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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-12-14 · Heft 50 (14.12.1917) · p. Seite 590

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 50 (14.12.1917)
Date
1917-12-14
Page
Seite 590 (sequence 2)
Language
German
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5Ö0 denken und dann erst das Gute t u n. Das heißt in Wirklichkeit Gott lieben. Und das ist der Sinn desN2Nrri: Du sollst das Gute fühlen -pah ^>22 mit deinem ganzen Herzen, das Gute denken ^>22 mit deiner ganzen Seele, und das Gute tun ^22 mit deiner ganzen Kraft. Für dieses Gebot der Gottesliebe sind dem frommen Israeliten die Tefillin beim Morgengebet und die Mesuso an den Türen des Hauses Symbole, äußere Erinnerungszeichen. Wer Tefillin anlegt, soll sich bewußt sein, daß er ein Israelit, ein Bekenner des Judentums ist, und sich schon am Morgen vornehmen, den Tag über das Gute zu empfinden, zu denken und — was die Hauptsache ist — auch zu t u n. Ueberall und bei jeder Gelegenheit, ob er im Hause sitzt, oder auf dem Wege geht, ob er sich niederlegt oder aufsteht. Und das ist auch die Bedeutung der Mesusos an den Pfosten des Hauses und an den Toren. Wer sich durch diese Symbole an die Liebe zu Gott, das heißt an die Liebe zum Guten erinnert und danach handelt, von dem gilt das Wort des Psalmisten, seinen Eingang und seinen Ausgang segnet Gott. Dir Woche. Berlin, 11. Dezember 1917. ie erfreulichen Ereignisse der vorigen Woche sind im Fortschreiten: Waffenruhe mit Rußland, nebst Verhandlungen über einen Waffenstillstand als Vorbereitungen zum Frieden: erfolgreiches Vordringen gegen die Engländer; ruhmreiche Fortsetzung des Schlages gegen Italien. Zu diesem Erfreulichen ist auch zu rechnen, daß Rumänien gleichfalls um Waffenruhe gebeten hat. Es bleibt diesem Lande, da es auf eine Unterstützung seitens Rußlands nicht mehr zu rechnen hat, nichts anderes übrig, als die Waffen zu strecken. Charakteristisch für diesen ohnmächtigen und verräterischen Kleinstaat bleibt es, daß er diese Nachricht bestreitet und, wenn auch zu seinem Schaden, in seinem Großinachtsdünkel verharrt. Unerfreulich ist, daß die Westmächte in ihrem Starrsinn verharren, an ein Nachgeben nicht denken, wenn auch die Pariser Konferenz, nach dem eigenen Zeugnisse der Beteiligten, keine erwünschten Resultate gezeitigt und namentlich nicht die erhoffte Einmütigkeit ergeben hat. Noch unerfreulicher ist, daß Amerika nun auch Oesterreich-Ungarn den Krieg erllärt hat. Ein besonderer Grund zu solch verspäteter Ansage' lag nicht vor; man müßte ihn denn darin finden, daß unser getreuer Waffenbruder für seine Treue, die man ihm als sklavische Gefolgschaft auslegt, gestraft werden soll. Oesterreich-Ungarn hat die einzig gebührende Antwort erteilt, daß es seine Bundesgenosscnschaft fest und aufrecht zu erhalten gesonnen ist; hoffentlich beweist es sie durch Truppensendungen nach dem Westen, um uns zu helfen, wie wir ihm an allen bedrohten Stellen geholfen haben. Am unerfreulichsten ist der Widerstand der Konservativen aller Schattierungen und auch eines großen Teiles der Nationalliberalen gegen das vorgeschlagene neue preußische Wahlgesetz. Die Abneigung der Junker und ihrer Gefolgschaft begreift man wohl, weniger verständlich bleibt die Abneigung einer Partei, die sich liberal nennt. Denn man sollte denken, daß sie freisinnigen Forderungen ihre Zustimmung zu geben genötigt sei, und man müßte meinen, auch sie sei der Ueberzeugung, daß das Wahlverfahren, das sich für Deutschland bewährt habe, auch für Preußen gangbar sei. Es wäre traurig, wenn durch den unzeitgemäßen Widerstand gerade dieser Partei das Zustandekommen des neuen Wahlgesetzes verhindert würde, das hätte berufen sein sollen, die Mündigkeit des