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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-01-11 · Heft 2 (11.1.1918) · p. Seite 18

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 2 (11.1.1918)
Date
1918-01-11
Page
Seite 18 (sequence 6)
Language
German
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worden, besonders weil ich angeblich nie über etwas Jüdisches geschrieben habe, was nur die tiefe Unwissenheit der Angreifer verriet, und da ich wußte, daß die meisten der Anwesenden Zionisten seien, so wollte ich sagen daß ich es nur gut und glücklich fände, wenn die in Rußland, Rumänien und Polen von dem Antisemitismus geplagten Juden sich ein Heim in Palästina gründen könnten. — Alles, was in jenem Verein gesagt wird, ist streng privat. Auch lieh die Direktion nichts in der Öffentlichkeit erscheinen. Ein fanatischer Zionist, der mich mehrmals angegriffen hat, ließ die paar Worte in die Zeitungen setzen und telegraphierte sie allerwärts hin." Es wäre für uns sehr erfreulich, wenn in ähnlicher Weise alle anderen Berichte der zionistischen Blätter widerlegt werden könnten. Dies ist aber nicht möglich. Man kann zwar gewiß manches von dem Enthusiasmus abziehen, der nach den zahlreichen Mitteilungen des Jüdischen Korrespondenzbureaus im Haag in allen neutralen Ländern, auch unter den russischen und englischen Juden über die Besitzergreifung Jerusalems durch die Engländer und über die Regierungserklärungen zugunsten des Zionismus herrscht, so viel ist aber sicher, daß in zionistischen Kreisen mancher Jubel laut wird, daß englische Politiker an Zangwill Zustimmungserklärungen geschickt haben, daß in London eine große Versammlung stattgefunden hat mit lauten Sympathiekundgebungen und lauten Zwischenrufen. Mit Reden und Redensarten wird schließlich die Handlung nicht durchgeführt. Wir halten uns an die Tatsache, daß Jerusalem einstweilen in den Händen der Engländer ist und daß diese, aus welchen Gründen auch immer, bereits ihre Geneigtheit ausgesprochen haben, einen zionistischen Staat zuzulassen und nach Kräften zu begünstigen. Dies ist die augenblickliche Situation. Mit einer solchen Willenserklärung ist aber für die Zukunft nicht ,viel geschehen. Was für diese gewünscht wird, ist in folgendem ausgesprochen, was von dem Haager Korrespondenzbureau mitgeteilt wird: Die zionistischen Forderunge n. Die zionistischen Forderungen, die als Grundlage der Unterhandlungen mit den verschiedenen Negierungen dienten, sind, wie dem Jüdischen Korrespondenzbureau zufolge das Mitglied des Großen Aktionskomitees der zionistischen Organisation, Boris Goldberg, mitteilt, die folgenden: 1. Das Recht des jüdischen Volkes auf Palästina muß in internationalem Sinn anerkannt werden. 2. Die jüdische Bevölkerung Palästinas muß als eine Nation im staatlich rechtlichen Sinn anerkannt werden. Weitgehende Selbstverwaltung, das Recht der Sprache und der Ausschreibung von Zwangssteuern müssen festgelegt werden. 3. Einer speziellen jüdischen Gesellschaft muß ein Charter erteilt werden, wie auch das Vorkaufsrecht auf Konzessionen, aus staatlichen und privaten Boden, das Vorrecht auf bestimmte gesellschaftliche Arbeiten, das Recht der freien Einwanderung und verschiedene Begünstigungen bei der Naturalisierung der Einwanderer. 4. Das ganze historische Gebiet Palästinas muß 'administrativ vereint sein. 5. Die heiligen Stätten werden exterritorialisiert. Diese Forderungen, welche von einer Kommission englischer Zionisten ausgearbeitet wurden, wurden vom Zentralkomitee der russischen Zionisten und der amerikanischen zionistischen Federation übernommen. Nach den Beschlüssen des Aktionskomitees im Juli 1917 müssen diese Forderungen auch den Zentralmächten vorgelegt werden und als Grundlage unserer Arbeit auf der Friedenskonferenz dienen. Ohne weiteres ist freilich weder jetzt, noch bei den Friedensverhandlungen, auf die wir hoffentlich nicht allzulange zu warten haben, die Türkei auszuschalten. Denn wenn England, was man bei dieser perfiden Macht nie Voraussagen kann, dieselben Grundsätze beobachtet, -deren Befolgung es von anderen verlangt, nämlich „ohne Annexionen", so muß -es Palästina sofort zurückgeben. Darum ist es interessant zu wissen, wie