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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-12-14 · Heft 50 (14.12.1917) · p. Seite 600

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 50 (14.12.1917)
Date
1917-12-14
Page
Seite 600 (sequence 12)
Language
German
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6ÖÖ Gesangenenfürsörge, A. W. Schreiber, linier dem Titel „Deutsche Kriegsgefangenenseelsorge" erscheinen ließ. Die Gefangenenseelsorge ist wie so vieles, ja das meiste in diesem Kriege, ein Novlnn; aber auch sie wurde — davon zeugt der vorliegende Bericht — in Deutschland von allen beteiligten Kreisen, von den Staatsbehörden wie von den einzelnen religiösen Gemeinschaften, mit deutscher Gründlichkeit lind mit mitfühlender Liebe ins Werk gesetzt. Mannigfach lmd anregend sind die Gesichtspunkte, die bei der se-elsvrgerischen Betätigung bei den verschiedenen Nationen und Neligionerl in Betracht 31t ziehen waren. Unter den Berichten der einzelnen Abteilungen erweckt natürlich der Bericht über die jüdische Abteilung (S. 35 ss.) unser besonderes Interesse. Er ist von dem Rabbiner der jüdischen Gemeinde in Berlin, Tr. Adolf Rosenzweig, verfaßt, der als Vertreter der jüdischen Religionsgemeinschaft dem Hilfsausschusse für Gefangenenseelsorge angehört. Mit Genugtuung stellen wir fest, daß die Tätigkeit des Ausschusses mich für die jüdischen Kriegsgefangenen Ersprießliches leisten konnte, da, wie der Bericht ausdrücklich betont, „der Ausschuß den jüdischen Fragen ohne Voreingenommenheit stets freundliches Interesse entgegenbrachte." Wertvolle Anregungen und förderliche Unterstützungen gingen für die jüdische Gefangenenseelsorge ebenso wie zu Kriegsbeginn bei der Institution der jüdischen Feldgeistlichen von den segensreich wirkenden Organisationen der deutschen Judenheit aus, unter denen besonders dem Deutsch-Israelitischen Gemeindebunde und dem Verbände der deutschen Juden sowie der Berliner jüdischen Gemeinde in dein vorliegenden Bericht Tank und Anerkennung gezollt wird. Ter kurze, aber inhaltsreiche Bericht weist hm auf die Fülle von Fragen, die der jüdischen Seelsorge im deutschen Heere entgegentreten und die hoffentlich eine ähnliche Lösung finden werden wie in Oesterreich, wo der Feldrabbiner den katholischen und evangelischen Feldluraten, die alle den Rang eines Hauptmanns bekleiden, gleichgestellt ist. ' Durch diese militärische Charge der Militürgeistlicheu löst sich eine große Anzahl der Fragen, bei denen der jüdische Feldgeistliche in Deutschland bisher auf das Wohlwollen höherer oder niederer Vorgesetzter angewiesen ist. Zum Schluß sei es mir gestattet, noch auf die im Anhang des interessanten Büchleins befindlichen Tätigkeitsberichte einzelner christlicher Geistlichen hinzuweisen, die ein beredtes Zeugnis ablegen für die gemütvolle Art „deutscher Barbaren". Prof. Dr. N 0 s e n z w e i g. — T i e Russin. Charakterbilder von. Nadja Straßer 1917. S. Fischer, Berlag, Berlin. Mit 24 Abbildungen. Es erscheint uns als besonders dankenswerte Aufgabe, den geschätzten Leserkreis dieses Blattes aus das eigenartig fesselnde Werk hrnzuweisen. Die Verfasserin führt uns zurück tzis an den Hof Katharinas ü. und entwirft packende Bilder von ihrer Tätigkeit, ergreifende von ihrem Leide. So interessant auch alle diese Schilderungen sind, so können nur unsere Leser, denen wir das wichtige Buch dringend empfehlen, doch nur kurz darauf hinlenken und müssen uns begnügen, auf eine jüdische Frau hinzuweisen, nämlich auf Gessja Helfmann. Ein kleines, heißblütiges, jüdisches Mädchen aus der dunkelsten Provinz, läuft sie mit siebzehn Jahren von Hause fort, weil die Eltern sie mit einem Kaufmann ihres Städtchens verheiraten wollen, während ihr eigenes Streben nach Bildung und Selbständigkeit geht. Sie kommt nach Petersburg und gerät in revolutionäre Kreise. Ohne Kampf- oder Kraftnatur zu sein, steht sie bald inmitten des heißesten Kampfes. Sie wird später die — natürlich illegitime — Frau eines der bekannten Aktionsmitglieder. Man liebt sie wegen ihrer unendlichen Güte, man schätzt ihre heiße Ergebenheit für die Sache. Doch bleibt sie — entsprechend ihren: Wesen — mehr Familienangehörige als Kämpferin. Einige Wochen vor der Katastrophe am 1. März 1881 wird ihr Mann verhaftet, nach dem 1. März folgen die Verhaftungen der vielen ihr Nahestehendelr. Ihre Wohnung ist erfüllt von schwer