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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-01-04 · Heft 1 (4.1.1918) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 1 (4.1.1918)
Date
1918-01-04
Page
Seite 4 (sequence 20)
Language
German
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4 Maßnahmen, die gelegentlich der Flüchtlingsrückkehr nach Hause notwendig seien, um denselben die Wiederaufrichtung ihrer Existenzen zu ermöglichen, vor. Diese Ausführungen wurden seitens des Abg. Dr. Straucher und des Oberrabbiners von Czortkow ergänzt. Mit sichtlichem Interesse verfolgte der Ministerpräsident die Ausführungen erkundigte sich über die Einzelheiten der vorgebrachten Wünsche und versicherte, dieselben einer freundlichen Erwägung zu unterziehen und im Rahmen des Möglichen das Nötige zur Befriedigung derselben zu veranlassen. — An den Oandesverteidigungsminister stellten Reichsratsabgeordneter Dr. Straucher und Genossen eine Anfrage betreffend judenfeindliche Haltung militärischer Behörden. Es handelte sich um folgenden Vorfall: In der Pulverfabrik Moosbierbaum (Skodawerke) war es der jüdischen Mannschaft gestattet worden, an den Rosch-Hoschana-Feiertagen den Gottesdienst zu besuchen. Am zweiten Feiertag erschien ein Stabsfeldwebel der Polizeiwache am Ort des Gottesdienstes und befahl im Auftrag seines Oberleutnants, daß alle Andächtigen sich sofort zur Arbeit zu begeben hätten. Außerhalb des Gotteshauses erwartete die jüdischen Soldaten eine ganze Legion bewaffneter Soldaten mit aufgepflanzten Bajonetten, die die jüdische Mannschaft trotz des hohen Feiertages zur Arbeit trieben. — Am 7. d. M. wurden Abgeordneter Dr. Straucher, der Präsident des Zentralkomitees galizischer Zionisten, Adolf Sand, und der Obmann des jüdischen Nationalvereins, Ingenieur Robert Stricker, vom Ministerpräsidenten Dr. Sei dl er empfangen. Die Herren brachten die Wünsche der nationalgesinnten österreichischen Juden vor und verlangten, daß bei der Neuregelung der österreichischen Verhältnisse der Vertretung der national organisierten Judenschaft der gebührende Einfluß gesichert werde. Der Ministerpräsident erklärte, daß dem Verhalten der Judenschaft Oesterreichs im Kriege vollstes, uneingeschränktes Lob gebühre und daß er in kürzester Zeit den Vertretern der national organisierten Judenschaft Gelegenheit geben werde, ihre Forderungen, denen er das größte Interesse entgegenbringe, der Regierung in der entsprechenden Form vorzulegen und zu begründen. Von Mh und ssrrn. Auf den Antrag der chemischen Abteilung der Münchener Technischen Hochschule ist Professor Dr. Ni ko dem Caro in Berlin, Vorstandsmitglied der Bayerischen Stickstoffwerke A.-G.. der erfolgreiche Forscher und Organisator auf dem Gebiete des Kalziumkarbids, des Kalkstickstoffs, Ammoniaks und der Salpetersäure, zum Ehrendoktor ernannt worden. Professor Dr. Nikodem Caro, geboren in Lodz, entstammt einer alten jüdischen Gelehrtenfamilie. Sein Großvater war Rabbiner Wlozlawek. — Den Charakter als Geheimer Sanitätsrat haben erhalten: die Sanitätsräte Dr. Ludwig Blumenthal, Dr. Karl Holl st ein, Dr. Martin Kali scher und Dr. Louis S ch o e n f e l d in Charlottenburg, Dr. Alfred M a r c u s e in Schöneberg. — Mit dem Titel Sanitätsrat sind ausgezeichnet worden: die Aerzte Dr. Max C o h n. Dr. Nathan D o m n a u e r, Dr. Hermann Feilchenfeld, Dr. Abraham Gorodiski, Dr. Karl Hamburger, Dr. Hermann H a m m e r st e i n, Dr. Hermann I a c o b h, Dr. Georg K a tz, Dr. Georg L u b s z y n s k i, Dr. Richard Müh s a m, Dr. Fritz Rechnitz, Dr. Fritz Schlesinger, Dr. Siegmund Möllmann in Berlin; Dr. Otto B a k o f e n, Dr. Georg F l a t a u, Dr. Berthold Prinz, Dr. Eugen Weile in Charlottenburg: Dr. Ernst A p o l a n t, der Direktor des zahnärztlichen Instituts der Landesversicherungsanstalt Berlin, Dr. Julius Herzfeld, Dr. Max L i ß n e r in Schöneberg; Dr. Bruno Marcusein Wilmersdorf. — Justizrat Edwin Katz ist zum Geheimen Justizrat ernannt worden. — Frau Justizrat Helene Meyer-Stargar dt, die verdienstvolle Vorsitzende des Kartells jüdischer Arbeitsnachweise, hat das Verdienstkreuz für Kriegshilfe erhalten. Frau Justizrat Meyer arbeitet in der Frauenabteilung der Kriegshilfs^Kommiffion der jüdischen Gemeinde seit ihrer Begründung an leitender Stelle. Von den Mitgliedern der Kriegshilfs-Kommission hat ferner Fräulein EmmhAlexander das Kriegsverdienstkreuz erhalten. — Fabrikbesitzer S. Schaul, Viktoriastraße 4a, Vorsitzender des Haus- und Grundbesitzervereins Wedding, steht seit 30 Jahren ehrenamtlich im Dienst der Reichshauptstadt. Der Magistrat hat ihm unter Ueberreichung einer Adrefle den wärmsten Dank aussprechen lassen. — Dem Inhaber