Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 51 (21.12.1917)
- Date
- 1917-12-21
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Lew i n aus Ostrowo; Schütze Arthur Cohn aus Reisen, Polen; Edwin Ma nasse, bei einem Infanterieregiment im Osten, Sohn des Herrn Mannheim-Manasse in Schroda; Unteroffizier Alfons Weinstock, Sohn des Steinmetzmeisters Herrn Hermann Weinstock in Posen; Unteroffizier Ludwig Gulkind, Sohn des Kaufmanns Herrn Jakob Gutkind in Posen; Schütze Sally S ch u b i n e r, Sohn des Herrn Nathan Schubiner in Grabitz, Bromberg; Gefreiter Isidor Cohn, Inhaber der Firma Gebr. Cohn in Posen. §2 Dortmund, 14. Dezember. Herr Rabbiner Dr. Jacob gab vor kurzem der Gemeinde einen ausführlichen Bericht über die während des vergangenen Frühlings und Sommers vorgenommene Versendung von Kindern aufs Land. Das Rabbinat Dortmund ist eines der ersten gewesen, das sich an diesem segensreichen Unternehmen beteiligt und es in 'besonders großem Umfange und ebenso energisch wie erfolgreich durchgeführt hat. Sogleich, nachdem die erste behördliche Anregung gegeben war, erließ Herr Rabbiner Dr. Jacob entsprechende Ausrufe einerseits für anzumeldende Kinder, anderseits zur Erlangung von Mressen von solchen jüdischen Familien auf den: Lande oder in kleinen Städten, die sich zur Amrahme von Großstadtkindern bereit erklärten. Die letzteren gingen in kurzer Zeit so reichlich ein, daß für sämtliche angemeldeten Kinder eine Ausnahme gesichert war. Schwierig war es freilich, die zahlreichen Sonderwünsche mvb individuellen Verhältnisse auszugleichen. Hierauf wurden nach ausgebreiteten Korrespondenzen und in angestrengter, sich durch fünf Monate hinziehender Arbeit zirka 160 Kinder aus der Gemeinde Dortmund in achtzehn kleineren oder größeren Transporten, von denen eine Anzahl Herr Rabbiner Dr. Jacob selbst geleitete, in eine große Anzahl Ortschaften benachbarter oder entfernter Provinzen unter,gebracht und aus ihnen zurückgeführt. Hier wurden die Kinder in den einzelnen Familien auf die Liebevollste Weise ausgenommen und zumeist mehrere Monate gleich den -eigenen- Kindern des Hauses gehalten und verpflegt, bis sie, wohlgenährt und mit reichen Eindrücken und frohen Erinnerungen, »nieder in die Heimat zu rückkehrten. Den gütigen Annehmern gebührt für ihr wahrhaft jüdisches Liebeswerk der allerwürmste Dank. Möge Gott ihnen allen ihr selbstloses nnnschenfreundliches Tun lohnen! Demnächst sprach Herr Dr. Jacob seinen Dank allen denjenigen aus, die ihn in der Durchführung seines Werkes so erfolgreich unterstützt haben: den Mitgliedern seiner Gemeinde und den Amtsgenossen (imter diesen insbesondere Herr Provinzialrabbiner Dr. Cahn in Fulda), die ihm Familien nachgewiesen hatten, ferner dein Vorstand des israelitischen Frauenvereins, der es übernommen hatte, die Einkleidung der bedürftigen Kinder zu besorgen, und allen gütigen Spendern, die ihn durch Geldmittel dazu instand gesetzt hatten. (Bei den außerordentlich hohen Preisen für Bekleidung usw. erforderte dies erhebliche, Geldmittel). Herzlicher Dank gebührt ferner den Damen mid Herren, welche sich der mühevollen Ausgabe unterzogen, die an--! strengenden Hin- und Rücktransporte zu geleiten: Oberschwester , Erika, Fräulein Adele Schild, Räbbinatssekretärin Fräulein Grete F r.i e d e, Frau T r i e st, Herr Joseph Lion, Herr Sally M e l ch i o r , Herr Ernst Jacob, Primaner Erich M e l ch i o r. Dankbar wurde auch der uneingeschränkten Unterstützung der verehelichen Behörden gedacht, die das Werk in jeder Weise förderten: der, KreiWelle des Vereins „Landausenthalt für Stadtkinder" (Herr Schulrat Wörmann); der Herren untersuchenden Aerzte, der Polizeibehörde, der Bahn,Verwaltungen imb der Lehrer und Vorstände der aufnehinenden Gemeinden. So darf das Rabbinat und die Gemeinde mit Genugtuung auf das zwar mühsame, aber lvohlgelungene und segensreiche Unternehmen, das nach amtlichem Zeugnis inunserer, Stadt besonders gut organisiert und durchgeführt war, und das namentlich bei den Kindern eine dauernde heilsame Nachwirkung haben wird, zurückblicken. ^2 Frankfurt a. M., 14. Dezember. In einer gut besuchten Versammlung wurde am 9. d. M. zur bleibenden Erinnerung an den um das Verständnis unserer Gebete und die Erklärung der Heiligen Schrift hochverdienten Grammatiker und Literarhistoriker Wolf Heidenheim auf Anregung des Herrn M i chaeI Mainz ein „Wolf He i de nh e i m sch e s Erholungsheim für jüd i s ch e Gele h r t e u n d Studenten" gegründet. Sitz des Vereins ist Frankfurt a. M. Das Heim soll an der Hauptstätte des Wirkens Heidenheims, in der Nähe Rödelheims, errichtet werden. In den Vorstand wurden einstweilen