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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-01-18 · Heft 3 (18.1.1918) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 3 (18.1.1918)
Date
1918-01-18
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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Berlin, 18. Januar 1918 81, Jahrgang Nr. 3 -♦ Vellage zue „Allgemeinen Leitung de- Judentum-". LorrelpandrnMn und Sschrichten. SklltfchlSlld. # 15. Januar. Eine Gedächtnisfeier für Ludwig Traube, den verdienstvollen Pfadfinder der experimentellen Pachologie in Deutschland und langjährigen Leiter der Inneren Abteilung des Jüdischen Krankenhauses, fand am Sonntag, den 13. d. M., im festlich geschmückten Sitzungssäale des Krankenhauses statt. Gleichzeitig wurde der-neu gewählte Direktor der chirurgischen Station, Geheimrat Professor Dr^ Ferdinand Karewski, durch den Vorsitzenden des Krankenhauses, Kommerzienrat Dr. jur. h. e. Netter, in sein Amt eingeführt. Stimmungsvoller Gesang des Weinbäumschen Chores leitete die Doppelfeier ein. In der Eröffnungsansprache feierte Dr. Netter die großen Verdienste, die Traube sich um das Jüdische Krankenhaus erworben hat. Die Zeit seines Wrkens wird immer zu den Glanzzeiten der Anstalt gehören, deren Verwaltung seiner stets mit dankbarer Verehrung gedenken werde. Nach herzlichen Gedächtnisworten für den verdienstvollen verstorbenen Vorsitzenden des Krankenhauses, Stadtverordneten Louis Sachs, gedachte Dr. Netter der langjährigen reichgesegneten Wirksamkeit, die Professor Dr. James Israel an der Anstalt entfaltet hat, und begrüßte dann Geheimrat Karewski als würdigen Nachfolger dieses großen Helfers und Lehrers. Professor. Dr. Karewski dankte mit bewegten Worten für das Vertrauen, daß ihm durch, seine Berufung geworden ist, und gelobte, getreu der Tradition des Krankenhauses zu wirken. Mit der praktischen Tätigkeit soll auch weiter die wissenschaftliche Forschung gepflegt werden, der im neuen Krankenhause mustergültige Hilfsmittel zur Verfügung stehen. Die dem Andenken Traubes geweihte Festrede hielt der Leiter der Inneren Abteilung des Krankenhauses, Professor Dr. Herma.nn Strauß. Ludwig Traube hat, nicht nur zum Wohle des Jüdischen Krankenhauses gearbeitet, sondern auch dem Juden im medizinischen Beruf Pionierdienste geleistet und das Ansehen der Juden in unserem Vaterlande gehoben. Sein Name ist mit ehernem Griffel in die Geschichte der Anstalt eingegraben, deren Leitung er am 1. Oktober 1871 übernahm, bis ihn schon nach fünf Jahren seine Krankheit, eine Folge der vielen Aufregungen und der Zurücksetzungen, unter denen er als Jude zu leiden hatte, zwang, von diesem Amte zurückzutreten. In dieser kurzen Zeit hat er dem Krankenhause den Stempel seines Wesens aufgedrückt. . Im Krankenhause wurde auf seine Veranlassung das pneumatische Kabinett eingerichtet, das nicht nur zahllosen Patienten Heilung brachte, sondern auch Gelegenheit zu zahlreichen wissenschaftlichen Versuchen gab, von denen der Redner als besonders aktuell gewisse Vorarbeiten für das Flugwesen erwähnte. Sein Name bedeutet ein Programm für die Entstehung der deutschen Medizin, der er mit Virchow und du Bois Rehmond neue Wege gewiesen hat. Traubes Verdienste werden weiterleben. Wir Juden dürfen mit frohem Stolz bekennen, daß er unser war. Sein Wirken bedeutet eine Ruhmeszeit der deutschen Medizin. Nochmaliger Chorgesang beschloß die Feier, an der außer Angehörigen des großen Forschers Vorstand und Repräsentantenversammlung der jüdischen Gemeinde, des Krankenhauses, die Aerzte und das Pflegepersonal teilnahmen. E. M. BeMn, 15. Januar. Die deutsche Juden heit hat durch den Tod -es hier im 75. Lebensjahre verstorbenen Geheimen Sanitätsrates Dr. Louis Maretzki einen schweren Verlust erlitten. Der Heimgegangene gehörte zu den markantesten Erscheinungen im deutschen Judentum und war durch fein Wirken als langjähriger Großpräsident des deutschen Distriktes des Ordens Bne Brith über die Grenzen unseres Vaterlandes hinaus bekannt als eifriger Förderer aller Bestrebungen, die auf die wirtschaftliche und geistige Hebung der Judenheit Hinzielen. Die sozialen und Wohlfahrtseinrichtungen des Ordens verdanken zum großen Teil ihr Entstehen seiner Initiative. Besondere Verdienste erwarb sich der Verstorbene im Dienste der Bestrebungen zur kulturellen Hebung der galizischen Juden, sowie in der Bekämpfung des Mädchenhandels. Seine hervorragenden Kenntnisse auf dem