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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-12-14 · Heft 50 (14.12.1917) · p. Seite 593

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 50 (14.12.1917)
Date
1917-12-14
Page
Seite 593 (sequence 5)
Language
German
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tttäen Mount in die Weite der Hostnüng Es ist ein Idealismus, -er in dieser Fähigkeit wohnt, starke Wünsche zu hegen, sich unter die harte Gegenwart nicht zu beugen, sondern sich ans dem Wege zu Besserem zu wissen. Der Glaube an die Zukunft wird zum Glauben an das Gute. Wenn die Reihen der vorbeiziehenden Soldaten zu uns sprechen, mit ihrer Rede ohne Worte, so tritt unwillkürlich dieser Gedanke vor uns hin, daß sie alle auf dem Wege sind, sie wie alle die, welche aus ihrem Platze, den sie hüten, standhalten. Sie sind auf dem Wege, im tiefen Gehalt dieses Wortes, auf dem Wege zu einer Zukunft. Die Lichter des Chanukkafestes haben gestrahlt und sind dem Erlöschen nahe. Sie gaben Weihe dem Hause; mögen sie in die Herzen leuchten und das Dunkel der Zukunft erhellen. Denn dunkel ist das Geschick, dem wir entgegengehen. Die Flamme der Hoffnung, die Leuchte des Glaubens, die Glut reiner Vaterlandsliebe möge uns für die Zukunft erhellen und allem Widerwärtigen zum Trotze kräftigen und stärken. Jülttsch-hMenischr Lriegsliterstur. Von Samtätsrat Dr. Scherbe! (Lissa i. P.). s gibt Leute, die nichts mehr vom Kriege wissen wollen. Sie behaupten, ihr „Bedarf an Krieg" sei gedeckt, und machen es so ungefähr wie der Vogel Strauß: sie stecken zwar nicht best Kopf in den Sand, aber sie vergraben sich bis über den Kopf in schöngeistige und wissenschaftliche Literatur und gehen jedem Extrablatt und jeder Tageszeitung mit ihren aufregenden Berichten auf zehn Schritt aus dem Wege. Diesen Leuten — selbstverständlich aber auch allen anderen, die dafür Interesse haben — möchten wir die neuere hygienische Kriegsliteratur empfehlen. Sie werden aus ihr nicht nur Belehrung schöpfen, sondern auch eine heilsame Ablenkung und Beruhigung gewinnen, sie werden — gut schlafen, beileibe nicht etwa deshalb, weil wir dies« hygienische Kriegsliteratur als „Schlafmittel" betrachten, sondern in dem Bewußtsein, daß das Auge des Arztes wacht, und werden vom Frieden träumen, der, ach!, noch so weit im Felde ist. Besonders die Hygiene der Juden hat durch den Krieg an Wertschätzung außerordentlich gewonnen. Man sieht jetzt erst ein, wie trefflich die mosaische Gesetzgebung mit ihren gesundheitlichen Vorschriften, mit ihren peinlichen Ernährungs-, Reinlichkeits- und sonstigen Zeremonialregeln, schützend und versorgend für Jahrtausende, ihre weisen Einrichtungen geschaffen hat. Das alles setzt in sehr interessanter Werse Dr. med. H. L. Eisenstadt in Berlin in einer Schrift „Indische Lebensgesetze und ärztliche Organisation" auseinander. Er verlangt darin, daß die jüdischen Lebensgesetze mehr als bisher nach ihrer lebensverlängernden Seite hin studiert und gewürdigt werden, und erhofft dafür viel von der Gründung einer neuen Organisation, eines Vereins jüdischer Aerzte, der eine „Zeitschrift jüdischer Aerzte" herausgeben soll; sodann weiterhin ein „Handbuch der Psychologie und Hygiene der jüdischen Ueberliefarung". Der Verein jüdischer Aerzte soll die jüdischen Lebensgesetze vorurteilsfrei erforschen, deren Jnnehaltung das Judentum seine wunderbare bisherige Existenz verdankt. Er soll aber auch die Forschung zu dem Ziele hin lenken, den Gesellschastskärper zu gesunden und die Massenkrankheiten, wie Krebs, Tuberkulose, Blinddarmentzündung und viele andere, zu verhüten. Die Bildung eines solchen Vereins jüdischer Aerzte wird nicht ohne Schwierigkeiten sein, zumal da ihm Dr. Eisenstadt weitere Aufgaben stellt: den Unterricht in der Milah, Schechita, Badika, die Einrichtung von Unterrichtskursen