Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-01-18 · Heft 3 (18.1.1918) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 3 (18.1.1918)
Date
1918-01-18
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3229339-3229342--73723-3286202
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Gemeinden, dritte Rate 1000 Mark. Der mit einem Fehlbetragvon 63 034 Mark abschließende Voranschlag wird nach einer eingehenden Aussprache, an der sich verschiedene Mitglieder des Kollegiums sowie die Kommissare beteiligen, in allen seinen Positionen nach der Vorlage des Gemeindevorstandes einstimmig genehmigt. In Gemäßheit 8 62 der Gemeindeverfassung wird der Vorstand ermächtigt, für das Jahr 1918 die Gemeindesteuer unter Zugrundelegung der Steuerveranlagung des Jahres 1914 zu erheben,. unter gleichzeitiger Er Hebung eines Kriegszuschlagies von 20 Prozent für alle Steuern von 40 Mark und mehr. Krefeld, 11. Januar. Am 3. d. M. waren es 25 Jahre, daß Herr Hauptl-ehrer Andorn sein Amt als Lehrer an der hiesigen jüdischen Volksschule antrat. Andorn besuchte von 1879 bis 1883 die jüdische Lehrerbildungsanstalt zu Hannover und war somit Schüler der verewigten Direktoren Frensdorfs und Prager. Sodann amtierte er bis Ende 1892 in Fronhausen im Regierungsbezirk Kassel und legte von dieser Stelle aus die zweite Lehrerprüfung sowie die Mittelschül- und Rektorsprüfung ab. Andorn gehört zu den geistigen Führern der jüdischen Lehrerschaft im Reiche. Durch zahlreiche jüdische Arbeiten und Referate (h war er auf dem Lehrertage zu Hannover — Dezember 1907 — Generalreferent über das Verbandstbema: Die wirtschaftliche Lage der jüdischen Lehrerschaft im Deutschen Reiche) hat er sich einen Namen von Klang erworben. Andorn ist nicht minder geistiger Führer in seiner Gemeinde, insbesondere in der Loge u-nd im Verein für die jüdische Geschichte und Literatur, und ist auch geschätzter Mitarbeiter größerer politischer Zeitungen. Möge ihm weiterhin ein segensreiches Wirken und Schaffen beschieden sein. er. NÄrnbevg, 11 Januar. Durch den Tod des Magistratsrates Kommerzienrat Hans Hops hat die städtische Verwaltung einen schweren Verlust erlitten. Der Verstorbene gehörte dem Magistrat etwa zehn Jahre an und hat in dieser Zeit durch seine vornehme Gesinnuna und seine unentwegte Arbeit für das öffentliche Wohl sich der Achtung, aller Kreise unserer Stadt erworben. Besondere Anerkennung verdiente und fand sein Wirken im Dienste der städtischen Kriegsfürsorge, der er seit den ersten Tagen des Weltkrieges seine Kräfte widmete. Gemeinsam mit seiner Gattin übernahm er den Ausbau der Kriegsküchen, die schließlich zur städtischen Kartoffelstelle wurden, deren Vorsitz Magistratsrat Hopf übernahm. Daneben beschäftigte ihn vor allem die Pflegschaft der beiden großen Licht- und Kraftwerke der Stadt Nürnberg, unseres Gas- und Elektrizitätswerkes. Der Magistrat ehrte das Andenken des Heimgegangenen in seiner letzten Sitzung durch eine Gedenkrede des Oberbürgermeisters Dr. Geßner, die darin gipfelte, daß in der Kriegsgeschichte der Stadt Nürnberg Hopfs Name mit allen Ehren stehen und der Magistrat dem trefflichen Mann, Bürger und Kollegen ein treues und dankbares Andenken bewahren werde. Zur