Gebiete der sozialen Fürsorge sind von ihm inmehreren beachtenswerten Schriften niedergelegt worden. Außerdem entstammen seiner Feder eine Geschichte des Ordens Bne Brith in Deutschland und mehrere Denkschriften zu den verschiedenen Epochen der jüdischen Logenarbeit in unserem Vaterlande, sowie verschiedene Arbeiten über die Mischehen, die. Sterblichkeit bei den Juden und andere. Als Begründer des Vereins für Statistik der Juden, dem er bis zuletzt Vorstand, bezeigte Geheimrat Maretzki ein lebhaftes Interesse für jüdische wissenschaftliche Bestrebungen. In der Verwaltung der Berliner jüdischen Gemeinde -betätigte sich der Verstorbene als Mitglied der Armenkommission, für deren Organisation er wertvolle Anregungen lieferte. Zu seinem 70. Geburtstage am 3. Oktober 1913 stellten die deutschen Logen U. O. B. B. ihrem langjährigen verdienstvollen Großpräsidenten als Ausdruck ihrer Verehrung und Dankbarkeit 25 000 Mark zur Begründung einer Stiftung zur Verfügung. — Die Bestattung des Verstorbenen, der die Einäscherung im Berliner Krematorium vor angegangen war, fand am vergangenen Sonntag in aller Stille auf dem Gemeindefriedhofe in Weißenfee statt. E. M. Berlin, 16, Januar. Die Stellung der deutschen Juden nach dem Kriege behandelte Professor Dr. A d o l f Koch am letzten Vortragsabend des Vereins für jüdische Geschichte und Literatur. Der Weltkrieg ist nicht nur als brutaler Zerstörer, sondern auch als großer Erwecker über die Völker gekommen, die im Frieden nach dem Kriege nicht mehr die gleichen sein werden wie im Frieden vor dem Kriege. Das nationale Gefühl und das völkische Bewußtsein haben sich im Kriege verstärkt und dadurch die Abneigung gegen alles Fremdartige in den Grenzen des Deutschen Reiches vertieft. Es wäre eine Vogelstraußpolitik, zu leugnen, daß die großen Massen des deutschen Volkes die Juden immer noch als etwas Fremdes empfinden. Die gemeinschaftlichen Opfer und das gemeinschaftlich vergossene Blut haben diese Abneigung nicht.zu beseitigen vermocht, und selbst die eiserne Zeit konnte diese Unreinheit aus dem Edelmetall der deutschen Volksseele nicht ausscheiden. Der Antisemitismus ist für Professor Dr. Koch zum Teil nur eine besondere Ausdrucksform des Widerstandes der machthabenden Kasten gegen das Emporsteigen der bisher bedrückten jüdischen Volksschichten. Ernste Anzeichen, von denen die berüchtigte Judenzählung das erste war, künden eine schwere Zeit für die deutschen Juden an und mahnen sie zur Selbstbesinnung und Selbstbehauptung. Die Juden, die ein besonders hohes Kontingent zu den akademischen Berufen und zur Presse stellen, müssen sich ihrer Verantwortung bewußt sein, die sie durch ihre exponierte Stellung vor der Nation tragen. Ohne Rücksicht darauf, daß Heer und Flotte leider noch immer vielfach judenfeindlich gesinnt sind, gilt es, die Mittel, die zum Ausbau dieser Grundfesten von Deutschlands Staatsleben gefordert werden, zum Schuhe des Vaterlandes zu bewilligen. Den inneren Angelegenheiten der christlichen Kirchen gegenüber muß taktvollste Zurückhaltung geübt werden, und selbst bei gerechter Abwehr von Angriffen Uebelwollender ist Duldsamkeit zu üben. Die deutschen Juden, die stolz auf ihre Abstammung vom ältesten Volke der Erde sind, das der Welt die höchsten ethischen Begriffe geschenkt hat, fühlen sich durch gemeinsame Sprache, gemeinsame Geschichte, gleiche Erziehung und gleiche Interessen unlöslich mit ihren christlichen Mitbürgern verbunden. Gemeinsam mit den christlichen Mitbürgern ist den deutschen Juden durch die Eroberung Polens die Aufgabe geworden, die Frage der Ostjuden zu lösen. Der Redner hofft, daß es gelingen wird, den Strom jüdischer Auswanderung ostwärts zu lenken und dadurch das alte religiöse Ideal des gläubigen Judentums mit Hilfe des mächtigen Deutschen Reiches in Palästina zu verwirklichen. — Der Vortrag hinterließ bei dem zahlreichen Publikum einen großen Eindruck. 8. Berlin, 15. Januar. Herr Rabbiner Dr. H ochfeld mußte aus Gesundheitsrücksichten von dem Amte als Leiter der 9. Re'ligionsschule der jüdischen Gemeinde zurücktreten. Beim Wiederbeginn des Unterrichtes nach den Weihnachtsferien verabschiedete er sich von dem Lehrerkollegium. In warmen Worten dankte er dem Kollegium für die verständnisvolle und treue Mitarbeit während der 12 Jahre seiner Tätigkeit als Dirigent der Schule und betonte das gute Einvernehmen, das in dieser ganzen Zeit zwischen

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