Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 47 (23.11.1917)
- Date
- 1917-11-23
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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4 stimmen auf die jüdische Wahlliste Zu vereinen und eine möglichst große Anzahl jüdischer Mandate 31t erreichen, mißlang, da die Führer der Volkspartei und der Volksgruppe nicht daraus verzichten wollten, auch auf nichtjüdische Wahllisten zu kandidieren. Trotzdem ist ein Zusammengehen der Zionisten mit den anderen Parteien in den einzelnen Wahlkreisen nicht ausgeschlossen, da die zionistische Organisation allen Lokalkomitees die Losung ergehen ließ, überall wo möglich einen nationalen Block zu bilden. Plattform: Bildung einer Jüdischen Fraktion in der Konstituante, die sich in jüdischen Fragen den Beschlüssen des jüdischen Kongresses zu unterwerfen hat. Von Ash und Lern. ----- Zmn Direktor der chirurgischen Abteilung des Krankenhauses der jüdischen Gemeinde wurde der bereits seit 35 Jahren als Leiter der chirurgischen Poliklinik tätig gewesene Herr Geheime Sanitiätsrat Professor Tr. Ko r e in s k i gewählt. — Leutnant d. R. Referendar Julius L. S e l i g sohn , Lohn des Justizrats Dr. Arnold Seligsohn, Batterieführer in einem Feldartillerieregiment, wurde mit dem Eisernen Kreuz erster Klasse ausgezeichnet. -- Rabbiner Tr. £vctnrid) A. (5 0 h n, der am, 1. August sein Amt als Prediger des Synagogenvereins Moabit und Hansa angetreten hat, ist zum Feldrabbiner ernannt worden. Der neue Feldgeistliche wird sein Amt am l. Dezember antreten. — Eine Gebe n k f e i e r f ü r d e n v e r st 0 r b e n e n R a b b i n e r D r. I 0 s e f Esche lbacher soll am 23. November vom Vorstand der jüdischen Gemeinde auf dem Friedhof in Weißensee veranstaltet werden. Die Gedenkrede wird Rabbiner Dr. Nt. Peknchowski halten. Mit der Gedächtnisfeier wird auch die Errichtung des von der Gemeinde gestifteten Gedenksteines verbunden werden. ~~ Hermann Struck, der bekannte Berliner Maler und Graphiker, der seit längerer Zeit als Leutnant im Felde stand, ist zum Dezernenten für jüdische Angelegenheiten bei der politischen Abteilung des Stabes des Oberbefehlshäbers Ost ernannt worden. Struck war schon vor dem Kriege als besonderer Kenner der Verhältnisse der Ostjuden bekannt. — Professor Dr. Ludwig Stein hat die österreichische Rote-Kreuz-Medaille 2.»Klasse mit der Kriegsdekoration erhalten. — Kommerzienrat Bernhard Lust hat das Verdienstkreuz für Kriegshilfe und die Rote-Kreuz-Atedaille erhalten. Den Damen Anna G i n s b e r g , Emma L ö w e n t h 11 l, Termine L e v i n st ein, Frida Al a f u r . Emilie M 0 f f s, Elfe Rieß, Toni Wolfs wurde das Verdienstkreuz für Kriegshilse verliehen. Aus Königsberg i. Pr. wird uns geschrieben: Einer der jüngsten Kriegsfreiwilligen im deutschen Heere, E n g e n S ch e h e r , der in den unvergeßlichen Augusttagen 1914 im Alter von 14 Jahren und 10 'Monaten von der Schulbank in das Feld zog, ist wieder in seinen „Zivilbernf" zurückgekehrt. Scheyer, der mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet ist, wurde mehrfach verwundet, dock) ging er immer wieder ins Feld, bis er, im August 1915 schwer verwundet, als Invalide ins Elternhaus zurücktehrte. — Herr Stadtrat A s ch in Thorn hat anläßlich seiner silbernen Hochzeit der Stadt Thorn eine Spende von 5000 Mark für die Säuglingssürforge überwiesen. — Ter König von Sachsen hat Herrn Heinrich Epstein in Posen das Kriegsverdienstkreuz verliehen. — - Aus Birnbaum wird uns geschrieben: Ter Ehrenbürger unserer Stadt, Herr Oskar Tictz in Berlin, hat die .Kostender Reparatur der Badeanstalt in Höhe von fast 800 Mart der Stadt überwiesen. ~~ In Kattowitz verschied am 10. d. M. der Kaufmann Herr Siegmund K 0 r n b l 11 m, der fast drei Jahrzehnte als Repräsentant für die gedeihliche Entwicklung der Gemeinde segensreich gewirkt hat. Er war auch stellvertretender Vorsitzender der Ehewra Kadischa und ouch hier stets bestrebt, die humanen Ziele des Vereins zu fördern. Fabrikbesitzer Max Berger in Ehemnitz hat seiner Vaterstadt Zempelburg 50 000 Mark überwiesen zu Siedlnngszwecken für Krieger. Tie Stadt hat -bereits der Annahme zngestimmt und Herrn Berger zmn Ehrenbürger ernannt. - Tie jüdische Gemeinde in Köln beklagt das Hinscheiden ihres langjährigen Rabbiners Tr. Abraham Salomon Fran k. Er ist am 11. d. M. infolge einer Lungenentzündung nach achttägigem Krankenlager im 79. Lebensjahre seines arbeits- und segensreichen Lebens entschlafen. Weit über seine Gemeinde erfreute er sich in der Bürgerschaft hohen Ansehens. In Saaz, Linz, Köln hat er als Seelsorger amtiert, über 40 Jahre in Köln segensreich gewirkt, wo er jüngst, wie wir seinerzeit