Trauerfeier, die auf dem neuen israelitischen Friedhofe stattfand, hatte sich eine große Anzahl von -Freunden und Mitarbeitern des Toten eingefunden; auch die städtischen Kollegien waren durch eine Abordnung unter Führung des Oberbürgermeisters vertreten. Rabbiner Dr. F r e u d e n t h a l hob in seiner Gedächtnisansprache die edlen Charaktereigenschaften des Verstorbenen, der sich bis in seine letzten Lebensstunden in den Dienst seiner Vaterstadt gestellt hat, hervor. Hierauf wurde die Leiche nach der Gedächtnishalle der Einäscherungsstätte gebracht. Dort gab Oberbürgermeister Dr. Geßler der Trauer der städtischen Kollegien um den Verlust Ausdruck, der dieselben durch den Tod des lieben, prächtigen, arbeitsfreudigen und stets hilfsbereiten Kollegen, klug im Rat und unermüdlich in der Tat, betroffen hat, dessen Verdienste um die Stadt, namentlich auch feine Dienstleistung, in der Kriegsze.it, hervorhebend. Treues Gedenken und heißer Dank sei dem Verstorbenen über das Grab hinaus -in den Kreisen seiner Kollegen gesichert! — Bad Homburg, 11. Januar. Friedrich Wilhelm Anders, Leutnant der Reserve und Ordonnanzoffizier bei der ersten Abteilung eines Feldartillerieregiments, widmet in den Tageszeitungen Max Rosenfeld folgenden ehrenden Nachruf: In schwerem Kampfe fand mein Kamerad Max Rosenfeld, Oftizierstellv-ertret-er, in der dritten Batterie eines Feldartillerieregiments, der Stolz und die Freude seiner Batterie, den Heldentot. Lange Zeit habe ich mit ihm in der dritten Batterie Stunden der heitersten Freude und des bittersten Ernstes teilen dürfen. Mir besonders hat er nahe gestanden. Von Anfang an ununterbrochen im Felde, durchdrungen von glühendster Vaterlandsliebe, wie ich sie jedem Deutschen wünschen möchte, war er mit unermüdlichem Eifer allüberall bei der Sache, trat er mit Leib und Seele, mit seinem ganzen Ich an die schwierigsten und ehrenvollsten Posten und — stets zuversichtlich und voller Humor — stellte er alle Miesmacherei und krankhafte Kriegsmüdigkeit in den Schatten. Mit seinem Tod hat er seine ehrenhafte Ge- . sinnung besiegelt. Seine Vorbildlichkeit wird in dem . Herzen aller, die ihn kannten, weiterkeben. L. Mainz, 11. Januar. Me aus einem Ausschreiben des Vorstandes der israelitischen Religionsgemeinde zu Mainz hervorgebt, wird der Großherzogliche Rabbiner Herr Professor Dr. Salfeld in den Ruhestand treten und die freiwerdende Stelle des Rabbiners soll demnächst anderweitig besetzt werden. Damit hat die Amtstätigkeit eines Rabbiners ihr Ende gefunden, die es wohl verdient, daß sie einer besonderen Würdigung unterzogen werde. Professor Salfeld entstammt einer angesehenen jüdischen Familie aus Stadthaaen, war in jungen Jahren Rabbiner der israelitischen Gemeinde in Dessau, woselbst er auch viele Jahre hindurch das Ehrenamt eines Stadtverordneten und des Vorsitzenden des Dessauer Kriegervereins bekleidete. Zu Beginn der achtziger Jabre des vorigen Jahrhunderts ist er aus einer großen Anzahl von Bewerbern zum Rabbiner der israelitischen Religionsgemeinde dahier erwählt worden. Als vorzüglicher Kanzelredner und tüchtiger Seelsorger erfrente er sich bald in Mainz und Umgegend einer großen Beliebtheit. Nun begann er auch eine reiche