Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 1 (4.1.1918)
- Date
- 1918-01-04
- Page
- Seite 2 (sequence 18)
- Language
- German
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2 das sie während der gesamten Kriegsdauer der jüdischen Siedlung in Palästina zugewandt hat. 3. Die Z. V. f. D. erklärt feierlich, daß die zionistische Bewegung von dem Wohlwollen aller Mächte und aller Völker getragen sein muß. Die zionistische Bewegung widerspricht keinem Interesse irgendeiner M-acht oder irgendeines Volkes, sondern sie dient durch ihr friedliches Kolonisationswerk in Palästina den Interessen der gesamten Kulturmenschheit. Die Z. D. f. D. begrüßt daher mit Befriedigung die Tatsache, daß die englische Negierung in einer amtlichen Erklärung das Recht des jüdischen Volkes auf ein nationales Leben in Palästina anerkannt hat. Sie nimmt mit Dank die Erklärung des österreichisch-ungarischen Ministers des Aeußeren zur Kenntnis, daß die österreichischungarische Negierung dem Zionismus sympathisch gegenübersteht und bereit ist, die zionistischen Bemühungen bei der türkischen Regierung zu unterstützen. Wir geben der Hoffnung Ausdruck, daß es dem Aktionskomitee gelingen wird, die Zustimmung aller Großmächte und insbesondere der Türkei zur Durchführung der zionistischen Bestrebungen zu erlangen." E. M. Berlin, 31. Dezember. Zur Beratung von Fürsorge m a ß n a h m e n für die jüdische Großstadtj u g e n d fand auf Einladung der Fürsorgekommission der jüdischen Gemeinde eine Aussprache statt, an der außer den der Jugendpflege gewidmeten Gemeindeorganisationen auch eine Anzahl anderer Körperschaften, die Jugendfürsorge treiben, wie die Hauptstelle für Berufsberatung, die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden und der Verband jüdischer Jugendvereine, teilnahmen. Wie der Vorsitzende, Herr Caspary, ausführte, haben die Erfahrungen des Krieges gezeigt, daß die bisher geleistete Pflegearbeit nicht ausreicht, unsere Jugend unter den jetzigen Verhältnissen zu schützen. Im Schoße der Gemeindebehörden haben wiederholte Beratungen über diese Frage stattgefunden. Es wurde ein kleiner Sonderausschuß eingesetzt, über dessen Beschlüsse Professor Dr. Schäfer auf Wunsch des Vorsitzenden berichtet. Diese Kommission, der eine Anzahl Rabbiner und Lehrer angehört, empfiehlt, die an den beiden Gemeindeschulen bestehenden Jugendklubs auszubauen und neue Klubs für nachschulpslichtige Kinder versuchsweise an einigen Religionsschulen einzurichten. Ten Schülern, die Ostern die Schule verlassen, soll in diesen Heimen Gelegenheit zur Belehrung und Unterhaltung geboten werden. Die Arbeit soll ähnlich der in den christlichen Jünglingsvereinen geübten Praxis ausgestaltet werden. Rabbiner Tr. Blumenthal wünscht eine seelsorgerische Beeinflussung der Jugend durch Rabbiner. Direktor Dr. Altmann wünscht eine eingehende Statistik über die Zahl und Verteilung, der Jugendlichen und bittet, die Arbeit auch auf die Zöglinge der höheren Schulen auszudehnen. Direktor G u t m a n n berichtet über die Erfahrungen in den Jugendklubs an den beiden Gemeindeschulen. Im alten Krankenhausgebäude sollte ein modernes Jugendheim errichtet werden, dem ähnliche in allen Stadtteilen folgen müßten. Justizrat Magnus hält das Vorbild der christlichen Karitas für nachahmenswert und bemerkt, daß die jüdischen Tohnbeehallen in gewissem Sinne ein Vorbild für die Jugendarbeit darstellen. Was hier für die ältere Generation geleistet werde, sei auf dre Jugend einigermaßen zu übertragen. Herr Kirstein drängt auf sofortige Arbeit. Er verweist auf die mustergültige Jugendpflege in dem von zionistischen Kreisen begründeten Volksheim, das er zur Nachahmung empfiehlt. Die Wirksamkeit des Volksheims wird auch von Direktor Altmann hervorgehoben, der die Schaffung einer Anzahl ähnlicher Heime in den verschiedenen Stadtbezirken anregt. Nach längerer Aussprache, in der von verschiedenen Seiten Anträge gestellt werden, wird beschlossen, zunächst einen Ausschuß einzusetzen, welcher die Gründung von Jugendheimen in möglichst zahlreichen Stadtbezirken vorbereiten, die Sammlung des statistischen Materials in die Wege leiten und weitere Vorschläge für die Ausgestaltung der Arbeit machen soll. L. Hohensalza, 28. Dezember. Die goldene Hochzeit feierte am 15. d. M. in körperlicher Rüstigkeit und geistiger Frische das Rentier Schau lsche Ehepaar Hierselbst unter herzlicher Anteilnahme weiter Kreise der hiesigen Synagogengemeinde im Kreise der Familienmitglieder und zahlreicher Verwandten, die von nah und fern herbeigeeilt waren, um dem