Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 2 (11.1.1918)
- Date
- 1918-01-11
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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2 könne, nutzte nichts. Ter Antragsteller meinte sögar^ daß es gerade im konservativem Interesse läge, durch die NichLwiederwahl des betreffenden Mitgliedes seine konservative Gesinnung zu bekunden. Diese Tatsachen dürften wohl ein treffendes Bild für die Beurteilung der kommenden Verhältnisse bieten und geeignet sein, sich auf das, was uns nach dem Kriege noch bevorsteht, beizeiten einzurichten. W. Posen, 4 Januar. Nach langem, mit Geduld ertragenem Leiden verschied hier Frau Lea Cal Vary geb. Werner im. 70. Lebensjahre. Die Heimgegangene gehörte eine Reihe von Jahren hindurch dem Kreise der Aufsichtsdamen des jüdischen Kranken- und Siechenhauses Abraham und Henriette Rohrsche Stiftung, an, bis eine schwere Krankheit ihrem edlen Tun Einhalt bot. Mit ihrem von Menschenliebe und Güte erfüllten Herzen war sie stets hilfsbereit um die Not der Kranken und Schwachen zu lindern, ihr. kluger Rat hat der Verwaltung dieser Anstalt segensreiche Dienste, geleistet. Als Ehrendame der Israelitischen Waisen-Knabenanstalt war sie seit 1890 eifrig tätig. Solange ihre körperlichen Kräfte es zulietzen, hat sie' mit seltenem Eifer, der ihr eigen war, ihres Ehrenamtes gewaltet. Sie nahm sich besonders der einzelnen Zöglinge an, ist stets auf die Wünsche derselben mütterlich liebevoll eingegangen und war auch bemüht, denselben gerecht zu werden. Den Israelitischen Verein „Frauenhilfe" bat sie mitbegründet und betätigte sich als Vorstandsmitglied jederzeit in selbstloser und aufopfernder Weise. Die große Anteilnahme bei der Beerdigung bezeugte, welches hochgeschützte Mitglied die hiesige Synagoge durch den Tod dieser braven, edlen Frau verloren bat. W. Posen. 4. Januar. Ein zweifaches silbernes Jubiläum konnte am 25. Dezember das Haus Rudolf Petersdorff hierlelbst beheben: Vor 25 Jahren ist die beute in der ganzen deutschen Handelswelt bekannte -Firma, im Osten Deutschlands wobl die größte ibrer Art. begründet worden. 25 Jahre waren auch vergangen, seit der Begründer und alleinige Inhaber Rudolf Petersdorff mit seiner Gattin Natalie geb. Hessel den Bund fürs Leben schloß. Diese 2 5 Jahre bezeichnen einen langen Weg der Entwicklung und des Aufstieges eines Geschäftshauses, einen Weg, den oft dornige Hindernisse versverrten und der in. frühen Tagen mehr als einmal ungangbar erschienen war, der aber mit Energie und einer vorbildlichen Selbstdisziplin im kleinen und großen gegangen wurde und schließlich zu einer ungeahnten Höhe des Erfolges geführt hat. Als die Firma eröffnet wurde, da geschah es mit einem einzigen Angestellten und mit dem wahrhaft nicht lehr ermutigenden Umsatz von 37 000 Mark im ersten Jahre. Heute reckmet die Firma mit einem jährlichen Warenumsatz von über elf Millionen. Einem einzigen Angestellten im Jahre 1892 steht die letzte Friedensziffer von 250 Angestellten in Posen, 300 in Breslau und 250 in Königsberg gegenüber. Die Billa Petersdorff war am 25. Dezember in ihren wundervollen Räumen zu einem Blumengartenverwandelt. In unnennbar großer Zahl trafen vom frühen Morgen an die prächtigsten Arrangements ein, die mit ihrem Blütenzauber an die Augenfreude eines Frühlingstages an der Riviera erinnerten. Herr Petersdorff dankte -allen Erschienenen sichtlich ergriffen und teilte die Stiftung von 100 000 Mark zur Begründung eines Unterstützungsfonds für Angestellte des Hauses Petersdorff mit. Viele Abordnungen waren erschienen, die herzliche Ansprachen hielten und Jubiläumsgaben überreichten. Von packenden: Eindruck auf alle Anwesenden war die Ansprache, die der Gemeinderabbiner Herr Dr. -Frei mann hielt. Er rühmte den rechtlichen, frommen Sinn des im doppelten- Glanz der Silbermhrthe stehenden Hausherrn, der in seinemeigenen Wirkungskreise wie in . der Gemeinde, in der Stadt wie im Staate sich stets als ein Mann der treuesten Pflichterfüllung gezeigt, der immer für alles Gute eine offene Hand gehabt und der eine ebenso denkende, ebenso tätige und treffliche Lebensgefährtin an seiner Seite habe. Redner segnete das Jubelpaar mit dem üblichen „Jeworechechu". Von den schriftlichen Glückwünschen seien auch erwähnt die des Latzschen Alten- und Siechenheims und der Shnagogengemeinde. Aus Anlaß des Doppeljubiläüms machte Herr Rudolf Petersdorff Stiftungen in einer Gesamthöhe von einen Viertel Million Mark, die sich, wie folgt verteilen: 100 000 Mark für die Angestellten seiner Firma in Form eines Unterstützungsfonds, 50 000 Mark der Stadt Posen als „Rüdolf-und-Natalie-Petersidorff-- Stiftung" zur