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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-12-21 · Heft 51 (21.12.1917) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 51 (21.12.1917)
Date
1917-12-21
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 sicht igu mg der uwdernsten hy-gicnischen und pädagogischen Anforderungen eingerichtet. Von besonderer und nachahmenswerter so-zi-alpolitifcher Bedeutung ist die Verbindung des „Kri-egswaifenheimes" mit dem seit zlvanzig Jahren bestehenden „Lehrmädchen- und ArbeiterumemHeiur," n>elcheni die Mädchen nach Absolvierung der Volks¬ und Bürgerschule behufs Erlernung eines ihren Fähigkeiten und Neigungen entsprechenden gewerblichen oder sonstigen Berufes zugewiesen werden. Dadurch ist die Möglichkeit gegeben, daß die dem Heime anvertrau'teu Waisenmädchen in dem Schutze des Vereines verbleiben können, bis sie in der Lage sind, sich selbst.- zu erhalten. Die Feier wurde durch das von dein Chor der Heimschützlinge unter Leitung der Frau Professor Nt a n c i o vorgetraaene Lied „Die Ehre Gottes" von Beethoven eingeloitet, worauf der Präsident des Vereins, Herr Stabsarzt kaiserlicher Rat Tr. Krüger, die erschienenen Festgäste lregrüßt-e und eine Einsprache hielt, die in ein dreifaches, begeistertes Hoch auf Ihre Majestäten ausklang. Nach Absendung einer Huldignngsdepesche mt Ihre Majestäten ergriff Herr Reichsratsabgeordneter Doktor Julius £ f n c r das Wort. In längerer wirkungsvoller Rede führte er den Gedanken ans, daß nach den unendlich zahlreichen Opfern dieses Krieges die Zukunft unseres Vaterlandes und der Menschheit in der Pflege der Jugend liege, wobei, die 'zuweilen schadenstiftende Form bloßer Wohltätigkeit durch Erziehung zu arbeitenden, nützlichen Mitgliedern der Gesellschaft vermieden wird. Bezirks- Vorsteher Oberleutnant Dr. Leopold Blase! begrüßte die zahlreiche Beteiligung der militärischen und zivilen Kreise an einem Festtage seines Bezirkes, welcher stolz ist auf die besonderen Leistungen dieser Institution, seines bewährten Präsidenten und der ihm in unermüdlicher Weise zur Seite stehenden Damen und Herren des Vorstandes. Namens der Wiener Kultusgen re in de sprach der Präsident Herr Dr. Alfred Ster n dem Vereine seine höchste Anerkennung und seinen Dank aus; er hob besonders hervor, daß dieser Verein die Obsorge für seine Schützlinge über deren vierzehntes Lebensjahr hinaus ansdehnc. Herzliche Begrüßung und Wünsche für das weitere Gedeihen überbrachte der Vertreter des k. k. Arbeitsministeriums Sektionsrat Dr. Friedrich Rücker, welcher darauf hinwies, daß künftig- ()in dem Ministerium für soziale Fürsorge Förderung der Jugendfürsorge obliegen werde. Den Schluß bildete ein Rundgang durch das ans zwei dreistöckigen- Häusern bestehende Heim, welches neun große, lichte Schlafsäle, Lehrzimmer, Turnsaal, Arbeite-rsaal, Ordinations- ,zimmer, Bibliothek. Jsolierzimmer, Küche und sonstige Nebenräumlichkeiteg enthält. Auch für einen schönen- Dachgarten ist Vorsorge getroffen-, welcher den Kindern an Sommertagen einen freundlichen und angenehmen Aufenthalt bieten wird. Von MH und ssern. m Angesichte der herrschenden Knappheit an Kleiderstoffen wird empfohlen, die Konfirmanden bei Einsegnungsfeiern (Bar-Mizwa) auch bereits im Gebrauch befindliche Kleidungsstücke tragen zu lassen oder wenigstens für Knaben Anzüge mit kurzen Beinkleidern zu taufen. Die Gemeindevvrstände werden ersucht, in diesem Sinne auf die Gemeindemitglieder einztnvirken. -- Dr. Hermann Dessau, außerordentlicher Professor für alte Geschichte an der Universität Berlin, ist von der juristischen Fakultät der Universität Erlangen zum Ehrendoktor ernannt worden. Landsturmmanu Alfred L e v y , Sohn des Herrn Hermann Levh in Charlottenburg, erhielt das Eiserne Kreuz zweiter Klasse. — Unter den vom Kaiser bestätigten Senatoren der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft befindet sich Herr Dr. Arthur S a l o m o n s o h n , Geschäftsinhaber der Berliner Disconto- Gesellschast.—Die Israelitische Synagoaen-Gemeinde Adaß Jisroel betrauert den Tod des Herrn Arnold Stein, der mehr als zehn Jahre im Borstande dieser Gemeinde gewirkt hat. Herr Stein, der im 61. Lebensjahre stand, bekleidete das Amt des Vorsitzenden der Friedhofskommifsion. — Nach kurzem Leiden verschied am 12. d. M. im Alter von 70 Jahren Herr Samuel Wedell, ein Bruder des ihm im Tode vorangegangenen Rabbiners zu Düsseldorf Dr. Wedell s. A. Er war ein strengreligiöser Mann und ein eifriger Förderer aller zur Hebung des Judentums dienenden Bestrebungen. Ehre seinein Andenken. Befördert wurden: zmn Leutnant der Reserve bei der Infanterie Aron (Deutsch-Ehlau); der Assistenzarzt der Landwehr zweiten Aufgebots Dr. Max Hei mann (Bromberg) zum Oberarzt; Bizefeldwebel S ch w e r s e n z in Hvhensalza zum Leutnant der Landwehrinsanterie zweiten Aufgebots. — Die Gebrüder Lesser in Posen haben dem Oberbürgermeister Herrn Dr. Wilms eintausend Mark für die Weihnachtsbescherung zum Besten der Armen, ohne Unterschied der Konfession, zur Verfügung gestellt. — Bei der Stadtverordnetenwahl in Fraustadt wurde in der ersten Abteilung Fabrikbesitzer Herr Schwalbe von allen fünf Wählern wiedergewählt. — Dem Vorsitzenden des Vorstandes der Shnagogengemeinde Kreuzburg O.