berichteten, sein goldenes Jubi.länm feierte. Tie Trauerfeierlichkejt fand am 15. d. M. in der neuen Synagoge, Roonstraße, statt, darauf erfolgte die U-eberführung nach dem Friedhofe in Deutz. — Aus Kassel wird berichtet: Das Verdienstkreuz für Kriegshilse ist hier verliehen worden 'den Herren Stadtrat a. D. und Stadtältesten Ho ffa, Alexander Fiorrno, Fabrikant Otto Fröhlich. Das Kreuz des Sachfen- Meiningischen Ehrenzeichens für Verdienste im Kriege am Bande für Nichtkämpfer wurde dem Herrn Kommerzienrat Rosen zweig verliehen. . — Dieser Tage beging iw Odratzheim (Elf.) Herr Koppel L e vy seinen 87. Geburtstag. Er. machte noch unter Napoleon den Krimkrieg und den italienischen Feldzug mit, wofür ihm die Napoleondenkmünze verliehen wurde. --.In Wien starb am 16. d. M. im 80. Lebensjahre . bei; berühmte Porträtmaler Leopold H 0 r 0 w i tz Ter Künstler war der Maler der Wiener Gesellschaft, seine Bildnisse. von Kaiser Franz Josef, Maurus Jokay, Johann Strauß" sind in vielen Reproduktionen weiterverbreitet worden. Sehr bekannt ist .auch sein großes Gemälde „Trauerandacht am Gedenktag der Zerstörung Jerusalems" geworden. Leopold Horowitz, der ein gebürtiger Ungar war, hat längere Jahre in Berlin und in Warschau gelebt, wo er viele bedeutende Persönlichkeiten gemalt hat. — Der Leitung der Neuen Wiener Bühne ist die Aufführung der jüdischen Tragödie „Ritualmord in Ungarn" von Arnold Z w e i g verboten worden. Das Werk ist bekanntlich mit dem Kleist-Preis ausgezeichnet worden und behandelt den historischen Ritualmord von Tisza-Eszlar. -- Ter Chiesrabbi von England, Tr. Herz, erhielt vom Oberrabbiuer von Saloniki, Rabbi I n Lob Al e i r, folgendes ' Telegramm: „In Beantwortung Ihres Telegramms vom 14. September teile ich Ihnen mit. daß die Zahl der hier Lebenden Juden insgesamt etwa 73 448 beträgt. Bon diesen leben 2133 Familien in Baracken, 685 Familien in Ställen oder aus freiem Feld. 10 000 Familien sind vollständig ruiniert, ohne Heim und Existenz. Tie erhaltenen 10 000 Pfund Sterling sind schon ausgegeben. Es ist unbedingt nötig, 1000 Wohnungen zu errichten, Material für Arbeitswerkstätten zu beschaffen, Vorschüsse für die kleinen Krämer, Kleider und Wäsche, Mittel für erste und medizinische Hilfe und die dazu gehörigen Personen zur Verfügung zu stellend Ich appelliere an Ihre Bruderliebe und erwarte Ihre rasche Hilfe." — Der Schweizer Allgemeine Pressedienst meldet aus Petersburg: „Eine hier abgehaltene Versammlung jüdischer Soldaten beschloß, mit bewaffneter Hand gegen jeden Pogrom einzuschreiten. Die Zahl der jüdischen Soldaten beläuft sich auf 400 000." — Bei der Uebergangskommission des Provisorischen Kronrates ist eine spezielle Kommission zur Revision des Organisationsstatutes der jüdischen Gemeinden im Warschauer Generalgouvernement vom 1. November 1916 eingesetzt worden. Mitglieder der Kommission sind: . Rabbiner S. D. Kahana. Dr. P 0 s n a n s k i, Ber e n s 0 h n. Kirschrot, H u s n a g e l und I. K 0 h n. Die Uebergangskommission erklärte sich ferner bereit, die Leitung der Ergünzungskurse zur Ausbildung von Rabbinern, wie sie von der Zivilverwaltung im Warschauer Generalgouvernement geplant ist, in ihre Regie zu übernehmen. Zu der damit befaßten Kommission gehören außer den Rabbinern K a h a n a und Tr. P 0 s n a n s k i die Stadträte N a t h a n s 0 h n und Professor Dickste in. Als Vertreter der jüdischen Gemeinden im Departement für öffentliche Bildung ist Stadtrat Dr. Meyersohn gewählt worden. — In einer Zusammenkunft der amerikanischen R a b b i n e r v e r e i n i g u n g (Agudath HarabboNim Hamatifim) am 5. September 1917 im New Port wurde beschlossen, eine Konferenz aller Rabbiner in Amerika einzuberufen, zu dem Zwecke, Fragen jüdischen Glaubens zu diskutieren und eine Bittschrift an verschiedene Mächte zu senden, insbesondere an den Präsidenten der Vereinigten Staaten, an den Senat und die Deputiertenkammer, des Inhalts, die Wiedergabe Palästinas an das jüdische Volk erwägen zu wollen. — Aus London wird der „Voss. Zeitung" gemeldet: Zwischen England und den anderen Ententemächten finden bereits seit Anfang Oktober Verhandlungen über,die endgültige Form des in Palästina zu errichtenden jüdischen Staates statt, dessen Grundgedanken sämtliche Mächte bereits zugestirnmt haben. Von amerikanischer Seite wurden für die Durchführung dieser Pläne gewaltige Geldmittel fest zur Verfügung gestellt. Amerikanische Beauftragte haben sich mit weitgehenden Vollmachten nach London und Petersburg begeben. Verantwortlicher Redakteur: Albert Katz in Berlin-Pankow, Florastraße 58. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Max Junge, Berlin-Friedenau. 'Druck und Verlag von Rudolf Masse.