Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 81 (1917)
- Issue
- Heft 47 (23.11.1917)
- Date
- 1917-11-23
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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-2 psychologisch zu begründen sowie ihre Vorteile für den Unterricht nachzuweisen. Daß solche Beziehungen zwischen den Sprachen in reichem Maße vorhanden sind, beweist der Referent durch eine längere Reihe von Beispielen aus der hebräischen Sprache einerseits und der deutschen und französischen andererseits. - Die Aussprache Wer dieses Thema wird auf die nächste Sitzung verschoben, in der Thesen vorgelegt werden sollen. Alsdann behandelt Herr Falkenberg noch einmal die Teuerungszulagen. Er bespricht die Kriegsbeihilsen, u>i'C sie sich nach den letzten Beschlüssen der G-emeindebehövden gestaltet haben. Sehr bedauerlich ist -es, daß hierbei die Stellung der Hilfslehrkräfte und der zum Heere einberusenen Lehrer eine Veränderung erfahren hat, trotzdem der Vereinsvorstand beim Vorstande der jüdischen Gemeinde zu wiederholten Malen vorstellig geworden ist. Auch das letzte Gesuch für die zum Heere einberusenen Lehrer ist abschlägig beschieden worden, während die Stadt Berlin sämtlichen eingezogenen verheirateten Beamten, die ihren Haushalt, in Berlin aufrechterhalteu, Kriegsbeihilfen gewährt, sogar den Offizieren, und diesen nicht bloß von dem ihnen zukommenden Rest des Gehalts, sondern vom ganzen Gehalt. Bei den Hilfskräften hat der Gemeindevorstand ein kleines Entgegenkommen gezeigt, indem er den Hilfskrästeil an der Knaben- und Mädchenschule, die die volle Pflichtstuudenzahl (d. h. 24 Wochenstunden) erreichen, die Kriegsbeihilfe für hauptamtlich Angestellte gewährt. Der größte Teil der Hilfs- und Religionslehrer bleibt aber stark benachteiligt, weil diese nur eine prozentuale .Kriegsbeihilfe von 5 bis höchstens 20 Mark erhalten, auch wenn die Gesamtzahl der erteilten Stunden zwar 24 Stunden überschreitet, aber nicht all einer, sondern an mehreren Schulen der Gemeinde erreicht wird, auch wenn es sich um einen Familienvater mit mehreren Kindern handelt. Der Vortragende legt dar, welche Schritte getan werden luüßtell, um eine Besserung der Lage herbeizllführen. Ein Gesuch au ben Gemeindevorstand sollte 1. eine allaemeiue Erhöhung der Bezüge der Hilfskräfte beantragen, und zwar sowohl des Stunden.- als <md) des Jahressatzes: es nlüsse 2. erreicht werden, daß diesen Lehrkräften die Kriegsbeihilfe für hauptamtlich Angestellte bereits bewilligt wird, wenn die Stundenzahl 12 beträgt, nlld wenn diese Zahl auch nicht an einer, sondern an mehreren Gelllei ndennstalten erreicht wird: 3. soll die Lage der Kriegsteilnehnm mit eigenem Haushalt dem Gelneindevorstand noch einmal besonders unter Hinweis ans die Ministerialverfügungen vom 28. 7. 1917 vorgetragen werden. Eine grundsätzliche Aenderung und einen wesentlichen Fortschritt in der Gehaltsfrage bedeutet die in derselben Ministerialverfügimg veröffentlichte Neuordnung der Kriegsteuerungszulagen. Diese treten zu den bisherigen Kriegsbeihilfen lmd stellen eine ansehnliche Gehaltszulage für alle Gehaltsstufen dar. Da die Gemeinden Groß-Berlins dem Vorbild des Staates gefolgt und vielfach sogar über die vom Minister gezogenell Grenzen hinausaeaangen sind, ist zu hoffen, daß unsere Gemeindebehörden in ähnlicher Weise Vorgehen werden. Daß hierbei das Beispiel Berlins nachaeahlnt werde, darauf soll ebenfalls in der Eingabe hin gewiesen werden: denn nur so kann Borsorge getroffen werden, daß die einzelnen Lehrerkategorien in die richtige Stufe gelangen. In der Erörterling wurden die Vorschläge des Vortragenden gebilligt und der Vorstand beauftragt, die geeigneten Schritte zu unternehmen. E. M. Berlin, 20. November. D i e B e i s e tz n ri g des ver - st o r b c ll c ll Repräsentant n A l e r a n d e r H ahn fanb am 13. d. M. auf dem Friedhofe in Weißensee statt. Zu der Trauerfeier. die in der alten Bethalle abgehalten wurde, hatte sich eine zahlreiche Gemeinde der Leidtragenden eingesilnden. Mehrere Mitglieder des Gemeindevorstnndes, zahlreiche Repräsentanten, der Vorstand der Friedhofskommission, Mitglieder des Vorstandes der Neuen Synagoge und andere Kollegien, denen der Verstorbene angehörte, waren erschienen, nur dem verstorbenen Mitarbeiter die letzte Ehre zu erweisen. Der Synagogenchor unter Leitung des Dirigenten Sänger leitete die Feier ein. Rabbiner Dr. B l u m e n t h a l. der die Gedächtnisrede hielt, führte ans, daß der Verstorbene dem Judentum mit ganzer Seele ergeben war. Mit tiefer Liebe zum jüdischen Schrifttum verband er hingebungsvolle Pflichttreue an seine Ehrenämter im Dienste der Glaubensgemeinschaft. Oberkantor Klein von der Neuen Synagoge trug in bekannter Meisterschaft das