wissenschaftliche Tätigkeit, wobei ihn die so überaus interessante, leider aber auch so traurige Geschichte der Juden in Mainz besonders anzog. Eine große Reihe von Beiträaen in den verschiedensten.wissenschaftlichen Zeitschriften, sowie die Werke: „Bilder aus der Vergangenheit der Mainzer Juden" und „Stern-Salfeld, Die israelitische Bevölkerung der deutschen Städte" u. a. zeugen in dieser Beziehung von seinem Fleiße. Auch jetzt ruht seine Tätigkeit auf diesem Gebiete noch nickst und in der demnächst erscheinenden wissenschaftlichen „Mainzer Zeitschrift" wird eine Arbeit aus seiner Feder enthalten sein, die die mittelalterlichen Mainzer Judenhäuser beschreiben wird und wobei namentlich die Tatsache besonderes Interesse verdient, daß sich hier im frühen Mittelalter auf einem freien Platze der Stadt ein jüdisches Theater befand. Von ganz hervorragendem wissenschaftlichen Werte ist indessen das von dem Herrn Professor im Aufträge der historischen Kommission für Geschichte der Inden in Deutschland herausgege'bene Marthrologium des Nürnberger Memorbuches, worin er über die Entstehung der Sitte, das Andenken der Verstorbenen zu segnen und zu ebren, tiefgründige Untersuchungen anstellt. Dieses handschriftliche Gedenkbuch vereint eine solche Fülle von Märtyrerlisten über die Judenverfolgungen des Mittelalters von 1096 bis 1349, daß es Vorzug?- weise sich dazu eignete, Anlage und Zweck solcher Schriftdenkmäler klarzustellen. Das Buch, das lange verloren war, tauchte sväter in Mainz wieder auf: vor 60 Jahren ward es der Mainzer Gemeinde entwendet und nach Frankfurt verkauft, von dort erwarb es die Mainzer israelitische Religionsgemeinschaft, deren Rabbiner Dr. Lehmann es Dr. Salfeld zur Herausgabe zur Verfügung stellte. Möge dem nunmehr aus seinem Amte Scheidenden ein froher Lebensabend beschieden sein! Von seinem Nachfolger wird erwartet, daß er gleichfalls ein tüchtiger Pädagoge, ein guter Kanzelredner und ein bewährter Schulmann sei. Ein vollständiges Verzeichnis aller Salfeldschen Schriften mag noch hier angefügt sein: 1. Eine jüdische Hochzeit auf dem Schlosse zu Dessau. 2. Predigt am Buß- und Rettage. dem 2. Juli 1870. Dessau. 3. Predigt zur Friedensfeier, Dessau 1871. 4. Gedächtnisrede auf Herzog Leopold. 5. Rede am 150. Geburtstage Moses Mendelssohns. Dessau 1879. 6. und 7. Grabreden auf Frau Geheimrat Cohen und Jeanette Wrabam, Dessau. 8. Das Hohelied bei den jüd. Erklärern des M.-A., Berlin 1879. 9. Sal. Herxheimer, Frankfurt 1889. 10. Nehmet den Anstoß vom Wege meines Volkes. 11. Gedächtnisrede auf Kaiser Wilhelm. 12. Gedächtnisrede auf Kaiser Friedrich. 13. Zwei Mainzer Urkunden von 1343, Verl. Festschrift. 14. Marthrologium, Breslau 1898. 15. Nürnberg im M.-A. mit Stern-Kiel. 16. Bilder aus der Vergangenheit der jüdischen Gemeinde in Mainz. 17. Judenpolitik Philipp des Großmütigen. 18. Zur Geschichte der Mainzer Synagogen. 19. Zur Geschichte des Judenschutzes in Kurmainz. 20. Die Mainzer Judenerben. 21. Festschrift zur Einweihung der Neuen Synagoge in Mainz. Blätter zur Erinnerung an die Einweihung der Neuen Synagoge zu Mainz. 22. Die Mainzer Judenerbin in der „Mainzer Zeitschrift".

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.