allseitig geachteten und geliebten Jubelpare ihre Glückwünsche darzubringen. Nach Beendigung des Hauptgottesdienstes fand in der festlich geschmückten Synagoge die religiöse Feier statt, bei der Herr Gemeinderabbiner Dr. Kohn in einer eindrucksvollen Ansprache die. bekannte Frömmigkeit, Bescheidenheit und Mildtätigkeit des Jubelpaares rühmte, es einsegnete und ihm die von Sr. Majestät verliehenen Ehejubiläum smedaille unter Vorlesung des Glückwunschschreibens aus dem Kaiserlichen Zivilkabinett feierlich überreichte. Im Aufträge des Gemeindevorstandes übermittelte in der Wohnung der stellvertretende Vorsteher Herr Rentier Schlamm die Glückwünsche der Gemeinde und überreichte ein kostbares Blumenarrangement. Die in großer Zahl eingelausenen Telegramme und Gratulationsschreiben zeugten von der Verehrung, deren sich das Jubelpaar in der Stadt und darüber hinaus erfreut. H. Sarnter, 28. Dezember. Plötzlich verschied hier, 68 Jahre alt, der Repräsentantenvorsteher und Fabrikbesitzer Karl Koerpel. Derselbe hat viele Jahre hindurch dem Repräsentantenkollegium, zuletzt als -dessen Vorsteher, angehört und jederzeit das lebhafteste, tatkräftigste Interesse für das Wohl der Gemeinde, für die.Förderung ihrer Interessen wie für die Wahrung ihres jüdisch-religiösen Geistes bewiesen. Sein edler Charakter, sein menschenfreundliches, hilfsbereites, schlichtes und liebenswürdiges Wesen hat ihm allgemeine Achtung und Liebe erworben und sichert ihm über das Grab hinaus ein ehrendes Andenken in der Gemeinde. — Breslau, 28. Dezember. Die Repräsentantenversammlung unserer Synagogengemeinde trat unter dem Vorsitz des Professors Dr. Wohlauer am Sonntag, den 16. d. M., zu einer Sitzung zusammen. Am Eingang der Tagesordnung wurde das Andenken des kürzlich verstorbenen langjährigen Vorstandsmitgliedes Stadtrat Marck in üblicher Weise geehrt. Zur Mitteilung gelangte hierauf u. a., daß der Gemeindevorstand dem Beschluß der Repräsentantenversammlung vom 21. Oktober 1917 betr. Bewilligung von Teuerungszulagen zugestimmt hat, ferner, daß gemäß § 57 Abs. 1. der Satzungen an Stelle des verstorbenen Stadtrat Marck 1. Geh. Justizrat Landgerichtsrat Goldfeld zum Vorsitzenden der Kultuskommiffion II und zum Kommissar bei der Israelitischen Kranken-Verpflegungsanstalt, 2. Sanitätsrat Dr. Jungmann zum Vorsitzenden der Kommission der Neuen Synagoge und daß an Stelle des Rentier Louis Loewenthal, der den Vorsitz in der Armenkommission, ohne aus ihr aber auszuscheiden, niedergelegt hat, Herr Emil Waldst e i n zum Vorsitzenden der Armenkommission gewählt worden sei. Mit der Annahme der Mendel Barnch und Charlotte geb. Schacher-Cohnschen Stiftung von 56 069 Mark zur Gewährung von Beihilfen an jüdische Waisen erklärte man sich, vorbehaltlich deren landesherrlichen Genehmigung, einverstanden. Hierauf beschäftigte man sich mit einer Interpellation des Justizrats Peiserin Sachen der Jugendfürsorge; der Interpellant forderte den Ausbau bereits bestehender und Schaffung besonderer Jugendfürsorgestellen, ferner die erhöhte Heranziehung der Jugend zum Religionsunterricht und Unterstützung aller hier bestehenden Jugend- Vereinigungen. ohne Unterschied ihrer Tendenzen. Für den Gemeindevorstand beantwortete Rentier Emil Waldstein die Interpellation dahi-n: Amtsgerichtsrat Geh. Justizrat Fränkel, der Leiter der hiesigen Zentrale für Jugendfürsorge, sei auch Mitglied der Arrnenkornmission der Shnagogengemeinde, der die Jugendfürsorge innerhalb der Gemeinden mitunterstellt ist. Sein Name biete wohl die beste Gewähr dafür, daß alles getan werde für die Errichtung von Jugendfürsorgestellen wie sie vom Interpellanten angeregt worden seien. An der Hand eines interessanten Materials der letzten zehn Jahre schilderte er alsdann die Arbeiten der Gemeindeverwaltung, um die Jugend zum Religionsunterricht bei allen hiesigen Lehranstalten weitmöglichst heranzüziehen, und berichtete ausführlich über die gemeinsamen Arbeiten mit dem Provinzialschulkollegium, dem Magistrat und allen anderen Behörden, und betonte dabei das gute Einvernehmen der Breslauer Synagogen-Gemeindeverwaltung zu den in Betracht kommenden behördlichen Instanzen. Was die Stellung der Gemeinde zu anderen Jugendvereinigungen anlange, so sei der Gemeindevorstand gewillt, alle derartigen Bestrebungen innerhalb des Gemeindelebens ohne Unterschied ihrer politischen Richtung fördernd zu unterstützen. Die Versammlung nahm diese Beantwortung zustimmend zur Kenntnis. Görlitz, 28. Dezember. Nach langem, schwerem Leiden ist hier Frau Kommerzienrat Helene Hehmann im Alter von siebzig