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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-12-14 · Heft 50 (14.12.1917) · p. Seite 599

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 50 (14.12.1917)
Date
1917-12-14
Page
Seite 599 (sequence 11)
Language
German
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m Manzoni. SSHcber einmal Manzouis Roman „Die Verlobten" in der Ursprache lesend (der manches Zeitgemäße enthält), stieß ich auf folgende Charakterisierung des, Helden, des Pfarrers Dr. Abbondio: „Irr allen Kämpfen, die um ihn her losbrachen, suche er Neutralität zu behaupten. Mußte er notwendigerweise zwischen zwei Widersachern Partei ergreifen, so hielt er sich auf der Seite des Stärkeren, wiewohl jedesmal im Hintertreffen, und gab sich Mühe, dem anderen begreiflich zu machen, daß er keineswegs aus freien Stücken sein Gegner sei. Es war, als wenn er ihm sagte: „Aber warum habt ihr es nicht verstanden, der Stärkere zu sein? Ich stände unfehlbar auf eurer Seite jetzt." Die Beleidigungen der Uebermächtigen und ihre vorübergehenden Launen schien er nicht zu bemerken und nahm diejenigen, die ihm mit ernster, besonnener Absicht angetan worden, mit Unterwürfigkeit aus." Sollte man nicht glauben, eine Charakteristik des heutigen Italiens vor sich zu haben? Dr. Scher b el. * Aus Julius Rodenbergs Tagebüchern. In der Schlußverösfentlichung der an dieser Stelle mehrfach benutzten Auszüge aus Rodenbergs Tagebüchern (Lit. Echo, 20. Jahrg., Heft 2, 15. Oktober 1917) 1856/58 werden mehrere Juden: Emanuel Deutsch, Rubinstein, Schlesinger, Heimann erwähnt. Eine Wiederholung verdient folgende Charakteristik der Baronin Lyonel v. Rothschild: „Die Baronin ist eine zarte und anziehende Weiblichkeit, die von echter Bildung und feinerem Gefühl durchdrungen erscheint. Sie hat nichts von jener unangenehm auffallenden Süffisance des Stammes, obwohl sie eine Jüdin zu sein und sogar zu scheinen nnt Stolz sich bewußt ist. Sie hat noch eine ideale Begeisterung für das Judentum, sie sucht darin zu wirken und Kräfte dafür zu erwecken und mit dieser so schonen Neigung verbindet sie doch auch wieder einen offenen und! angeregten Sinn für alles Schöne in Kunst, Literatur und Wissenschaft, j Ihre Nähe wirkt besänftigend und beruhigend, man fühlt sich ihr! sogleich nahe und sieht sich von einer ebenso liebenswürdigen als schönen Persönlichkeit gefesselt." L. G. * Geheimrat Professor Dr. Eduard König in Bonn, einer der hervorragendsten Gelehrten und Forscher aus dem Gebiete der alttestamentlichen Wissenschaft, besitzt Eigenschaften, die nicht allen Universitätslehrern eigen sind. Ausgeprägtester Wahrheitssinn, strengste Objektivität sind die hervorstechendsten Merkmale seines Geistes, die in allen seinen Werken sich offenbaren. Was Prof. König in seiner neuesten ausgezeichneten Schrift: „Hermeneutik des Alten Testaments" (Bonn 1916), die wir allen jüdischen Religionslehrern aufs angelegentlichste empfehlen möchten, Seite 41 bemerkt: „Dieses Streben nach den untersten Quellen geschichtlicher Wahrheit soll immer lebendig bleiben", müßte die Devise eines jeden Gelehrten sein. In dem genannten Werke geißelt König! Gunkels Ansicht, es sei „das alte Israel ungeübt im logischen Denken". „Solche Insinuationen", erwidert König, „werden im Gegenteil zuschanden an Sätzen, wie z. B. Jes. 5, 20, wo die sophistische Geschichtsverdrehung mit sonnenheller Logik gekennzeichnet ist" und verweist des weiteren aus das Buch Hiob, worin „Materialien zur Uebung im logischen Denken" dar-- geboten würden. Auch erhebt der Gelehrte Widerspruch gegen den Versuch Martin Bubers („Vom Geist des Judentums" 1916), die Israeliten zu Hauptvertretern eines angeblich nrotorischen Menschentypus zu machen. „Als wenn nicht bei den Orientalen das Seelenleben — betont König — ebensosehr durch Eindrücke der Außenwelt angeregt würde wie bei den Okzidentalen!" Unbegründet hält er auch den Satz Bubers: „Beim Griechen ist der Begriff der Abschluß eines seelischen Prozesses, beim Juden der Anfang." Unmöglich kann Buber bei der jüdischen Volksseele die durch Beobachtung und Versuch gewonnenen Tatsachen der inneren Erfahrung auf den Kops stellen wollen. Daß in Bibel und Talmud das Prinzip der Anschauung zur Geltung kommt, beleuchtet in trefflicher Weise I. Ster in seinem empfehlenswerten