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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-01-18 · Heft 3 (18.1.1918) · p. Seite 36

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 3 (18.1.1918)
Date
1918-01-18
Page
Seite 36 (sequence 12)
Language
German
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erscheinen, so wirddoch jeder, dem die Zukunft des Judentums am Herzen liegt, ihm von ganzem Herzen beipflichten, wenn er an das Ende seiner Abhandlung die Forderung stellt: Es ist höchste Zeit, daß der jüdische Neli gi on su nt er r i ch-t sich darauf besinnt, w ie die Kenntnis und Wertschätzung der Bibel wieder zu heben ist. Wenn .aber. die Bibel ihrem Volke wiedergegeben werden soll, dann g e h ö rt si e z u e r st i n di e Hand se in er I ugend! Pros. Dr. Arthur Rosenzweig, z. Z. Kriegsspital Sternthal, Stmk. — L i c. Dr. A. Jirku. Die älteste Geschichte Israels i m R a h m e n l e h r h a f t e r D a r st e l l u n g e n. 1917. VI, 173 S. 4,50 Mark. Leipzig, Deichertsche Verlagsbuchhandlung. Der Verfasser will in seiner Abhandlung den Nachweis führen, daß es bestimmte, eigenartige, bald kürzere, bald -längere, in formelhaftem Stile gehaltene Darstellungen der alten Geschichte Israels gegeben habe, die sich in der Bibel, in den Apokryphen, im Neuen Testament, in Philo, Josephus und sogar in den Schriften der Patristik deutlich unrschreiben ließen. Als ihre Hauptzeugen könnten Psalm 78, 105 und 106, Josua Kap. 24, Nehemia Kap. 9, -die sich am 'leichtesten als solche formelhafte schematische Darstellungen erkennen lassen, gelten, aber neben ihnen ließen sich noch manche andere Nachweisen. Sie behandeln in der Hauptsache alle denselben Stoff, nämlich die Geschichte vom Auszuge aus Aegypten bis zur Einwanderung in Kanaan, soweit sie aus vorexilischer Zeit stanrmten, 'bis zum Exil, soweit sie in nachexilischer Zeit ihre Entstehung haben, und hätten außer dem gleichen oder ähnlichen Sachinhalt noch gewisse formelhafte sprachliche Wendungen zu eigen. In der Hauptsache ist dem Verfasser in der fleißigen und von ernstem Forschergeist getragenen Arbeit der Nachweis geglückt. Der Eindruck des Buches würde aber ein noch ^viel lebhafterer sein, hätte sich nicht der Verfasser seinen Rahmen zu weit gesteckt und nicht der an sich richtigen Idee zuliebe zuviel in den Kreis der Beweisführung hineingezogen. Es geht nicht an, jede einzelne Stelle im biblischen Schrifttum, in der eine Erinnerung an die alte Geschichte Israels sich findet, — und was ist schließlich natürlicher als solche häufigen Erinnerungen, — als ein Bruchstück solcher: einstigen Schemas zu buchen nur deshalb, weil sich eine solche Formel wie: „Stlavenhaus, Schmelzofen, es standen die Wasser wie eine Mauer, mit starker Hand und ausgerecktem Arm" oder dergleichen findet, und daraus nun Folgerungen zu ziehen. Hier liegt ein Kernsehler der Untersuchung, die weit eindrucksvoller wäre, wenn sie sich an die großen,, tatsächlich nachweisbaren Geschichtsdarstellungen gehalten hätte. Aber auch bei der Untersuchung und Zergliederung dieser größeren Darstellungen schießt der Verfasser übers Ziel hinaus. Es ergab sich ihm in: Laufe der Untersuchung, daß diese uralten formelhaften Skizzen der alten israelitischen Geschichte Ueberlieserungen dnrstellen, die den Ueberlieserungen parallel gegangen sein müssen, aus denen der Tetrateuch (das heißt 1.—4. Buch Mose) geschöpft habe, und daß diese Ueberlieserungen zum Teil von den in der Bibel sonst -niedergelegten Ueberlieserungen abweichen. Nun muß man aber den Gedanken, daß das Neue Testament, Josephus, Philo und gar die Kirchenväter selbständige, von der Bibel unabhängige . Quellen der alten jüdischen Geschichte gehabt haben sollten, weit wegweisen: nicht, daß das an sich nicht möglich genesen fein sollte, aber diese Schriften stammen aus Zeiten, -in denen der Quell der agadischen und midraschischen Auslegung der Bibel in Israel sehr lebendig sprudelte, und hätten solch selbständige Quellen noch existiert, sie hätten dann auch iu diesen Auslegungen unmöglich unbeachtet bleiben können. Es ist auch nicht so, daß man aus der Verschiedenheit der Darstellung in diesen lehrhaften Stücken und bei jeder Abweichung von der Schilderung in Exodus und Numeriauf besondere Quellen schließen kann; der Verfasser übersieht, daß es sich da ja eben nicht um präzise literarische Fixierung handelt, sondern um predigthafte Ermahnung, um homilienhaste Ansprachen, in denen man mit Absicht skizzenhaft und unter Betonung und Weglassung bald des einen, bald des anderen spricht, je nach dem augenblicklichen Zlveck, den man verfolgt, und den Gedanken, die man anregen will. Gelegentlich betont Verfasser auch selbst diese Erwägung, ohne sich ihr doch immer anzuschließen. Es geht ferner auch zu weit, aus einzelnen Wjorten oder Angaben alsbald aus verschiedene Quellen zu schließen, so zum Beispiel, wenn Verfasser die Tatsache, daß in der Schilderung des Durchzugs durchs Meer einmal der Ausdruck: „die Wasser standen wie eine Mauer," ein ander Mal „sie. stunden wie ein Wall" anMvändt .ist, .