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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-01-18 · Heft 3 (18.1.1918) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 3 (18.1.1918)
Date
1918-01-18
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 Gestrrreich-Angsrn. Z. Budapest, 11. Januar. Die ungarische Judenheit erhielt vor kurzem von der ungarischen Regierung einen Fonds von 25 Millionen Kronen zur Deckung ihrer nötigsten Ausgaben zugebilligt. Damit hat es folgende Bewandtnis: Laut Gesetz von 1848 müßten die religiösen und Schulbedürsnisse aller. Konfessionen auf Staatskosten gedeckt werden. Bislang stand aber das Gesetz nur auf dem Papier, und erst vor kurzem wurde der protestantischen Konfession ein Fonds von 120 Millionen Kronen bewilligt. Den vielen Bemühungen der Judenheit, der orthodoxen, wie der neologen Richtung, die in der Sache einig gingen, gelang es nun,, das ungefähr gleiche Recht auch für die jüdische Konfession in Anspruch zu nehmen. Zwar ständen ihr nach dem Verhältnis der Bevölkerung 50 Millionen zu, doch gibt man sich in der jüdischen Welt mit diesem Anfangserfolg vorläufig zufrieden. Dieser Betrag kann übrigens auch als sinniges Jubiläumsgeschenk betrachtet werden, denn in diesen Tagen begeht die ungarische Judenheit das 50jährige Jubiläum ihrer Emanzipation. Es sind zu diesem Zwecke überall im Lande Festgottesdienste ängesetzt mit eigens dazu verfaßten Gebeten in hebräischer und ungarischer Sprache. Von Aah und Fern. — Tie Note Kreuz-Medaille dritter Klasse wurde durch den Delegierten des Kaiserlichen Kommissars und Militär Inspekteurs der frei-. willigen Krankenpflege folgenden Schwestern des Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen überreicht: Schwester Anna Friedtuender, Schwester Hildegard G r a b o w s k i, Schwester Susi Kantorowicz, Oberschwester Lina M a r g o n i n e r. Tie gleiche Auszeichnung ist dem als Krankenpfleger am Jüdischen Krankenhause tätigen Paul Kunze verliehen worden. — Ter in Konsektionskreisen besonders bekannte Inhaber des Berliner Hauses William Herz u. M. I. Meyer G. m. b. H., Martin Meyer, beging am 6. d. M. seinen 70. Geburtstag. — Der bei einem Gouvernementskriegsgericht tätige Rechtsanwalt am Kammergericht, Dr. Ernst F l a t a u (Bevlin-Wilmerdorf) hat das Eiserne Kreuz am weißschwarzen Bande erhalten. — Dr. Dessau, außerordentlicher Professor der klassischen Philosophie an der Berliner Universität und wissenschaftlicher Beamter bei der Königlichen Akademie der Wissenschaften, wurde zum ordentlichen Honorarprofessor ernannt. —' Der Berliner Justizrat Dr. Viktor Schneider ist im Alter von 64 Jahren gestorben. — Kommerzienrat Albert Pinkus, der langjährige Mitinhaber der bekannten Berliner Bankfirma Jacguier u. Securius, ist im Alter von 56 Jahren gestorben. Er gehörte zu den bekanntesten Persönlichkeiten der Berliner Bankwelt, war Aussichtsratsmitglied zahlreicher Aktiengesellschaften, der Deutschen Bank, der Hohenlohe-Werke und zahlreicher Kohlenshndikate. — Die in Lichterfelde lebende Witwe des früheren Stadtverordnetenvorstehers Justizrat Voh in Ostrowo, die bereits größere Geldstistungen für wohltätige Zwecke gemacht hat, hat der Stadt Ostrowo einen Bauplatz im Werte von 12 000 Mark geschenkt, der bis zur Bebauung als Kinderspielplatz verwendet werden soll. — Am 6. d. M. fand die Beisetzung des am 14. Mai 1917 in einem Feldlazarett verstorbenen Spezialarztes Dr. Max Lehmann (Posen) statt. Dr. Lehmann war Stabs- und Bataillonsarzt des Landwehr-Fußartillerie- Bataillons 63. — Herr Martin Marcus, Mitinhaber der Getreide- Großhandlung Siegismund Marcus in Pinne., Provinz Posen, ist durch Verleihung des Verdienstkreuzes für Kriegshilse ausgezeichnet worden. — Fabrikbesitzer Stadtrat Hamburger in Landeshut hat zu seiner vorjährigen Stiftung von 60 000 Mark für Errichtung einer Kinderbewahranstalt weitere 30 000 Mark geschenkt. — In Gleiwitz ist Sanitätsrat Dr. Karl Mannaberg, der langjährige Schriftführer der Repräsentantenversammlung, nach kurzem schweren Leiden verschieden. Er wa>r den Armen ein treuer, nie versagender Berater, ein unermüdlicher Mitarbeiter an der Wohlfahrt der Gemeinde und wurzelte fest im Glauben der Väter. — Aus Leipzig wird geschrieben: Hans Georg Jacob y, Sohn der hiesigen Wtwe Frau M. Jacoby, meldete sich mit 16% Jahren freiwillig zum Hilfsdienst ins Feld. Die Rettungsmedaille verdiente er sich dadurch, daß er einen schwer verwundeten Soldaten, der zwischen zwei in entgegengesetzter Richtung herannahenden Zügen auf den Schienen lag, mit eigener Lebensgefahr das Löben rettete. Dann versuchte er, ein Kind aus einem brennenden Hause zu holen. Am 22. Dezember v. M. wurde ihm auf dem hiesigen Bezirkskommando die