Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 4 (25.1.1918)
- Date
- 1918-01-25
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
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Berlin, 25. Januar 1918 82. Jahrgang Nr. 4 Der Gemeindevote. Vetlase zur „Allsrmrinen Lettuny deß Judentums. aiffLff I.. I,,l„ ” Al-■ II'IMIUL!1,1'.'.i,. .. JJ-I1. "■■■■ - Sil., . Üi-J. KorrklpondMHkn und Sschnchtm. SruMlsnd. ' E. R. Berlin, 20. Januar. In der heutigen Sitzung der Repräsentantenversammlung, der ersten im neuen Jahre, dankte der Vorsitzende Direktor Dr. Minden den Kollegen in herzlichen Worten für ihre treue Wichterfüllung, die sich selbst bei, der Schwierigkeit der Kommunikation gezeigt habe. Nach Verlesung des Protokolls der letzten Sitzung wurden die Wahlen in den Vorstand der Versammlung vorgenommen. Unter dem Vorsitz des Herrn Gewerberats Plotke erfolgt die Wahl des Herrn Dr: Georg Minden zum ersten Vorsitzenden. Herr Dr. Minden erklärt sich zur Annahme des Amtes bereit. Hierauf wird der Wahlakt fortgesetzt und Herr Professor Kali scher zum ersten, Herr Gewerberat Plotke zum zweiten Stellvertreter des Vorsitzenden gewählt. Beide Herren nehmen die Wahl an, ebenso der zum Schriftführer gewählte Herr Professor Türk und der zum stellvertretenden Schriftführer gewählte Herr Emil P i n c u s. In den Ausschuß I werden gewählt die Herren Dr. G i n s b e r g, Weile, Weigert, Plotke, Halle, Kirstein, Benas Levh, Casparh, Lipschütz, Holz. In den Ausschuß II die Herren Siegfried Sachsa Emil Cohn, Casparh, Kirstetn, Grünfeld, Dr. Levh, Weile. In den Ausschuß III die Herren Kali scher. Türk, Cohn, Dr. Levh, Minden, Pincus, Plotke, Steinthal, Tietz. In die Revisionskommission die Herren Sachs, Kir st ein, Tietz, Pincus, Benas Levh. Die Versammlung beschließt hierauf die Annahme folgender Zuwendungen: Frau Rosa Sachs geborene Ginsberg hat der Louis-und-Nosa-Sachs-Stiftung zur Unterstützung von Kriegsbeschädigten 50000 Mark gespendet; Herr Isidor Rieh der Waisenkommission 40 000 Mark zur Errichtung' einer Emma-und-Jsidor-Rieß-Stiftung. Die Eheleute Oskar Oliven spendeten für das Reichenheimsche Waisenhaus als Sophie-und-Oskar- Öliven-Stiftung 10 000 Mark, die Heinrich Maasschen Erben 5000 Mark zur Unterstützung verschämter Armen, die Eheleute Jacob Loewenstamm 3000 Mark zur Verteilung an jüdische Arme bzw. Errichtung -einer Jacob - und - Dorothea - Loewenstamm- Stiftung. Frau Julie Levisohn geborene Badt überwies 1000 Mark zur Abhaltung einer Jahrzeit. Verschiedene 7000 Mark für Erholungsreisen bedürftiger Schüler, Errichtung -einer' Justizrat- Sregmun'd-und-Johanna-Meher-Stiftung. Frau Anna Ginsberg geborene Wolfs 2000 Mark für das Rei'chenheimscke Waisenhaus zur Errichtung einer Dr.-Jsidor«Ginsberig-Stistung. Die Eheleute Geheimer Justizrat Dr. Albert Masse spendeten 15 000 Mark zur Errichtung einer Dr.-Hans-Mosse-Stistung für das zweite Waisenhaus. Herr Emil Pincus stiftete 3000 M. für die Altersversorgungsanstalt zur Verstärkung der Emil-und-Klara-Pincusb-S'tiftung. — Es folgen Wiederwahlen von Verwaltungskommissionen. Hierauf verlas Herr Direktor Dr. Minden ein Schreiben des liberalen Vereins: „Der Vorstand, der Ausschuß und die Vertrauensmänner des liberalen Vereins für die Angelegenheiten «der jüdischen Gemeinde zu Berlin begrüßen die von den Gemeindebehörden vollzogene Wahl des Herrn Rabbiner Dr. K e Hermann. Sie erklären ihr Einverständnis mit der Haltung der liberalen Repräsentanten und sprechen ihnen für die Entschiedenheit, mit der sie in der Abwehr gegen ungerechtfertigte Angriffe aufgetreten sind. Dank und Anerkennung aus. Die Vertreter des liberalen Vereins erwarten, daß an dieser Entschiedenheit festgehalten wird gegenüber jedweder Beschränkung der Amtstätigkeit des Herrn Dr. Kellermann. Herr Dr. Kellermann möge versichert sein, daß ihm im Hinblick auf die von ihm vertretenen Grundsätze eines wissenschaftlich begründeten, zeitgemäßen, fortschreitenden und den heutigen Lebensbedingungen angepaßten Judentums die wärmste Unterstützung der liberal gesirm-ten Gemeindemitglieder zuteil werden wird. Die Repräs-mtant-en konservativer Richtung sind auch' durch die Stimmen d-er liberalen Gomeindemitglie-der gewählt worden. Der Rücktritt der konservativen Repräsentanten läßt daher in diesen schweren Kri-egszeiten das Derantwortlichkeitsgefühl gegenüber den Gemeindeivteress-en aus das stärkste