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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-12-21 · Heft 51 (21.12.1917) · p. Seite 606

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 51 (21.12.1917)
Date
1917-12-21
Page
Seite 606 (sequence 6)
Language
German
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von Jhro Majestät der Kaiserin Amalia, zwei von königl. Majestät in Pohlen, ein vom Churfürsten zu Mayntz, dito vom Churfürsten zu Pfalz, dito vom Churfürsten zu Trier und legte ein vom Herzogen zu Sachsen-Gotha mit anhangendes Bildnis, worunter zwei mit kleinen Diamanten versetzt; wiegen 19 Mark 7 Loth oder 1521 Dukaten." Die scharfe Ausbildung des Verstandes hat das Ihrige dazu deigetragen, das Leben Wertheimers glücklicher zu gestalten als das Oppenheimers. Scharfsinnig und lapidar kennzeichnet Wachstein die Eigenart der beiden genialen Finanzmänner also: „War Oppenheimer ein kühner Unternehmer, dem die geschäftlichen Operationen Lebensbedingung waren, so war Wertheimcr ein klar denkender Geschäftsmann, der das Erworbene zu schützen wußte. War Oppenheimer seiner Natur gemäß ein vorwärts drängender Charakter, dem sein Tätigkeitsdrang keine Zeit für eine Rückschau ließ, so war Wertheimer ein glänzender Verwalter, der zu jeder Zeit über den Stand seiner Angelegenheiten sich Rechenschaft abgeben konnte. Je mehr nun seine finanzielle Bedeutung wuchs, desto mehr mutzte er bedacht sein, in dem einmal Errungenen sich zu behaupten. Und so erlangte er durch seine eigenen Mittel eine Stellung, die der immer geldbedürftige, neue Geschäfte entrierende Oppenheimer niemals besessen hatte." Aber schon feine direkten Nachkommen mußten den jähen Wandel des Schicksals an sich erfahren. Ihrer Tätigkeit hastet eben durchaus nicht der „Notwendigkeitscharakter" an, der der Wirksamkeit des Vaters den Stempel ausdrückt. Von Zeit zu Zeit wurden die Privilegien durchgesehen und die abgelausenen eingezogen. So verschwanden nach und nach die höheren Beamten der Welthäuser, ebenso die invalid gewordenen Finanzmänner und sonstige als überflüssig angesehene Schützlinge der Privilegierten. Für eine Zufluchtsstätte wurde schon früher gesorgt, denn auch die Kapitalkräftigsten unterhielten aus Vorsicht durch ihr ganzes Leben Beziehungen zu den in der Nähe gelegenen ungarischen Gemeinden. Die Fristen bei der Erneuerung der alten Privilegien sowie bei Erteilung neuer wurden immer kürzer. Zu den zeitlichen Beschränkungen gesellten sich räumliche. Die Juden ohne Unterschied des Vermögens wurden in ein Getto zusammengepfercht, ohne aber über die dem Getto eigentümliche Vertretung nach innen und außen zu verfügen. Nur sehr wenigen gelang es, sich diesem Wohnungszwange zu entziehen. So wurde die Kluft zwischen der jüdischen und christlichen Bevölkerung immer größer. Die räumliche Scheidung muhte von jener um so schmerzlicher empfunden werden, als sie sich dieser bereits in ihren Gewohnheiten, Sitten wie Sprache angepaßt hatte. Das Jahrhundert der Aufklärung brachte den Juden auch seelisch kein Heil. Wenn auch die durch Jahrtausende vererbten Glaubensvorstellungen trotz der mangelnden Organisation ihre Macht noch immer und ganz besonders in gewichtigen Momenten des Lebens ausübten, so sind doch die Aufklärungstendenzen der Zeit an dem gewaltigen religiösen Bau nicht spurlos vorübergegangen; sie haben manche Lücke in ihn gerissen, ohne dem Innenleben der Judenschaft einen geschlossenen, in sich gefestigten positiven Ersatz dafür zu bieten, und dadurch ihre Widerstandskraft gegen ihr tragisches Schicksal geschwächt, über das der Glaube sie hinweggetröstet. Von außen aber wurde dem Talmudismus, der schon in früheren Zeiten herhalten mußte, die Ehre zuteil, als Bollwerk der Finsternis angesehen zu werden, in dem obendrein die Waffen aufbewahrt sind, um den täglichen Kampf gegen die Völker führen zu können. Die Behauptung, daß zwischen ihm und den jetzigen Anschauungen eine Kluft gähne, hat besonders den von der Zeitströmung erfaßten Teil der Juden in Erregung versetzt, da sie ja bisher