Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 2 (11.1.1918)
- Date
- 1918-01-11
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
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sr. Nr. 2 Berlin, II. Januar 1918 Vellage zur „Allgemeinen Letkung drK IuüentumK". Sorrrlponürnrkll imd Sachrichtm. & ^Bevlin. 8. Januar. D i e K r i eg sfü r s o rg e fü r die ' Kriegsbeschädigten und Kr reg sh inter- L liebe neu Wird in der jüdischen Gemeinde durch eine So n der- Abteilung .der Stistungskommisflon ausgeübt, in welcher die Vertreter der jüdischen Gemeinde in den staatlichen, kommunalen und sonstigen WohlfahrtseinrichLungen für Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene Mitarbeiten . Der Zweck dieser, von den Gemeindebehörden begründeten Stiftung ist die Unterstützung hilfsbedürftiger KriegsbeschädiMr und der hi-lfsbedürftigen Hinterbliebenen von Gemeindemitgliedern, wehhe. im Kriege gefallen oder an den Folgen von Verwundungen oder an Krankheiten gestorben sind, die sie sich während des Krieges zugezogen haben. Die Leistungen für die Hilfesuchenden werden weniger in der Gewährung von Barmitteln als in der sachgemäßen Beratung 'der Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen bei der Verfolgung ihrer Ansprüche auf die ihnen gesetzlich zustehende Versorgung, bei Anträgen auf Unterstützungen auS Mitteln der Heeresverwaltung oder aus sonstigen öffentlichen oder Privaten Mitteln und bei der Gestaltung ihrer Lebensvevtzaltniffe bestehen. In erster Reihe sollen und müssen die zuständigen amtlichen Fürsorgestellen und die in Betracht kommenden privaten Wohlfahvtsemrichtungen. auch für die jüdischen Kriegsbeschädigten ein treten-. Dys Stistungsk-uratorium verfügt auch über eigene Stifbungsmittel, die sich aus denjenigen Spenden und Legaten zusammensetzen, welche der Gemeinde für Kriegshinterbliebene und Kriegsbeschädigte zugewendet worden sind. Naturgemäß find diese Summen erst gering; überhaupt liegt das Hauptgewicht >der Wirksamkeit in der Beratung derMlsesuchen-den. Aus-den Mitteln der Stiftung könnenühriHMK Oür dxe Kriegsbeschädigten sowie die KriegWnterbliebeneu ^m^ndemitglieder unterstützt werden, welche' bereits Juli 1914 Mitglieder 'der jüdischen Gemeinde zu Berlin waren. Angehörige feindlicher Staaten dürfen nicht berücksichtigt werden. V E.M. Berlirt, 8. Januar. Die vergleichenden Zahlen üb er die Konfes sionsbewegung in Preußen beschäftigen sich auch mit den Austritten aus dem Judentum und den Ueb-ertritten zur jüdischen Gemeinschaft. Etwa dreihundert Personen treten alljährlich aus dem Judentum zur evangelischen Landeskirche über, doch tritt auch eine Unzahl von Personen aus der Landeskirche zum Judentum über. Es sind in die evangelische Landeskirche eingetreten (aus anderen Konfessionen und Religionen) im Jahre 1900 : 5446 Personen, 1905: 6911, 1910: 7308 Personen. Die Mchstzahl der Eintritte in dem Zeitraum von 1900—1914 wurde erreicht im Jahre 1911 mit 7562 Eintritten. 1912 waren es 7296, 1913: 7379, im Kriegsjahre 1914, wo also schon außergewöhnliche Verhältnisse Vorlagen,' 6848. Die meisten neuen Glieder erhielt die evangelische Kirche aus der katholischen- Kirche; doch wurde der Zustrom von hier ebenfalls im Jahre.1914 erheblich durch die Kriegsverhältnisse beeinflußt. Im allgemeinen ist aber, der Verlust der evangelischen Kirche größer als ihr Gewinn in den letzten Jahren. Den Ausschlag geben dabei die hohen Ziffern aus der sozialdemokratischen Austrittsbewegung, die ja allerdings unter dem Einflüsse des Krieges evhMich zurückgegangen sind. . - J E. M. Berlin, 8. Januar.' Die Z e n t r -a l st e l l e für die W ohltätigkeitsanstälten der jüdische n Gemeinde hat im letzten Jahre die Zahl der angeschloffenen Vereine auf hundert erhöht. Sie hat in regen Wechselbeziehungen mit den angeschlossenen Vereinen Und Anstalten 34 354 Anfragen nach Vittstellern beantwortet; 1518 neue Personalblätter wurden angelegt, so daß die Kartothek heute 32 817 Karten enthält. Die größte Zahl von Anfragen brachte das erste Kriegsjahr 1914/15 mit 40 323 neuen > Recherchen. Die Sonderäbteilung für Studierende erhielt 87 Anfragen; hier war gegen die Vorjahre ein Rückgang zu verzeichnen, der durch die zunehmende Einberufung der Studenten zum Heeresdienste verursacht wurde. Außer mit den