^u dem Schlüsse benutzt, daß eine lieberlieferung ein Spalten des MÄreS i’n zwei Teile, eine ändere ein. Zurückweichen nach einer Seite kannte; das mag an sich möglich sein, aber es daraus abzul-eiten, dazu fehlt dem Schluß das Ziimngende. Oder wenn er aus Psalm 105,39 eine Quelle ableiten will, die die Wolkensäule nicht als Scheide zwischen Israel und Aegypten kannte, sondern "als Decke :und Schütz geMMtz Hitze. Einmal bedeutet 7IOQ durchaus nicht nur die Decke, sondern auch den Vorhang; sollte eHa-ber selbst hier Decke bedeuten, so kann man auch noch lange nicht auf eine -selbständige Quelle schließen, sondern nur daraus, daß der Psalmist mit der ihm zustehenden dichte-' rischen Freiheit der Wolkensäule der alten überlieferten Erzählung zur Erbauung seiner Hörer einen neuen Zweck geschenkt hätte. Es unterlaufen dem Verfasser auch ausgesprochene Jrrtümer, die gut hätten vermieden werden können; er knüpft eine ganze Auseinanderssetzung daran, daß in Richter Kapitel 11 Jephta nicht bloß dem König *von Moab über Moab, sondern auch über Ammon antwortet, aber wo steht in dem ganzen Kapitel überhaupt etwas von Verhandlungen mit einem König von Moab? Eine Ausschaltung solcher Untersuchungen und Nachweisversuche wäre dem Ganzen zugute gekommen; geglückt ist der Nachweis eigener Ueberlieferung am besten bei der an Psalm 78 und die in ihm enthaltene Schilderung der ägyptischen Plagen anknüpfenden Darstellung. Was dem Buche eine besondere Wichtigkeit verleiht ist die im letzten Kapitel vorgenommene Auseinandersetzung über die aus dem Nachweis solcher lehrhaften Darstellungen sich ergebenden Folgerungen für die Frage der pentateuchischen Quellenkritik. Hier rechnet der Verfasser gründlich mit der Wellhausenschen Schule ab, zeigt, wie verfehlt es ist, alles in das Schema der Dreiquellentheorie Jaywist, Elohist und Priesterkodex einzuzwängen, wie 'lächerlich und unwissenschaftlich es ist, die Verse zu zerreißen und nach Bedürfnis sie bald dem, bald jenem Autor zuzurechnen. Ihm ergibt sich aus seiner Untersuchung eine Fülle von Quellen und Ueberlieserungen, aus denen das Gebäude des Pentateuchs errichtet ist, und treffend führt er aus, daß es bei dem gegenwärtigen Material des hebräischen Altertums überhaupt nicht möglich ist, die letzten Fäden zu entwirren, aus denen das komplizierte Gewebe der Bibel gesponnen ist, daß eine Zurückhaltung in der Aufstellung sogenannter gesicherter, letzter Ergebnisse in der Pentateuchfrage am Platze ist. Das ist ja das, was unsrerseits von jeher betont ward, daß die Wellhausensche Schule Hypothesen zu gesicherten Ergebnissen gestempelt habe. Wenn sich nur erst diese Erkenntnis von dem hypothetischen und willkürlichen Charakter des Wellhausenschen Schemas und damit auch von den an dasselbe geknüpften Folgerungen über Verlauf und innere Idee des israelitischen. Altertums Bahn bricht, dann wird man bald einen sicheren Boden gemeinsamer unbefangener wissenschaftlicher Forschung Haben, dann wird man aber auch die tendenziösen antijüdischen sogenannten Ergebnisse der bisherigen zünftigen Bibelkritik begraben müssen. Um eben dieses letzten Kapitels willen ist das Jirkusche Buch besonders begrüßens- und lesenswert. D i e n e m a n n (Ratibor). — Swen Hedin: Bagdad, Babylon, Ninive. 1917, Leipzig, Brockhaus, 165 S. Kleine Ausgabe. Mit 26 Abbildungen. 1 Mark. Das Buch ist kein Kriegsbuch sondern eine Reisebeschreibung, und von Krieg ist in ihm nur so weit die Rede, als Sven Hedin unterwegs mit den im Irak Kämpfenden oder den Kampf Vorbereitenden in Berührung kommt. Mit der ihm eigenen Kunst der Reiseschilderung berichtet er, was er unterwegs gesehen hat auf diesem Boden, der seit Jahrtausenden der Schauplatz von Kämpfen war, die in ihrer Entscheidung noch jedesmal der Weltgeschichte auf lange Zeiträume Richtung gaben, und aus dem die Städte und die Steine von vieltausendjähriger, wechselnder Kultur zeugen. Mit besonderer Ausführlichkeit ist der Besuch aus den Trümmerfeldern Babylons und Ninives geschildert, und Sven Hedin entwirft dabei ein anschauliches Bild von der dort geleisteten archäologischen Forscherarbeit; und daß er dieser Schilderung einen gedrängten und doch gut unterrichtenden Abriß der Geschichte der Keilschriftentzifferung und ihrer wichtigsten Ergebnisse anreiht, macht das Buch besonders lehrreich. Eine größere Ausgabe, von der die vorliegende nur ein Auszug ist, mit reicherem Text und zahlreicheren Abbildungen (Preis 8, geb. 10 Mark) soll in diesen Tagen erscheinen. Dienemann (Ratibor).

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