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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-01-04 · Heft 1 (4.1.1918) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 1 (4.1.1918)
Date
1918-01-04
Page
[Seite] (sequence 17)
Language
German
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82. Jahrgang Nr. I Berlin, 4. Januar 1918 Der Gemeindevote. Vellage zur „Allgemeinen Leitung deK JudentumK". Korrrlpoudrn?m und Aachrichtm. LklltschlsnL. §2 Berlin, 31. Dezember. Die, Vorarbeiten der kürzlich gegründeten Zentralwohlfahrtsst'elle der Juden für Deutschland, deren Aufgabe es ist, die jüdische Wohlfahrtspflege zu zentralisieren und ,einheitlich.auszugestalten, damit sie den modernen sozialen Anforderungen entspricht, sind so weit gediehen, daß der in der Verwaltungsratsitzung vom 25. November 1917 gewählte Vorstand am 9. Dezember 1917 seine erste Sitzung abhalten konnte und sich folgendermaßen konstituierte: 1. Vorsitzender Geh. Justizrat Tim endorfer (Berlin); 2. Vorsitzender Professor K ali scher (Berlin); stellvertretende Vorsitzende Fräulein Berta Pappenheim (Frankfurt m M.) und Eugen Casparh (Berlin); Schriftführer Dr. N e u - m a n n (Berlin); stellvertretender Schriftführer Dr. O l l e n d o r f (Breslau); Schatzmeisterin Frau Henriette May (Berlin); stellvertretender Schatzmeister Bankier Stein (.Karlsruhe); Beisitzer: Professor Alexander K a tz (Berlin-Steglitz), Fräulein Werner (Hamburg). Zum Geschäftsführer wurde Dr. oec. publ. Jacob Segall (Berlin), der sich bereits rege an den Gründungsverhandlungen beteiligt hat, berufen. Es wurde eine Reihe von wichtigen organisatorischen Fragen, vor allem Ergänzung des Vorstandes und des Verwaltungsrates, eingehend besprochen und beschlossen, um gleich in die praktische Arbeit einziutreten, in der nächsten Sitzung des Verwaltungsrates, die in der zweiten Hälfte des Januar stattfinden soll, zwei Referate über „Bedeutung und Ausbau der jüdischen Sammelvormundschaft" und „Anforderungen der neuen Zeit an die geschlossene Waisenpflege" durch Sachverständige halten zu lasten. Mit der Sammlung und Sichtung des sehr reichen Materials über alle Wohlfahrtseinrichtungen in Deutschland ist bereits begonnen worden, so daß in absehbarer Zeit mit der Tätigkeit als Auskunstsstelle wird begonnen werden - können. Das Bureau befindet sich Berlin W 35, Steglitzer Straße 9, II. <r/v Berlin, 31. Dezember. Wie seit Jahrzehnten veranstaltet die Lehranstalt für die Wissenschaft des. Judentums auch im Jahre 1918 eine Reihe von Vorlesungen. Der Ertrag ist für den Stipendienfonds der Anstalt bestimmt. Auch in diesem Jahre weist die Liste der Vortragenden hervorragende Namen auf. Am 7. Januar spricht Geheimer Regierungsrat Professor Dr. Hermann Cohen über „Das soziale Ideal bei Platon und den Propheten", am 4. Februar Gebeimer Regierungsrat Professor Dr. Ludwig Geiger über „Leopold Zunz", am 11. Februar Rabbiner Dr. Louis Blumenthal „Zu David Cassels 100. Geburtstag", am 18. Februar Dozent Dr. Jsmar Elbogen üher „Neuorientierung unserer Wissenschaft", am 25. Februar Schriftsteller Julius Bab über den „Aufschwung des biblischen Motivs im jungdeutschen Drama", am 4. März Professor Dr. Julius Hirsch (Köln) über „Wirtschaftliche Zukunftsfragen der Ostjuden". Die Vorlesungen finden in der Aula der Lehranstalt, Artilleriestraße 14, Montag abends 8 Uhr, statt. Eintrittskarten zu 5 Mark für den ganzen Zyklus, zu 1 Mark für eine Vorlesung, sind zu haben beim Hofjuwelier Herrn Eugen Marcus, Unter den Linden 31, beim Sekretariat der Lehranstalt und am Eingang in den Saal. g/5> Berlin, 31. Dezember. Am 16. Dezember hat im Schwesternheim des Ve r e i ns für jüdische eKrankenPflegerinnen eine Chanukkaseier stattgefunden, bei welcher elf Schwestern, die die staatliche Prüfung bestanden haben, das Vereinsabzeichen überreicht wurde. Zehn Schwestern wurden gu Diplomschwestern ernannt und vier Schwestern erhielten die Verdienstbroche für zehnjährige Tätigkeit, die, anstatt wie üblich aus Gold, dem Ernst der Zeit entsprechend, aus Eisen angefertigt war. — Anmeldungen zur Aufnahme von Lehrschwestern nimmt die Oberin des Vereins, Fräulein Margarete Elkan, im Schwesternherm, Exerzierstraße 11b, entgegen. £2 Berlin, 31. Dezember. In der jüdischen Tohnbee- Halle der Berliner Logen U. O. B. B. fand am 16. d. M. eine große Chanukka-Kinderfeier statt, an der gegen vierhundert Kinder, meist Kriegerkinder, teilnahmen. Nach dem Anzünden der Lichte und dem Gesang