in der Gemara für die erwachsene männliche und weibliche Jugend und dergleichen mehr. So manches sonst aber, was er aus den jüdischen Lebensgesetzen zur allgemeinen Einführung bringen will, halten wir für wohl erwägenswert. Diit Recht verweist er darauf, daß das jüdische Ernähirungssystem daraus abzielt, das Leben der Schwachen, der Greise, Frauen und Kinder zu erhalten, und sympathisch berührt es, wenn er die Fürsorge für die Greise als besonders notwendig hinstellt. Hie Achtung und die Ehrfurcht vor dem Greise wird im jüdischen Schrifttum an unendlich vielen Stellen zu einem förmlichen Gebote gemacht, und Dr. Eisenstadt sagt wörtlich: „Die Erhaltung der Greise liegt im Interesse der Gemeinden und Familien; auf Grund ihrer Erfahrung geben sie der Jugend Beispiel und Rat." Sie sind also nicht, wie von einer Seite gesagt worden ist, „die welken Blätter, die doch abfallen müssen", und die man also in der Ernährung nicht besonders zu bedenken braucht. Wie würde so manches anders sein, wenn man mehr auf die Greise gehört hätte, und wie trefflich wissen sie jetzt im Kriege ihren Platz auszusüllen, an dem sie die jüngeren Kräfte vertreten müssen! Ein jüdisches Sprichwort sagt: „Das Niederreißen des Alters ist Aufbauen; das Bauen der Jugend aber Niederreißen". Und ebenso tiefsinnig spricht ein deutscher Dichter: „Die Jugend kann, das Alter weiß. Du kaufst nur um des Lebens Preis Die Kunst, das Leben recht zu brauchen." Demgegenüber behauptet Dr. Eisenstadt, daß das jugendliche Alter durch das jüdische hygienische Ernährungssystem vor einer Krankheit geschützt wird, die im Alter von 15 bis 30 * Jahren viele Opfer fordert, das ist die Tuberkulös e. Die Mindevsterblichkeit der Inden an Tuberkulose sei zwar hauptsächlich durch die Vererbung der Jmmunitätsstoffe gewährleistet, aber das traditionelle Ernährungssystem vermöge von den schwächlichen und mageren Kindern diese Krankheit fernzuhalten. Bekanntlich besteht die jüdisch-hygienische Ernährung in einer kräftigen, auS Fleisch- und Pflanzennahrung gemischten Kost, wobei alles, was gesundheitsschädlich sein könnte, streng aus gesondert wird. Daß eine kräftige, gemischte Ernährung bei der Heilung der Tuberkulose eine große Rolle spielt, ist bekannt. Hierüber (sowie auch über die Behandlung der Zuckerkrankheit, die ja bei den Juden weit verbreitet ist und die aus nervöser Grundlage beruht) sagt Dr. Phil. Kuno Stommel in seinem Buche „die Wirkung von Schwefel und Eisen in den Dhermalwassern als Sauerstoffüberträger bei Zuckerkrankheit, Lungentuberkulose und Gichp): „Weder bei der Heilung der Lungentuberkulose noch der Zuckerkrankheit reichen die Wirkungen der Mineralquellen allein aus. Es muß Diät vom Kranken zu Hilfe genommen werden, ber der Lungentuberkulose auch Lungengymnastik." Die besonderen Verordnungen im Einzelsalle hat natürlich der Arzt zu treffen, und es kann nur allgemein gesagt werden, daß bei der Tuberkulose die Physikalisch-diätetische Behandlung, wie sie auch in den Lungenheilstättea geübt wird (Ernährung, Freilnst-, Licht-, Wasserbehandlung usw.), oft ganz vortreffliche Erfolge erzielt, wenn man nur früh mit der Behandlung beginnt und sie genügend lange fortsetzt. Was die E r n ä h r >u n g für den Menschen in gesunden und kranken Tagen bedeutet, darüber ist die Welt wohl noch niemals in so handgreiflicher Weise belehrt worden, wie in den schweren Zeiten, die wir jetzt durchmachen. Da ist der Hinweis von Dr. med. Rainer, Arzt in Wiesbaden, in seiner Abhandlung „Die Zahn- und Mundhygiene sowie einiges über Zahnkonservierung und -ersatz im Talmud, Midrasch und bei den Kommentatoren")" von Interesse, wie sehr in unserer h Selbstverlag, Düsseldorf, Sternstraße 32. 3. vermehrte Auflage. Preis 3 Mark. -) Fortschritte der Medizin. Jahrg. 34, Nr. 32 vom 20. August 1917,

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