Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 47 (23.11.1917)
- Date
- 1917-11-23
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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batten und daß gerade die Ritterschaft, zu der der Ort Rhina gehörte, den Juden zum Wohnen freigegeben war. Die Mehrzahl der Juden in Rhina beschäftigt sich mit dem Viehhandel; im Gemeinderat waren zeitweise unter 12 Mitgliedern 9 Juden. Orte, in denen die Juden ein Drittel der Gesamtbevölkerung ausmachen, gibt es übrigens in Deutschland mehrere; wir nennen z. B. Rexingen (Württemberg) mit 387 Juden unter 1080 Einwohnern, Buttenhausen (Württemberg) mit 229 Juden unter 077 Einwohnern, Gailingen (Baden) mit 663 Juden unter 1702 Einwohnern, Kl.-Eichholzheim (Baden) mit 74 Juden unter 223 Einwohnern. Es ist bemerkenswert, daß alle diese Orte in Süddeutschland liegen. In den preußischen Ostprovinzen, insbesondere in Posen, in denen es früher Orte mit sehr dichter jüdischer Bevölkerung gab, existiert unseres Wissens heute Lein Ort mehr, in dem der Anteil der Juden unter der Gefamtbevölkerung 20 Prozent erreicht. Die relativ stärkste jüdische Bevölkerung dürften in der Provinz Posen die Orte Janowitz mit 223 Juden unter 1566 Einwohnern und Kempen mit 1059 Juden unter 5718 Einwohnern aufweisen, was einem Prozentsatz von 14,24 bzw. 18,52 Prozent entspricht. — Altenburg, 16, November. Der Hauptmann und Kommandeur Steffen des Flugplatzes Altenburg erließ folgenden Abteilungsbefehl.- „In der Nacht vorn 5. zum 6. d. M. ist der Versuch gemacht worden, die Halle 5 in die Luft zu sprengen. Dank der Aufmerksamkeit, des dort stehenden Postens, Fliegers Rosenbaum, welcher mit anerkennenswerter Ruhe und sachgemäßem Handeln vorgegangen ist, konnte der Verbrecher an der Ausführung seiner Tat gehindert werden. Ich spreche dem Flieger Nosenbaum im Namen der Fea (Fliegerersatzabteilung), welcher er einen ausgezeichneten Dienst erwiesen bat, nreine herzlicke Anerkennung aus. Ich ernenne ihn hiermit zum Gefreiten. Gleichzeitig habe ich bei der Inspektion der Fliegertruppen beantragt, daß dem Gefreiten Rosenbaum das Verdienstkreuz für Kri^gshilfe verliehen wird." — Der Flieger Rosenb a u m ist ein Sohn des Herrn Jsaac Nosenbaum in Frankfurt. J. A* Nürnberg, 16. November. Das Eiserne Kreuz erster Klasse erhielten: Artillerieleu-tnant Walter Frankenburger, Sohn des Privalgelehrten Max Frankenburger (München); Ingenieur und Leutnant d. L.-David Falk in Nürnberg; Sigfried Ullmann, Vizefeldwebel, Sohn des verstorbenen Kommerzienrat Justus Ullurann (Fürth). Das Eiserne Kreuz zweiter Klasse erhielten: Kirrt Leder mann, Kanonier im 6. Feldartillerieregiment; Otto M o s - backier, Artillerieunteroffizier, Sohn des Kaufmanns Hermann Mosbacher; Ingenieur Sigfried Rosenthal, Unteroffizier Int 7. Lcmdwehrreglment. Das Militärverdienstkreuz dritter Klasse erhielt: Kanonier Kurt Ledermann. Den Militärverdienstorden vierter Klaffe erhielt: Leutnant p. L. Karl Nosenbaum z. Z. bei der Etappe in Tongern. Artillerieleutnant d. L. Joseph Regensb u r g e r, Sohn der Frau Cäcilie Regensburger in Nürnberg, erhielt den türkischen Eisernen Halbmond, das bulgarische Militärverdienstkreuz und das bulgarische Militärehrenzeichen. Gesterreich-Angam. X. Budapest, 16. November. Der 6. ungarisch-israeltische Gemeindebezirk hat in seiner am 15. v. M. hier abgehaltenen Hauptversammlung einhellig beschlossen, im Monat Dezember d. I. aus Anlaß der 50. Jahreswende der Emanzipation der Juden Ungarns eine Landesversammlungin Budapest abzuhalten. Der 6. Gemeindedistrikt ist der größte im Lande, er vertritt mehr als eine Viertelmillion Juden, und es ist gar kein Zweifel, daß auch die übrigen Gemeindedistrikte sich diesem Beschlüsse anschließen und die Landesversammlung quantitativ wie qualitativ gut beschicken werden. Die israelitischen Gemeinededistrikte bilden ein Glied in der Landesorganisation der neologen Juden Ungarns und an ihre Beschlüsse halten sich auch ruft* der neologen Richtung angehvrende Juden des Landes. Es ist leider kaum anzunehmen, daß die Orthodoxen dieses nicht nur für die Juden Ungarns allein so bedeutsame historische Datum gemeinsam mit den Neologen feiern werden, denn die fünfzig Jahre Judenemanzipation, der gemeinsame Aufstieg und die gemeinsam erlittenen und heute mehr denn je erleidenden Anfeindungen haben diese beiden Parteien —aus Verschulden beider Teile — einander nicht näher zu