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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-01-18 · Heft 3 (18.1.1918) · p. Seite 33

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 3 (18.1.1918)
Date
1918-01-18
Page
Seite 33 (sequence 9)
Language
German
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■ Nun kam Äe Bescherüng. Und es war rührend anAusehen, wie aus diesen.sturmtzereisten Männern, aus diesen kampferprobten Jünglingen Kinder wurden^ Kinder,. die mit großen, erwartungsvollen Augen jenem unscheinbaren, braunen Feldkoffer entgegensahen, der all die Herrlichkeiten enthielt, die ihnen jetzt beschert werden sollten. Wie die kleinen Schulbuben dem Herrn Lehrer, so hielten sie jetzt dem .Herrn Aabbiner die ausgestreckten Arme entgegen. ,Sitte, Herr Rabbiner, ich Hab' noch nichts!" „Bitte mir, , bitte mir!" Und die Barriere, an die sie sich drängten, krachte in allen Fugen und wäre, dem Anstürme nachgebend, beinahe eingebrochen. Stück um Stück wanderten nun die Sachen aus dem braunen, unscheinbaren Wunderkofser, der von schier unerschöpflicher Tiefe zu sein schien, durch die Hände des Rabbiners in die Hände der beglückten Empfänger. Endlich aber war der Inhalt des Koffers-erschöpft und gähnende Leere Zeigte den Beschenkten, daß nichts mehr Zu holen sei. Hochbefriedigt und mit. Worten des herzlichsten Dankes an Herrn Professor Dr. RosenZweig verließen alle den Saal, der jetzt plötzlich wieder der kahle, nüchterne Kinosaal geworden war, um dessen traurige Nacktheit der hereingebrochene Abend den wohltätigen Schleier der Dunkelheit legte. ., Elsa Köhler. Die Juden im kranriMchen Heere. Von Max Moll st einer (Charlottenburg). Bei (dem der Weltkrieg die Schranken zwischen den einzelnen Völkern ausgerichtet hat, haben wir von den Juden in Frankreich nur spärliche unzulängliche Nachrichten bekommen; von der Beteiligung der französischen Juden am Kriege haben bisher überhaupt keine Nachrichten Vorgelegen. Indessen sind jetzt einige Broschüren nach Deutschland gekommen, die hierüber ausführlich berichten. Es scheint sich m Frankreich ein Komitee gebildet zu haben, welches ähnlich wie der Kriegsausschuß in Deutschland die Statistik der jüdischen Kriegsteilnehmer in Frankreich führt. Allerdings handelt es sich nicht um amtlich bekanntgegebene Ziffern, doch schöpft der Autor augenscheinlich aus amtlichen Quellen. Bis jetzt liegen die Ergebnisse der Statistik für die Jahre 1915 und 1916 vor: 1917 ist noch nicht mit einbegriffen. Die Zusammenstellung macht durchaus keinen Anspruch aus Vollständigkeit, da nach der Religion des einzelnen Soldaten in Frankreich nicht gefragt wird. Die Hauptfrage, wieviele Juden im französischen Heere überhaupt dienen, ist nicht beantwortet, jedoch läßt sich diese Zahl leicht schätzen. Die jüdische Bevölkerung in Frankreich beträgt nach der Statistik von Ruppin in seinem Buche „Die Juden der Gegenwart" etwa 190 000 Seelen. Hiervon sind etwa 50 000 abzuziehen, die nicht die französische Staatsangehörigkeit besitzen, vorzugsweise Russen. Dagegen treten hinzu 57 000 Juden aus Algier und 62 000 aus Tunis. Diese ergeben insgesamt eine Bevölkerungszahl von etwa 170 000 Seelen. Analog der Beteiligung der Juden in anderen Ländern ist etwa ein Satz von 8 bis 10 Prozent für die Teilnehmer am Kriege einzüsetzen. Das würde etwa 14 000 Soldaten ergeben; rechnen wir von den 50 000 ausländischen Juden, die in Frankreich wohnen, 4 Prozent als Freiwillige der französischen- Armee hinzu, so würde das die Zahl von 14 000 um 2000 erhöhen, so daß wir nach dieser Schätzung mit etwa 16 000 Kriegsteilnehmern zu rechnen haben. Laut der mir vorliegenden Liste sind