Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 50 (14.12.1917)
- Date
- 1917-12-14
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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des Erstrebten und gezwungen durch die Taktik der Gegner, schlug der Referent vor, man solle sich an die Schuljugend, die Religionslehrer und die Eltern wenden. Dabei legte er besonderen Nachdruck auf die Forderungen, daß der Religionsunterricht im fortschrittlichen Sinne erteilt werden müsse, und daß die Schuljugend durch besondere Veranstaltungen dem Gottesdienst zugeführt werden solle. Aus Gründen der Taktik schlug er auch die Begründung von Wander- und anderen Sportvereinen vor und empfahl schließlich die Beteiligung an der allgemeinen jüdischen Berufsberatung. An das Referat schloß sich eine sehr angeregte Aussprache, die im großen -und ganzen Uebereinstimmung mit ihm ergab. Als Ergebnis wurden zum Schluß folgende Entschließungen angenommen: 1. Der Telegiertentag nimmt von den Ausführungen des Referenten mit Dank für seine Wegweisnng zur Gewinnung der Jugend für die jüdisch-liberale Anschauung und Bewegung Kenntnis. Er empfiehlt den der Arbeitsgemeinschaft angeschlossenen Vereinen die Beschreitung, Festhaltung und den Ausbau der vom Referenten bezeichneten Wege 2. Der Delegiertentag erachtet auf Grund der Ergebnisse des Referates Hirschfeld und der Aussprache als wichtigsten Arbeitsstoff für die Zukunft die Lösung folgender Fragen: a) Welche Forderungen stellen wir hinsichtlich des Religionsunterrichtes an die jüdischliberalen Gemeindeverwaltungen und Lehrkräfte? bl Welche Forderungen stellen wir hinsichtlich des Jugendgottesdienstes an die jüdisch-liberalen Gemeindeverwaltungen und Rabbiner, c) Der Delegiertentag stellt mit Bedauern fest, daß bisher nur vier jüdischliberale Jugendvereine in Deutschland bestehen, obwohl sechzig liberale Rabbiner, die auf dem Boden des Programms der liberalen Vereinigung stehen, in fast ebenso vielen Gemeinden wirken. Errichtet an den liberalen Rabbinerverband die dringende Bitte, der Gründung liberaler Jugendvereine ein Hauptaugenmerk zuzuwenden und dem liberalen Judentum so den Nachwuchs zu sichern, dessen es dringend benötige. Die angeregt verlaufene Tagung fand ihren würdigen Abschluß in einem Vortrage, den Rabbiner Tr. Felix G o l d m a n n (Leipzig) vor zahlreich erschienener Versammlung am Abend über das Thema „Judentum und deutsche Kultur" hielt. Breslau, 7. Dezember. Ter Verbandsausschuß des Bezirksgemeindeverbandes Breslau-Liegnitz versendet soeben den Verwaltungsbericht für das zwanzigste Geschäftsjahr 1916/17. Wir entnehmen demselben folgende Angaben: Kurz vor dem Zusammentritt der diesjährigen Hauptversammlung hat der Verband durch den am 4. d. M. erfolgten Tod des Stadtrats Justizrat Alfons Marck einen überaus schmerzlichen Verlust erlitten. Trotz seiner großen Arbeitslast hatte er schaffensfrendig im Jahre 1912 die Leitung des Verbandes übernommen und sich seitdem mit Eifer an seinen Arbeiten beteiligt. Das Gedeihen des Verbandes und der Einzelgemeinden hat ihm stets am Herzen gelegen, so daß der Verband feijt Arbeitsfeld erweitern und seine Leistungen erhöhen konnte. Der Verband wird dem allzufrüh Dahingeschiodenen eine ehrenvolle Erinnerung bewahren. Die durch den Krieg verursachte Erhöhung der Kosten füralle Lebensbedürfnisse hat' unter den Beamten der Verbandsgemeinden eine große Notlage erzeugt, zu deren Linderung der Verband erfreulicherweise zum Teil beilragen konnte. Er beschloß, aus dem in früheren Jahren angesammelten Vermögensbestande Teuerungszulagen zu bewilligen. Diese, zusammen 900 Mark, erhielten die Beamten in zehn Gemeinden. „Darüber hinaus haben wir 311 unserer Genugtuung einer größeren Zahl von Beamten noch weitere Hilfe angedeihen lassen können. In Erfüllung des in der vorjährigen Hauptversammlung ausgesprochenen Wunsches hatten Vorstand und Repräsentanten der Shnagogengemeinde Breslau uns den Betrag von 1500 Mark zur Gewährung von Kriegsbeihilfen an Beamte unseres Verbandsbereickes in dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt. Auf unsere Bitte schlossen sich die anderen Großgemeinden diesem Vorgehen an. Aus dem Gesamtbeträge von 2100 Mark haben wir -entsprechend den von uns eingeholten Borschlägen des Vorstandes des Vereins israelitischer Lehrxr in Schlesien und Posen den Bdamten mehrerer Gemeinden sowie einem früher in einer kleinen Verbandsgemeinde, jetzt in Breslau ansässigem Beamten Beihilfen von zusammen 1550 Mark zngewendet, so daß nns noch 550 Mark zur Verfügung stehen. Wie in früheren Jahren haben wir auch im vergangenen Berichtsjahre den Beamten verschiedener Gemeinden noch Beihilfen im