ehrende Auszeichnung überreicht. — Der Gemeinderepräsentant Isaak Chanange in Annaberg (Sachsen), seit vielen Jahren Stadtverordneter, wurde zum ehrenamtlichen Stadtrat gewählt und in sein neues Amt eingewiesen. — Dem Landesrabbiner Dr. Walter zu Dessau ist vom Herzog Vvn Anhalt das Friedrichskreuz am grünweißen Bande verliehen worden. -- Dem. Distriktsrabbiner Dr. Jakob Immanuel N e u bürge r in Fürth wurde der . Orden vom - heiligen Michael-4. Klasse verliehen. Bei den zu Ki tz i n g e n a. M. kürzlich stattgefundenen Wahlen jir israelitischen Kultusgemeinde wurden, nachdem der. derzeitige erste Vorstand, Louis Frank, eine Wiederwahl definitiv ablehnte, Herr F. U l I m a n n als erster und Herr E d uardSo n d e r als zweiter Vorstand gewählt. Bei den Wahlen zur Verwaltung der Kul-tusgemeinde zu Würzburg wurden die bisherigen Vorstandsmitglieder gewählt. In die Dorstandschaft tritt.also wieder Herr Maier« Oppenheim ein, als Kassierer wird Bankier Jsaae Lehmann wirkend — Der langjährige Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde zu Speyer, Rentier Sigmund Herz,'Ehrenpräsident der israelitischen Gemeinden der Pfalz, feierte unter vielen Ehrungen seinen,! neunzigsten Geburtstag. Als Kultusvorstand ist er über 55 Jahre > tätig; zwei Jahrzehnte war er Mitglied des Stadtrates von Speyer. — Der Gattin des Lehrers Nußbaum in Viersen, die am städtischen Verkauf und in der Volksküche an leitender Stelle tätig war, ist das Verdienstkreuz für Kriegshilse verliehen worden. — Die Rote-Kreuz-Medaille dritter Klaffe wurde Herrn Kommerzienrat G ot tschalk in Kassel verliehen. Das Verdienstkreuz für Kriegshilfe erhielt der Oberbahnassistent «et. D. Lublinsky. — Nach v i e rzigjähriger Wirksamkeit als Nettester der Israelitischen Gemeinde in S p a n g e n b e r g beging Herr H a u n e Span gen b erg seinen 80. Geburtstag unter allgemeiner! Teilnahme aller Bewohner unserer Stadt ohne Unterschied der Konfession. Der greise Jubilar erfreut sich großer Rüstigkeit. — Dem Reallehrer et. D. S. Hei n e m a n n am Philanthropin zu Frankfurt a. M. ist da s Verdi enstkreuz für Kriegshilse verliehen worden. — Aus Wien wird uns geschrieben: Auf der Israelitischen Abteilung des Zentralfriedhofes erfolgte die Beerdigung des hier verstorbenen Abgeordneten des Buk o - w i n a er La n dta g e s, kaiserlichen Kommerzienrates Sa l om o.n Ru dich. Der Verstorbene gehörte dem jüdischen Landtagsklub an. Nach ' den durch Rabbiner Dr. T a g l i ch t vorgenommenen Bestattungszeremonien hielt der Führer der Bukowinaer jüdischen Landespartei, Dr. S t r a u ch e r, einen Nachruf, dem Ansprachen des Kammerpräsidenten Tittinger, des Landhauptmanus der Bukowina, Baron H o r m u z a k i und des Abgeordneten von Wassilko folgten. — Professor med. et Phil. Max Neuburger, bekannt als Verfasser Zahlreicher Arbeiten über die Geschichte der Medizin, ist zum ordentlichen Professor an der Universität in Men ernannt worden. — Die ungarischen Antisemiten haben unter den gleißnerischen Waffenmit denen sie ihren Verleumdungsfeldzug gegen die Juden führen, mit Vorliebe diejenige gebraucht, daß die sich bereichernden Kriegslieferanten ausschließlich Juden seien. Ein allgemeiner Schrei nach Veröffentlichung der Kriegslieferantenliste erscholl, in der sicheren Annahme, daß diese Liste ihre Angriffe rechtfertigen würde. Nun denn, die Liste ist erschienen und wirkt auf diejenigen, die sie provoziert haben, in geradezu niederschmetternder! Weise. Es finden sich darunter nur wenige jüdische Firmen. — Die jüdischen Kriegsgefangenen in England wurden mit Genehmigung der englischen Regierung in einem besonderen Gefangenenlager in der Nähe von Douglas konzentriert, wo sie nach den Gesetzen des jüdischen Ritus leben können. In diesem Lager befinden sich zirka 700 deutsche, österreichische und türkische Juden, die sich einen Rabbiner, einen österreichischen Kriegsgefangenengewählt haben. Die jüdische Gemeinde in Douglas richtete für diese Kriegsgefangenen hebräische und jiddische Schulen ein und versorgt sie mit Leh>r- und Lesebüchern. — Der hebräische Schriftsteller und Redakteur des „Haschiloach", Dr. Josef Klau sner, wurde vom Professorenrat der Odessaer Frauenuniversität, zum Dozenten fün jüdische Geschichte und Orientkunde an der Frauenuniversität ernannt. — Wie aus Sosnowice gemeldet wird, werden seit einiger Zeit in den Kohlengruben des österreichischen Besatzungsgebiets jüdische Arbeiter beschäftigt. Gegenwärtig arbeiten dort bereits hundert jüdische Arbeiter. Verantwortlicher Redakteur: Albert Äatz in Berlin-Pankow, Florastraße 58'. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Friedenau. . Druck und Verlag von Rudolf Moffe.

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