Unterstützung der Witwen und zur Erziehung der Kinder im Kriege Gefallener, 100 000 Mark zur Verteilung ab verschiedene AnstaltÄn ''Vereine, unter Berücksichtigung aller Religionsbekenntnisfe. Für das Hindenbnrg^Mufeum stiftete Herr Petersdorff das Gemälde „Hindenburg mit fernem Genexalstab". Sch. Magdeburg, 4. Januar. In den hiesigen sehr zahlreichen ~ Fabriken.zur Herstellung* von Munition sind Hunderte von polnisch' - jüdischen Arbeitern beschäftigt. Immer zahlreichere Transporte kommen aus Marschau, Lodz und anderen Städten Polens an. Das Aussehen der .Leute ist großenteils sehr beklagenswert und eine durch greifende Hilfe tut not. An der Spitze einer Organisation - zur Hebung der Lage der Ostjuden innerhalb unseres Stadtkreises steht Herr Rabbiner Dr. Länge. Außer der Beschaffung von. Kleidung, Wäsche, Schuhwerk und Logis' war die rituelle Ernährung wegen der zunehmenden Nahrungsmittelknappheit ein Gegenstand der besonderen Fürsorge, die zu regeln Herr Dr. Lange seit 1)6 Jahren; sich bemüht. Der erste Versuch der Einrichtung einer Arbeiterküche wurde seinerzeit von Rabbiner Dr. I a c o b u s unternommen. Auf ihn baute Herr Dr. Lange auf urrd errichtete eine „Rituelle Arbeitergenossenschaftsküche", in dev für geringe Entschädigung Essen verabreicht wird- Sie enthält Bibliothek, Betraum und einen Unterstützungsfonds für Erkrankte. Bald nach ihrer Begründung - wurde ' die Zweite Küche eröffnet und am 26: v. M. wurde die dritte Küche ' eingeweiht. In Anwesenheit mehrerer Herren der Gemeinde, die Interesse - für diese Art der Fürsorge haben, des städtischen Leiters der Kriegsküchen, dem die „Rituellen Arbeiterküchen" nunmehr unterstellt wurden, hielt Rabbiner Dr. Lange eine Eröffnungsrede, -in der er hervorhob, daß die Räume den Glaubensgenossen ein Heim werden sollen, in dem sie in alter Gewohnheit sich bewegen. DaS Verlassen der Heimat -werde ihnen so erleichtert und sie selbst den Einflüssen der Umgebung, die sie wegen der erschwerten Gesetze mancherlei Gefahren aussetze, entzogen. Er empfahl ihnen Gehorsam und Achtung gegen ihre Arbeitgeber, Fleiß und Ehrlichkeit und ermahnte sie, eingedenk der Lehren ihrer Jugend, der jüdischen Religionsgemeinschaft Achtung zu verschaffen in den Kreisen, ryit denen sie täglich und stündlich in Berührung stehen. Gesänge, und Rezitationen seitens der Arbeiter, die von dem . hohen geistigen Stand der Leute zeugten, verschönten die Feier.. I. A, Nürnberg» 4. Januar. Das Eiserne Kreuz erster Klasse erhielten: Leutnant und Batterieführer in einem preußischen Feldartillerieregiment Jos. R etz en s bür g ieL, Sohn der Witwe Frau Cäcilie Regensbürger in Nürnberg; Vizefeldwebel.Alfred Regensburger; Leutnant Hans Hesselberger; Leutnant Hermann Hesselberger. Das Eiserne Kreuz zweiter Klasse Erhielten: Feldmagazininspektor Eduard Mosbacher, Sohn des Kaufmanns Hermann Mosbacher; Unteroffizier Franz Gunzenhauser, Sohn des Oberlandesgerichtsrat Gunzenhauser; Unteroffizier Dr. Paul Sulzbacher, Rechtsanwalt; Unteroffizier Hanz Stern; Feldzahnarzt Alexander Singer; Justus Herzber g; Artilleriehauptmann Moritz Neuberger, Vorstand des Militärpaketamts in Nürnberg. Den Militärverdienstorden vierter Klasse erhielten: Stabsarzt Dr. Latte: Leutnant Fritz Rosenzweig; Leutnant und Bankdirektor Arthur Schmidt; Leutnant Siegfried Eh r ende r g e r. Den österreichischen Orden signum laudis erhielt der österreichische Hauptmann Otto Müller, Juwelier in Nürnberg. — Fürth, 4. Januar. Herr Geheimer Hofrat Alfred Nathan hat auS dem Erlös beim Verkauf des Gold- und Juwelenschmucks feiner verstorbenen Mutter eine Stiftung errichtet, welche den Namen Sigmund und Amalie Nathansche Familien- , stiftung tragen soll. Das Stiftungskapital beträgt 44 000 Mark. Von den Zinsen soll in den ersten fünf Jahren ein Fünftel zur DermögenHmehrung und der Rest zur Unterstützung Fürther Kriegsfürsorgeeinrichtungen nach näherer Bestimmung des Stiftungsausschufses verwendet werden. Vom sechsten Jahre an soll aus den Erträgnifs-en ein Fünftel zur Unterhaltung des Nathan stifte s und der Rest zur Unterstützung bedürftiger männlicher und weiblicher Verwandten der Eltern des Stifters Verwendung finden; falls solche Verwandte nicht vorhanden find, soll das ganze Erträgnis für das Nachanstift verwendet werden er. WürzbUkg,: 4. Januar. Der Verei n^ für 'tituelle. Verpflegung israelitischer Nerven und Geist eskranker kann auf eine zweijährige erfolgreiche Wirksamkeit zurück-- 7 blicken. - Der Vereinversorgt in der Königlichen Heil- und Pflegeänftalt zuLoh? zwölf jüd ische Kranke. Die Kosten der rituellen Verpflegung, die zum Teil von den' Angehörigen der Patienten/zum Teil von dem