Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 2 (11.1.1918)
- Date
- 1918-01-11
- Page
- Seite 20 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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20 Der historische Boden, auf dem er wirkte, gab ihmVeranlassung zur Beschäftigung mit der Vergangenheit der jüdischen Gemeinde in Worms. Manchen interessanten Aufsatz aus seiner Feder haben wir darüber auch in der „Allgemeinen Zeitüngdes Judentums" gelesen, gang besonders aber ging aus dieser Beschäftigung seine bereits in fünfter Auflage erschienene Schrift hervor: „Aus Vergangenheit und Gegenwart der israelitischen Gemeinde Worms". Als die Gesellschaft zur-Förderung der Wissenschaft des Judentums in der — ach, noch so schönen, friedlichen — Psingstwoche 1914 von Frankfurt aus den herrlichen Ausflug nach Worms unternahm, um dort Synagoge und Friedhof und. die von Gemeinde und Stadt veranstalteten Ausstellungen jüdischer Mtertümer zu besichtigen, da war Lehrer Rothschild, der insbesondere für die Hebung und Entzifferung versunkener Grabsteine viel getan hat, einer der liebenswürdigen, kundigen Führer. Gerade weil Lehrer Rothschild sich durch sein ganzes Wirken eine besonders geachtete Stellung geschaffen hat, ist er auch Expräsident der Dalberg- Loge der U. O. B„ B. Gerade weil er nun schon über vier Jahrzehnte sich einer staatlichen Anstellung an einer Simultanschule erfreut, hielt er es für seine Pflicht, in den vordersten Reihen mitzukämpfen für die Verwirklichung der ideellen und wirtschaftlichen Ziele, die sich seine Standesgenossen gesteckt haben. Wie die Gründung der städtischen Lehrerwitwenkasse in Worms hauptsächlich seinen Bemühungen zu danken ist, so hat er innerhalb der jüdischen Lehrerschaft des Großherzogtums Hessen wie in dem ganz Deutschland umfassenden Verband der jüdischen Lehrer durch Vorträge und Anregungen segensreich gewirkt. Darum werden neben seinen Schülern und zahl-, reichen Verehrern ihm gerade die jüdischen Lehrer zu seinem siebzigsten Geburtstage ihre Huldigung darbringen. Diese Huldigung, die ihm von allen Seiten von Juden und Christen entgegengebracht werden dürste, ist wohlverdient. Sie gilt aber nicht nur dem Manne Lehrer S. Rothschild in lVorms vielseitiger Wirksamkeit, sondern noch mehr dem liebenswürdigen, stets hilfsbereiten Menschen, dem es vergönnt sein möge, in der jetzigen Kraft und Frische noch lange zu wirken, durch die Gnade desjenigen, der den Jubilar gesegnet hat mit Freude an seinem Wirken und an seinem Familienglück. Iüdilche Musiker in der Lsrmltsdter hokkaprüe im 18. und 19. Jahrhundert. Bon S. R o th schild (Worms a. Rh.). V^or nicht langer Zeit ist ein Buch in dritter und ergänzter Auflage erschienen: „Alban Stolz und die drei S ch w e st e r n R i n g s e i s". Ein freundlicher Federkrieg. Herausgegeben von Alois Stockmann. Der Briefwechsel enthält unter anderem sehr interessante Stellen über Kunst, Erziehungsfragen ufw. Auffallenderweise finden wir in dem ziemlich umfangreichen Werke fast gar nichts über Juden und Judentum, was doch bei Alban Stolz zu verwundern ist. Mehrfach ist wohl von getauften Juden die Rede und man merkt Stolz die Freude an, solche Seelen für das Christentum gewonnen zu haben. Nur einmal bringt er kurz seinen Unmut,-zum Ausdruck, (daß -zwei Judenzu i Freiburger Universität ernannt -wubden. - Wie WbsarD -Ich hatte gerade mft Pftlem Bergn^Äi -gÄesem wäs^Mokzübcr den Abt V o l g er (geborenl749 in Würzbiwg, gestorben-1814 in Darmstadt) geschrieben) dessenprächtige. MigiSse^Märtnerchöre mir immerso viele -■ Freudebereiteten, als ich bie :,Ml- . gemeine Zeitung dös Judentums", erhielt' mit der sehr interestantM, Arbeit Dr. Silbersteins' ü-bw - „JtDische-MMker in der Schweriner Hofkapelle (1778^1912)". Das brachte mich auf den Gedanken, das gleiche Thema für die Darmstädter Hoskapelle zu behandeln.) Allerdings erscheinen uns .die jüdischen Musiker dieser Kapelle in freundlicherem Licht, denn es sind keine gewöhnlichen- Musiker, sondern KüüMer, außerdem ist das Judentum für sie keine Last, die man abwerfen muß, sondern siesind treue Anhänger des Judentums? Ich folge in meinen Ausführungen dergediegenen Schrift I. Lebermanns (Darmstadt) „Aus dem Kunstleben der hessischen Residenz am Anfang des vorigen Jahrhunderts". Wie ich schon angedeutet, spielte Abt Volger in Darmstadt eine große; Rolle, nicht als Priester, sondern als Komponist und Orgelspieler. Als elfterer war er der Anziehungspunkt vieler strebsamer junger Musiker, die später zu Berühmtheiten erster Größe sich emporgeärbeitet. Ich nenne nur K. M. v. Weber und Meyer b e e r. Dieser bildete die Freude seines Meisters durch seinen Eifer, seine rastlose Tätigkeit und seine unglaubliche Auffassungsgabe. Noch halb Knabe war er damals schon einer der ersten Partiturspieler, die es je gegeben hat. Die Wettkämpfe, die zwischen den beiden genialsten Köpfen und Klavierspielern der Gesellschaft, C. M. v. Weber und Meyerbeer, in Darmstadt veranstaltet wurden, erregten dD größte Bewunderung. Unter Volgers Leitung komponierte der junge Meyerbeer eine Kantate >,Gott und Natur" und die Oper „Jephtas Tochter". Ein anderer Schüler Volgers war der Musikus Herz Hachenburger, bekannt unter dem Namen -„Musiker Herz". Die Familie Hachenburger war wegen ihrer musikalischen Begabung und künstlerischen Neigungen, welche im 18. und 19. Jahrhundert in mehreren Generationen derselben auch praktisch mit Ehren gepflegt wurden, weit bekannt und bildete sozusagen eine m usi - k a l i s ch e D y n a sti e. Schon der Vater des genannten „Musiker.s Herz", nämlich Hähnle Hachenburger, nahm im Darmstädter Musikleben eine namhafte Stellung ein und hatte sich der besonderen Gunst des damals sich in Darmstadt aufhaltenden Pfalzgrafen, des nachherigen Königs Maximilian von Bayern, zu erfreuen. Mit seinem Bruder Samuel Hachenburger hatte er sich die Musik zum Beruf erwählt und hatte, namentlich vom da- . maligen Landgraf von Hessen, Ludwig X. (dem späteren Großherzog Ludwig I,), die Konzession erhalten, an allen jüdischen Hochzeiten in den hessischen Landen allein „musikalisch aufspiolen" zu dürfen. Diese Konzession wurde dann aus die übrigen Glieder der Familie Hachenburger übertragend Das Schriftstück vom Jahre 1797 hat folgenden Wortlaut: „Nachdem, von Gottes Gnaden Wir Ludwig X., Landgraf zu Hessen, Fürst zu Leusfeld, Graf zu Katzenelnbogen, Diez, Ziegenhain, Nidda, Hanau, Schaumburg, Isenburg und Büdingen