Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-12-07 · Heft 49 (7.12.1917) · p. Seite 586

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 49 (7.12.1917)
Date
1917-12-07
Page
Seite 586 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3229286-3229335--73611-3286103
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

tzttl [o jorgenbefreites tiefes Aufatmen, ein so dankbar, herzliches Vertrauen, daß ich nicht daran glaube, daß nicht einst auch ein ernstfreudiger Herzensfrieden, der dem Glück innig ähnlich steht, oder es wohl gar selber ist, — bei ihm einzieht. Bei ihm wie bei mir. Wir sind zu einsam, bringen einer dem andern zu sehr, .was ihm gefehlt hat, — ich sehe mit aller Zuversicht in die Zukunft. Tie Hauptsache ist ja doch, waS einer selber mitbringt. Und das haben vielleicht die Ehen der Ueberlegung vvr denen, die blinde Verliebtheit schloß, voraus, daß man nicht alles vom Schicksal erwartet, sondern ein gut Teil von sich, selber, daß man weiß, man muß sich den Frieden des eigenen Gewissens und die Zufriedenheit der Umgebung, überhaupt des Hauses Wohlbehagen erst sauer — aber nein, sauer wird es mir niemals werden, ich tue es ja gern — sorgfältig aber und mühevoll verdienen. Und die Hauptsache: ich kann Vertrauen zu meinem Zukünftigen haben. Dafür bürgt mir sein Ruf und noch mehr seine Ansichten. Wir verstehen uns merkwürdig gut, so fremd wir uns doch sind. * Ich kann nicht schlafen neben den lauten, unruhigen Atemzügen. Ich bin doch so an mein einsames Schlafzimmer gewöhnt. Gott sei Dank, Rosel ist nicht aufgewacht. Ich habe mich ja auch so vorsichtig, ganz im Dunklen angezogem Ich könnte jetzt an meinen Bräutigam schreiben. Aber nein, all das Neue, den Vorschlag mit Rosel, von dem ich im voraus weiß, daß er ihm mit freudigem Herzen zustimmen wird, will ich mit ihm besprechen, wenn er zur Beerdigung kommt. Die Depesche genügt vorläufig. Vielleicht träfe ihn der Brief auch schon nicht mehr zu Hause. Die kleine Rosel, die ganz fassungslos war, wollte mich nicht weglassen gestern abend. Die älteren Geschwister waren! ihr nicht Schutz genug in ihrer Not. Erst, als ich ihr sagte, daß sie mit zu mir kommen und bei mir schlafen solle, war sie.zuf'.ieden. (Schluß folgt.) Chanukka. ann kommt die Zeit, da wir die Kerzen zünden Zum Weihefest des Friedens, der Kultier? Wann werden die Vertriebenen sich finden Zu uns zurück auf halbverwehter Spur? Wann kommt die Zeit, da Deutschland nicht mehr weinet. Da seiner Söhne Hand kein Schwert mehr schwingt? Wo sanftes Fühlen wieder uns vereinet. Uns Menschen all ein Liebesband umschlingt? Wann wird das Heiligtenn, wie einst, erstrahlen. Das Vaterland in neeeer Pracht erstehn? Wann werden wir von all dem Wundenmalen Das deutsche Volk und Land genesen sehn? Mann kommt die Zeit, nach der die Herzen schlagen. Die Lippen flüstern und die Augen glühn: Wo sich die Menschheit wie in frühern Tagen Ergötzet an des Lenzes Duft und Blühn? Wo reine Freuden, holde, traute Stunden Uns Menschen ziehn in ihren Zauberkreis, Wo er sich eng mit der Natur verbunden. Und doch dem Weltenlenker nahe weiß? Ich frage dich, o Gott, wann wird sie kommen, Erleben wir die Zeit, schaun wir sie je? Wird uns dies Elend einst zu Nutz und Frommen, Zum Segen dieses Krieges bittres Weh? Die Zukunst schweigt, und doch, es naht ein Ahnen, Noch tobt um uns im Riesenkampf die Welt, Die Erde reißt sich gleichsam aus den Bahnen Und saust dahin, bis sie im All zerschellt. Millionen ruft der Herrscher auf zum Streite. Von allen Seiten ist das Reich bedrängt, Voll Heldenmutes ziehen sie ins Weite, Und bald ihr Blnt den fremden Boden tränkt. Schwer, unersetzlich schwer sind die Verluste, Die Städte sind entvölkert, groß die Not, Doch in uns allen lebt das Stolzbewußte, Das eine Fühlen: Siegen oder Tod! Sieg oder Tod, du wirst den Feind bezwingen. Mein tapfres Deutschland, du ergibst dich nie! Dein ist das. Recht, und heilig ist dein Ringen, Du kämpfst wie einstmals Juda Makkabi! Wie er, verachtest Schmähung du und Tücke, Die grimme Gegner häufen auf dein Haupt. Du traust nur Gott und deinem guten Glücke, Du schlägst den Feind, der dich zu fällen glaubt. Bald naht die Zeit, da zünden wir die Kerzen, Da prangt das Heiligtum in Blumenflor, Da steigt aus Tausenden, Millionen Herzen Ein Dank- und Jubellied 311 Gott empor. Dann mögen wir zu neuem Friedenswerke, Zu edelster Kultur befähigt sein. Ans überstandnem Leid entströme uns die Stärke. Die Kraft zu Deutschlands künftigem Gedeihn! Berlin-Steglitz, November 1917. I e n n h B e r g m a n n. Mm. (Chanukka 1917.) Von Nathan Cohn (Charlottenburg). och blitzet das Schwert, verstummt ist die Leier, Die gerne man stimmte zu freudigem Liede, Wenn, Sehnsucht ersüllend, einzöge der Friede, Wenn nahen die Tage der Weihefestfeier. Aufleuchten des Festes Flammenzeichen, Die immer und immer uns wieder gemahnen An stolze und tapfere Taten der Ahnen. O möge der Krieg dem Frieden bald weichen! Wenn Einhalt geboten dem Blutvergießen, Aus der blutigen Saat wird Frieden ersprießen, Verliehen als der Gaben beste: Dann wandeln wir auf lichten Wegen, Das Lichtfest wird uns dann zum Segen, Weihn's zum Siegesfeste! Litrrsrilchr Mitteilung»«. — Kostbare alte und moderne Bücher, Bilder u n b Doku m >e n t e. Versteigerung bei Karl Graupe, Berlin, 10. Dezember 1917. Diese wertvolle Sammlung verdient besonders erwähnt zu werden. Es finden sich in ihr n. a. die Erstdrucke von Heines „Lyrischem Intermezzo" (1823) und „Buch der Lieder" (1827). — Ganz besondere Beachtung verdient die Beschreibung einer ungemein merkwürdigen Handschrift, die ich nach dem Katalog folgen lasse:

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.