der Firma B. Kirschstein u. Co., Berthold Kirf ch st e i n, Leiter des Modenamtes des Reichsverbandes für deutsche Ware und deutsche Mode, wurde das Kriegshilsskreuz verliehen. — Kanonier Arthur Ben da, Sohn des Herrn Georg Benda in Berlin, Klopstockstraße 23, erhielt das Eiserne Kreuz zweiter Klaffe. — Die Zentrale für Mazzosve'rsorgung G. m. b. H. macht bekannt: Angesichts der Schwierigkeiten, die bei der Beschaffung von Säckchert zum Versand von gemahlenen Mazzos sich geltend machen, haben wir die Bäckereien ermächtigt, bei der Lieferung von gemahlenen Mazzos in Packungen von 14, 1 und 2 Pfund den Preis für ein Pfund gemahlene Mazzos einschließlich Verpackung aus 1 Mark zu normieren. Bei Lieferungen in größerer Menge bleibt es bei dem veröffentlichten Höchstpreis von 88 Pfennig. — Dem Rechtsanwalt und Notar, Geheimen Justizrat S a l om o n in Posen wurde das Verdienstkreuz für Kriegshilfe verlieben. — Herr Kaufmann Heinrich Lew in in Posen ist zum stellvertretenden Handelsrichter wiedergewählt worden. — Aus Nakel wird uns berichtet: Anläßlich der Wiederkehr des Todestages des Rabbiners Dr. Berlitz fand auf dem Friedhof eine würdige Gedächtnisfeier statt. Die Synagogengemeinde errichtete eine Dr.-Gabriel-Perlitz-Stistung, deren Zinsen alljährlich am Todestage an Bedürftige verteilt werden sollen. — Justizrat Dr. Friedr. Milch (Breslau), Direktor der Schlesischen Bodenkreditbank, wurde zum Stadtrat gewählt.—Stadtverordnetenvorsteber Dr. H erlberg und Stadtverordneter O e t t i n g e r wurden als Provinziallandtagsabgeordnete wiedergewählt. — Frau Braß in Breslau stiftete zum Andenken an ibren Sobn, dm auf dem Kriegs schauplatz gebliebenen Oberarzt Dr. Hans B r a fe. dem Säuglingsheim 5000 Mark. — Dem Leiter der israelitischen .Krankenverpflegungsanstalt zu Breslau. Herrn Philipp L e v e n b a ch , wurde das Kreuz für Krieasdiensthilfe verlieben. — Herrn Stadtverordneten Michaelis Glaser, Vorsteber der israelitischen Gemeinde in Zittau, wurde das Ehrenkreuz für freiwillige Wohlfahrtspflege, Herrn Bellak, Prediger der israelitischen Gemeinde zu Zittau, das Kriegsverdien st kreuz verliehen. — Aus Varel (Oldenburg wird uns geschrieben: Dem Vorsteher unterer Gemeinde, Herrn Gustav Schwabe, sowie seiner Gattin, Frau Pauline Schwabe, ist in Anerkennung ihres verdienstvollen Wirkens während des Krieges, besonders auf dem Gebiete aller Wobltätigkeitsbestrebunaen, vom Großberzog das Friedrich-August-Kreuz am blau-roten Bande verliehen worden. — Der Juaendverein in Offenbach a. M. veranstaltete für die jüdischen Soldaten der dortiaen Garnison und Lazarette eine Cbanukkafeier. Hieran schloß sich die Einweihung des wunderschön heraerickiteten neuen Gemeindesaales, bei der Rechtsanwalt Dr. G u g g e nbeim die Festrede bielt und die Damen Betzack und Gabriel durch künstlerische Leistungen sich hervortaten. — Der Vorstand des Allgemeinen Indischen Krankenhauses ..Schaare Zedet" zu Jerusalem schreibt dem Frankfurter „Israelit": Ueber das fernere Schicksal d-s Schaare-Zedek-Hosvitals gibt ein Brief aus Jerusalem an den Vorstand des Krankenhauses in Frankfurt a. M. Auskunft. Danach bleibt das ..Hofvital" in Betrieb und der Leiter desselben dort. Seine Tätigkeit wird fortgesetzt, und da die Not unter der Bevölkerung nicht abgenommen hat, so ist die fortgesetzte Unterstützung des aroßen Wohltätigkeitswerkes mehr als wichtig. Das „Hospital" selbst, ist unter den Schutz von Spanien gestellt und ist außerdem dadurch, daß es auch holländischen Interessen dient, wohl vor allen Eventualitäten geschützt. Der Verkehr mit der hiesigen Verwaltung findet über das neutrale Ausland statt. — Die Budapester Kultusgemeinde hielt am 10. Dezember unter Vorsitz des Präsidenten Ludwig Adler eine außerordentliche Generalversammlung ab. Vor der Tagesordnung widmete der Vorstand dem verstorbenen Präsidentenstellvertreter Dr. Moritz Stiller einen warmen Nachruf. Die Generalversammlung beschloß, da zahlreiche stimmberechtigte Mitglieder im Felde sieben, die Neuwahlen bis 30. November 1918 zu verschieben. Ein Antrag des Vorstandes, zur Errichtung einer Beschäftigungswerkstätte für Blinde , einen Grund in der Columbusgaffe zu kaufen, wurde angenommen. Den Beamten und Pensionären des Kultusgemeinde wird ein Beklerdungsvorschuß bewilligt. Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde hat in seiner letzten Sitzung an Stelle des verstorbenen Dr. Stiller Hofrat Sigmund L. B r e i t n e r zum stellvertretenden Präsidenten und den Vorstand k. Rat Dr. Friedrich Halaß zum Vorstand für das Unterrichtswesen gewählt. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Mosse.

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