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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-11-30 · Heft 48 (30.11.1917) · p. Seite 569

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 48 (30.11.1917)
Date
1917-11-30
Page
Seite 569 (sequence 5)
Language
German
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G. |&tafttrat ftlkonsWarck.s lfons Marck wurde am 25. Juli 1860 als Sohn des Stadtrats Dr. Siegfried Marck in Breslau geboren. Er studierte Jura und war 1888 bei dem Tode seines Vaters Gerichtsassessor. Er folgte ihm in diesem Jahre im Kuratorium der KommerzienratFraenckelschen Stiftung. Von 1892 bis 1897 ivar er Hilfsarbeiter beim Breslauer Magistrat. 1897 wurde er zum unbesoldeten Stadtrat von Breslau gewählt. Im. gleichen ,fahre wurde er Mitglied des Borstandes \ der jüdischen Gemeinde. Diesen kurzen Lebensnachrichten lasse ich eine Würdigung der Leistungen des Verstorbenen aus verschiedenen Breslauer Zeitungen folgen: Obtvohl er es als Anwalt bei seinem ausgebreiteten Familiennud Freundeskreise sehr bald zu einer hochansehnlichen Praxis hätte bringen können, verschmähte er ein einträgliches Einkommen und weihte seine Kräfte, gleich seinem Vater, der Stadtgemeinde. In jenen längst verklungenen Tagen, als Juden in Preußen die Befähigung zum Pichteramte nur durch den Glaubenswechsel erlangen konnten, gehörte sein Vater mit seinem Freunde Hugo Milch zu den ältesten Assessoren der Monarchie. Als 1879 die Advokatur freigegeben wurde, ließ sich diilch als Rechtsanwalt nieder, Siegfried Marck trat in den Magistrat ein und widmete seine Kräfte als unbesoldeter Stadtmt seinen Mitbürgern. Als würdiger Sohn seines Vaters stellte sich Alfons Marck noch in demselben Jahre, in dem er sich hier als Rechtsanwalt niederließ, der Stadtgemeinde zur Verfügung. Schon 1892 trat er beim Magistrat als Hilfsarbeiter ein zur Bearbeitung sozialpolitischer Aufgaben kranken- und Altersversicherung, Armenwesen). 1897 wurde kr zum Stadtrat gewählt. Obwohl er unbesoldeter Stadtrat >var, leistete er doch die volle Kraft eines juristischen und besvldeten Stadtrats. Zuerst aus zwei Jahre als Ersatzmann gewählt, wurde er stets durch das Vertrauen der Stadtverordneten wiedergewählt. So hat er 20 Jahre uneigennützig seine besten Kräfte der Stadtgemeinde gewidmet. Und wie im Magistrat, hat er in allen den Verwaltungen gearbeitet, die der städtischen Armenverwaltung nahestanden. Stadtrat Alfons Marck (1860—1917). Wir lernten Herrn Marck zuerst als Gewerbevichter kennen, der stets ein Herz für die Arbeiter hatte, die ja so oft ihre Klagen vor dem Gewerbcgericht anbringen inußten. Dann, als der städtische Arbeitsnachweis gegründet Ivar, bekam Hgrr Marck den Vorsitz im Ausschuß, und viele Jahre hindurch hat er in diesem Ausschuß zusammen auch mit Gewerkschaftlern und Sozialdemokraten sein Bestes getan, um die Arbeitsvermittlung Breslaus möglichst zu erweitern. Viele Jahre hindurch hatte Stadtrat Marck neben vielen anderen Aemtern die Leitung des Jnnungswesens und vor allem der Krankenkassen. Er war ein Freund der Verschmelzung der so arg zersplitterten Breslauer Krankenkassen. Erst unter anderer Leitung ist es allerdings gelungen, die zersplitterten Kräfte zu sammeln und eine große Krankenkasse zu gründen, deren segensreiches Wirken Stadtrat Marck leider nicht mehr erleben sollte. Als vor einigen Jahren der langjährige Leiter der städtischen Armenpflege aus feinem Amte schied, wurde Stadtrat Marck sein Nachfolger. Er übernahm das schwere Amt gern, weil es offenbar seinen Neigungen entsprach. Es mußte während des Krieges in der Armenpflege manches geändert und gebessert werden; vor allem galt es, die allzu niedrigen Unterstützungssätze für Kinder und Erwachsene zu erhöhen. Daß es geschehen ist, danken wir dem Verstorbenen. Zuletzt sei der vielen Arbeit Marcks gedacht für die Volksküchen in Breslau. Der Krieg zwang uns ja zu Massenspeisungen, und Stadtrat Marck hat dann mit seiner unermüdlichen Gattin, die jetzt so schwer betroffen wird, unverdrossen am guten Werke gestanden. Als treuer Sohn seiner Glaubensgemeinde hat er sich auch frühzeitig schon in den Dienst der Synagogengemeinde gestellt, zuerst als stellvertretender Repräsentant, seit 1897 als Mitglied des Vorstandes, den er seit 1903 an der Spitze der Kultuskommission II und der Religionsunterrichtsanstalten, seit 1912 der Kommission der Neuen Synagoge und im Kuratorium mehrerer Stiftungen, auch der Krankenanstalt, vertrat. Das Ansehen, dessen er sich erfreute, berief ihn auch in die leitende Stellung einer Reihe anderer jüdischer Gesellschaften. Sv wurde er nach dem Tode Wollsteins Vorsitzender des Ausschusses der Synagogengemeinden der Regierungsbezirke Breslau und Liegnitz, so hat er als Vorsitzender der Gesellschaft der Brüder, der Waisenverpflegungsanstalt, des Frauenvereins, nicht zuletzt seit dem Tode seines Vaters im Kuratorium der Kommerzienrat Fraenckelschen Stiftungen, dem unter anderem auch das Jüdisch-theologische Seminar und das Zusluchtshaus unterstellt sind, segensreich gewirkt. Früh ist er dahingegangen. Wir können unseren Nachruf nicht treffender schließen als mit den Worten, die ihm der Magistrat widmet: „Die Saat seiner Liebe zu allen seinen Mitmenschen soll nie vergehen und auch weiterhin.reiche Früchte tragen."

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