folgende Herren gewählt: Eduard Feist, Stadtbibliochekar Tr. Frei m a n n , Rabbiner Tr. H o rowitz , Realschuldirettor Dr. L a it g e, Kantor und Lehrer I. B. L e v y, Michael Mainz, Bankdirektor Hermann AL a i e r, Jakob Rosen h e i m und Wilhelm S ch a m e s. Grstrrrrich-Angsm. Prag, 14. Dezember. Die Prager Gemeinde hat durch den nur 8. d. M. erfolgten Tod des bekannten Predigers an der Meiselsynagoge und gewesenen k. und k. Feldrabbiners Professor Tr. Alexander Kisch einen schweren Verlust erlitten. Mt ihm ist ein ebenso hochgebildeter wie kenntnisreicher Mann aus dem Leben geschieden, der sich nicht nur als israelitischer Seelsorger, sondern auch als Pädagoge sehr verdient gemacht hatte. Er war als Sohn des Schuldirektors Josef Kisch in Prag geboren. Er absolvierte seine Studien in der Gymnasialabteilung des Jüdisch - Theologischen Seminars in Breslau, widmete sich hierauf den philosophischen Studien und erlangte 1871 das Doktorat der Philosophie. Nach Vollendung seiner Studien am Breslauer Seminar unter demberühmten Orientalisten Zacharias Frankl kam Kisch als Erzieher nach Paris in das Haus des Barons H o r a z G ü n s b u r g. Der bekannte Gelehrte Baron David G ü n z b u r g in Petersb u r g, die Baronin Luise S a s s o o n in London und Frau Mathilde v. G u t t m a it u in W i e n, die Kinder des Horaz, waren seine Schüler. In Paris hörte Kisch die Vorlesungen mit Seminar und verkehrte im Hause der beiden Großrabbiner von Frankreich, Isidor und Zadok Kahn. Im Jahre 1874 wurde Kisch Rabbiner in Brüx, war dann in Zürich und Jungbunzlau und wurde 1884 auf die Kanzel der Meiselsynagoge berufen. Mehrere ehrende Rufe, darunter einen solchen als Landesoberrabbiner von Bulgarien, lehnte er ab. Kisch war der erste israelitische Religionslehrer in Böhmen, der zum wirklichen Gymnasialprofessor ernannt wurde. Mjt welcher hohen Auffassung er dieses Amt bekleidete, wie er, frei von orthodoxer Starrheit, den Religionsunterricht in sittlichwissenschaftlicher Weise betrieb, das wissen die vielen Hunderte von Schülern, die er als Professor am Stefans- und Grabengymnasium heranzog. Als geistreicher Kanzelredner geschätzt, war Dr. Kisch mehr als 43 Jahre Feldrabbiner des 8. Korps. Professor Dr. Kisch hat sich auch wissenschaftlich mit großem Erfolg betätigt. Er war auch ein treuer Mitarbeiter der „Allgemeinen Zeitung des Judentums". Vom Kaiser wurde er mit dem Goldenen Verdienstkreuz mit der Krone und mit dem Ritterkreuz des Franz-Josef-Ordens ausgezeichnet. Besonders bekannt wurde Dr. Kisch durch die Geistesgegenwart, die er gelegentlich einer Audienz beim Kaiser Franz Josef I. bewies. Diese Audienz fand zur Zeit des Hilsnerprozesses statt und der Kaiser äußerte damals, auf die antisemitische Hetze Bezug nehmend: „Ich verabscheue diese Roheiten." Tr. Kisch bat um die Erlaubnis, das Wort des Monarchen zur öffentlichen Kenntnis zu bringen, was ihm gestattet wurde, und er hat sich so ein großes Verdienst erworben. z. Wien, 14. Dezember. Unter überaus großer Teilnahme fand am 25. v. M. die feierliche Eröffnung des vom Verein „Kaiser in-- Elisabeth-Heim für Krieg s w a i s e n , L e h r m ä fr ch e u und Arbeit e t i n n e n" errichtet e n „K riegsw a i s e n - Heimes im 2. Bezirk", Malzgasse 7, statt. Das „Kaiserm- Elisabeth-Heim", welches bereits aus eine Zwanzigjährige ersprießliche Tätigkeit zurückzublicken vermag, hat, wie aus der vom Vereinsvor stände herausgegebenen Festschrift hervorgeht, seit seiner Gründung Viele hunderte Mädchen in seinem Heim erzogen und in einem ihren Fähigkeiten entsprechenden gewerblichen Berufe untergebracht. Wurden schon früher bei der Ausnahme der Schützlinge in das Heim verlassene u>nd Waisemnädchen besonders berücksichtigt, so hat der Weltkrieg mit seinen großen Opfern an Menschenleben das Augenmerk der Vereinsleitung in erhöhtem Maße aus die Pflicht gelenkt, ihre in zwanzigjähriger Tätigkeit bewährten Kräfte in den Dienst der Fürsorge für die Kriegswaisen zu stellen. So reiste denn der Gedanke der Erweiterung des Lehrmädchen- und Arbeiterinnenheimes durch Errichtung eines Kriegswaiseicheimes zur Tat heran, und' dank der aufopfernden- Arbeit des Vereinspräsidenten, Stabsarztes kaiserlichen Rates Tr. S. Krüger, und des gesamten Vorstandes und dank der Förderung seitens der Behörden und opferfreudiger Wohltäter konnte der Verein -am Tage des Jubiläums des 20 jährigen Bestandes das fürdie Erziehung und- Verpflegung von 150 Waisemnädchen eingerichtete Kriegsmaisenheim seiner schönen Bestimmung Übergaben- Das neue Kr-iegswaisenheim wurde unter Leitung des Mitgliedes des Vorstandes, Herrn Stadtbaumeisters Viktor Schwadron, mit Berück-