Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 2 (11.1.1918)
- Date
- 1918-01-11
- Page
- Seite 19 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Iss - bs^es^Bsrstvlrdnis enige^-ep und find Zuem-er wohlwollenden Unber- - ^HstÜtzrrM ihr er -WKb'ezüMchenl KostvebrmMN bepsit. Hinsichtlich (b*cr von der Jndenheit, ürsbesondere VW dM.-MMGendeiffolHterr-.WstrÄ>u-ngelr .., m .P^Mya, .begrüßen lpir i>k kxfläxwqpn, bk der Gvyßw.esir TabaaL , j? ^ci|0Q. hüME -cDMbpn h'at, insbesondere die Absicht der kaiserlich ^^HÄM^^Wch>W^ÄMg ^MrD Wer )m Juden stets bewiesenen freund- ^'fiDnHaMüA^dre' ^m^W^e^jWs^ GiedeliuM in Pqlästmn durch ' '^GewHir-Ü^'^ Gi-MandetlUW und Mederlaffung m'dein'Grenzen -' -der ÄustAhmefähiMeit des Landes», von örtlicher Selbstverwaltung ent- ' ' sprechend' dm ^Landesgesetzentz und von freier EntwiMrng ihrer kultureüen' Migen-avt Zu fördern." - ' <- . :v - . - ' * ■ ' ■• ■ . In dem „Berner Bund" finden wir einen Aufsatz von Jwanuel Asvanger: >,Die Schweiz in der jungjüdischen Bewegung", aus dem folgende Abschnitte das Interesse unserer Leser zu erregen, geeignet sind: . Der junge, außerordentlich talentierte hebräische Dichter S. Schne- ' jur'schrieb eine große Dichtung „Im Gebirge", ein Werk, in dem die ' herrliche Natur der Schweizer Berge der Leier des Dichters die schönsten und klangvollsten Töne entlockt. In der Einleitung zu dieser Dichtung erzählt der Dichter, wie er „gequält und zu Tode gemartert" aus Rußland floh;, um in der Schweiz Ruhe zu finden. Da die Berge seine Worte nicht zu verstehen scheinen, ruft er ihnen zu: Ihr schaut mich zweifelnd an und fragend? Seht, dieses Zeugnis steht euch Rede: Es ist von einer alten Thorarolle Ein welkes, angebranntes Stück, Drauf steht, besprengt mit meiner Brüder Blute, Das Wort des Herrn: „Du sollst nicht töten." Diese Erklärung des Dichters haben die Berge verstanden: „Willkommen, willkommen!" so rufen die brausenden, stürzenden Wasser, So hallen die Berge es wider. Und anmutig winkt von den Höhen die flatternde weißrote Fahne: „O komm, ich gewähre dir Ruhe." Doch auch hier findet der Dichter die gewünschte Ruhe nicht in . vollem Maße, denn überall, wo er immer hinzieht, verfolgt ihn .„die bittere Stiefmutter Galuth" (Diaspora). Jedoch will der Dichter die Ruhe, die ihm die Berge an'bieten, genießen und ausnützen: Ich rufe die Berge als Zeugen. Und schwöre: Was je meinem Herzen und Blute entrissen die'bittere Galuth, Das schlürf ich mit lechzenden Ohren, mit gierigen leuchtenden Augen. Ich will, daß im Duft der Gefilde der schmachtende Körper sich labe, Ich will, daß der purpurne Himmel mir färbe die welkenden Wangen, Ich will meine klaffenden Wunden mit sonnigen Strahlen umwehen, Das Herz, das vor Sorge zerfressen, erheitern am farbigen Bogen... Im Wasser gebrochene Strahlen erfass' ich als fürstlichen Zepter, Und flimmernd umgibt meine Haare ein Perlenkranz spielender Tropfen. Auf denn, verstoßener König! Verkünde weithin im Gebirge, Was je dir die Berge erzählten! Und in fünf Abschnitten des meisterhaften Werkes schildert der Dichter die Schönheiten der Berge, in denen inan „das magische Entstehen und Werden aller Naturerscheinungen beobachren kann". Das Werk gehört zu den besten Dichtungen über die Schweiz und darf dem genialen Werke des Polen Slowaeki: „In der Schweiz" an die Seite gestellt werden. Ein anderes großes Dichterwerk über die Schweiz hat den jungen, hebräischen Dichter Jakob Kahan zum Verfasser/ Vor einigen Jahren brachte der .