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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-01-11 · Heft 2 (11.1.1918) · p. Seite 24

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 2 (11.1.1918)
Date
1918-01-11
Page
Seite 24 (sequence 12)
Language
German
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wie man zum Herrscher spricht? — Ich spreche'nKmlich nicht zum erstenmal zum Monarchen; immer tat ich es im Miste, wachend und träumend." — Und nun'vernahm Köniij Ludwig " auch von ihren Lippen, was ihm der junge Harioch bereits im Haag mitgeteilt. ,Eine Geschichte, die ihn sehr gerührt — aber auch — vielleicht! —, wir sind eben alle Menschen, geschmeichelt haben mochte! Eine volle Stunde blieb der König im Hause Hartochs, dann öffnete sich wiederum die Haustür, zwei Herren, tief verhüllt, schritten heraus und stiegen in einen an der Ecke der Straße harrenden Wagen. Am anderen Tage nahm König Ludwig, wie gewöhnlich die Vorträge seiner Räte entgegen. Niemand ahnte, daß Seine Majestät über Nacht nicht in der Stadt gewesen. In der Hartochschen Familie hat man den denkwürdigen Tag, über-den das tiefste Schweigen bewahrt wurde, verzeichnet. Lea erholte sich langsam. Sie überlebte noch ihre Eltern. Als Louis Napoleon, den sie nie wieder gesehen, im Jahre .1810 abdankte, starb sie kurze Zeit darauf, einenr Segensffpruch für Ludwig auf den Lippen. König Ludwig, welcher in späteren Jahren bekanntlich schriftstellerisch tätig gewesen, schrieb zu Paris 1814 einen Roman in drei Bänden unter dem Titel: „Marie les peines de I’amour ou les Höllandaises." Es ist fast mit Gewißheit anzunehmen, daß dieser auf die arme Lea Bezug hat. Vielleicht findet der Leser an demselben Interesse. Literarische Mitteilungen. — Der große Fischzug. Novellen vyn Karl Goldmann. Egon Fleischel u. Co., Berlin 1917. Der Titel der Sammlung ist mir nicht ganz klar geworden. Vielleicht soll er bedeuten, daß das Schicksal, das sich seine Opfer sucht, nicht müde wird,' Gimpel zu fangen. Tenn das ist die gemeinsame Tendenz der in diesem Bande vereinigten amüsanten und im Grunde ernsten Geschichten. Für uns kommt besonders die erste und zugleich größte in Betracht: „Die Flucht ins Bürgerliche." Sie stellt dar, wie die Bewohner einer vornehmen Pension von einem übrigens christlichen Schwindler tüchtig hineingelegt werden, und wie alle diese Leutchen, die einen Stich ins Künstlerische haben, nachdem sie ihr bißchen Vermögen eingebüßt haben, sich durch strenge Arbeit über Wasser zu halten gezwungen sind. Eine Ausnahme macht nur ein jüdisches Ehepaar, Herr und Frau Spalier, kleinbürgerliche Rentiers, die sich klug ,und bescheiden .. zurückhalten und, während der Hochflut unbeachtet, zur Zeit des Niederganges als rettende Engel erscheinen. Sie . sind gut und sympathisch geschildert. L. G. | — Ziele des Staatslebens nach der Lehre des Judentums. Mit Ouellenstücken. Von B. G o ttschalk. Verlag , von M. Poppelauer. Berlin 1917. 74 S. 1,80 Mark. Seiner kurzen, 39 Seiten umfassenden Whandlung gibt der Verfasser folgendes Vorwort: „In einer Zeih, in der wie jetzt die äußeren Grundlagen fast aller Staaten ins Wanken geraten sind und aus die Probe gestellt werden, in einer Zeit, in der sich grundlegende äußere Neugestaltungen vorbereiten,, da sollte man den Blick immer wieder auf jene i nne ren Kräfte richten, die den wahren Wert eines Staates erst begründen und. erst in Wahrheit sichern, Schon jetzt im Kriege und nicht, erst nach dem Frieden gilt.es,. .aufs schärfste zu betonen, daß nicht „die Heeresinassen und nicht, die äußeren. Kräfte" den letzten Wert eines Staates bedingen, sondern daß nur „der göttliche (d. h. der idealistische) Geist" ihm sein Gepräge gibt und seine Dauer sicherstellt. Zwei Forderungen aber, so will uns scheinen, . stellt die jüdische Lehre vor allem auf, damit jenes Ziel, der Bestand des Staates, ..erreicht werde: „Gerechtigkeit und Menschenliebe". Diese vermeintlichen Grrmdforderungen belegt der Verfasser mit Zitaten aus Bibel und Talmud; als Quellenstücke bietet er ausgewählte Abschnitte aus 24 — Phllos Werken eä. Cohn, MÄnwnides,ME OiVchiMjHMchrBH-- sohn: Jerusalem, Steinthal: Zu Bibel und MlrMnsWchichte, Lazarus:Ethik, Cohen: Liebe und GerechtiMit und Baeck: Das Wesen des Judentums . Prof. Dr. Ar.hhur Rosenzw eig, z. ' Z- KrechMpital Sternthal, Stwk. "":= Dr.'Lb' Ä Ul'ff-Pävchiw: al s. Jes u Gi: u n dz eh nw p r t un d Mh et M o s t|i * dek a l o g. 1917. Mt 2 Bucheinlagen: De'kälog U N d V a't ei: - unser, 1907, und Für dre Echth ei t v on D ekalo g ü n d Bater.unser. 1908. Selbstverlag.^ 2 Mark mit,Bucheinlagen, 0,50 Mark ohne Bucheinlagen. . . .. . - -? ' Der Verfasser will eine Ähnlichkeit. des Vaterunsers mit. dem Dekalog im äußeren Aufbau und der Gruppierung und eine innere Bezugnahme auf den geistiigen Gehalt Nachweisen und suchtdann aus dem Grunde dieser Beziehung eine bestimmte Zählung der einzelnen Bitten beim Vaterunser und der Worte sim Dekabog zu erschließen. Man braucht dem Verfasser nicht auf seinen Wegen zu folgen und kann seine Methoden und die meisten feinet Schlüsse ablehnen und bleibt doch wohltuend berührt von der tWn und ehEchen Frömmigkeit, die aus dem Briefe spricht, von dem ernsten Streben, dessen Zeugnis es ist, von dem Willen zu eigenem' selbständigen Forschen und von dem Mut zum Bekenntnis zu den eigenen Getzäsiken. Dienemann (Ratibor). — A. D e Nora: Stunden. Neue Novellen: Leipzig 1917. L. Staackmann Verlag. Wir würden diesen Novellenband an dieser Stelle nicht erwähnen, wäre nicht in ihm die Erzählung von „den Füßen" enthalten, in der der Verfasser das Schicksal eines jüdischen Soldaten, schildert, dem nach den. heißen Vormarschtagen dtzs Kriegsanfanges die Füße den Dienst versagen und der dann im Lazarett den stillen Spott nicht ertragen kann, wieder ins Feld hinausgeht und in erneutem Gefecht oben diese Füße verliert! Und wieder wird er in dasselbe Lazarett eingeliefert. . „Die alten dummen Plattfüße?" dachte der Doktor und streifte die Decke zurück. Auf dem grauen Linnen lagen nur zwei bindenumwickelte,' abgeschossene Strümpfe. ... So die Fabel der Erzählung, in deren Verlauf A. de Nora es versteht, die Seele-dieses-Isidor Soldstein vor unseren Blicken in Hellen leuchtendest Farben zu zeigen. Und gleichzeitig wird uns sein trMisches Geschick so recht verständlich, weil sein Leiden, seine Füße, von Jugend an seine SeA-c lähmten und beengten! Wir« wollen in Noras Erzählung, nichts Typisches sehen, wir wollen uns nur an ihr freuen, als an ein?r schönen, stillen, warmherzigen Schilderung. Dr.: W. C. Lücheremlsuk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Lurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Theodor Storm. Briefe an seine Freunde Hürtmuth Brinkmann und- Wilhelm Peterfen. Herausgegeben von. Gertrud Storm. 1917. Berlin, Braunschweig, Hamburg, Verlag von Georg Westermann. , Ruth Webers Erlebnisse. Roman von- Josefa Metz. Kronen- Verlag G. m. b. H., Berlin SW 68. Charles Seals fiel d. Exotische Kultürromane in neuer Auswahl und Anordnung. Herausgegeben von Heinrich Conrad. 1917. München und Leipzig bei Georg Müller. Lebensbilder aus beiden Hemisphären. Erster Band: BrautfahrLen. Zweiter Band: Pflanzerleben. Erklärung. Herr Professor Franz.Oppenheimer hat in den. „Neuen. Jüdischen Monatsheften Bd, 2, H. 6, die Erklärung des Herrn Schweitzer (1917 Nr. 48 dieser Zeitung) abgedruckt, sie mit gehässig^ Beinerkungen gegen Herrn Schweitzer eingeleitet und mit eiMr niedrigen Bemerkung gegen mich beschlossen. Ich nehme davon Akt, denn ichhabe weder Lust mich mit Herrn Oppenheimer in eine Wemik-einzuLassen noch glücklicherweise einen Anlaß, mich von diesem Herrn über literarischen Anstand belehren zu lassen. - Geiger.:

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