ängeschlössenen Anstalten und Vereinen hat die Zentralstelle wie in den früheren Jahren auch mit zahlreichen Institutionen, die nach ihren Sitzungen dem Verbände für jüdische Wohlfahrt-spslege nicht angehören können, rege Beziehungen unterhalten. Der Verband für jüdische Wohlfahrtspflege, dessen Arbeit seit Kriegsbeginn ruhte, hat im letzten Jahre seine Tätigkeit wieder ausgenommen. Der Verband unterhält ein eigenes Bureau im Gemeindehause Rosenstraße 2/4, dem zehn Vereine angeschlossen sind. Der Frauen verein der Berliner Logen hat auf Veranlassung des Verbandes für jüdische Wohlfahrtspflege eine Sammelstelle für. vorübergehend unversorgte Kinder eingerichtet, die im Berichtsjahre 67 Kinder in fast 1600 Pflegetagen Tag und Nacht beherbergt hat. An der Spitze des Verbandes steht an Stelle des verstorbenen Vorsitzenden Justizrat Samuel Meyer gegenwärtig Herr Eugen Ca s p a r y. E. M; Berlin, 8. Januar. Am 1. d. M. beging Kapellmeister Albert K e l l e r tita tt n, der Chorleiter der Neuen Synagoge, sein 25jühriges Amtsjubiläum. Um 12 Uhr fand in der Wohnung des Jubilars eine Feier-statt, zu der sich als Vertreter des Gern e i n d e v o r st a n d e s der Syndikus Herr Justizrat! Lilient h a l und Herr Blankenburg, der gesamte Vorstand der Neuen Synagoge, viele andere Deputationen und zahlreiche Freunde und Verehrer des Jubilars eingefunden hatten. Die Feier wurde durch Quartettgesang eingeleitet, dann verlas Herr Blankenburg ein herzliches Glückwunschschreiben des Gemeindevorstandes. In einer anschließenden Ansprache hob Herr Blankenburg die Verdienste Kellermanns um die synagogale Musik hervor. Herr W a ch s n e r überbrachte in warmen Worten die Glückwünsche des Vorstandes der Neuen Synagoge. Oberkantor Klein sang ein tiefempfundenes Solo nach einer Keller man nschen Komposition, ein Ch o r mi t gli ed drückte in poetischer Weise die Glückwünsche des Chores der Neuen Synagoge aus. Deputationen des Vereins zur Pflege hebräischer Gesänge, des Neichenheimschen und des Auerbachschen Waisenhauses und Beamte des Gemeindebureaus nahmen an der Feier teil, die ein Quartettgesang bechloß. 22 Berlin, 8. Januar. Am 27. v. M. fand im Vereinslokal, Brückenstraße 9> eine außerordentliche Generalversammlung dos Humanitätsvereins „Gewul Tauw", gegründet 1872, statt. Bei dieser Gelegenheit wurde 26 Jubilaren für ihre 25jährige Mitgliedschaft durch eine herzliche Ansprache der Herren Rechtsanwalt Dr. Hirschfeld und Walter Silber stein ein Diplom feierlichst überreicht. Hierauf wurde ein Bericht über die gemeinnützige Tätigkeit des Vereins durch den stellvertretenden Vorsitzenden, Herrn Hermann Siegel, gegeben. ‘SQ Neümark (Westpr.), 4. Januar. Wie man in konservativagrarischen Kreisen über den Burgfrieden denkt, lehrt folgendes Vorkommnis, das sich hier auf dem letzten Kreistag vor Weihnachten abgespielt hat. Als man zu. den üblichen Wahlen schritt, die zu dieser Zeit gewöhnlich vorgenommen und durch Zuruf erledigt werden, erhob sich diesmal Herr Rittergutsbesitzer Oekonomierat und Hauptmann a. D. M o d r o w, Ritter hoher Orden, auf Gwiodzin, und beantragte zunächst die Wahlen zum Kreisausschuß durch Stimmzettel vorzunehmen-. Trotzdem gegen diesen Antrag Protestiert und eingewendet wurde, daß derselbe den bisherigen Gepflogenheiten widerspreche und als einen Bruch des Burgfriedens ausgefaßt werden müsse, so half -das alles nichts. Das Resultat der Abstimmung ergab die Wiederwahl des einen Gutsbesitzers und die Neuwahl des oben genannten Antragsstellers, an Stelle des bisherigen Kreisausschußmitgliedes, Bürgermeister K r e i v i g, von hier. Auch bei den Wahlen der Mitglieder der Ausschüsse für die Auswahl der Schöffen und Geschworenen/denen man sonst keine besondere Dodeutnng beizumessen und die man durch Zuruf zu erledigen Pflegte, erhob auch hier Herr Madlow Einspruch, indem er die Wiederwahl der sämtlichen bisherigen Mitglieder und nur an Stelle des einen Mitgliedes, C. L a n d s h n t (Nellmark), die Neuwahl eines anderen christlichen Mitgliedes beantragte. Auch der dagegen erhobene Protest, daß eine derartige Handlungsweise nicht im konservativen Sinne liegen könne und man ein Mitglied, das beinahe 30 Jahre lang ehrenamtlich das Amt versehen und sich in geachteter Stellung befinde, doch nicht so ohne weiteres hinauswählen