliche, den Geist der Versöhnlichkeit atmende Trauerzeremonie, die allen Teilnehmern zu einem läuternden, religiösen Erlebnis wurde. Seelisch erhoben verließen wir die ernste Stätte. E. M. Berlin, 22. Januar. Eine der ältesten jüdischen Organisationen Berlins, der Verein Schomer laboker Umischan awelim, zur Unterstützung armer Leidtragender, der auf eine mehr als zweihundertjährige Wirksamkeit zurückblicken kann, beging in der Alten Spnagoae sein diesjähriges Stiftungsfest in hergebrachter Weise durch einen gemeinsamen Gottesdienst. DaS Fasten deS Minfans des Vereins wurde durch den Minchagottesdienst beendet, bei dem königlicher Musikdirektor Friedmann die kantoralen Funktionen ausführte. Nach dem Minchagebet und der Vorlesung, aus der Thora hielt Rabbiner Dr. Lvewenthal die Festpredigt, in der er der verdienstvollen Männer gedachte, die in den Jugendtagen der Berliner Gemeinde diesen Verein begründeten, der im stillen Not, Kummer und Elend gerade an den traurigsten Tagen des Lebens von den Gemeindemitgliedern fernzuhalten bemüht ist. Die Predigt schloß mit dem Wunsche, daß es dem Verein nie an Männern fehlen möchte, die gleich seinen Begründern ihre Kraft für dieses Liebeswerk einsehen. Von Oberkantor Friedmann wurde hieraus ein El-mote-rachainim- Gebet für die verstorbenen Vorsteher und Mitglieder des Vereins und ein Mifcheberach für den gegenwärtigen Vorstand vorgetragen. Dann beschloß das Maarivgebet die Stiftungsfeier. Das in früheren Jahren übliche Brudermahl mußte dieses Mal mit Rücksicht auf die Kriegsverhältnisse unterbleiben. L2 Königshütte (Oberschlesten), 18. Januar. Der Friedhof der ausgelösten Gemeinde C z i e s ch o w ä befindet sich in trauriger Verfassung: er soll in Ordnung gebracht und mit einem gemauerten Zaune umgeben werden, wenn diejenigen, deren Angehörige dort ruhen, den größten Teil der auf 15 bis 20 000 Mark veranschlagten Kosten aufbringen. Der Verband Oberschlesischer Gemeinden würde einen Zuschuß bewilligen. Alle diejenigen, die gewillt sind, für diesen Zweck einen Beitrag zu leisten, wollen dies dem Verbandsvorsitzenden, Justizrat Berger in Königshütte, O.-S., unter Angabe der Summe mitteilen. Von einigen Beteiligten sind bereits 1500 Mark gezeichnet: es sind noch zahlreichere und größere Zeichnungen nötig, wenn der geplante Bau ausgeführt werden soll. S*2 Ostrotvo, 18. Januar. Magistrat und Stadtverordnete beschlossen einstimmig, daß die bisherige „Neuestraße" zu Ehren des verstorbenen Stadtvevordnetenvorstehers Justizrats D o h von nun an Voh-Straße heißt. — Unter allgemeiner Teilnahme der Gemeinde beging das Vorstandsmitglied Rentner Daniel H a r t m a n n seinen 80. Geburtstag. Der Gemeindevorstand, überreichte eine Adresse, der Frauenverein, dessen Kassierer der Jubilar ist, einen Stock mit silberner Krücke. Die Chewra Kadischa, deren Vorst and smitglied Herr Hartmann ist, eine silberne Gthrogbüchse. Dev Gemeinderabbiner Dr. N e u h a u s feierte den Jubilar in einer Ansprache mit dem Wunsche eines weiteren segensreichen Lebensabends. — Die Stadträte Jakob Krauskopf, Salo Iosephi und der Mühlenbesitzer S. Färber erhielten das Verdienstkreuz für Kriegshilfe. Der Shnagogendiener Elias Lamm, zurzeit Krankenträger, erhielt die Rote-Kreuz-Medaille dritter Klasse, die. gleiche Auszeichnung erhielten das beim hiesigen Reservelazarett beschäftigte Fräulein Ella Bielski sowie Hilfsschwester Frau Olga Mühlfelder. W. Schneidemühl, 18. Januar. Auf Antrag des Magistrats wurde beschlossen, eine Stiftung von 10 000 Mark zu errichten und sie zu Ehren