bringen, geschweige 3 —- denn zu vereinigen vermocht. Nur der Krieg — und auch im Kriege nur das furchtbare Schicksal der nach Ungarn verschlagenen galizischen Flüchtlinge und nicht das eigene Schicksal — hat diese feindlichen Brüder zu gemeinsamer Tätigkeit zusammengeführt. So steht denn zu befürchten, daß auch dieses geschichtlich so wichtige Ereignis nicht im Zeichen der machtvollen Einigkeit, des kraftvollen, einmütigen Willensausdruckes, des die Gegner wie die Freunde bezwingenden Schreies der heiligen Entrüstung gegen den täglich mehr um sich greifenden Judenhaß und die immer ungebärdiger werdende Verleumdung an der aufhorchenden Mitwelt vorüberziehen werde. Und ist unsere Befürchtung berechtigt, dann wird das fünfzigjährige Jubiläum der Emanzipation der ungarischen Juden, bei noch so seiner Regrekunst, nicht über die Bedeutung der goldenen Hochzeit eines reichen Ehepaares hinauswachsen, bei welcher die streitsüchtigen Geschwister mit ihrer Sippe an gesonderten Tischen am Hochzeitsschinaus teilnehmen. Und dennoch, welch unerhörte Bedeutung könnte ein solcher Kongreß der ungarischen Inden aus so hervorragend bedeutungsvollem Anlasse im vierten Jahre des Weltkrieges erlangen, wenn ernste Männer mit sehenden, auch unter die Oberfläche der Ereignisse dringenden Blicken, mit feinem Gehör, das den Ruf der Zeit nicht nur physisch aufnimmt, sondern auch seinen Sinn erfaßt, dieser Veranstaltung Richtung und Inhalt geben wollten! Im Sinne des obenwähnten Beschlusses wendet sich der 6. Gemeindedistrikt an die „Israelitische Landeskanzlei" mit der Aufforderung, sämtliche ihr unterstehenden Kultusgemeinden aus Anlaß der 50. Jahreswende der Emanzipation im Dezember d. I. zu einer Landesversammlung einzuberufen, welche die Aufgabe hätte, in dringlichen Zuschriften an die Regierung und den Reichstag die Einberufung einer allgemeinen Versammlung der Judenschaft Ungarns zu fordern. Diese allgemeine Landesversnmmlung wäre dann berufen, die einheitliche, gesetzlich gesicherte, autonome Landesorganisation mit Majoritätsbeschluß ins Leben zu rufen. Die Israelitische Landeskanzlei wird ferner ersucht, die Statusquo-Gemeinden einzuladen, sich dieser Aktion anzuschließen, und ebenso die jüdischen Reichstagsabgeordneten auszusordern, die Aktion tatkräftig zu unterstützen. Schweden. — Stockholm, im November. Dem Jüdischen Pressebnreau in Stockholm wird unter dem 23. Oktober aus Petersburg gemeldet: Tie immer zunehmende Anarchie im Lande hat einen weiten Boden für das Treiben der Reaktion geschaffen, die die Revolution im jüdischen Blut zu ersticken sucht. Die Hetzen und die Umtriebe des Antisemitismus führten bereits zu einer ganzen Reihe von förmlichen Judenpogroms, von denen die Städte Tambow, Benderi, Perejaslow, Charkow und andere Orte betroffen wurden, und wobei Opfer an Verwundeten und Ermordeten zu beklagen sind. Der Juden Rußlands bemächtigte sich infolge dieser Ereignisse große Bestürzung und Unruhe. Eine Deputation des Jüdischen Militärverbandes, aus den Herren Grusenberg, Weinschenker und Awerbuch bestehend, sprach bei Negierung und Arbeiterrat vor und forderte wirksamen Schutz der jüdischen Bevölkerung. Regierung und Arbeiterrat versprachen, alles, was in ihrer Macht steht, zu tun. um eine Wiederholung der traurigen Vorkommnisse zu verhindern. Unter den Juden Rußlands wird gegenwärtig der Plan der Bildung von jüdischen Selbstschutzorganisationen erwogen. Der Gedanke gewinnt immer mehr an Anhängern. — Am 23. Oktober begann in Kiew eine Konferenz der jüdischen Militärorganisationen. Zur Erörterung stehen die Fragen der Gründung einer Reichsorganisation der jüdischen Militärangehörigen und des Schutzes der jüdischen Bevölkerung vor Gewalttätigkeiten der Reaktion. — Der jüdische Kongreß wurde auf den 10. Januar bestimmt. Er besteht aus 607 Delegierten, die 43 Wahlkreise vertreten. Die Wahlen finden am 16., 17. und 18. Dezember statt. Das gebildete jüdische Zentralkomitee, das den Kongreß einberuft, arbeitet energisch unter aktiver Beteiligung der zionistischen Organisation. — Ueber die Wahlenzur russis che n K o n st i t u a n te u n d .di e Juden berichtet ferner das Jüdische Pressebureau: Unter den Juden begann bereits die Wahlkampagne zur konstituierenden Versammlung. Der Versuch der Zionisten, zusammen mit den Zentralkomitees der anderen bürgerlichen jüdischen Parteien einen Block für die Gouvernements der alten „Tscherte" zu bilden^ um das Maximum jüdischer