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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-11-30 · Heft 48 (30.11.1917) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 48 (30.11.1917)
Date
1917-11-30
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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insbesondere in den Bezirken Gaza und Jaffa, iss evakuiert und tu Provisorischen Unterkunftsraumen untergebracht, wo sie natürlich Vörden Unbilden der Witterung nicht geschützt ist und besonderer Hilfe bedarf. Die Ernährungsverhaltnisse sind begreiflicherweise besonders schwierig. Ohne eine großzügige Hilfsaktion wäre die Lage der Bevölkerung katastrophal. In Deutschland haben sich schon vor längerer Zeit zahlreiche jüdische Organisationen zu einem Hilfswerke für Palästina zusammengeschlossen und allein in den letzten vier Monaten über 250 000 Mark an Hilfsgeldern überwiesen. Die augenblicklichen Zustände machen eine verschärfte Fortsetzung des Hilfswerkes unbedingt notwendig. Tie Leitung des Hilfswerks für Palästina ist der festen Ueberzeugnng, daß die deutschen Juden dem neuen Appell warmherzig entsprechen werden. Spenden sind abzuführen an das Bankkonto des Hilfswerks für Palästina bei der Nationalbank für Deutschland, Depositenkafse Kurfürstendamm, und auf das Postscheckkonto Berlin 4192. Berlin, 27. November. In einer gut besuchten Versammlung der Wissenschaftlichen Vereinigung jüdischer Lehrer und Lehrerimtcn zu Berlin hielt am 20. d. M. frau Justizrat Meyer- Star g a r d einen mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag über die Berufsberatung und die besonders zu ihrer Durchführung in Berlin unternommenen Schritte. Die Vortragende schilderte insbesondere die Aufgaben und Ziele der beiden Beratungsstellen, die bekanntlich für weibliche Personen unter Leitung des Jüdischen frauenbundes, Roseuthaler Straße 2/4. für männliche in den Räumen des Arbeitsnachweises der Berliner Logen, Monbijouplatz 10, eingerichtet sind. Nach eingehender Besprechung des Vortrages, an der sich zahlreiche Bereiusmitglieder ltrtb Gäste beteiligten, wurde eine Kommission aus Lehrerinnen und Lehrern eingesetzt, die die Mitarbeit der Berliner Lehrerschaft an der Berufsberatung und ihr Zusammenwirken mit den Beratungsstellen weiter fördern soll. Ihr geboren vorläufig au die Damen W o r m a n n. S o m m e r f e l d. I a c o b s o h n , die Herren falkenberg, S i m s o n , Hirschf e l d , Auerba ch. W. Posen, 23. November. Einjähriger Kriegsfreiwilliger, Gefreiter Leo Nakler, Inhaber des Eisernen Kreuzes, ist nach schwerem Ringen und infolge einer Operation des rechten verwundeten Armes seinem schmerzlichen Leiden erlegen, freiwillig bei Kriegsausbruch zu deu Zahnen geeilt, hatte er über zwei Jahre hindurch die schwersten Gefahren in Ost und West überwunden: da wurde er in den Kümpfen vorigen Jahres vom Unheil (Verwundung des rechten Armes) getroffen. Nachdem er nach Entlassung aus dem Lazarett sich wieder im Kreise der Seinen aufhalten konnte, ist er nach nötig gewordener erneuter Operation in noch' nicht vollendetem 25 Lebensjahre durch den unerbittlichen Tod für immer entrissen. Nakler war Beamter der Deutschen Bank, filiale Posen. Durch die erhaltene Verwundung aeuvnnaen in die Heimat znrückzukehren. blieb er auch hier nicht müßig. Sobald sein Gesundheitszustand es ihm gestattete, meldete er sich auf seinen Posten zurück und war bestrebt. in friedlicher Arbeit seine Pflicht zu erfüllen. Die Direktion der Deutschen Bank sowie die Kollegen werden dem Heimgegangenen über das Grab hinaus ein ehrendes Gedenken bewahren. Ein überaus großes Tranergefolge bewegte sich vonr Elternhause bis zum friedhofe. Die hiesige Garnison entsandte eine Abordnung, die in Reich und Glied dem Leichenwagen voranschritt. Herr Gemeinderabbiner Dr. frei mann konnte in Anbetracht des Neumondstages nur einen kurzen Nachruf dem braven Toten, denn es nicht vergönnt war. des Kampfes Ende zu schauen, halten. - Der Allmächtige schütze die in Gefahr stellenden Brüder des Dahingea-angenen. die ebenfalls für des Deutschen Reiches Bestand und Ehre fechten! 