Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-11-30 · Heft 48 (30.11.1917) · p. Seite 567

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 48 (30.11.1917)
Date
1917-11-30
Page
Seite 567 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3229286-3229334--73587-3286078
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

567 n er Reuen, in ußlands. ands bis und Nanme, die Wicklung. geführt, Rußland , ist an in. Im ie Engers jede auschen, lhmung, lZerluste, ias Geentfernt «er diese erungen it ihres t diesen erholtes 'iche Erdas sie ilten. hoffentlerdings :en Berieten erso groß, Uwnög- «er Verwirklich daß eine Feinde d. unseren )ßen Er- Beruhieigent- Mangel. Treiben :ten, daß lche An- )en, und werden,;ilen; sie n einen. a a t in machen gedenken Hervordeutscheu der mit acht. Als Zeugnis dafür mag folgende Mitteilung genügen: Bern, 21. November. Das Organ der schweizerischen Zionisten, das jüdische Korrespondenzbureau, versendet einen Artikel, aus dem hervor geht, eine wie große Bedeutung «die Zionisten der Erklärung Englands über die jüdische Heimstätte (National Home) beimessen. „Die Stunde der Befreiung für das jüdische Volk hat geschlagen. Nach zwei Jahrtausenden qualvollen: Manderns wird das älteste Volk der Erde seinen alten Heimatbodew betreten, um von diesem neue Kräfte zu erhalten zum Wöhle seiner selbst wie zum Wöhle der ganzen Welt. Es ist verständlich, daß diese Nachricht einen Sturm der Begeisterung unter den Juden aller Länder hervorgerufen hat. Bei der englischen Negierung und bei der englischen Zionistenförderation gehen stündlich Huldigungs- und Danktelegranrme von jüdischen Gemeinden und Orgauisationen ein. In Amerika werden feierliche jüdische Umzüge veranstaltet. Ueberall in der Judenschaft herrscht eine freudige gehobene Stimmung." Um so erfreulicher ist, daß Zangwill, der gegenüber den zionistischen Uebertreibungen immer einen sehr gemäßigten Standpunkt eingenommen hat, den Erklärungen der englischen Regierung gegenüber sich sehr skeptisch verhält. Darüber belehrt folgende Auslassung der „Kölnischen Zeitung": Zangwill über B a l f o u r § Zu s a ge an die Zionisten. A m sterda m , 17. November. Der Londoner Mitarbeiter des „Handelsblad" hatte eine Unterredung mit Israel Zangwill, dem bekannten Romanschriftsteller und Vorsitzenden der Jewish Territorial Organisation über Balfonrs Brief an Lord Rothschild. Zangwill gab eine U ober sicht über die Entwicklung des Zionismus bis zum Basler Kongreß im Jahre 1903, wo sich von den die Besiedlung Palästinas erstrebenden eigentlichen Zionisten diejenigen abtrennten, die an Herzls Auffassung festhielten, daß für den Ausbau einer geschlossenen jiddischen Otaatsgemeinschaft ebensogut ein anderes geeignetes Landgebiet gewählt werden dürfe. Zangwill schilderte dann für die abgetrennte (Gruppe unter seiner Leitung, wie er sich erst um ein Gebiet in Vritisch- Ostafrika, dann um ein solches in Tripolis imb zuletzt, kurz vor dem Kriege, um eines in Portugiesisct>Südwestafrika bemüht habe, ohne doch zum Ziele zu gelangen». Zu Balfonrs Brief übergehend, meinte Zangwill, Palästina sei zu klein, um für die 13 bis 14 Millionen Inden, die auf der Erde lebten, eine gemeinsame Heimstätte io erden in können. Aber selbst wenn man das Ziel niedriger stecke und nur einen Teil der Judenschaft dort anstedeln wolle ergäben sich Schwierigkeiten. Eine geschlossene Volksgemeinschaft und auf die allein komme es an — könne sich neben der gegenwärtig überwiegenden arabischen Bevölkerung nicht entwickeln; also müsse man die Araber anskausen und anderswo ansiedeln. Davon spreche aber Balfonr nicht: im Gegenteil, er hebe ausdrücklich hervor, daß den Rechten der gegenwärtig in Palästina lebenden nichtjüdischen Gemeinschaften kein Abbruch geschehen dürfe. Nebrigens verliere seit der russischen Revolulion, welche Millionen von Inden die Freiheit gebe, der bisher wichtige Gesichtspunkt, daß die neue jüdische Heimat zugleich ein Zufluchtsort n'tr die unterdrückten Stamnlesgenossen sein müsse, beträchtlich an Bedeutung. Das jüdische Problem habe sich durch die Vorgänge in Rußland jetzt wesentlich vereinfacht.' Uns will scheinen, daß die Engländer gut daran täten, mit ihren Versprechungen zu warten, bis sie sicher sind, diese ansführen zu können. Denn sie sind noch lange nicht Herren von Palästina, obgleich man das von mancher Seite fürchtet, von anderer hofft. Ueber die Erfolge der Engländer lautet der türkische Bericht: Der große Sieg, den die Engländer in Palästina davongetragen W haben behaupten, kommt daher, daß unsere Kampflinien bei Gaza und Bir