Gesamtbeträge von 640 Mark zu den Lebensverstcherungsprämien und Angestelltenversicherungsbeiträgen gewährt. Auf einem anderen Felde unserer Tätigkeit, dem der Inspektion des Religionsunterrichts, haben die ungünstigen Zeitverhältnisse zu unserem Bedauern einen hemmenden Einfluß ausgeübt. Es haben im Laufe des Verwaltungsjahres 1916/17 nur zehn Schulen revidiert werden können. Auch die Erhaltung und Förderung des religiösen Lebens in den kleineren Verbandsgemeindm haben wir uns im Berichtsjahre 1916/17 -angelegen sein lassen. Zu diesen: Zwecke sandten wir, um die Abhaltung von Gottesdiensten -an den hohen Feiertagen zu ermöglichen, vier Minjanleute in die Gemeinde Winzig, zwei nach Neumarkt, zwei nach Herrnstadt und drei nach Freiburg auf unsere Kosten, die sich auf insgesamt 262,90 Mark beliefen. Außerdem haben wir zur Beschaffung von Vorbetern einigen Gemeinden Beihilfen von 325 Mark gewährt. Des weiteren haben wir zur würdigeren Ausgestaltung der Gottesdienste Predigten durch stud. thevl. Rülf und stud. theol. Holzer halten lassen und hierfür den Betrag von 400 Mark aufgewendet. In unserem Bestreben, die kleineren Verbandsgemeinden zu stützen und ihre kulturellen Einrichtungen zu fördern, haben wir auch im verflossenen Berichtsjahre nicht nachgelassen. Nach wie vor verwenden wir für diese Aufgabe den erheblichsten Teil unserer Mittel. Nicht weniger als 2300 Mark sind hierfür in Einzelbeihilfen bis zu 206 Mark verausgabt worden. Unsere Wanderarmenkasse ist naturgemäß nur in geringem Umfange in Anspruch genommen worden. Es haben durchschnittlich monatlich 17, im ganzen 199 Personen Gutscheine für Fahrkarten und Zehrgelder erhalten, wofür insgesamt 1002,30 Mark verausgabt worden sind. Außerdem haben wir aus den Mitteln der Kaste dem Komitee zur Verpflegung notleidender Glaubensgenossen in Salzbrunn eine Beihilfe von -500 Mar.k gewährt. Dagegen haben wir von der Ueberw-eisung des Fünftels der Einnahmen an die Zentralstelle in Berlin, deren Tätigkeit zurzeit nur gering ist, absehen zu können geglaubt, um unsere Mittel für die Zukunft zu stärken." Der Ausschuß des Bezirksverbandes Breslau- Liegnitz darf mit Genugtuung konstatieren, daß seine im vorstehenden gekennzeichnete Tätigkeit einem nicht geringen Teile der Verbandsgemeinden von Nutzen gewesen ist und daß die getroffenen Maßnahmen besonders im Kriege dazu beigetragen haben, so manche leistungsschwache Gemeinde zu erhalten. L/D Dresden, 7. Dezember. Die Soziale Stiftung hat soeben die Schlußverteilung aus ihren diesjährigen Erträgen vorgenommen. Danach sind im Jahre 1917 37 664,62 Mark an 48 gemeinnützige und wohltätige Vereine und Anstalten, die weder satzunssgemäß noch, tatsächlich Glaubens- oder sonstige trennende Unterschiede kennen, verteilt worden. Die seinerzeit nach dem letzten Willen und mit Mitteln des verstorbenen Kommerzienrats Konsul Mar A r n h 0 l d von der israelitischen Religionsgemeinde zu Dresden errichtete soziale Stiftung, der seitdem erhebliche Kapitalien als weitere Zuwendungen, vornehmlich aus dem Familienkreise des Stifters, zu geflossen sind, kann daher auch für die Folge eine reickje Tätigkeit im Sinne des Stifters entfalten. Einschlägige Anstalten oder Vereine, die inr nächsten Jahre Beihilfen wünschen, wollen sich schriftlich um Auskunft an die Kanzlei der Sozialen Stiftung, Zeughausstraße 2, I, oder deren Vorsitzenden Konunerzienrat Elb, Lüttichauer Straße 21, wenden. er. Magdeburg, 7. Dezember. Der Verwaltungsbericht unserer Shnagogengemeinde, der die Jahre 1910 bis 1916 umfaßt, ist soeben erschienen. Die Zahl der Steuerpflichtigen ist in der Berichtszeit von 531 im Jahre 1909 auf 547 gestiegen, die Steuerleistung wuchs von 50 000 Mark aus nahezu 70 000 Mark, da die vermehrten Kriegsausgaben eine stärkere Erfassung der Steuerpflichtigen erforderlich machten. Das Gemeindeleben bewegte sich in den gewohnten Bahnen. Die Religionsschule, der der Bericht einen besonderen Abschnitt widmet, wurde von 255 Kindern, 159 Knaben und 96 Mädchen, besucht; an der Anstalt wirken außer dem Rabbiner zwei weitere Lehrkräfte. In der Berichtsperiode wurde als Neuerung liturgischer Gesangsunterricht eingeführt, der die Kinder zu regerer Teilnahme am Gemeindegottesdienst vorbereiten soll. An den Feiertagen trug der Jugendchor zur Verschönerung des Gemeindegottesdienstes bei. Das Amt des Rabbiners wird für die Dauer der Einberufung des Rabbiners Dr. Wilde, der als Feldgeistlicher wirkt, nach vorübergehender Verwaltung durch Herrn Dr. I a c 0 b u s gegenwärtig durch Herrn Rabbiner Dr. Bruno Lange versehen. Die Gemeinde hat sich an verschiedenen Kriegsmaßnahmen lokaler und allgemeiner Art beteiligt. Für die in Magdeburg befindlichen