alles in diesem Jahrhunderte umfassenden Schriftdenkmale Niedergelegte, Märchen, Sagen und Legenden, Anschauungen über Natur und Menschheit als absolute Wahrheiten zu betrachten gewohnt waren. Gerade bei den mit den Regierungskreisen in Berührung kommenden Juden herrschte die Meinung vor, daß der Rabbinismus das Schicksal der Juden verschuldete. Die Stellung der Juden spiegelt sich in den Inschriften, die uns innerhalb der kleinen Gemeinschaft eine stattliche Anzahl von Personen vorführen, welche trotz aller Einschränkungen und Beschränkungen sich eines Einflusses in jenen hohen und höchsten Kreisen erfreuten, die dem christlichen Bürgerstande nicht ohne weiteres offen standen. Freilich zeugen gerade diese häufigen Vermittlungen der Vornehmen so recht deutlich von der schwankenden Stellung der Jnterventionsbedürftigeu. Treffend sagt der Bearbeiter der Inschriften: „So sehr sich die Hosfaktoren und Finanzagenten des ausgehenden 17. und des 18. Jahrhunderts durch die Großartigkeit und Weite ihrer Finanzoperationen in ihrer allerdings ephemeren Stellung von den hofbesreiten Juden des früheren Jahrhunderts unterschieden, ihr Einfluß ist kurzatmig und versagt ganz, wo es sich um die Erwerbung dauernder Rechte handelt. Es sind nicht Vertreter einer Klasse, eines Standes, einer Menschengruppe, wie sie auch der Privilegienstand kannte, die die ihnen anvertrauten Interessen zu schirmen, alte Rechte zu verteidigen hatten und im günstigen Momente durch etwaige neue Opfer neue Rechte erwerben konnten. Durch all das reiche Lob auf diese Einflußreichen klingt der Schmerz der auf die Machtstellung eines einzelnen gestellten Gesamtheit durch. Diese einzelnen sind keine Vertreter, sondern Verteidiger einer in steten Anklagezustand versetzten Gemeinschaft, die jeden Augenblick eine Schmälerung ihrer engbemessenen Daseinsbedingungen zu gewärtigen hat." Und über den Fürsprechern selbst schwebt das Damoklesschwert. Zum mindesten bietet ihnen ihre augenblickliche, vom Glücke begünstigte Lage keine Bürgschaft für das Schicksal ihrer Nachkommen. Sind die Juden der Residenz aber auch heimatlos, schwankt auch der Boden unter ihren Füßen, so schöpfen sie doch aus dem persönlichen Verkehr ihrer Großen mit den Großen und Größten der Erde neuen Mut und Hoffnung auf eine bessere Zukunft, ja sie fühlen sich auch infolge des unter ihnen herr- - schenden Solidaritätsgefühls samt und sonders durch das Ansehen eines Gliedes ihrer Gemeinschaft hochgeehrt. Der einzelne ist ihnen der Typus und das Symbol der Gesamtheit. Von ihm fällt ein Abglanz auf sie. Die Oppenheimer und Wertheimer waren aber auch Männer, die nicht leicht ihresgleichen haben. Der letztere zeichnete sich überdies durch große rabbinische Gelehrsamkeit aus. Seine Studierstube war fein stilles Heiligtum, in dem er sich der Welt des hohlen Scheins entrückt fühlte. Es ist für den Idealismus des reichsten und angesehensten Mannes der deutschen Judenheit bezeichnend, daß er in dem Testamentsentwurf vom Jahre 1717 dem Wunsche Ausdruck gab, sein Sohn Josef solle bei der Wahl seiner Frau „weder auf Geld noch auf Schönheit, Ehre und Größe" Rücksichl nehmen, sondern daraus, daß sie die Tochter eines in Israel hochangesehenen Gelehrten sei. Er war die Verkörperung der Tugenden, die die Quintessenz und den Lebenszweck des ganzen Volkes bildeten. Die Freigebigkeit der beiden Oberhofsaktoren war nach einwandfreien jüdischen und christlichen Zeugnissen sprichwörtlich; sie waren geradezu verschwenderisch im Wohltun und machten hierbei keinen Unterschied zwischen Juden und Christen, was in Anbetracht der konfessionellen Enge der Zeit, unter der die Juden anl meisten zu leiden hatten, sehr beachtenswert erscheint. Aber auch ganzen Gemeinden griffen sie hochsinnig unter die Arme; außerordentlichen Anforderungen entsprachen außerordentliche Leistungen. Die ganze Judenheit wußte denn auch, daß man stets eine offene Hand bei ihnen finde. Man pries sie mit Recht als die „großen Fürsprecher" ihrer Nation. Noch

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