Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 82 (1918)
- Issue
- Heft 1 (4.1.1918)
- Date
- 1918-01-04
- Page
- Seite 6 (sequence 10)
- Language
- German
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Chirurgie beim Gardekorps. Unter seinen hervorragenden Arbeiten, eine der ausgezeichnetsten, auch mit einem Preise gekrönte, die nur als Handschrift erschienen, ist zu nennen: „Ueber die Frühdiagnose des Krebses." Karewski war gern und mit besonderer Freude in der Poliklinik tätig und benutzte, gefördert durch die stets angenehmen Beziehungen zu dem Vorstand des Krankenhauses, die sich oft darbietende Gelegenheit zu sozialer und humanitärer Betätigung für die arme jüdische Bevölkerung. Ein Mann, der sich nun seit 35 Jahren als hervorragender wissenschaftlicher Arbeiter, als vielbeschäftigter glücklicher Operateur erwiesen, der technisches Können mit tiefer theoretischer Kenntnis, wissenschaftliche Arbeit mit edler Menschlichkeit vereint, ist ganz besonders berufen zu einer leitenden Stelle, in der Geschicklichkeit, wissenschaftlicher Sinn und menschliches Streben verbunden sein müssen, um zu großen Erfolgen zu führen. Die jüdische Gemeinde Berlin hat gut daran getan, eine so bewährte Kraft dauernd an sich zu fesseln; es kann ihr nur zum Heile, gereichen, wenn der Gewählte, der in der Vollkraft seiner Jahre, auf der Höhe seiner Kunst stehende Mann, wie zu wünschen und zu hoffen ist, noch lange Zeit seine von dankbaren Patienten gerühmte und auch von den Fachgenossen neidlos anerkannte ' Meisterschaft in ihrem Dienste bewährt. L. G. Lim Welt- und jforschungsrnsendr über die Juden in sllrr Herren Länder. (Nachdruck verboten.) ie in Berlin lebende, rühmlichst bekannte Nomanschriftstellerin. Essayistin und Vortragskünstlerin K a - t h a r i n a Z i t e l m a n n hat sich hauptsächlich durch ihre Reisen in aller Herren Länder und die geistvollen, lehrreichen und interessanten Werke, die sie darüber veröffentlichte, einen klangvollen Namen erworben. Sie zählt zu jenen Damen, die ihre Weltreisen nicht aus Liebe zum Sport oder aus wenig idealen Beweggründen, sondern lediglich von ihrem Wissendurst getrieben unternahm. Was diese Forscherin und Autorin den Lesern dieser geschätzten Zeitschrift besonders lieb und wert machen dürfte, ist der Umstand, daß sie, eine scharfsinnige, beobachtende Schilderin von Land und Leuten, auch über die Israeliten, die sie auf ihren Wanderfahrten kennengelernt, sich mit wohltuender Sachlichkeit und zuweilen sogar mit Sympathie äußert. Eine treue Anhängerin ihres evangelischen Glaubens, unterläßt sie es doch nicht, auch anderen Konfessionen gegenüber Recht und Gerechtigkeit walten zu lassen und sich des in so vielen Ländern vielfach zurückgesetzten, ja verfolgten und überaus gehässig behandelten jüdischen Volksstammes nach Kräften anzunehmen. Gewiß werden daher einige Mitteilungen von der hochbetagten Katharina Zitelmann über Juden und Judentum in; den verschiedenen Ländern ihres Aufenthaltes unseren Lesern willkommen sein. In einer soeben erschienen Schrift von ihr „Als die Welt noch offen war" (Berlin, Verlag des Vereins der Bücherfreunde), die Studien und Skizzen aus den Ländern des Ostens enthalten, erzählt sie auch von ihren Erlebnissen, Erfahrungen! und Beobachtungen in Cochinchina.! Sie berichtet u. a. von den wenigen Deutschen, die dort i leben und die sich ihr nationales Empfinden bewahrt haben, j Doch wollen wir aus dieses Kapitel nicht näher eingehen, son-! dern nur ihre Bemerkungen wiedergeben, die sie über zwei uralte Judengemeinden tut, die dort in einer schmalen, gettoähnlichen Gaste noch aus Holländischer Zeit Hausen. Um zu ihnen zu gelangen, besuchte sie den alten deutschen Kapitän Winkler, der sich den wenigen Fremden, die nach Cochin oder vielmehr Mottancheris kommen, gern gefällig erweist und sie dort einführt. Dieser Kapitän Winkler - hat sich vor vielen Jahrzehnten wenige Schritte vom alten Gouverneurshaus, ganz nahe der berühmten Franziskanerkirche, in der 1524 Vasco de Gama beigesetzt -wurde, ein kleines Häuschen erbaut, nachdem er endlich häusliche Ruhe pflegen wollte. Mögen nun hier die Ausführungen der Verfasserin mit ihren eigenen Worten auszugsweise wiedergegeben werden: „In einer zweisitzigen Rikscha, die dort „Push" genannt wird und die der Fahrende selbst lenkt, während ein Wann schiebt, fuhren wir in die alte holländische Stadt hinein, wo sich der Handel und Verkehr derEingeborenenabspielt. Eine enge Basarstraße mit offenen Verkaufsläden und Budenständen mit Lärm und Drängen und Feilschen durchfuhren wir. Schon hier fielen mir viele jüdische Gesichter auf, und wir betraten einen öden Platz mit einem großen, stark schadhaften Bau, der kaum ahnen ließ, daß er einst ein Palast des Rajah (Fürst) von Cochin gewesen. Auf der anderen Seite desselben steht die Synagoge der weißen Juden innerhalb der Palastumgebung; an diese schließt sich die Judengasse an. Der Kapitän sandte einen Boten aus, und es dauerte nicht zwei Minuten, bis ein paar Männer erschienen, um uns in die Synagoge zu führen. Sie trugen den langen Kaftan der Juden von Jerusalem. Der eine, der gebildetste von ihnen, -ein sehr langer, blonder, kränklich aussehender Mann, berichtete mir zingefähr folgendes: Nach der Zerstörung des Tempels durch die Römer sollen zehntausend. Juden aus Jerusalem an die Malabarküste geflohen sein uiw sich in Cranganore niedergelassen haben, das damals eine bedeutende Stadt war, jetzt aber nur ein kleines Dorf mehr ist. Cranganore war auch der Ort, wo sich die Christen Prof. $. Rarewski.