des Vorstehers der jüdischen Gemeinde in Schneidemühl, des Stadtrates Louis Schneider, Stadtrat-Schneider- Stiftung" zu nennen. Diese Stiftung soll jungen Leuten, die sich einem gewerblichen oder kaufmännischen Berufe, oder jungen Mädchen. die sich dem Hausfrauenberufe widmen wollen, Beihilfe gewähren. Stadtrat Schneider leitet feit Mitte November 1915 das städtische Lebensmittelamt in vorbildlicher Weife, obwohl die Ernährung der Bevölkerung gerade in Schneidemühl infolge der großen Anzahl von Industrie- und Schwerarbeitern außerordentliche Schwierigkeiten bereitet. Aber Stadtrat Schneider ovfert feinem Ehrenamte jede Stunde des Tages und nimmt keine Rücksicht auf sein vorgeschrittenes Alter und seine Gesundheit. M. Hamburg, 18. Januar. Das „Heim für jüdische Mädchen" hielt im Logenheim seine Hauptversammlung unter Vorsitz des Fräulein Sidonie Werner ab. Iw Jahresbericht über die Tätigkeit des Vereins wird besonders betont, daß das verflossene Kriegsjahr auch dem Heim schwere Zeiten gebracht hat. Es ist trotzdem gelungen, das Haus auf der vollen Höhe zu erhalten und der Vorstand hofft auch durchzuhalten, bis der Friede wieder < eine Besserung aller Verhältnisse bringt. Die Ausgaben für den Wirtschaftsbetrieb haben sich, den heutigen Preisen entsprechend, erbeblich gesteigert, so daß der Vorstand gezwungen war, die Pensionspreise zu erhöhen, besonders bei den Pensionärinnen, die hohe Einnahmen haben. Troßdem war es durch äußerste Sparsamkeit und durch großmütige Zuwendungen möglich, ohne Defizit ab zu schließen. Ein Vorstandsmitglied hat dem Heim 3000 Mark gespendet und durch seine Fürfvrache erreicht, daß ein Gönner der Bestrebungen des Heims diesem für sechs Monate jeden Monat 1000 Mark zukommen lassen will. Der Vorstand bebt dann noch besonders hervor, daß er schweren Herzens insolae der Kriegszeit auch diesmal auf die Erfüllung seines Lieblinaswunsches, die Errichtung eines eigenen Gebäudes, verzichten und sich nach wie vor in gemieteten Räumen begnügen mußte. Aus dein Kassenbericht war zu entnehmen, daß das Heim an Mitgliederbei trägen 1912 Mark und an Spenden 10 515 Mark vereinnahmte. Weitere Einnahmen waren an Vensionsgeldern 11 506 Mark und an Zinsen aus der „Meverboff-Stiituua" 1680 Mark. Das Dereinsver» mögen beträgt zurzeit 9816 Mark. Die Abrechnung wurde genehmigt und der bisherige Vorstand durch Zuruf wiedergewählt. R. A. Beeden. 18. Januar. Am Mittwoch, den 9. d. M., wurde hier «der Lehrer und Prediger Matthias Brauns b erg, der beinahe 25 Jahre in der Gemeinde in segensreichster Weise gewirkt hat, zur letzten Ruhe gebettet. Trotz der herrschenden Kälte folgten zur Ehrung des Verstorbenen der Bahre nicht nur die derzeitigen Schüler und sämtliche Mitglieder der Gemeinde, sondern auch zahlreiche Lehrer und Freunde, Vertreter der verschiedenen Behörden und Bürger dev Stadt. Am Grabe hielt in Vertretung des Herrrn Landrabbiners Dr. Gronemann (Hannover) der Herr Rabbiner Dr. Freund (Hannover) die Grabrede, ein Meisterwerk nach Form und Inhalt, des Entschlafenen diesseitige .Verdienste in Schule und Gemeinde, vorbildlichen Charakter, freundliche, vornehme Wesen und" wahre Frömmigkeit schildernd. Hierauf widmete der Nachbarkollege und Freund Rothschild (Achim) dem Verschiedenen, herzliche Abschiedsworte. Außerordentlich herzlich dankte sein hochgeschätzter' Vorsteher Herr Bankdirektor Lehmann (Verden) ihm für seine unerntüdliche Dienstbereitwilligkeit und für seine Pflichttreue, ganz besonders hervorhebend, daß ihn in seinem Leben und Streben, in seinem Schassen