in den beiden ersten Kriegsjahren 600 Juden ans dom Schlachtfeld gefallen, und zwar verteilt sich diese Zahl nach Chargen wie folgt: 1 Feldgeistlicher. Dessen Tod ist unter tragischen Umständen erfolgt. Er waltete hinter der Front seines Amtes als Feldrabbiner. Neben seinen Pflegebefohlenen lag ein katholischer Soldat im Sterben. Ein katholischer Feldgeistlicher war nicht zur Stelle; der jüdische Feldgeistliche nahm das Kruzifix und war im Begriff, dem Katholiken die letzten Segnungen seiner Religion zu gewähren, da traf ihn ein Granatsplitter, und er sank zu Tode getroffen zu Boden. Es folgen: 1 Arzt, 2 Bataillonschefs, 1 Major, 29 Hauptleute, 19 Oberleutnants, 24 Leutnants, 13 Adjutanten, 84 Korporale und Feldwebel, 44 Unteroffiziere, 4 Kommandanten, 2 Offiziers- Aspiranten, 2 Quartiermacher, 2 Verwaltungsoffiziere und 367 Gemeine. Daß die französischen Juden ihrem Vaterlande gegenüber ihre volle Pflicht erfüllen, geht aus den zahlreichen, überaus warm gehaltenen Tages-, Regiments- und Armeebefehlen hervor, in welchen dieselben erwähnt werden. Solche lobenden Erwähnungen! französischer Inden sind , in den beiden ersten Kriegsjahren 300 erlassen worden. Die Tagesbefehle legen Zeugnis ab von dem ungemein tapferen und unerschrockenen Vevhalten der darin Erwähnten. Hier einige Proben: Leon Weiler, Hauptmann nnd Kompagnieführer im 26. Jn-> fanterie-Regiment, mit dem Bande der Ehrenlegion geschmückt, wurde zweimal auf Anordnung der Heeresverwaltung erwähnt: er hat am 26. August 1914 im fürchterlichsten Infanterie- und Artilleriefeuer einen schwerverwundeten Hauptmann aus der Schlacht getragen. In der Nacht vom 7. zum 8. Oktober 1915 übernahm er mit 50 Mann die Verteidigung eines Dorfes, das von 5 feindlichen Kompagnienangegriffen war. Er leistete mit der größten Energie Widerstand bis zur Ankunft der französischen Verstärkungen. — Andre Simon. Feldwebel im 132. Infanterie-Regiment, auf Befehl der Division genannt. Er schlich sich auf einem nächtlichen Patrouillengang zu den feindlichen! Gräben heran. Vom Feinde entdeckt, lieferte er den Beweis allergrößter Kaltblütigkeit; es gelang ihm sich trotz des auf ihn gerichteten Gewehrfeuers-zurückzuziehen und wichtige Nachrichten mitznbringen. Nach Chargen geordnet verteilen sich die lobenden Erwähnungen folgendermaßen: 32 Hauptleute, 5 Obersten, 1 Major,' 2 Bataillonschefs, 41 Oberleutnants, 55 Leutnants, 9 Aerzte, 6 ESkadronschefs, 2 Offiziersaspiranten, 2 Kommandanten, 6 Quartiermacher, 1 Oberstleutnant, 2 Fliegerleutnants, 60 Korporale und Feldwebels, 121 Gemeine. -Komisch muten uns deutsche Juden die Namen der jüdischen Kämpfer für Frankreich an. (Söhne und Enkel der -aus dem Elsaß eingewanderten Juden.) Fast -alle Namen sind deutsch, ausgenommen diejenigen der afrikanischen Juden. So begegnen wir Namen wie Louis Eisenstein, Isidor Levy, ungezählten Angehörigen des Namens Bloch, Blum, Schul, Weinberg, Drucker, Werner, Wronke, Bernheim, Reichmann, Nordmann, Kiewe, Dreyfuß, Lange, Strauß, Marx, Citron, Lehmann, Rosenheim, Heine, Klotz, Weil, Frank, Edinger, Gompertz, Herz, Weidenbach, Rosenfeld, Davidsohn, Katz, Wormser, Frankel, Wiesengrund, Sternberg und vielen anderen ähnlich klingenden Namen. Die vorstehenden Zahlen lassen erkennen, daß auch der französische Jude seinem Vaterlande mit derselben Hingebung und Liebe dient, wie das die Juden in anderen Ländern, vornehmlich in Deutschland, tun. Dir alte Hanna. Skizze von G. B i e n e ck. Dämmerung eines schönen und warmen Frühlingstageg war eingebrochen. An der Eingangstür eines der alten, schon recht verwittert aussehenden Häuser der langen,

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