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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1918-01-04 · Heft 1 (4.1.1918) · p. Seite 8

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
82 (1918)
Issue
Heft 1 (4.1.1918)
Date
1918-01-04
Page
Seite 8 (sequence 12)
Language
German
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8 Teil erst aus Spanien, und zwar Flüchtlinge„aus der Zeit der Inquisition. Unsere Autorin hebt hervor, daß die schwarzen Juden von ihren Stammesbrüdern nicht geliebt werden, weil sie sich mit Hindufrauen vermischt und dadurch ihre Farbe verändert hätten, die nicht schwarz im eigentlichen Sinne, sondern indisch bronziert sei, aber sie seien die kräftigeren, lebensfrischeren und viel zahlreicher als die weißen und durch das ganze Land zerstreut, überall handeltreibend, zu finden. Auch diese schwarzen Juden empfingen die Dame sehr erfreut. Hatten sie doch längst von ihrem Besuch bei den weißen gehört und gereichte es ihnen zur Genugtuung, daß sie bei dem Besuch nicht übergangen wurden. Ueber die Synagoge dieser schwarzen Juden sagt die Berfasserin: „Sie liegt am Ende der Gasse und gleicht der anderen sehr, doch fehlen ihr die kostbaren Bronzesäülen und die Täfelung der chinesischen Kacheln. Aber alles ist frisch gestrichen und mit bunten, grellen Farben bemalt. Man sieht, es ist mehr Geld und mehr Leben hier." Die Kleidung dieser Israeliten sei stark der indischen angepaßt. Alle gehen barfuß. Das Käppi, das sie alle statt des Turbans tragen, unterscheidet sie äußerlich von den Kindern des Landes. Als sie sich von der Gasse verabschiedete, nahm sie das Bewußtsein mit sich, einen sehr interessanten Volksstamm kennengelernt zu haben, dessen Originalität und Frömmigkeit im Laufe der Jahrhunderte keine Einbuße erlitten und der stolz darauf sei, einem der ältesten Geschlechter anzugehören. Diese Israeliten haben allen Versuchen, die seitens der Missionare unternommen worden sind, sie dem Glauben ihrer Väter abtrünnig zu machen. Widerstand geleistet und seien bis auf den heutigen Tag überzeugte Anhänger des Monotheismus geblieben. Katharina Zitelmann hat wiederholt Reisen nach dem Heiligen Lande unternommen und die Eindrücke und Beobachtungen, die sie dort gemacht, in höchst fesselnden Aufsätzen und Büchern niedergeschrieben. Reizvoll sind namentlich ihre Schilderungen über die heilige Stadt Jerusalem und über die Stellung Deutschlands zu Palästina. Sie entwirft sehr lesenswerte Skizzen von den verschiedenen Anstalten, die die christlichen und jüdischen Gemeinden in Jerusalem unterhalten. In einer dieser Abhandlungen, die im Jahre 1910 erschienen ist, spricht sie auch von der zionistischen Bewegung und der Stellung der türkischen Regierung zu derselben. Sie ist in allem, was sie schreibt, durchaus sachlich und von einer überaus anerkennenswerten Vorurteilslosigkeit. So schreibt sie einmal u. a.: „Was Hirsch, Rotschild, Montcfiore getan haben, um ihren armen Glaubensbrüdern zu helfen, ist großartig. Die „Alliance Jsraelite" und verschiedene andere jüdische Gesellschaften haben indes die Ansiedlung der Juden erst im großen möglich gemacht. Sie haben ganze Stadtviertel erbaut und — nach dem Muster der Templer — Ackerbaukolonien angelegt, dazu Vorschußkassen, Industrieschulen, Hospitäler. In 20 Ortschaften gibt es jetzt etwa 5000 neu eingewanderte Juden, sür die auskömmliche Lebensbedingungen geschaffen worden, sind. In ihren Kolonien gedeiht, wie in denen der Templer, vorzüglicher Wein, und man hofft, daß gute Ackerbauer aus ihnen werden können. Es sind bisher fast ausschließlich russische und polnische Juden, die die politischen Zustände aus ihrer Heimat vertrieben haben. Merkwürdigerweise haben viele der Juden Jerusalems deutsche Namen, und auch ihre Sprache ist häufig ein verdorbenes Deutsch." Auch besuchte Katharina Zitelmann verschiedene jüdische Schulen in Jerusalem, und sie kann nicht umhin, sowohl dem Eifer der Lehrer als auch dem der Schüler und Schülerinnen ihre aufrichtige Anerkennung zu zollen-. Es berührte sie angenehm, daß unter der milden türkischen