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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-01-25 · Heft 4 (25.1.1918) · p. Seite 39

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 4 (25.1.1918)
Date
1918-01-25
Page
Seite 39 (sequence 3)
Language
German
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39 Behandlung der anderen zeigten, haben eine starke judenseindliche Strömung in sich aufkommen lasten. 2. Der Antisemitismus in Deutschland ist trotz der eifrigen Pflichterfüllung der Juden während des Krieges durch Erstarkung des Rassengefühls, durch Belebung des Teutonismus wie im Jahre 1815 und 1870, ferner durch den Neid gegen einzelne reich gewordene Juden eher stärker als schwächer geworden^ und birgt große Gefahren in sich. 3. Manche Fehler und Eigentümlichkeiten der Juden sind vorhanden und die Arbeit zu ihrer Abstellung läßt noch zu wünschen übrig. 4. Die Gefahren innerhalb des Judentums, hervorgerufen durch die Taktik der extremen Orthodoxie und durch die Bestrebungen der Rabbiner, sind nicht unbedeutend. 5: Die allgemeine Verbreitung des zionistischen Gedankens, seine Unterstützung durch England, seine Beschützung durch vornehme führende deutsche Zeitungen bedrohen die Entwicklung des Judentums, vielleicht gar seinen Bestand mit den schwersten Schädigungen. Bei dieser Sachlage erwächst vor allen den Juden, die es ernst mit ihrem Glauben meinen und die bei aller Wahrung und Heilighaltung des Glaubens eine innere Verschmelzung mit den Nationen wünschen, in deren Mitte sie leben, eine gewaltige Sorge. Verschließen wir unsere Augen nicht vor diesem traurigen Zustande: kämpfen wir, solange es Zeit ist! Geben wir aber die Hoffnung auf eine friedliche Lösung, nicht auf. Allerwärts wird davon gesprochen, daß das Jahr 1918 das letzte Jahr des Krieges, das erste einer hoffentlich langen Friedensära sein wird. Wir hegen den innigsten Wunsch, daß unser deutsches Vaterland aus diesen FriedenSbestvebungen machtvoll und glänzend hervorgehen wird: mit diesem Wunsch vereinigt sich die Sehnsucht, daß es auch den deutschen Juden vergönnt sein möge, unverletzt und ungestört an der Einigung und Kräftigung des Vaterlandes mitzuarbeiten und in sich geeint beizutragen für Verbreitung und zur Festigung ihrer alten heiligen Religion. - --r-rr-1 i-Twi Sie Macke. Berlin, den 22. Januar 1918. ie Friedensverhandlungen mit Rußland gehen ihren langsamen Gang. Da die Ukrainer fest entschlossen sind, einen Abschluß zuwege zu bringen und die übrigen Russen die Unmöglichkeit einzusehen beginnen, sich zu einem neuen Vorstoß aufzuzwingen, so ist die Hoffnung auf ein allmähliches Zustandekommen der Verhandlungen gestärkt, wenn nicht unerwartete Zwischenfälle eintreten. Unterdessen wird in den übrigen Lagern weitergekämpft, ohne daß von bedeutenden Handlungen zu berichten ist. Nur der Unterseebootkrieg hat für uns auch in dieser Berichtswoche große Erfolge gezeitigt. *; In verschiedenen Zeitungen finden wir folgende Notiz: V e n i z^e l o s ,. b e r „Judenfreun d". Z ü rich , 5. Januar. In einer Unterredung, die der Vorsitzende der englischen jüdischen Wohltätigkeitsvereinigung, Sir Stuart Samuel, mit Venizelos hatte, bestätigte dieser, daß die griechische Negierung eine Gefetzesvorlage einbringen werde, die die Enteignung des von der Feuersbrunst heimgesuchten Teiles von Saloniki zum Gegenstand habe. — Durch diese Vorlage werden 1900 jüdische Familien um ihr Heim gebracht und zur Auswanderung gezwungen. Die Schädigung der Abgebrannten ist doppelt so groß, da die Zahlungen nicht in bar, sondern in griechischen Bons erfolgen sollen. Die ganze Aktion richtet sich gegen die Juden, die zumeist späniolischen Ursprungs sind, weil sie in Saloniki im wesentlichen die Träger der gegen Venizelos gerichteten königstreuen Politik sind. Die Bemerkung Venizelos' zu Stuart Samuel: „Ich kann erklären, daß es für Saloniki ein Unglück wäre, wenn die Juden auswandern sollten, da es