preußischen Volkes darzustellen. Die drei neuesten Maßregeln inRußland bekunden seinen ernstesten Friedenswillen und die entschiedenste Absage an seine ehemaligen Verbündeten. Es sind: die Auslösung des Hauptquartiers, die Kündigung der Verträge auf Lieferung von Munitions- und Kriegsmaterial und die Erklärung des Staatsbankerotts, d. h. die Nichtzahlung der Zinsen für Staatsanleihen und Eisenbahnobligationen. (Dies wird von anderer Seite bestritten.) Daß die beiden ersten Maßregeln Bekundungen des deutlichsten Friedenswillens und einer Loslösung von den bisherigen Verbündeten genannt werden müssen, ist ohne weiteres klar; aber auch die dritte, die nicht durch augenblickliche Zahlungsunfähigkeit hervorgerufen worden, muß zunächst als ein Schlag gegen die Ententemächte, die in viel höherem Grade als Deutschland Gläubiger Rußlands sind, angesehen werden. Denn diese ungeheuerliche Maßregel, deren Wirkung auch für den inneren Kredit Rußlands verhängnisvoll werden und die von künftigen Regierungen des ehemaligen Zarenreiches nicht so leicht rückgängig gemacht werden kann, mag als ein Mittel angesehen werden, die ehemaligen Genossen zur Teilnahme an den Waffenstillstandsverhandlungen und zur Anbahnung von Friedensberatungen zu zwingen. So kann, wenn man überhaupt in dem russischen Chaos sich zurechtfinden und die künftigen Ereignisse in irgendwelcher Weise vorauSzusehen vermag, aus dieser neuen, gänzlich unerwarteten Wendung der Dinge eine Hoffnung auf Frieden erblühen. DieS um so mehr, als Italien das Verzweifelte seiner Lage einzusehen beginnt, und England, das seine Niederlagen nicht verschleiert — darin besitzt es wenigstens, im Gegensätze zu Frankreich und Italien eine Spur von Ehrlichkeit —, die gewaltigen Schläge, die ihm neuerdings zugefügt worden sind, offen bekennt. * Das Haager jüdische Korrespvndenzbureau veröffentlicht folgenden Artikel: Wilsou und der Zionismus. Präsident Wilson hat den Führer der amerikanischen Zionisten, den Oberrichter Louis D. Brandeis, zum Mitglied der Kommission ernannt, welche die Aufgabe hat, die Materialien für d,ie Friedenskonferenz zu sammeln. Während Oberst House den Auftrag hat. alles Material betreffend die westeuropäischen Länder zu sammeln, hat Brandeis zur Aufgabe erhalten, die Probleme des Orients zu studieren. Er verdankt seine Ernennung der Tatsache, daß er ein Zionistenführer und ein guter Kenner der Zustände im Osten ist. Man nimmt mit Sicherheit an, daß sich die Bereinigten Staaten durch Brandeis aus der Friedenskonferenz vertreten lassen werden. Die jüdische Presse Amerikas erblickt in der Ernennung Brandeitz' zu diesem hohen Anit ein Zeichen des besonderen Wohlwollens, das Wilson für den Zionismus empfindet. Sie gibt ihrer Dankbarkeit Ausdruck, daß Wilson durch diese Ernennung schon heute dem jüdischen Volk die Sicherheit geschaffen hat, daß die jüdischen Interessen auf der Friedenskonferenz wahrgenommen und die Judensrage zur Besprechung gelangen wird. Es ist bekannt, daß amerikanische Vertreter mit weitgehenden Vollmachten sich nach London und Petrograd begeben haben, um ein Uebereinkommen in der zionistischen Frage zu treffen. Auf die Erklärung Balfours für ein jüdisches Palästina sind in Ainerika große Summen für die Verwirklichung der zionistischen Pläne zur Verfügung gestellt worden. * Das jüdische Pressebureau in Stockholm hat eine Umfrage bei führenden Sozialisten über den kommenden Friede n n n d dieJudenfrage veranstaltet, und veröffentlich nun die eingetroffenen Antworten. Unter ihnen erscheint uns die Auseinandersetzung des Herrn Camille Huysmans besonders bemerkenswert, die wir hier folgen laffen, obgleich wir auch an ihr gar manches bestreitbar finden. Sie lautet:

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