Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 51 (21.12.1917)
- Date
- 1917-12-21
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Einkommen von 20 000 Ins 30 000 Mart geeignete. Belverber gar nicht oder tun: mit Schwierigkeiten beschafft werden können, doch daran liegen, daß die Einrichtungen der Hauptstelle für Berufsberatung bei den Interessenten immer noch nicht genügend bekannt sind. Die H a u P t st e l l e bittet daher wiederholt, Interessenten an sie zu verweisen, ihr aber auch weiterhin Niederlassungsmöglichkeiten bekanntzugeben. Jede Auskunft erfolgt gern und völlig kostenlos durch die Hanptstelle und ihre einzelnen Beratungsstellen. Infolge vielfacher Anfragen wäre es der Hauptstelle erwünscht, Adressen jüdischer Gutsbesitzer zu erhalten, die landwirtschaftliche Eleven bei sich aufnehmen. Erwünscht ist Angabe des Pensionspreises sowie Mitteilung darüber, vb rituelle Verpflegung gewährt werden kann oder nicht. EM. Berlin, 18. Dezember. Bi tder v o n I u d e n und I u d e n t tt in i m Weltkriege lautete das Thema des ersten diesjährigen populärwissenschaftlichen Bortrages, den Herr B e n a s L e v h am 13. d. Al. im Verein für jüdische Geschichte und Literatur hielt. Mit einer Kindheitserinnerung aus dem Deutsch-Französischen Kriege leitete der Vortragende seine Ausführungen ein. - Er schilderte den großen Eindruck, den das bekannte Bild: v\ o m K i p p nr v o r Bl e tz 1 8 7 0 auf die Juden zu jener Zeit hervorbrachte. Dieses Bild und eine Zeichnung des jüdischen Doldaten Hirsch, der als einzelner eine französische Kanone erbeutete, sind die einzigen Darstellungen von Juden im Deutschfranzösischen Kriege. Wie diese beiden Bilder noch heute Pietätvoll im Gedächtnis der Zeitgenossen bewahrt werden, so werden auch die Darstellungen jüdischer Heldentaten aus dem gegenwärtigen Weltkriege weiterleben. Das umfangreiche Bildermaterial, das der Vortragende zeigte, ist ihm in der Hauptsache von den vierzig jüdischen Feldpredigern, von denen eine Hälfte im österreichischen, die andere im deutschen Heere wirkt, zur Verfügung gestellt worden. Herr L-cvy beabsichtigt, eine möglichst lückenlose Sammlung aller Bilder, die Juden und Judentum tut Weltkriege betreffen, als besondere Abteilung der Kunstsammlung der jüdischen Gemeinde zu Berlin (Wolsfsche Stiftung) anzugliedern. Unter den bisherigen Ergebnissen seines Sannnelfleißes, die dem Publikum als Lichtbilder vorgeführt wurden, überwiegen naturgemäß die Darstellungen aus den: Osten, wo das jüdische Volksleben sich rein und unverfälscht erhalten hat, die westlichen Sujets. Aus dem Osten konnte der Redner prächtige Typen von Menschen, Synagogen und Stadtbildern zeigen; neben den tieftraurigen Bildern vertriebener Juden, die vor den russischen Evakuierungskonnnandvs fliehen, sah man lustige Szenen, die das Zusammenleben unserer deutschen Feldgrauen mit den polnischen Juden zeigen. Ten Lichtbildern schickte der Vortragende eine historische Einleitung voraus, welche die Geschichte Polens und damit die der Ostjuden in gedrängter Form enthielt. Vortrag und Bildermaterial wurden vom Publikum mit lebhaftem Beifall aufgenonnnen. # # Berlin, 18. Dezember. Am 7. d. M. waren f ü n f z i g Jahre seit dem Tode des jüdischen Dichters Ludwig L e s s e r , des Mitbegründers der Jüdischen Reformgemeinde, verstrichen. Lesser wurde am 7. Dezember 1802 in Rathenow geboren. Injungen Jahren kam er nach Berlin, wo er mit zwanzig Jahren schon Mitarbeiter der meisten ästhetischen Zeitschriften Berlins wurde. Er lieferte Theaterkritiken, geographische Artikel und zahlreiche Beiträge poetischer und kritischer Wrt. Durch seine Mitarbeit au den von Saphir heransgegebenen Blättern kam er in nähere Beziehungen ztt Saphir, mit dem er 1827 den „Literarischen Soimtagsverein" gründete. Er Unterzeichnete seine Arbeiten meist mit dem Namen Ludwig Lieber. Eine große Anzahl seiner damals sehr beliebten Gedichte, die uns hellte allerdings farblos anmuten, wurde komponiert, mich Meyerbeer setzte eines von Lessers Gedichten in Musik. Die Julirevollttion ging an Lesser nicht unbeachtet vorüber. In einer voll echter vaterländischer Gesinnung getragenen Schrift „Tie rechte Mitte", die er 1832 erscheinen ließ, legte er Preußens Beruf, unentwegt aber mit Besonnenheit vorwärtszuschreiten, dar. Diese Arbeit gelvann ihrn den Beifall König Friedrich Wilhelms III., der ihm dafür die „Goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft" verlieh. Lessers Hauptarbeit galt jedoch den jüdischen Interessen. Er war Mitbegründer des jüdischen Knlturvereins und des V e r e i n s zur 11 it t e r st ü tz lt n g j i't d i s ch e r L e h r e r. Den Gipfelpunkt seines Lebenswerkes bildet jedoch seine Teilnahme an der Gründung der Berliner Jüdischen Reformg e