Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-12-21 · Heft 51 (21.12.1917) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 51 (21.12.1917)
Date
1917-12-21
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3229286-3229337--73648-3286142
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Der Gemetndrvott. Lerlln, 21. Dezember 1917 Vellage zur „Allgemeinen Leitung drß Judentums. Korrklpondrn?en und Aschrichten. LkUtschlsnd. E. R. Berlin, 16. Dezember. Die heutige Sitzung der Repräfentantenversammlung eröfsnete der Vorsitzende Direktor Dr. Minden mit einem warmen Nachruf für den jüngst verstorbenen Professor Blaschke. Die Versammlung sei dem Gemeindevorstanddankbar, daß er Herrn Professor Blaschke ein Ehrenbegräbuis habe zuteil werden lassen. Seit 1899 war Blaschke Repräsentant, er war Mitglied der verschiedensten Kommissionen, sein beredtes Wort wurde oft gehört; wenn er auch viele Enttäuschungen erlitten, die echte Pflichttreue des preußischen Beamten und Lehrers müsse ihm nachgerühmt werden. Wir werden sein Andenken stets Hochhalten. Die Versammlung hörte den Nachruf stehend an. Der Vorsitzende gedenkt ferner mit folgenden Worten der Eroberung vor: Jerusalem durch die Engländer: „Während die Juden in der ganzen Welt das Chanukkafest begingen, ist die heilige Stadt in die Hände der Feinde unseres Vaterlandes gefallen. Wenn auch nach Annahme der Sachverständigen diese Besetzung militärisch ohne tiefere Bedeutung für den Ausgang des Krieges ist, so werden die Engländer mit dem Gemisch von Werkheiligkeit und Egoismus, das uns Deutschen fremd ist, dieses Ereignis für ihre Zwecke ausnutzen. Die Ackerbaukolonien im Heiligen Lande, die in den letzten Jahrzehnten zu einem gewissen Wohlstände gelangt waren, haben leider durch die Ereignisse des Krieges zum Teil schwer gelitten." —- Zur Berichtigung eines Irrtums erhält Professor K a l i s ch e r das Wort. Nicht die konservativen ausgeschiedenen Repräsentanten Hütten sich an die Regierung gewendet, sondern, wie es in den Briefen steht: „Sollte die Wahl des Herrn Dr. Kellermann aus formellen Gründen ohne Einschränkung aufrechterhalten bleiben, so werden wir es nicht hindern können, daß vor seiner Bestätigung durch die Regierungsorgane dort ein Protest mehrerer größerer Parteien eingehen wird." (Was auch geschehen ist.) Der Vorwurf, am konservativen Jugendgottesdienst Aenderungen eingeführt zu haben., sei unberechtigt. Nur zu Mincha am Versöhnungstage sei mit Zustimmung der konservativen Mitglieder Leviticus Kapitel 19 statt 18 eingeführt worden. Kapitel 18 enthalte vieles, das sich für die Jugend nicht eignet. Kapitel 19 enthalte die Grundlehren des Judentums, z. B.: Heilig sollt ihr sein, denn heilig bin ich, der Ewige, euer Gott. Du sollst deinen Nächsten nicht bedrücken und berauben. Ihr sollt nicht stehlen und nicht ableugnen und nicht lügen einer dem anderen. Du sollst deinen Bruder nicht hassen in deinem Herzen, zur Rede stellen sollst du deinen Nächsten, daß du nicht seinetwegen Sünde tragest, usw. Herr Professor. Kalischer fahrt in seiner Rede fort, <er halte es für ein Nonsens, daß in dem G-emeindeblatt die Schreiben der Ausgeschiedenen wörtlich abgedruckt wurden, die Rede des Herrn Professor Blaschke und seine eigene nur im Auszuge. Herr Shndikus Lilien thal rügt den Ausdruck Nonsens undbehauptet, daß mit gleichem Maß gemessen sei. Herr Sanitätsrat Dr. Fe r l che n fe l d erklärt, die Ausgeschiedenen hätten sich nicht mündlich verteidigen können, man möge doch mit Worten vorsichtig sein. Herr Professor Türk sagt: Herr Dr. Feilchenfeld hat uns den wahren Grund verraten, aus dem die Reden der Herren Blaschke und Kalischer so kurz in das Gemeindeblatt gekommen find. Der Vorstand hat demnach die Ausgeschiedenen gegen unsere Ausführungen schützen wollen, weil sie nicht zugegen waren. Das ist ein seltsamer Schluß, nachdem die Briefe der Ansgeschiedenen, die ungeheure Beschuldigungen enthielten, wortgetreu abgedruckt sind. Im übrigen gehe ich noch weiter als Herr Dr. Feilchenfeld. Ich verzichte willig aus die Wiedergabe der Reden, wenn sie nicht ans dem Stenogramm beruhen. Wozu haben wir die Stenographen, wenn ohne Grundlage der Stenogramme Berichte aus dem Gedächtnis erstattet werden. Herr Dr. G i n s b e r g rügt die kurze Zeit, die für die Rücksendung der Konzepte des Gemeindeblattes gewährt wird, einem gewissenhaften Mann sei es unmöglich, so schnell notwendige Korrekturen eiutreten zu lassen. Herr Syndikus Lilienthal bemerkt, er sei gern bereit, Abhilfe zu schassen. Herr Zahnarzt L i p j df> ü tz erklärt, es rnüsse durchaus von seiten