2XD Aschen, 23. November. Das Wohltätigkeitskonzert am 14. d. M. für die Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen, das vierte in der Reihe der von der Kapelle des Regimentes in Aachen veranstalteten, hatte sich eines guten- Besuches zu erfreuen. Zwei Werke von Schubert und eins von Beethoven bildeten den rein orchestralen Teil der Bortraasfolge. Wagner kam in der „Ansprache des Wolfram" und im „Lied an den Abendstern", beide mit Orchesterbegleitnng vorgetraaen von Herrn Oberkantor Sally Meyer, zu Gehör, dessen ausdrucksvoller, geschulter Bariton in beiden Nummern äußerst ansprechend zur Geltung gelangte. Bei seinem dritten Auftreten (Arie von Dlendelssohn-Barthvldy: „Herr der Geschicke, Lenker der Schlachten") wurde der beliebte Konzertsänger mit Beifall begrüßt, der sich am Schluffe des Bortrages in spontaner Weise wiederholte. K. Köln, 23. November. Die Beisetzung des am 12. d. M. verstorbenen Rabbiners der Synagogengemeinde Köln, Dr. Abraham frank, gestaltete sich zu einer erhebenden Trauerkundgebung, die so recht die Verehrung, Wertschätzung und Liebe zeigte, die der Verewigte sich in den 42 Jahren feiner Kölner Amtstätigkeit in den weitesten Kreisen erworben hatte. Am Donnerstag, den 15. November, vormittags 10 Uhr, fand in der großen Synagoge in der Roonstraße die Trauerfeier statt. Neben den Angehörigen hatten sich Vertreter der staatlichen, kirchlichen und städtischen Behörden, zahlreiche Amtskollegen von nah und fern, der Vorstand und die Repräsentanten der Gemeinde und eine das ganze Gotteshaus füllende Trauerschar eingefunden, um das Andenken des Verblichenen zu ehren. Nach einem weihevollen Orgelvorspiel, Solo- und Chorgesaug sprach zuerst der Vorsitzende des Gemeindevorstandes, Stadtverordneter E l i c l, herzliche Worte ehrenden Gedenkens. Dann hielt Gemeinderabbiner Dr. Rosenthal die groß angelegte Trauerrede, in der er an denselben Satz anknüpfte, mit dem er beim 25jährigen Amtsjubiläum des Verblichenen denselben gefeiert hatte: „Mein Herz gehört den Führern in Israel, denen, die sich willig hingeben im Volke." Nach nochmaligem Gesang wurde die Bahre aus dem Gottesbaus getragen und in den Leichenwagen gehoben. Voran schritten die Zöglinge der Lieblingsschövfung des Verewigten, der von ihm gegründeten israelitischen Waisenanstalt: dem Leichenwagen folgten nmiutter6rtr mit den Angehörigen die Amtskollegen in Amtstracht sowie eine nnübersebbare Trnuerstbar. Ans dem friedhofe in Deutz sprach zuerst der stellvertretende Rabbiner Tr. E a r o in schlichten und aehaltreichen Worten von dem schweren Verluste, den die Familie, die Gemeinde und das Judentum durch den Hingang Abrabam frauks erlitten haben, sodann im Namen der israelitischen Waisenanstalt und sämtlicher Wobltätiakeitseinrichtimgen der Kölner Gemeinde Herr Bernhard feilchenfeld. -für die rheinischen Kollegen- und den Rheinischen Rabbinerverband sprach Rabbiner Dr. Jakob (Dortmund), für den Allgemeinen Rabbinerverband Rabbiner Dr. S a in u c l (Essen). Als ehemaliger Stellvertreter und freund des Verewigten rief Bezirksrabbiner Dr. Kober (Wiesbaden) Worte der Liebe und Berebrnna demselben nach und spendete der trauernden familie Trost. Als letzter sprach Rektor Koblenz herzliche Dankesworte für die israelitische Volksschule in Köln sowie im Namen des Vereins israelitischer Lehrer der Rheinvrovinz und Westfalens. Nach einem kurzen Gebet des amtierenden Rabbiners wurden nunmehr die sterblichen Reste Abraham franks in das Grab gesenkt. Der Kölner Kardinal, der Regierungspräsident und Oberbürgermeister hatten telegraphisch und schriftlich kondoliert fowie ihre Vertreter zu der Leichenfeier entsandt. — Frankfurt a. M., 23. November. Die Stiftung für gebrechliche o d e r v e r w a b r l o st e bedürftige israelitische Kinde r E. V. z n fraukfurt a. M. beging am 14. d. M. die Eimveibnng ihrer neuen im eigenen Hause, Bleich-- straße 8, belegeneu Räume, Nachdem die Vorsitzende, frau Metzger, die zahlreich erschienenen Gäste, unter ihnen viele Vertreter von hiesigen Kinderhorten, begrüßt hatte, hielt Herr Direktor Dr. Adler die Festrede, in der er einen lieberblick über die mehr als 30iährige Geschichte der Stiftung gab und die segensreiche Wirksamkeit des von der Stiftung begründeten Hortes schilderte. Der Hort gewährt etwa 150 Kindern täglich einen Aufenthalt von drei bis vier Stunden: die Kinder fertigen unter fachmännischer Allssicht ihre Schularbeiten an, üben sich in allerlei Handarbeiten, lesen oder spielen lind erhalten auch entsprechende Verpflegung. Nachdem die Hortkinder einige Lieder vorgetragen hatten, besichtigten die Gäste die neuen Räume sowie den zum Hause gehörenden großen Garten und überzeugten sich, daß alle Räume in ihrer gesamten Einrichtung und Ausstattung den Zwecken eines Kinderhortes zu dienen auf das beste geeignet sind. Gesterreich-Angsrn. 0. W. Wien, 23. November. Am 16. d. M. ist, wie bereits kurz mitgeteilt, der hervorragende Porträtist Leopold H o r o v i tz .hochbetagt im Alter von 80 Jahren in seiner Wiener Wohnung gestorben. Leopold Horovitz, ein gebürtiger Ungar, hat ein ruhiges, stilles Künstlerleben geführt, zunr Glück für ihn und seine Kunst, arm an großen Aufregungen und entnervenden Kämpfen. Schon frühzeitig ist ihm Erfolg und Anerkennung zuteil geworden. Er hat sich künstlerisch mi-t viel Selbsterkenntnis und Zielbewußtsein fort-

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