vermissen. Der Rücktritt bedeutet eine Störung des Gemeindefriedens und eine Pflichtverletzung gegenüber einem großen Teile der Wählerschaft". — Der Austritt der konservativen Repräsentanten beschäftigte noch einmal das Kolle-gömn. Durch Austritt und Tod ist -die Zahl der Mitglieder auf zwanzig gesunken,, während der Versammlung satzungsgemäß außer einundzwanzig Mitgliedern weitere zehn Stellvertreter angehör,en müssen. - Die Frage des Ersatzes ist -deshalb zu regeln. Das Statut der Gemeinde schreibt durch den § 19a vor, daß Ersatzwahlen vorgen-ommen werden können, wenn w-eni-ger Stellvertreter vorhanden als nötig sind, um die Zahl von 21 zu erreichen. Ein Zwang wird «durch dieses Statut nicht vorgeschrieben. Falls die Wahlen vorgenommen werden sollen, so gehört dazu ein Gemeindebeschluß und di>e Zustimmung der Aufsichtsbehörde. Der Vorstand hat -d-er Versammlung eine Borlage gemacht, wonach er selbst die Frage, ob Wahlen vorgenömmen werden sollen oder nicht, nicht entscheiden, sondern in einer gemischten Deputation mit den Repräsentanten über die Zweckmäßigkeit oder Notwendigkeit -dieser Wahlen beraten will. Es lassen sich natürlich eine Menge Gründe für die Wahlen und ebenso -eine Anzahl Gründe gegen dieselben anführen. Diejenigen Herren, die bisher Mitglieder der Versammlung geblieben sind, haben sämtl-iche Mehrarbeit, die ihnen durch -den Amtsver-zicht ihrer früheren Kollegen auferlegt war, auf sich genommen, so daß keine Stockung in der Erledigung -der Geschäfte eingetreten ist. Trotzdem ist der vor-beratende Ausschuß durchaus -einverstanden, in gemischter Deputation mit dem Vorstand darüber zu beraten, ob Neuwahlen vorgenommen werden sollen; und die Versammlung schließt sich diesem Beschlüsse des Ausschusses an. — lieber den Bericht des Bibliothekars der Gem-ei-ndebiblio-thek referierte Herr Professor Türk. Das wichtigste Ereignis für die Bibliothek war die Eröffnung der Kunstsammlung. Die Verleihung der Bücher war zahlreich. Die Wirksamkeit der Bibliothek segensreich. Auch ist die Zahl der Bücher und Handschriften gestiegen. Der Bibliotheksverwaltung sowie sämtlichen an ihr tätigen Beamten seiherzlicher Dank ausgesprochen. Herr Casparh bittet, daß größere Mittel zum Ankauf von Kunstgegenständen zur Verfügung gestellt werden. Man möge sich auch -an die Oeffentlichkeit und an das Mäzenatentum wenden, daß Kunstgegenstände dem Museum überlassen werden. Herr Benas Levh spricht den Wunsch aus, die Gemeindemitglieder mögen die Kunstsammlung öfter besuchen, das wäre Dr sie -eine große Anregung. Oeftere Anzeigen d-er Besuchszeit der Bibliothek im Gemeindeblatt dürstenvon großem- Nutzen sein. — lieber die Teuerungszulagen der Beamten referiert Herr Gewerberat Plotke. Der Ausschuß IH hat folgenden Tarif ausgestellt: Für jeden Verheirateten 200 Mark und für jedes Kind 20 Mark, für Unverheiratete 150 Mark jährlich. Herr Professor Türk erklärt, daß die Vorlage in bezug auf die Lehrer Lücken enthält, er müsse aber im Augenblick vonder Stellung von Anträgen a-bsehen, da diese Anträge -dem Ausschüsse n-icht Vorgelegen haben. Er behalte sich vor, die Anträge zunächst i-m Schulvorstandzur Beratung zu bringen. — Von Ausgaben werden bewilligt: Zur Anschaffung! von 40 000 Stück Mazzotbestellsckeinen- 2000 Mark, der Festgottesdienstkommisston 800 Mark als Sonderhonorar für solistifch tätige Mitglieder von Shnagogenchören, 1363,90 Mark Restforderung für den Neubau des zweiten Waisenhauses. Subventionen: Dem Gesamtarchiv der deutschen Juden für 1917/18 2560 Mark, dem Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens für den Ju'biläumsfo-nds -einmalig 3000 Mark. Zum Schluß richtet Herr Benas Levh an den Vorstanddie Bitte, 'die Vorlagen über die Teuerungszulagen etwas übersichtlicher gestalten zu w-olleu. H-err Syndikus Lilienthal verspricht so weit als möglich Abhilfe. Berlin, 22. Januar. (Aus dem Felde.) Eine würdige, von edlem Ernst getragene Trauerfeierlichkeit, wie man sie im Fe!lde wohl noch kaum gesehen hat, fand am 30. v. M. auf dem Militärfriedhofe in T. statt. Den äußeren Rahmen zu derselben bildete einerseits die Teilnahme eines unübersehbaren Kreises hoher militärischer Würdenträger, anderseits der traurige Umstand, daß drei in der Vollkraft ihrer Männlichkeit stehende deutsche Offiziere, ein Intendant und zwei Oberärzte, von denen Dr. Dahlmann evangelischer, Dr. Harry Freudenthal aus Beuchen in Schlesien