dadurch jene Kräfte verlieren würde, die es zur Blüte gebracht haben" wird als eine bewußte Unwahrheit in jüdischen Kreisen empfunden. Die Verzweiflung und die Not unter den Juden in Saloniki ist entsetzlich. Weit über 2000 Familien sind gezwungen, seit Monaten in Zelten zu wohnen. Annähernd 1000 Gefangene wohnen in Pferdeställen. Die natürlichen Folgen sind epidemische Krankheiten und Hungersnot. Was bisher gesammelt wurde, hat kaum für die erste Hilfe ausgereicht. m Herr Prediger Wolf in Tempelburg schreibt uns: Hammerstein (Wstpr.), Januar 1918. Nach den Mitteilungen meiner Schutzbefohlenen im Gefangenenlager, die teils verwandt, teils bekannt mit den Führern in der heutigen Regierung Rußlands sind, nehmen folgende Juden an den Friedensverhandlungen teil: 1. T r o tz k i, recte Bronstein; 2. Sinoniew, recte Radomiselski; 3. Karnenew, recte Rosenfeld; 4. Joffe (in Petersburg); .5. Weltmann (in Petersburg). Das ist der Treppenwitz der Geschichte, daß Angehörige eines Stammes, welcher bislang so grausiges Märtyrertum unter der zarischen Regierung erduldete, heute das schwer heimgesuchte Land regieren. Sie werden auch unserem Vaterlande den Frieden bringen! * Professor Dr. Franz Oppenheimer (Berlin), äußert sich in den in Berlin erscheinenden „Neuen Jüdischen Monatsheften" (Nr. 7 vom 10. Januar) folgendermaßen über den ersten Teil der Erklärung der Reichsregierung über die Judenfrage:'. „Die Erklärung, die Herr von dem Bussche Haddenhausen den Vertretern zweier jüdischer Komitees erteilt hat, zerfällt in zwei Abschnitte, deren erster vorwiegend für das „Komitee für den Osten", deren zweiter vorwiegend für das „Zionistische Aktions-Komitee" bestimmt war. Der erste betrifft den Schutz der nationalen Minderheiten in den Randgebieten Westrußlands, der zweite die Kolonisation Palästinas. Da die beiden Angelegenheiten innig zusammenhängen und' in ihrer Gesamtheit das außenpolitische Interesse der deutschen Judenheit überhaupt bilden, hat die Reichsregierung den Weg gewählt, sie in einer an eine neutrale und eine zionistische Abordnung gerichteten gleichlautenden Erklärung zu behandeln. Uns interessiert an diesem Orte — unbeschadet der Wichtigkeit, die auch wir dem Palästinaproblem beimessen, und der Genugtuung, die wir über den Fortschritt seiner Lösung empfinden — vor allem der erste Teil der Erklärung, der sich an uns richtete und zu dem großen Problem Stellung nahm, das in diesen Blättern von Anfang an in den Mittelpunkt der Arbeit gestellt war: zum Schuh der jüdischen Minderheit im slawischen Osten. Wir begrüßen die Erklärung mit hoher Freude, wahrlich nicht, weil sie einen Erfolg, unserer beharrlichen Arbeit darstellt, sondern weit sie beweist, daß die leitenden Männer Deutschlands den Forderungen der Zeit Verständnis und guten Willen entgegenbringen ... Die öffentliche Meinung der Welt erklärt sich immer einhelliger und mit immer lauterer Forderung kraft des Prinzips der Gerechtigkeit für die sprachlichkulturelle Autonomie der Minoritäten . . . Das mag man in einigen dumpfen Amtsstuben in Krakau und Warschau noch nicht gemerkt haben . . . aber auf der freieren Höhe unserer Reichsregierung hat man offenbar empfunden, woher der Wind weht, der allmählich zum Sturm wächst, und man hat sich beeilt, die Segel zu raffen. Wir haben das sprachlich-kulturelle Problem niemals anders begriffen denn als einen kleinen Teil eines weltumfassenden Problems allerersten Ranges, und unsere Hoffmmg uns seine Lösung, die vielleicht nur stufenweise erfolgen wird, hat immer darauf beruht, daß die große Flut, die wir kommen sahen, auch dieses schwache Schifflein flottwachen und mit sich tragen würde. Es handelt sich nicht um Juden und Polen, es handelt sich um pan-europäische, paniplanetarische Notwendigkeiten.' es handelt sich um ein Prinzip, um ein nicht länger einer Hrnauszögerung fähiges .Interesse/ der größten Gruppe der Erde, der

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