Werke „Die talmudische Pädagogik" (Selbstverlag des Versasftrs, Breslau 1915). Buber will wohl nur das in Talmudschulen zur Anwendung kommende Operieren mit Begriffen kennzeichnen — sicherlich ist der Satz in seiner Verallgemeinerung falsch. M. Sp. * Dem bekannten Prager Vischer-Verehrer Ottomar Keindl, der in seinen interessanten Feuilletons nnt Vorliebe auch altjüdische Sagen bearbeitet und der sich als Entdecker der seit 14Ö Jahren verloren geglaubten, Schillerschen „Trauer-Ode auf den Tod des Hauptmanns von Wildmeister" einen Namen gemacht hat, sind zu seinem sünsundsiebzigsten Geburtstag vielfache Ehrungen zuteil ge- ' worden. Von besonderem Interesse — auch für weitere Kreise — sind die hübschen, launigen Verse von Heinrich Teweles, dem Direktor des Königlichen Deutschen Landestheaters in Prag; sie lauten wie folgt: Wenn ich ein Maler wür'. Malt' ich dir was; Wär' ich ein Millionär, Zahlt' ich dir was — Da ich nur treiben kann Feder und Mund, Schreib' ich dir: teurer Mann, Lang bleib gesund-! * Marcus Herz über poluische Juden. In den schon mehrfach benutzten handschriftlichen Zusätzen zu Ratzels Briefen („Ein Buch des Andenkens" 1833, Band III, Königl. Bibi. Berlin) findet sich folgende witzige Bemerkung: Berlin, den 3. Juni 1824. Gans erzählte, der berühmte Marcus Herz habe die Eigenart der Polnischen Juden so bezeichnet: wenn ein polnischer Jude ganz frisch in Deutschland ankäme und man trage ihm einen Satz vor, der eines Beweises bedürfe, so sage er gleich: „Das versteht sich von selbst!" bringe man ihm nun aber auch den Beweis, dann frage er: „Wieso?" — Diese Bemerkung des seligen Herz ist die eines dramatischen Dichters. ' L. G. Literarische Mitteilungen. — Einen S o m m e r l a n g. Roman von Georg H e r m a n n.' Verlag Ullstein u. Co., Berlin. Käme nicht das Brautpaar Paul Gumpert und Emmchen Liebmann vor, die durch ihren Namen und durch ihr Wesen als Juden gekennzeichnet werden, so würde das neue Werk von Georg Hermann kaum eine Erwähnung an dieser Stelle verdienen. Denn Herr Fritz Eisner und Herr (später Doktor) Eginhardt Meier, die Verlobten der zwei hübschen Mädchen Hannchen und Annchen Lindenberg, sowie der Bankdirektor Liebenthal, der nach Angabe seiner Gattin in einem Sanatorium weilt, in Wirklichkeit aber in Untersuchungshaft sich befindet, aus der er fast wie ein Triumphator hervorgeht, verraten vielleicht durch ihre Namen ihre jüdische Abkunft, werden aber in keiner Weise als Juden dargestellt. Das ganze Buch ist höchst amüsant, aber eher eine weitausgesponnene Anekdote als ein Roman. Denn er schildert nichts anderes als den Sommeraufenthalt der Familie Lindenberg bei Potsdam, die mannigfachen Begebnisse, die die Mitglieder dieser Familie mit einzelnen ihrer Gäste und den Mitbewohnern in dem Hause erleben, das ihnen als Sommersrische dient. Unterhaltende Karikaturen von leichten, Frauen und Welt, aber nicht wei berverachkenden Männern, falschen Idealisten finden sich vielfach. Das große Talent des Verfassers, prächtige Landschaftsschilderungen zu entwerfen und seine Kunstbeobachtungen zu machen., bekundet sich häufig, aber auch seine Unmamer, humoristische Einzelheiten in schrecklicher Breite und ewiger Wiederholung vorzutragen, macht sich widrig geltend. Im ganzen also ein nicht unangenehmer Zeitvertreib, aber wenig erfreulich, keine Probe eines starken Könnens, sondern ein allzu selbstgefälliges Beharren bei witzigen Einfällen und lustigen Schnurren, sowie eine bei Hermann sonst nicht übliche starke Neigung, erotische Verirrungen vorzuführen, kein Forffchreiten auf einer, wie es schien, glückverheißenden Bahn. Man mag Behagen daran finden, in der furchtbaren Zeit, die wir durchleben, auf einer friedlichen Insel zu verweilen, aber ein wirkliches Talent, wie Hermann es besitzt, sollte, so möchte man meinen, seine Kraft in der Bewältigung größerer Probleme versuchen. L. G. Deutsche K r i e g s g e s a n g e n e n s ee l s o r g e. Von A. W. Schreiber, Schriftführer des Hilfsausschusses für Gefangenenseelsorge. Berlin 1916. Erweiterter Sonderdruck aus der „Eiche", Vierteljahrsschrift für Freundschaftsarbeit der Kirchen. Von Gedanken des Friedens mitten im Toben des Weltkampfes kündet ein Büchlein, das der Schriftführer des Hilfsausschusses für

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