meinde. Als intimer Freund von Dr. Sigismund Stern trat er 1845 an die Spitze der neuen Bewegung. Sein Name steht als erster untere dem im April 1845 erschienenen Ausruf „An unsere deutschen Glaubensbrüder", der die Bestrebungen des damals noch kleinen Kreises in die breite Öffentlichkeit tragen sollte. Er bereicherte das Gebetbuch der Neformgemeinde durch mehrere religiöse Lieder und betätigte sich bis zu seinem Tode, also fast ein Vierteljahrhundert, im Vorstände der jungen Gemeinschaft. Einige seiner jüdischen Gedichte finden sich auch noch in neueren jüdischen An'tologi-en, so die taltnudische Legende „Von den sieben getreuen Söhnen", „Salomo", „Mutter" u. a. Einer seiner bekanntesten Sinnsprüche «tag für die Art seiner Dichtung zeugen: Eins bist hu dem Leben schuldig, — Kämpfe oder such dir Ruhst — Bist du Ambos, sei geduldig, —- Bist du Hammer, schlage zu. Er starb am 7. Dezember 1867 in Berlin. er, Kattowitz, 14. Dezember. D i e E i nw e i h u n g de s Jüdischen Mädchen hei ms, das von der Jugendkonnnission des hiesigen israelitischen Frauenvereins begründet wurde, fand durch eine schlichte Feier statt, bei der Frau Anna G o l d s ch m i d t die Ansprache hielt. Tie Redner in sprach über die Aufgaben und Ziele dieser neuen Einrichtung, die sich an die große Organisation des Jüdischen Frauenbundes antehnt. Wie es der Name besagt, habe matt sich die Fürsorge für die Jugend zur Aufgabe gestellt. Es wird eine Stellenvermittlung für erwerbstätige Mädchen, die natürlich nicht ans die Stadt beschränkt bleiben könnte, die Bahnhofshilse für alleinstehende junge Mädchen, jede Art von Wohlfahrtspflege, der Säuglingsschuh geplant, lauter Pläne, die alle gerechten Menschen im Herzen tragen, zu deren Verwirklichung jedoch der einzelne so wenig tun kann. In warmen, zu Herzen gehenden Worten führte die N-ednerin alle Mädchen, die, fremd und einsam, bisher einer Zufluchtsstätte nach des Tages Last und Mühen entbehrten, die Segnungen vor Augen, die ihnen dieses Heim bringen soll. Tie Ausführungen der Rednerin löstet: bei den Anwesenden den lebhaften Wunsch ans, daß dieser schöne Gedanke auf fruchtbaren Boden fallen und von einem vollen Erfolge gekrönt sein möge. eo. Kosel, 14. Dezember. Bei den im Rathause unter der Leitung des Wahlkommissnrius, Bürgermeister Kremser, abgehaltonet: Wahlen in das Repräsentantenkollegium der Synagogengemeinde wurden die ausscheidenden Mitglieder Justizrat Brauer, Kaufmann Karl W o t f f, M a x F r i e d m a n n, M a x Brauer (Kosel-Oderyafen) auf einen sechsjährigen Zeitraum wieder- und an Stelle des in den Vorstand eingetretenen Kaufmanns I. Hah n der Kaufmann Dagobert Schlesinger neugewählt. Zu Repräsentante n - Stellvertretern wurden Kaufmann E r n st P o 11 a f wieder- und Kaufmann H u g o N o her und A d o l f Gold m a n n auf einen dreijährigen Zeitraum neugewählt. Demnächst werden von det: Repräseutantet: die Neuwahlen von zwei mit'Ende dieses Jahres aus dett: Borstandskollegiutt: ausscheidenden Mitgliedern sowie eines Vorstandsstellvertre'ters vorgenonunet: werden. W. Posen, 14. Dezember. Die Beisetzung des Bizeseldwebels ut:d Osfiziersaspiranten Alfred Brzezinski, Sohn des Lehrers Herrn David Brzezinski, fand unter größter Beteiligung seitens der hiesigen israelitischen Gemeinde statt. Auf den: Friedhofe hielt Herr Genwinderabbiner Dr. Fr-eimann die Trauerrede, in der er des großen Pflichtgefühls, das d-en für das Vaterland Gestorbenen in allen Lagen des Krieges beseelte, gedachte. Der Verstorbene war als Schüler des Gymnasiums bei Beginn des Krieges freiwillig ins Heer eingetreten und wurde wegen seiner Tapferkeit und Unerschrockenheit vor dem Feinde mehrfach gelobt und dienstlich befördert. Der Sarg wurde, von Kätneraden zu Grabe getragen. - Eine würdevolle Chanukkaseier fand in der Synagoge A statt, an der eine Zahlreiche Menge Militär teilnahm. Von der Kommandantur war den Mannschaften von der Andacht Kenntnis gegeben. Gemeinderabbiner Herr Dr. Frei mann gedachte in seiner Ansprache der Heldentaten der Makkabäer und ermahnte, daß auch wir jederzeit bereit sein sollten, für den angestammten Väterglauben zu kämpfen und Zu sterben, und schloß mit einem tiefinnigen Gebet für unseren Landesvater und das heldenntütige Heer. — Für das Kaufmannserholungsheim Ludwigshöhe sind bei der Deutschen Gesellschaft für Kaufmannserholungsheime noch folgende Zuwendungen eingegangen: aus Bromberg C o n i tz e r u. Söhne 3000 Mark, Baerwald u. Comp, tveitere 2000 Mark, H u gv-Baruth in Firma Lehmann 1000 Mark; aus Rakel L. Baerwald 2000 Mark und aus Schneidemühl Isidor Schweriner 1000 Mark. — Eiserne Kreuze zweiter Klasse haben erhalten: Musketier Heinz Taterker, Stud. med., Sohn des Kaufmanns Herrn Martin Taterker in Posen; Kriegsfreiwilliger Georg