des Vorstandes etwas geschehen, unr die ungeheuerlichen Anschuldigungen gegen Herrn Dr. Kellermann, der die Ansichten einer großen Anzahl von Gemeindenritgliedern vertrete, zu widerlegen. Herr Syndikus Lilienthal entgegnet, der Vorstand habe die Wahl des Herrn Dr. Kellermann empfohlen. Der Vorstand bewahre stets in allen Dingen seine Objektivität. In diese Angelegenheit könne er sich nicht mischen. — Folgende Zuwendungen werden angenommen: Von Herrn Justizrat Martin Seligsohn 300 Mark für die Armenkommission, von Herrn Oskar Tietz 50 000 Mark für Grabeserhaltung und Wohltätigkeit. Errichtung einer Oskar- und Betty-Tietz-Stiftung, von Frau Johanna Loew 200 Mark zur Erhöhung der Julius- und Johanna-Loew- Ferienstiftung, von Frau Amalie Barth geb. Cohn 3000 Mark zur Grabpflege, von Frau Clementine Falk geb. Daniel 1000 Mark, von Herrn Robert Mendelsohn 8000 Mark zur Grabpflege, von Frau Tina Dessauer 3000 Mark für die Altersversorgungsanstalt zur Jahrzeitfeier. - Es folgt der Bericht der Nevisionskommission über die ordentlichen Revisionen der Kassen und des Depositoriums. Stichproben und eingesehene Belegeproben gaben zur Einwendung keinen Anlaß. Es fand ferner eine Prüfung der im Deposttorium ruhenden Effekten und Hypotheken statt. Durch Stichproben wurde die Uebereinstimmung mit den betreffenden Kontis sestgestellt. — Die Wahl von Gemeindemitgliedern in verschiedenen Kommissionen soll im Januar 1918 erfolgen, und zwar sollen die jetzigen Mitglieder um ihre Wünsche befragt werden. Dasselbe gilt auch für den ersten stellvertretenden Vorsitzenden der Versammlung. — Alsdann gibt Herr Emil Cohn einen Bericht über den Rechnungsabschluß des Krankenhauses. Die Durchsicht der Bücher habe ihm selbst großes Vergnügen bereitet. Es sei alles in musterhafter Ordnung. Herr Gewerberat Plotke referiert über die Maßnahmen in den Synagogen aus Anlaß des Kohlenmangels, Herr Professor Türk über die Bewilligung vor: Teuerungszulagen an Ruhegehaltswitwen, Waisengeldempfänger und an die nebenamtlich angestellten Beamten. Die Ausschüsse hätten die Vorlage so übernommen, wie sie der Vorstand gemacht hat, und man ist 31t einem gewissen Abschluß gekommen. Es sei durchaus notwendig, daß die Vorlage im Gemeindeblatt veröffentlicht wird. Es soll auch für künftige Zeit festgelegt werden, was die Gemeinde für die Beamten getan habe. Bei der Neuregelung der Kriegssteuerzulage sind die Kriegshilfskräfte von der neuen Kriegssteuerzulage ausgeschlossen worden, es war aber statt dessen eine weitere Erhöhung der Diäten in Aussicht genommen. In Anbetracht der Teuerung auf allen Gebieten der Lebenshaltung hat der Vorstand beschlossen, die Diäten den jetzigen Zeitverhältnissen entsprechend neu seftzusetzen und ist dabei nicht nur das Dienstalter, sondern auch der Familienstand in Rücksicht gezogen worden. Es ist den Verheirateten ein höherer Diätensatz als den Ledigen, ititb bei letzteren wiederum den Aelteren ein höherer Satz als den Jüngeren gewährt worden. Die Versammlung beschließt gleichlautend. — Folgende Ausgaben werden bewilligt: Für die Synagoge Kottbuser User 800 Mark zur Anschaffung von Ankündigungstafeln, der Friedhofskommission, Preiserhöhung, zur Anschaffung von Schwellenfundamenten 3000 Mark, der Synagoge Fasanenstraße 430 Mark zur Anbringung von zwei Klappsitzen, der Hauptverwaltung 650 Mark Herstellungskosten der Beilage zum Gebetbuch der Synagoge Kottbuser. Ufer, der Hauptverwaltung 8390 Mark Ersatzbedachung der Synagoge Kottbuser Ufer. Der Jüdischen Religionsgemeinde Charlvttenburg bis zu dem Zeitpunkt der Einstellung der Subvention bis zum 31. Mürz 1918 wird eine weitere Subvention von 5750 Mark bewilligt. Hierbei richtet Herr Professor Türk an den Vorstand die Frage, wann die Einsetzung der gemischten Deputation, in der die Angelegenheiten der Gemeinden beraten werden sollen, stattfinden wird. Herr Syndikus Lilienthal hofft, daß es sehr bald .geschehen werde. Damit schließt die öffentliche Sitzung. 22 Berlin, 18. Dezember. Interessenten, insbesondere aus dem Felde zurücktehrende Akademiker, feien aus die von der H a u p tstelle für Berufsberatung herausgegebene Vakanzenliste hingewiesen, die zahlreiche Niederlassungsmöglichkeiten, insbesondere für Aerzte, Rechtsanwälte, Zahnärzte, Tierärzte in kleineren Orten bietet. Das Angebot von Niederlassungsmöglichkeiten übersteigt zurzeit, wie aus den Kriegsverhältnissen erklärlich ist, die Zahl der Bewerber bei weitem. Immerhin dürfte es aber, wenn, wie es in letzter Zeit geschehen ist, selbst für eine ärztliche Praxis mit einem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.