des Chanukkaliedes hielt Herr Prediger Dr. Joseph Lehmann eine Ansprache, der die Kinder verständnisvoll lauschten. Die junge Pianistin Fräulein Ch ajes erfreute durch ihr schönes Spiel, die Rezitatorin Fräulein G r ä tz e r fand mit ihren Märchenerzählungen viel Beifall und die Konzertsängerin Fräulein N i v e l l ergötzte die Kleinen durch anmutige Kinderlieder. Schüler und Schülerinnen trugen der Feier angemessene Gedichte vor, dann folgte die Bewirtung mit Schokolade und Kuchen, und jedes Kind erhielt Spielsachen und ein Buch aus der jüdischen und aus der allgemeine n Literatur. Alle, die durch Spenden, durch persönliche Mitwirkung und als Ehrengäste zum vollen Gelingen der schönen Feier beigetragen haben-, dürfen mit Befriedigung auf dieselbe zurückblicken. fr fr Berlin, 31. Dezember. Das Zentralkomitee der Zionistischen Vereinigung für Deutschland trat am 23. und 24. d. M. in Berlin zusammen. Im Mittelpunkt der Tagung, die von Delegierten aus ganz Deutschland besucht war, standen Referate über die Pal äst inaarbeit, über die Fortschritte in der Organisation in Deutschland und über die Lage in Polen. Eine Ansprache des Vorsitzenden, Dr. Arthur Hantke, leitete die Verhandlunaen ein. Er betonte die Wichtigkeit der Stunde, in der Jerusalem den Besitzer gewechselt hat und beide Mächtegruppen Anspruch auf den zukünftigen Besitz des Landes erheben. In diesem historischen Moment, führte er weiter aus, ist es unser cmtes Recht und ' auch die heilige Pflicht, frei vor aller Welt bk unauflösliche Verbundenheit des jüdischen Volkes mit Palästina und den unverjährbaren Anspruch unseres Stammes ans freie und unaehinderte kulturelle und wirtschaftliche Betätiguua in der Heimat der Ahnen zu betonen. Die deutschen Zionisten begrüßen mit Befriedigung die Erklärung der englischen Regierung und konstatieren mit Genugtuung, daß zum erstenmal eine Großmacht das Recht der Inden aus nationale Entwicklung in Palästina amtlich anerkannt bat. Wir dürfen darauf zählen, daß nunmehr auch alle übrigen Großmächte die Berechtigung unserer friedlichen Arbeit in Palästina anerkennen und der jüdischen Einwanderung freien Raum schaffen werden. Als einen bedeutsamen Schritt auf diesem Wege dürfen wir die Erklärung des Ministers des Auswärtigen der österreichisch-ungarischen Monarchie begrüßen, daß die österreichisch-ungarische Regierung dem. Zionismus sympathisch gegenüberstehe und bereit ist, die zionistischen Bemühungen bei der türkischen Regierung zu unterstützen. Die deutsche Regierung hat wahrend der gesamten Kriegsdauer die jüdische Siedlung in Palästina zu schützen getrachtet. Ihrem Eingreifen verdanken wir es, wenn in ernsten und besorgnisreichen Momenten das jüdische Kolonisationswerk in seiner Grundlage unerschüttert geblieben ist. Wir hoffen fest, daß dieses so tatkräftig bewiesene Wohlwollen uns für die Dauer erhalten bleiben und zu einer grundsätzlichen Anerkennung und Förderung der jüdischen Bestrebungen führen wird. — Unter den Fragen, die zur Erörterung kamen, sind besonders die Beratungen über die Möglichkeit einer landwirtschaftlichen Vorbereitung in Deutschland für die landwirtschaftliche Tätigkeit tu Palästina hervorzuheben, sowie Referate von Martin B u b e r und Martin Schocken ü>ber die aus dem letzten Telegiertentage begründete K u l t u r o r g a n i s a t i o n , die demnächst mit ihren ersten Arbeiten und Erfolgen an die Qeffentlichkeit treten wird. Ueber die Vorbereitungen für eine erweiterte Palästinaarbeit fand eine lebhafte Aussprache statt. Das Fehlen jeder Opposition bei den Beratungen sowie die einheitlichgeschlossene Stimmung, welche dre Tagung beherrschte, ist besonders hervorzuheben. Die Verhandlungen verdichteten sich schließlich zu folgenden Resolutionen: 1. Die Zionistische Vereinigung für Deutschland ,spricht dem Aktionskomitee der zionistischen Organisation ihr volles Vertrauen und ihre Anerkennung für die erfolgreiche Tätigkeit des Aktionskomitees aus. 2. Die Z. V. f. D. stellt mit besonderer Befriedigung fest, daß es dem Aktionskomitee der zionifchen Organisation gelungen ist, durch seine politischen Bemühungen das Ansehen der Bewegung in der Oeffentlichkeit, bei den Regierungen und bei den Völkern außerordentlich zu stärken und die Grundlagen des Kolonisationswerkes in Palästina im wesentlichen unversehrt zu erhalten. Die Z. V. f. D. dankt der deutschen Reichsregierung für das wohlwollende Interesse,

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