die Türkei sich zur kommenden Frage ' eines Zionistenstaates in PÄästina verhält. ' 7 Darüber hat Julius Becker in einer Berliner Zeitung Aufklärung gegeben, indem er einzelne Aeüßerungen des türkischen Großwesirs mitteitt. Dies er # antwortete auf Oe Frage, ob Beschränkungen hinsichtlich der.Kolonisation Wegfällen würden: : „Wenn die ottomanische Regierung 1 bisher zu gewissen Einschränkungen gezwungen war, so hatte das seinen Grund darin, daß die Juden, die nach Palästina einwanderten und zum. größten. Teil aus Rußland kamen, infolge des-Widerstandes ihrer Regierung notgedrungen ihre russische Staatsangehörigkeit beibehielten. Daraus ergab sich der ganz anormale und-für uns natürlich sehr unerwünschte Zustand, daß ein großer Teil der Bevölkerungnichtottomanische Staatsangehörige waren. Besonders lästig, wurde dieser Zustand aber dadurch, daß unter der Herrschaft der Kapitulationen und der Konsulargerichtsbarkeit die fremden Untertanen der Rechtsprechung der türkischen Gerichte entzogen waren und sich bei jeder Gelegenheit hinter ihren Konsul verschanzten. Die Konsuln ihrerseits suchten diese Situation aüszubeuten, um Ihre Stellung zu stärken, und die Folge waren-immer neue Konflikte zwischen ihrer Regierung und den türkischen Behörden. Es ist klar, daß solche Verhältnisse uns nicht befriedigen konnten, rmd daraus erklärt sich manche Maßnahnre zur Beschränkung der jüdischen Kolonisation. Nachdem jetzt glücklicherweise die Türkei von dem Alp der Kapitulationen und damit auch der Konsulargerichtsbarkeit befreit ist und wir also die Wiederholung dieser unangenehmen Vorkommnisse nicht mehr zu befürchten haben, wird es möglich sein, von diesen Beschränkungen abzusehen. Natürlich ist die Voraussetzung dafür immer, daß die Juden, die sich im Lande dauernd'niederlassen wollen, ihre bisherige Staatsangehörigkeit aufgeben, um ottomanische Bürger zu werden und alle Pflichten zu erfüllen, die mit dieser Staatsangehörigkeit verknüpft sind." Auf die fernere Frage, ob man 'den Juden .eine gewisse Selbständigkeit in der örtlichen Verwaltung geben und eine solche durch entsprechende Einteilung der Verwaltungsbezirke fördern würde, antwortete der Staatsmann: „Da muß ich zunächst wiederholen, was ich schon vorher sagte, nämlich, daß es uns unmöglich ist, den Juden irgendwelche Vorrechte zu geben. Sie können nur dieselben Rechte genießen wie alle unsere anderen Staatsbürger. Aber wir haben ja bereits in unserer jetzigen Gesetzgebung ein ziemlich weitgehendes Selbstverwaltungsrecht der Gemeinden, und in einem neuen Gesetzentwurf, den wir eben jetzt im Parlament vorlegen, beabsichtigen wir, hierin noch weiter zu gehen. Die örtlichen-Gemeinden und Mlajets (Provinzen) sollen noch mehr Selbständigkeit erhalten, als sie bisher schon , haben. In diesem Rahnren werden meines Erachtens auch alle berechtigten Wünsche der Juden in Palästina ihre Erfüllung finden können. Nach dem neuen Gesetz werden alle Gemeinden von 6000 Einwohnern und darüber das Recht der Selbstverwaltung haben, und auch die kleineren jüdischen Genreinden können stets auf das Wohlwollen der ottomanischen Regierung rechnen. Im allgenreinen kann ich Ihnen die Versicherung, geben, daß unsere Regierung den Juden wohlgeneigt ist, und daß sie bereit ist, alle sie betreffenden Fragen mit ihrem stets bewährten Wohlwollen zu behandeln. Ich ermächtige Sie gern, wenn Sie glauben, daß meine Erklärungen zur Beruhigung der öffentlichen Meinung beitragen können-, sie in Ihrer Zeitung zu veröffentlichen." * Im Anschlüsse daran, stehe hier folgende Notiz aus dem ,>Bevliner Tageblatt": Die deutsche Regierung und die Zionisten. Der Stellvertretende Staatssekretär des Ausioartigen Amts, Freiherr von dem Bussche-Haddenhausenhat die Herren Professor Dr. Marburg und Dr. Handtke vom '„Zionistischen Aktionskonütee", sowie die Herren Professor Dr. Oppenheimer, Dr. Friedmann und Professor Tr. Sobernheim vom „Komitee für dm Osten" myTsangen und ihnen folgendes erklärt: „Wir würdigen die auf Entwicklung ihrer Kultur und Eigenart gerichteten Wünsche der jüdischen. Minderheit in den Ländern, in denen die Juden ein stark entwickeltes Cigmleben. haben, bringen ihnen

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