Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 1 (4.1.1918)
- Date
- 1918-01-04
- Page
- Seite 3 (sequence 19)
- Language
- German
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Jahren gestorben, in welcher unsere ganze Gemeinde und weite Kreise der nichtjüdischen Bürgerschaft eine Frau edlester Gesinnung und unermüdliche Helferin bei allen guten Werken betrauern. Seit vielen Jahren im Mittelpunkt der Wohltätigkeitsbestrebungen unserer Stadt stehend, fand sie bei Kriegsbeginn ein reiches und bekanntes Arbeitsfeld vor, das sie mit unermüdlicher Aufopferung beackerte, und bei dem sie weder Kosten noch Mühe scheute, um den angestrebten Zweck zu erreichen. Die Speisung der Kriegerkinder war seit Kriegsausbruch eine ihrer größten und liebsten Aufgaben. Immer besorgt um die große Schar ihrer kleinen Tischgäste, hat sie selbst noch in ihren letzten lichten Augenblicken ihre Anordnungen getroffen und Legate ausgesetzt, damit das begonnene Werk bis zum Ende des Krieges in der bisherigen Weise weitergeführt werden kann. Noch in jüngster Zeit stellte sie auch.der Stadt einen sehr großen Betrag für den Bau des Waisen- und Kinderheims aus dem Nabenberge und für die Erlveiterung desselben zur Verfügung und schuf sich und ihrem am 11.' Mai 1914 verstorbenen Gatterein Denkmal, das für ihr edles und menschenfreundliches Wirken immer der sprechendste Beweis bleiben wird. Es sei ferner erinnert an die mit ihrem Gatten gemeinsam gemachten Stiftungen für die Beamtenßerienhäuser in der Heide und die Erleichterungen mannigfacher Art, die sie den Besuchern dieser Ferienhäuser sichergestellt hat. die auch hier über die Gegenwart hinaus Segen stiften werden Wiederholt wurde der edlen Wohltäterin die Anerkennung von den höchsten Stellen Zuteil, und einige Wohlfahrtskriegsauszeichnungen konnte sie als äußeres Zeichen der Würdigung ihrer Bestrebungen in Empfang nehmen. Der Tod dieser edlen Frau bedeutet einen schweren Verlust für unsere Stadt und unsere Gemeinde. rn. Grrben, 28. Dezember. Mit dem 1. Januar 1918 tritt Herr Prediger L. Sachs nach mehr als 35jähriger Tätigkeit in Guben von seinem Amte zurück. Eine langwierige Krankheit im Sommer b. I. hinderte ihn schon seit Ostern zu wirken Aus der alten Schule hervorgegangen, besitzt Sachs ein großes Wissen im rabbinischen Schrifttum. Die verstorbenen Rabbiner Dr.-Israel Hildesheimer in Berlin und Professor Frensdorsf in Hannover, wo er das Lehrerseminar besuchte, haben seine' großen Kenntnisse, die er aus den Jeschiboth in Wilna und anderen Orten' sich angeeignet hatte, sehr geschätzt. Die Gemeinde Guben hat, über ihre Verpflichtung hinaus, ihm eine Pension festgesetzt, die die kontraktliche Verpflichtung um das Doppelte übersteigt. Möge ihm noch ein angenehmer und langer Lebensabend beschieden sein! Lübeck, 28. Dezember. Unter den tiefschmerzlichen Opfern, die der grausame Krieg bereits aus unserer Gemeinde gefordert hat, ist einer der beklagenswertesten der Tod des allbeliebteu Jünglings David Adler, der im Alter von fast 20 Jabren gefallen ist. Als sünoster Sohn des unvergeßlichen Arztes Tr. Evhraim Adler genoß er eine sorgfältige Erziehung und berechtigte zu den schönsten Hoffnungen. Mit einem unverdorbenen, reinen, kindlichen, stets heiteren Herzen, verband er ein Aeußeres. das der vollkommene Spiegel seiner reinen, liebevollen Seele war. Er war ganz Soldat, tapfer und ausdauernd, suchte seine besorgte Mutter stets zu beruhigen und ihr die Strapazen des Feldgrauen als die natürlichsten Vergnügen zu schildern, und erhielt auch das Eiserne Kreuz nicht bloß seiner Tapferkeit wegen, sondern auch dafür, weil er den Kameraden durch sein heiteres und zuvorkommendes Wesen den Dienst so sehr erleichterte. Er war nach achtzehnmonatiger Dienstzeit auf Urlaub nach Hause gekouuuen und verabschiedete sich von den Seinen mit solcher Heiterkeit, als reiste er zum weiteren Studium fort. Und nach wenigen Tagen hatte die Kugel seinem jungen Leben ein Ende bereitet. Die ganze Gemeinde nahm an dem Schmerz der Familie herzlichsten Anteil, und jedermann bewunderte die heroische Ergebung der frommen Mutter, die als Präsidentin der Chewra Kadischa schon so oft andere getröstet hat. David Adler wird neben seinem Vater in unserer Gemeinde nicht vergessen werden. — München, 28. Dezember. T o b h Eduard Rosenthal, der bekannte Münchener Genremaler, ist im Alter von 70 Jahren am 23. Dezember in München gestorben. Rosenthal, der 1848 in New Haven (Nordamerika) geboren tpar, lenkte durch seine zeichnerische Begabung schon als Kind die Aufmerksamkeit seiner Lehrer auf sich. Er kam nach München, wo er als Schüler Karl v. Piloths den Wegen seines Meisters folgte. Seinen Genrebildern ist Gemütlichkeit lind Anmut in hohem Maße eigen. Seinen Ruf begründete das große Bild „I o h a n n 8 e b a st i a n B a ch m i t seiner F a m i l i e beim M o r g e n g e b e t", das vom Städtischen Museum in Leipzig angekauft wurde. Zu den bekanntesten seiner Werke gehören „Das Gerichtüberdie entfloh eneNonne Constance Beverleh", „Der Mönch im Resektorium", „W e r z u l e tz t l a ch t, l a ch t a m b e st e n", „V e r b o t e n e S eh ns u ch t" und andere. Nosenthals Kirnst ist durch viele Auszeichnungen anerkannt worden. 