-S., Herrn Stadtrat Georg Schweitzer, wurde das Verdienstkreuz für Kriegshilfe verliehen. — Das Ehepaar Josef und Goldine Brauer in Hindenburg O.-S. feierte am 1. Dezember die goldene Hochzeit. Herr Brauer ist ein Veteran des Krieges von 1870/71. — Das seltene Jubiläum vierzigjähriger Tätigkeit als jüdischer Gemeindevorsteher beging dieser Tage der Kaufmann Herr Moses Höxter in Zimmersrode. — Der vor kurzem in Regensbnrg verstorbene Herr Moses Rosenberger, geboren in Ermetzhofen, hat folgende Legate hinterlassen: Der Israelitischen Kultusgemeinde Regensbnrg 2000 Mark zu wohltätigen Zwecken, der Israelitischen Kultusgemeinde Ermetzhofen 2000 Mark, der Israelitischen Präparandenschule in Höchberg 2500 Mark, dem Israelitischen Waisenhaus in Fürth i. B. 2600 Mark. — Aus Zweibrücken wird geschrieben: .Das älteste weibliche Mitglied der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde und eine der ältesten Einwohnerinnen der Stadt, Frau Witwe Berta Kahn, beging in voller Rüstigkeit ihren 60. Geburtstag. Frau Kahn, die seit Jahrzehnten Erste Vorsitzende des Israelitischen Frauenvereins unserer Stadt ist, hat durch Herzensgüte und uneigennütziges Wirken viel Segen gestiftet. — Aus Aachen wird uns berichtet: Das Eiserne Kreuz erster Klasse erhielt der als Erfinder auf dem Gebiete der Elektrophhsik bekannte Hauptmann d. R. Dr. Leo L ö w e n st e i n, Sohn des Rentners Hermann Löwenstein. — Professor Emil Levh in Freiburg i. Br., eine Autorität auf den: Gebiete der Sprache der mittelalterlichen Troubadours der Provence, Verfasser eines achtbändigen Wörterbuches des Altprovencalischen, ist — 62 Jahre alt — verschieden. Er war ein hervorragend bescheidener und idealistisch veranlagter Mensch. Als ihm der Diez- Preis zufiel, wies er das Geld einem wissenschaftlichen Institute zu, ohne daß jemand mehr als nur der Geber und der Nehmer davon erfahren hätte. — In dem neuen italienischen Ministerium sind die Juden M o r p u r g o zum Nnterstaatssekretär für Handel und Industrie und Reggio für das Transportwesen ernannt worden. — Die französische Akademie der Wissenschaften verlieh den Tschehadscheff-Preis von 3000 Franken an Sir Mark Aurel Stein, Inspektor der Indischen Archäologischen Abteilung, für seine Erforschungen in Zentralasien. — „Jewish Chronicle" berichtet, daß der nächsten Sitzung des Board of Deputies folgender Antrag von Dr. Samuel D aiches vorliegen wird: Der Board möge die Einberufung einer englisch-jüdischen Konferenz beschließen mit der Aufgabe, eine einheitliche politische Basis für die Behandlung der großen Aufgaben des jüdischen Volkes auszuarbeiten. — Der Warschauer „Haint" berichtet, daß in der Provinz und besonders im Gebiet von Kalisch, Petrikau und Kielce in letzter Zeit eine Anzahl neuer jüdischer Gemeinden entstanden sind. Während der letzten zwei Jahre hat eine beträchtliche Anzahl jüdischer Familien die Großstädte wegen der Lebensmittelpreise verlassen und sich auf Dörfern angesiedelt, wo bisher wenig Juden waren. — Der Amschinower „Guter Jüd", Rabbi Jechiel Chajrm Menachem, ist in Warschau gestorben. Seine Beerdigung fand unter Teilnahme von vielen Tausenden statt. Tie Chassidim spannten die Pferde aus und zogen den Wagen mit dem Sarg selber; die letzte Strecke trugen sie ihn auf den Schultern. — Wie zu erwarten war, sind die Engländer nach der Eroberung des südlichen Judäas auch in Jerusalem, nachdem die Türken zur Vermeidung einer Beschießung und Beschädigung der heiligen Stätten die Stadt kampflos geräumt hatten, eingezogen. Nach den neuesten Berichten hat eine Evukation der jüdischen Bevölkerung (50— 60 000) nicht stattgefunden, und darf man hoffen, daß die letzten Kämpfe keine neuen Leiden über unsere Glaubensgenossen in der heiligen Stadt gebracht haben. — Im Alter von 64 Jahren ist in Algier der ehemalige Präsident des dortigen israelitischen Konsistoriums, Herr M. Levi-Valensi gestorben. Er war ein rühriger Verfechter der freiheitlichen Bestrebungen der jüdischen Algerier und hat für sie bei der französischen Regierung die Gleichberechtigung als volle Bürger erkämpft. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Friedenau. Druck und Verlag von Rudolf Mosse.

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