Herrschaft alle konfessionellen beziehungsweise religiösen Streitigkeiten in den Schulen vermieden respektive nicht geduldet werden. Schließlich sei erwähnt, daß sie auch in verschiedenen Städten Indiens Regierungs- und sonstige Schulen besichtigt und mit Vergnügen die Wahrnehmung gemacht hat, daß die Kinder aller Konfessionen und Raffen friedlich und schiedlich nebeneinander sitzen. Die deutsche Schriftstellerin und Weltreisende machte überall großes Aufsehen und erfreute sich bald allgemeiner Beliebtheit. Sie ist denn auch in ihren Reisebeschreibungen voll des Lobes über die Zöglinge, die zu tüchtigen Menschen herangebildct werden beziehungsweise heranwachsen, wenn sie von dem Sonnenstrahl edler Menschlichkeit und Duldung erwärmt werden. A. K—t- GhsnukkagottrsLjknlt bei der 10. prmee. Von Flieger F. I. Gefreiter Fraenkel. ie der Wanderer in der Wüste von Oase zu Oase schreitet, so schreiten wir Feldgrauen hier draußen von einem Feiertag zum anderen; denn durch die Fürsorge unseres Armeerabbiuers, Herrn Dr. Sali Levi, wird uns jeder Feiertag zu einer Oase in der öden Wüstenwanderung des langen Krieges. — Nach den unvergeßlichen, wunderbaren großen Festtagenim September führt nun zu Chanukka wieder der Festgottesdienst uns alle zusauunen und wieder war es, um dies vorweg zu nehmen, ein wahrer Feiertag, ein unvergeßliches Fest für alle, die daran teilnehmen konnten. Rechtzeitig durch Armee- und Korpstagesbesehl bekanntgegeben, drang die Kunde von dem am 12. Dezember, 5 U h r, i it der Synagoge i n S w e n c h a n h stattfindenden Gottesdienst bald in alle Abteilungen, Batterien, Kompagnien usw. Da wir ja nun hier im Osten die amtliche Waffenruhe genießen, wurde wohl den meisten jüdischen Kameraden die Erlaubnis zur Teilnahme ohne weiteres gegeben, trotzdem zwei volle Tage dazu gehörten, um mit Hin- und Rückreise von der Front den Gottesdienst zu beisuchen. Gern nahm man die kleine Unbequemlichkeit in Kauf und stand in der finsteren, kalten Nacht um 3 Uhr auf, um den weiten Weg zur nächsten Kleinbahnstation zu rnachen, und auch die zwei- bis dreistündige Fahrt in der offenen Lore eines Güterzuges bis zur Umsteigestation, wo man den Personenzug erreichte, machte nichts aus. Man ist ja an solche Kleinigkeiten mit der Zeit gewöhnt. Wie ein Strom, je mehr er sich der Mündung naht, anschwillt, so ging es hier zu. Waren wir zu Anfang von unserer Abteilung nur zwei Mann, so kamen auf jeder Station ein oder mehrere jüdische Kameraden hinzu lind auf jeder Umsteigestativn, wo die Kameraden von anderen Richtungen kamen, wuchs der Zufluß schon ganz bedeutend an. Da sah man neben den Haupttrupps, die natürlich die Infanterie stellte, Trupps von Artilleristen, Pionieren, Maschineugewehrkompagnieu, Train und sogar Luftschiffer und Flieger aukommen und demselben Ziele zustreben, so daß, als der Zug am Bestimmungsort ankam, es, wenn auch kein reißender Strom, doch ein ganz ansehnlicher Fluß war, der dem Zuge entströmte und der Ortskommandantur zustrebte, um sich für die Nacht Quartier und Verpflegung für beide Tage anweisen zu lassen. Schon im Zuge hatten sich Bekannte wiedergefunden und waren Bekanntschaften geschlossen worden, die nun natürlich versuchten, gemeinsame Unterkunft zu finden. Dank der guten Vorsorge fand auch alles gleich gutes Quartier, in das man sich nun begab, um mit seinen Quartierleuten Freundschaft zu schließen. Swencyany, ein litauisches Städtchen von 6 bis 7000 Einwohnern im Frieden, machte einen ganz freundlichen Eindruck, und da auch in ihm scheinbar die Juden, wenigstens was man an den Geschäften, Kaffee- und Teestuben sah, zu überwiegen scheinen, stand es an diesen: Tage vollständig unter dem Zeichen der Feld-Chanukkafeier, über die. die Bevölkerung genau Bescheid wußte und daher auch uns Feldgraue gleich überall als Glaubensgenossen begrüßte. Es muß aber gesagt sein, daß die Einwohner in' jeder Beziehung höflich, liebenswürdig und zuvorkommend waren, und auch in den Geschäften, ivo mm bald ein großes Einkäufen losging, wurden ja die bekannten

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