1870 und 1883 empfing er die Goldene Medaille der Münchener Kunstausstellung. 1876 zeichnete Philadelphia ihn mit der gleichen Anerkennung aus. Seine Werke sichern diesem Lieblingsschüler Karl v. Piloths ein dauerndes Andenken über das Grab hinaus. Frankfurt a. M., 28. Dezember. Die Versorgung der Heeresanqebörigen im Felde und in der Heimat, soweit sie nicht ständig einem bürgerlichen Haushalte angehören, mit Mazzos findet ausschließlich durch die Versandstelle der „Freien V e r e i n i a u n g f ü r die Interessen d e s o r t h o d o x e n I ud ent ums E. V., Frankfurt a. M.. Schützenstraste 14, statt. Die in Betracht kommenden Heeresangehörigen haben die Bedingungen des Versandes schleunigst, spätestens aber bis zum 15. Januar 1918, bei der „Freien Vereinigung" zu erfragen. — Es wird im allgemeinen nur unmittelbar durch Feldpost an die militärischen Besteller unter der Adresse des Truppenteils aelieferi. Den Mazzosempfängern wird genkäß Verfügung des Krregsministeriums vom 12. Dezember 1917 Nr. 2798, 11. 1917 6 2, die tatsächlich in ihren Besitz gelaunte Mazzosmenge mit dem gleichen Gewicht auf die ihnen zu stehende Brotmenae angerechnet und das Brotgeld dafür bezahlt. er. Mannheim, 28. Dezember. Eine Trauerfeier für den v e r st o r b e n e n Rechtsanwalt u n d H a u p t m a n n d. L. Tr. Adolf M a r r, der nach dreijährigem Frontdienst in Landau einem Herzleiden erlegen ist, fand in der Leichenhalle des hiesigen Friedhofes statt. Eine zahlreiche Trauerversam rn ln n s> aus allen Kreisen Mannheims, darunter besonders viele Kollegen des Verstorbenen, hatte sich zur Feier in der Leichenhalle des israelitischen Friedhofes einpefunden. Das Grenadierreaiment 110 hatte eine Kompoanie mit einer Kapelle gestellt, das Ersatzbataillon des königlichen bayerischen Ifl. Infanterieregiments, dem Dr. Marr als Rewrveaffizier angehört hatte, und das königliche bayerische 8. Landwebrreaiment, in dem er im Krieg zuerst als Regimentsadjutant, dann als Komvaaniesührer Dienst getan hatte, hatten Abordnungen entsandt. Auch die Studentenverbindung „Badenia", deren Farben Murr getragen hat, war durch Aktive in vollem Wichs vertreten. Bon Mannschaften seiner Kompagnie getragen, wurde der Sarg von der Leichenhalle zum Krematorium überführt und dort aufgebahrt, während die Kapelle einen Ehoral ftielte. Helm und Degen des Toten ruh-ten aus der Bahre, von Blumen und Kränzen überdeckt Stadtrabbiner Tr. Steckelmacher hielt die Grabrede und fügte dann an ein vortreffliches Lebens- und Charakterbild des Verstorbenen Trostworte für die Hinterbliebenen. Dr. Caben überbrachte mit einem Kranz den letzten Gruß der A u g u st - L a m e h - L o g e : aus gemeinsamen Ingenderinnerunaen ließ er noch einmal die Gestalt des Jünglings und Mannes lebendig werden. In demselben Sinne überbrachte Tr. Mainzer (Frankfurt am Main) namens des Alte- H e r reu- V e r b a n d e s des K. C. den letzten Dank und Gruß dem treuen Verbindungsbruder. Namens des Ersatzbataillons des königlichen bayerischen 18. Infanterieregiments legte dessen Führer einen Kranz an der Bahre nieder mit Worten hoher Anerkennung für die militärischen und menschlichen Tugenden des toten Kameraden; weitere Kränze ließen das Offizierkorps des 8. Landwehrinfanterieregiments und die Unteroffiziere und Mannschaften der Kompagnie niederlegen, die Hauptmann Marx zuletzt geführt hatte. Grsterreich-Ankksrn. z. Wien, 28. Dezember. Eine Deputation, bestehend aus den O b e r r a b b i n e r n von Czortkow und Husiatyn sowie dem Vorsitzenden der „Agudas Jisroet", I. I. T h u m i m, unter Führung der Abgeordneten Dr. v. Löwen st ein und Dr. Straucher, sprach vor kurzem beiur Ministerpräsidenten Dr. v. S e i d l e r vor und wurde von diesem sehr fremrdlich empfangen. Dr. v. Lötvenstein brachte in einer ausführlichen Rede eine Reihe von Wünschen hinstchtlich der Lage der Juden in Galizien und der Bukowina sowie hinsichtlich der