„Bund". einen eingehenden Artikel über dieses Werk. Im Gegensatz zu Schnejur, der die Schönheiten der Schweizer Berge besingt, besaßt sich Kähcm vorwiegend mit dem eigentümlichen Reiz der Schweizer Städte. Besonders gelungen ist ihm die poetische Beschreibung Berns. Diese beiden Dichtungen, die zu den Hauptwerk neuhebräischen Literatur zählen, erwecken im jüdischen : Leser den heißen Wunsch, das „Zauberland Helvetia" mit eigenen Augen scheu zu dürfen. Jakob Kahan sagt in einem anderen Gedichte '^,An die Schweiz", daß dieses Land in'ihm Erinnerungen an seine Heimat; an Palästina', wachrufe: Beim Anblick der Berge schwört er, 7 dahin'zu wirken, daß Palästina so frei und glücklich iperde wie die Schweiz; in Palästina angekommen, will er den Bergen Judas den Gruß der Schweizer Schwesterberge übermitteln: den Gruß der Freiheit, und des Glückes. Samson Äothlchjtd. Lehrer an der Stadtschule in Worms am Rhein zu seinem siebzigsten Geburtstag. (12. Januar 1918.) Von Rabbiner Dr. David (Bochum). rst im letzten Sommer hatte ich die Freude, meinen Freund und ehemaligen Lehrer Rothschild in Worms zu sprechen. Daß er im siebzigsten Lebensjahre stand, konnte man allenfalls merken, wenn man an das Wort unserer Weisen dachte, daß die dem Geistesleben sich Weihenden, je älter sie werden, um so mehr an Kraft gewinnen. Er stand gerade in Korrespondenz mit dem Bischof von Speyer, Dr. Faulhaber, der in einem eigenhändigen, eingehenden Schreiben dankte für die Einsendung der Rpthschildschen Schrift „Aus Vergangenheit und Gegenwart der israelitischen Gemeinde Worms" und seinerseits als Gegengabe seine schönen Kriegsbetrachtungen eingesandt hatte. Rothschild nahm nun Veranlassung, dem inzwischen zum Erzbischof von München erkorenen, gelehrten Kirchenfürsten in einem hebräischen Schreiben seine Glückwünsche darzubringen. - Ich erwähne dies, weil es charakteristisch ist für unseren Jubilar, der bei der gewissenhaften Erfüllung vielfacher amtlicher Pflichten stets hinausstrebte über das Einerlei deS Alltags und der daher auch Beziehungen fand zu bedeutenden Männern der Kunst und Wissenschaft. Ich nenne hier von Schriftstellern: Berthold Auerbach, Spielhagen, Rittershaus, Hansjakob, Otto Ernst; von Musikern: Hermann Levi, Friedrich Gernsheim; von Gelehrten: die Professoren Kaufmann, Berliner, Weinei, Behaghel, Mendelssohn-Bartholdy. Rothschild ist Volksschullehrer. Geboren am 12. Januar 1848 in Külsheim (Baden), eignete er sich zunächst gediegene Kenntnisse im jüdischen Schrifttum an, absolvierte dann das Lehrerseminar in Karlsruhe und wurde nach mehrjähriger Tätigkeit als Kultusbeamter in Grötzingen im Jahre 1872 als Religionslehrer nach Worms berufen. Hier setzte er es durch, daß er zwei Jahre später als Lehrer an der Stadtschule angestellt wurde, und was er für sich erkämpft hat, ward nachmals vielen anderen Lehrern des .Hessenlandes, die gleichfalls die Anstellung an öffentlichen Schulen erlangten, zum Segen. Rothschild har mehrere Generationen deutscher Frauen erzogen, deren Söhne und Enkel heute des Vaterlandes Marken mit ihrem Herzblut verteidigen. Die hessischen Regimenter stehen den preußischen nicht nach, wenn auch dort im Hessenland christliche Volksschüler bei jüdischen Lehrern sogar — Deutsch und Geschichte lernen. Wie sollte auch ein Mann wie Lehrer Rothschild die deutsche Kinderseele nicht verstehen, er, der sich zeitlebens hingezogen fühlte zu Berthold Auerbach, seinem badischen LandSmann, der wie wenige auf die tiefsten Regungen der deutschen Volksseele gelauscht hat. Ein Vortrag über Auerbach, zuerst gehalten im Arbeiterbildungsverein in Worms, führte ihn nach vielen Städten Deutschlands. Ein Vortrag über Ferdinand Freiligrath, den deutschen Freiheitsdichter und Idealisten, mit dessen Gattin Rothschild noch korrespondiert hat, legt gleichfalls Zeugnis ab von der geistigen Richtung unseres Jubilars. Dieser Mann, der sich so als deutscher Lehrer betätigt, findet auch noch Zeit genug, amtlich und außeramtlich im Dienste seiner Glaubensgemeinschaft zu wirken. Um amtlich als Lehrer und Sekretär mit der israelitischen Gemeinde Worms verbunden bleiben zu können, hat er auf die ihm vom Schulvorstande angebotene Stelle eines Oberlehrers verzichtet.