El-mole-rachamim-Gebet vor. worauf nochmaliger Ehorgesang die Trauerandacht beschloß. — Den Sarg zierten Blnnrenspenden der Repräsentcmtenversammlung, des Gemeindevorstandes und der Verwaltnngskommissionen, in denen der Verstorbene jahrelang gewirkt hat. H. Preußisch-Stargard, 16. November. Frau Kommerzienrat G o l d f a r b befand sich auf einer Spazierfahrt. Plötzlich scheuten die Pferde und gingen durch. Es war dem Kutscher nicht möglich, sie zum Stehen zu bringen. Bei der wilden Fahrt wurde Frau Kommerzienrat Goldfarb aus dem Gefährt geschleudert und erlitt hierbei so schwere Verletzungen, daß sie Tages darauf starb. Auch der Kutscher wurde schwer verlebt in das Städtische Krankenhaus gebracht, wo er längere Zeit ohne Besinnung lag. Frau Kommerzienrat Goldfarb war überall in leitender Stelle, im Vaterländischen Frauenverein, der Volksküche, dem Israelitischen Frauenverein usw. Ihr Name ist mit vielen Stiftungen in Preußisch-Stargard verbunden und für die Stadt unvergänglich. H. Crone an der Brahe, 16. November. Unter überaus großer Anteilnahme fand ans dem Israelitischen Friedhofe hier die Beisetzung des Unteroffiziers Georg Joseph, der auf dem Felde der Ehre gefallen ist, statt. Der Kriegerverein stellte die Leichenparade. Joseph hat beim Artillerieregiment 20 mit rühmender Tapferkeit llegen den Feind gekämpft und ist mit dem Eisernen Kreuz zweiter Klasse ausgezeichnet worden. Im jugendlichen Alter von 23 Jahren, ein Stolz der Seinen und ein hoffnungsvolles Mitglied der Menschheit, ist er dahingegangen. Herr Gemeinderabbiner Dr. Walter (Bromberg) hielt einen ergreifenden Nachruf. Bei der hiesigen Bürgerschaft wird das Andenken des Tahingeschiedenen stets in Ehren bleiben. K. M. Rheine i. Wests., 16. November. Zu einer erhebenden Kundgebung gestaltete sich die Doppelfeier des 70. Geburtstages und goldenen Amtsjnbilüums, die unser lieber Kollege Ludwig Baum in erfreulicher Rüstigkeit begehen konnte. Im Festgottesdienste, dem auch der Vertreter der Königl. Regierung beiwohnte, würdigte Prediger Keßler (M ü n st e r) die segensreiche Arbeit des Jubilars in Schule und Gemeinde, in der er wohl alle Mitglieder „bis auf wenige Greise der Vorzeit Erkenntnis gelehrt". Im Schulgebäude, das liebevolle Hände i-n einen Blumenhain verwandelt hatten, überbrachten der Kreis- und der Ortsschulinspektor die Glückwünsche und den Dank der Vorgesetzten Behörden, der Bürgermeister rühmte unter Ueberreichung eines prachtvollen Gemäldes die Verdienste des Jubilars als Lehrer der Städtischen Fortbildungsschule und als langjähriger Mitarbeiter an den sozialen und karichtiven Bestrebnnaen der Stadt Rheine, während di-e Herren R o s e n borg und R e i n g e n h e i m, als Vertreter des Shnagogenvorstandes, durch die Ueberreichung einer kostbaren Schreibtischgarnitur mit herzlichen Worten die segensreiche Tätigkeit des Jubilars als Prediger, Lehrer und Repräsentantenvorsteher priesen. Gesang und Deklamationen der Schulkinder rahmten die erhebende Feier wirkungsvoll ein. In der Wohnung des Jubilars jedoch gaben die unübersehbare Zahl der wertvolle Ehrengaben überreichenden Gratulanten, unter denen die Abordnungen der katholischen und evangelischen Lehrervereine, der Direktoren und Lehrer der höheren Lehranstalten, des Vereins israelitischer Lehrer Rheinlands und Westfalens und der Bezirkskonferenzen Münster- Hamm und Westfalen-Nord, letztere beiden vertreten durch die Kolleaen L i e p m a n n s o h n (Minden) und Keßler (Münster), der auch die Glückwünsche der Marks-Haindorf-Stiftung übermittelte, die katholischen und evangelischen Ortsgeistlichen hervorgehoben seien, die zahllosen Blumengaben, Geschenke, Telegramme und sonstigen Glückwünsche aus allen Teilen Deutschlands ein beredtes Zeugnis für die Wertschätzung und Liebe, deren sich der Jubilar unter leinen Amtsgenossen sowie in allen Kreisen der Bevölkerung ohne Unterschied des Standes und Bekenntnisses erfreut. Möge es dein liebenswürdigen und Pflichttreuen Menschen, der auf alle Ansprachen in trefflicher Weise seinen Dank tundgab, vergönnt sein, an der Seite seiner Gattin in Rüstigkeit und Frische noch lange Juhre zu wirken, zu seiner Ehre und znm Segen unseres Standes. er. Kassel, 16. November. Während es in Rußland und Oesterreich eine große Anzahl von Städten und Dörfern gibt, in denen die Juden die Mehrheit der Einwohner bilden, dürfte ein solcher Ort in Mitteldeutschland eine Seltsamkeit unb deshalb der Erwähnung wert fein. Es ist das Dorf Rhina in der Provinz Hessen- Nassau, das (nach der Volkszählung vom 1. Dezember 1900) unter 569 Einwohnern 297 Juden zählt. Der Grund für den hohen prozentualen Anteil der Inden dürfte darin zu suchen sein, daß die Juden in Hessen früher nur ein örtlich sehr beschränktes Wohnrecht