kompromittierenden Dingen, die aber gerade deswegen dort behalten werden, weil man ihre Wohnung für vollständig sicher hält. Doch auch sie wird das Opfer eines teitweisen Verrats eines durch Leiden schwach Gewordenen. Wie dieses Unvorhergesehene ahnend, verabschiedet sich Gesija eines Abends, kurz nach den vielen Verhaftungen, von ihren Freunden mit den Worten: „Lebt wohl! Wer weiß, ob wir uns noch sehen wevden? Mäd)fteri Alörgen kömmt eme Haussuchung, und man findet Bonrben bei ihr. Der Tod ist ihr zugesprochen, aber die Vollstreckung wird abgesetzt, da Gessja Mutter werden sollte. Sie wird in eine Zelle gebracht, und zwei Wächter bleiben Tag und Nacht in demselben. Raum. Unter diesen Umständen gibt sie ihrem Kinde das Leben. Doch die Rache der Starken begnügt sich nicht mit der Person des Betreffenden allein, sie wird auch auf die Nachkommenschaft übertragen. Trotzdem mehrere sowohl ans den revolutionären Kreisen wie aus der Gesellschaft an die betreffenden Behörden das Ersuchen stellten, das Kind Geffjas ihnen zur Erziehung zu überlassen, entschieden die Beamten anders: eines Tages erschienen zwei Gendarmen in der Zelle der stillenden Mutter. und trugen das Kind fort, ohne der Mutter zu sagen, was mit dem Kinde geschehen werde. Das ertrug die Gequälte nicht mehr, und — man kann nicht umhin, die biblische Redeweise zu Hilfe zu nehmen — sie legte sich hin und starb. Durch das Kind wurde ihr jüdisches Blut in seiner tiefsten Quelle getroffen. Gessja Helfmann starb im buchstäblichen Sinne des Wortes an der Seelenqual. Das Kind soll ohne Namen dem Findelhaus übergeben worden sein; nie erfuhr inan, trotz aller Nachforschungen, irgend etwas über das Schicksal dieses Kindes. N. Neißer. — Friedrich Franz G 0 ldau. Hadassa (Königin Esther). Bibl.-Historische Tragödie in fünf Aufzügen. Mülheim-Heißen und Leipzig 1917. Kronenkampf-Verlag. Goldalls Versuch, .'die Purimgeschichte zu dramatisieren, kann mall mit Beifall aufnehmen. Es ist ihm gelungen, farbenprächtige Bilder allf die Bühne zu bringen und der: Gestalten zu neuem Leben zu verhelfen. Besonders deutlich gekennzeichnet ist einmal der Perserkönig Artaxerxes, der Hofnarr Kios und auf der anderen Seite Mnrdochai und Esther, und die Gestalt Hamanns tritt deutlich hervor. Das alte, leider auch ewig neue Lied vom Judenhaß, der auf hinterlistigste Weise Juda ansüllt und schließlich doch immer wieder zunichte geschlagen wird, hat so in dem bunten Nahmen orientalischer Farbenpracht ein neues Gewand erhalten. Wie Esther mit ihres Volkes willen den von ihr nicht geliebten Perserkönig heiratet und so das schwerste Frauenopser bringt, darin klingt das Stück aus! Sollte eine neue Auslage nötig werden, so würden wir dem Verfasser empfehlen, ileben den zahlreichen Druckfehlern auch gewisse Unstimmigkeiten in der Behandlung der Eigennamen zu beseitigen. Dr. W. C. (im Felde). Mchrremlsuk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Die Herrin und ihr Knecht. Roman von Georg Engel, erstes bis fünftes Tausend, Grethlein n. Eo. G. m. b. H. in Leipzig. Künstler, Roman von Alfred Friedmann, Verlagsanstalt Vogel u. Vogel G. m. b. H., Leipzig. Psalmen deutsch i.m Rhythmus der Urschrift. Von Professor Lic. Hans Schmidt in Tübingen, z. Z. als Hauptmann im Felde. Göttingen, Vandenhoeck u. Ruprecht, 1917. Die Propheten. Von Hermann Gunkel. Die geheimen Erfahrungen der Propheten. Die Politik der Propheten. Die Religion der Propheten. Schriftstellerei und Formensprache der Propheten. Göttingen, Vandenhoeck u. Ruprecht, 1917. Neue Jüdische Monatshefte, Zeitschrift für Politik, Wirtschaft und Literatur in Ost und West, Sonderheft. Heinrich Graetz und die jüdische Geschichte. II. Jahrgang. 10/25. November 1917, Heft 3 und 1, Berlag der Neuen Jüdischen Monatshefte, Berlin-München. Spinoza Ridivivus. Eine Fibel für Anfänger und Verächter der Philosophie. Mt 22 Figuren im Text, Berlin 191.7, Verlag von Max Rockenstein. Paul Baumann Gottesfriede. Die Wende. Verlag 1918, Berlin. Kain und Abel. Predigt gehalten am 17. September 1917. Von Rabbiner Tr. H. Auerbach (Elbing). Druck von Hermann Ulrich in Leisnig. Die deutschen Juden im Weltkriege. Von Karl Hilmar (Berlin). Selbstverlag des Verfassers, Berlin W 35, Flottwellstraße 7. Stefan Zweig Jeremias. Eine dramatische Dichtung in nenn Bildern. Insel-Verlag zu Leipzig 1917.

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