es Saba planmäßig mehr nach rückwärts verlegt worden und. Abgesehen von einem Kampf in der Umgebung von Bir es Saba bat seit der Räumung von Gaza und Bir es Saba überhaupt kein ernstliches Gefecht in diesen Gegenden stattgefnnden. Unsere vorgeschobenen Abteilungen in der llmgebnng von Bir es Saba haben tapfre Haltung beobachtet und nmßten Verluste erleiden, weil sie sich nicht zur Zeit zurückgezogen haben. Die Meldung von einem Erfolg der Engländer in der Gegend von Tekrit ist in jedem Punkte ersunden, da in dieser Gegend überhaupt lein Kampf stattgefunden hat. Nur haben sich unsere vorgeschobenen Gruppen mit der Hauptmacht vereinigt und die Engländer haben sich zurückgezogen, ohne sich einem Angriff unserer zusannnengezogenen Streitkräfte zu stellen. Es wäre daher geratener, wenn die Engländer ihre Verheißungen dämpften. Wenn sie bei ihrer politischen Schlauheit das nicht tun, so muß man das ganze Angebot nur als einen Köder ansehen, mit dem sie die Zionisten locken wollen, oder als einen Versuch, sich neue Bundesgenossen zu verschaffen. Für uns «bleibt die Frage eines Judenstaats gänzlich undiskntierbar; «wir können daran nicht glauben und wollen «davon nichts wissen. Sehr bemerkenswert ist eine weitere Nachricht! Diese lautet: Die z i o n i st i s ch e F r q q e. Haag, 20. November. Der Londoner Korrespondent des im englischen Dienste stehenden Niederländischen Jüdischen Korrespondenzbureaus meldet: Die Erklärung der englischen Negierung für ein jüdisches Palästina hat den Assimilnnten Anlaß zur Gründung eines antizionistischen Verbandes gegeben. Zn den Gründern gehört u. a. Lord Swaythlind. Daran sei noch eine Notiz aus der „Frankfurter Zeitung" angeschlossen: Basel, 21. November. Im englischen Ilnterhanse.fragte am 1t. Noveniber der Abgeordnete King, ob i>m Falle der Einrichtung eines nationalen Heims für die Juden in Palästina beabsichtigt sei, Juden feindlicher Staatsaligehörigkeit unter gewissen Sicherheiten zu erlauben, Bürger des Nationalheims zu werden. Balfonr erwiderte, es sei zu früh, eine Erklärung in der Frage abzugeben. Hat England wirklich das ernstliche Bestreben, den Inden zu nützen, woran man völlig zweifeln kann, angesichts der schmählichen Ausschreitungen gegen die Juden, die jüngst in Leeds und anderwärts stattgefunden haben, so hat es Gelegenheit, das in Rumänien zu erreichen. Dort einzuschreiten wird Frankreich anfgefordert, «wie wir in der „Frankfurter Zeitung" lesen: Die Leiden der rumänischen Juden. Stockholm, 20. November. Der Oberrabbiner von Stockholm Dr. Ehrenpreis richtet in „Svenskn Dagblad" einen offenen Brief an den französischen Ministerpräsidenten Elemenceau, in dem er ihn an die Leiden der Juden in Rumänien erinnert. „Sie sind", so heißt es in dem Schreiben, „einem systematischen Vernichtungskampf von seiten der rumänischen Zivil- und Militärbehörden hilflos Preisgegeben, bei dessen Anblick Schweigen zu Mitschuldigen niacht. Für diese Schündlichikeiten ist nach einer Erklärring des rumänischen Sozialistenführers Rakovsky nur die setzige Regierung verantwortlich, da die rumänische Bevölkerung keinen Judenhaß kennt." Hierauf erinnert Ehrenpreis an einzelne sicher bezeugte Fälle von Judenverfolgungen in Rumänien und fordert zum Schluß Elemeneeon ans, gemäß seinen früher bekanntgegebenen Grundsätzen Schritte zu tun, um die Leiden der Juden zu verringern. Dort bleibt ein Feld zu reicher Betätigung wirklichen Humanitätseifers. * Am 30. November sind es 100 Jahre, daß Theodor M o m m s e n , der große Geschichtsschreiber, ein wahrhaft deutscher Mann, geboren wurde. Da man gern von antisemitischer Seite einzelne seiner Aeußernngen gegen die Juden anführt, die nicht freundlich lauten, so ist es zeitgemäß, nach dem Vorgang der Zeitschrift „Im Deutschen Reich" an eine längere Darlegung zu erinnern, die sich in seiner Broschüre „Auch ein Wort über unser Judentum" (1880) findet. Darin kamen folgende noch heute beherzigenswerte Sätze vor: „Inwiefern stehen mm die deutschen Inden anders innerhalb unseres Volkes als die Sachsen oder die Pommern? Es ist richtig, daß sie Nachkommen weder von'Jstaevo sind noch von Hermino unv Jngaevo; und die gemeinschaftliche Abstammung von Vater Noah genügt freilich nicht, w-enn die germanische Ahnenprobe den Deutschen nmcht. Allerdings wird von der deutschen Nation noch allerlei mehr abfallen als die Kinder Israels, wenn ihr heutiger Bestand nach Tacitns Germania durchkorrigiert wird. Historisch wie praktisch hat eben überall nur der Lebende recht; so wenig, wie die Nachkommen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.