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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-11-23 · Heft 47 (23.11.1917) · p. Seite 557

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 47 (23.11.1917)
Date
1917-11-23
Page
Seite 557 (sequence 5)
Language
German
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In seinem Wesen vereinigte er Treue und Liebe zum Väterglauben mit dem Geiste des Fortschritts aufs harmonischste, und dieses befähigte ihn, als Führer der Gemeinde den Forderungen der Gegenwart gerecht zu werden und die Traditionen der Vergangenheit aufrechtzuerhalten. Geboren am 9. Juli 1851 in Binswangen im Kreise Schwaben, erhielt Ofner von seinem schlichten, frommen Vater jene tiefe religiöse Erziehung, die für sein ganzes Leben von Bedeutung war; im Elternhause wurde ihm Treue zu seinem Glauben und zu seiner Familie eingeflößt, eine Treue, die den Grundzug seines Eharakters bildete. Nachdem er bis zu seinem zwölften Lebensjahre die Volksschule seiner Heimatgemeinde besucht hatte, trat er 1863 in das vom späteren Oberrabbiner von Altona Dr. Laz. Löb geleitete Privatinstitut in Jchenhausen ein, um sich hier hebräisches und talmudisches Wissen anzueignen, damit er dem Rabbinerberuf sich zuwende. Auch in weltlichen Fächern gut vorgebildet, besuchte er dann das Gymnasium^ in München, noch immer mit der Absicht, sich der Theologie zu widmen. Doch innere und äußere Gründe veranlaßten ihn dann, diesen Lieblingswunsch aufzugeben und sich dem Rechtsstudium zuzuwenden, das er an der Münchener Universität betrieb. Wenn nun auch seine Studien einem anderen Fache galten, sein Herz und sein Sinn blieben treu den Neigungen seiner Jugend. Im Jahre 1879 bestand er den Staatskonkurs init großem Erfolge und wandte sich, nachdem er die wissenschaftliche akademische Lausbahn, zu der ihn seine Lehrer »ufgefovdert hatten, nicht betreten konnte, dem Rechtsanwaltsberufe zu. Sein reiches Wissen, sein strenges Rechtsgefühl, seine Hingebung an seinen Beruf, seine forensische Beredsamkeit sowie sein liebenswürdiges und entgegenkommendes Wesen gewannen ihm allgemeine Anerkennung und machten seine Anwaltskanzlei zu einer gekannten und geachteten. Aber nicht nur bei der großen Anzahl seiner Klientel und seiner Berussgenossen erfreute sich Ofner größter Achtung und Wertschätzung, auch in den weitesten Kreisen seiner Glaubensgenossen hatte die Geradheit und Offenheit seines Charakters, die Milde und Güte seines Wesens ihm Freunde gewonnen, und so wurde Ofner durch das Vertrauen zahlreicher Gemeindemitglieder im Jahre 1884 in den Verwaltungsausschuß der Gemeinde gewählt. 33 Jahre stand er in dem Dienste der Gemeinde und weihte ihm seine volle üraft wie sein ungeteiltes Interesse; sein reiches juristisches wie jüdisches Wissen befähigte ihn, den Aufgaben gerecht zu werden, die die aufblühende Gemeinde an ihre Verwaltung stellte, und sie im Geiste des Judentums und. den Bedürfnissen der Zeit entsprechend zu lösen. Beim Bau der neuen Synagoge, bei der Neugestaltung des Schulwesens und bei der Schaffung des neuen Gemeindestatuts beteiligte er sich in der lebhaftesten »nd verdienstlichsten Weise. Im Jahre 1897 wurde er zum >. Vorstand der Gemeinde gewählt. Nun schuf er im Verein »nd unter Beihilfe gleichgesinnter Mitarbeiter im Vorstände jene Institutionen auf dem Gebiete der rituellen Einrichtungett und der Wohlfahrtsfürsorge, die der Bedeutung Münchens als der ersten Gemeinde Bayerns entsprechen, und wirkte dahin, daß München eine würdige Stellung unter den anderen Großgemeinden Deutschlands einnehme. Sein Organisations- und Führertalent verhalf ihm zum vollen Erfolge. Dabei war er auch darauf bedacht, daß der Frieden innerhalb der Gemeinde erhalten bleibe, und wußte durch seine über den Parteien stehende Geschäftsführung jeden Mißton aus den Verhandlungen und Beratungen fernzuhalten. Jedoch nicht nur der Heimatgemeinde allein gehörte seine Arbeit. Er war überall dort zu finden, wo es galt, für Israels Ehre und Lehre einzutreten, für die Verbesserung der Stellung der bayerischen und deutschen Juden zu wirken. So gehörte er als Ausschu߬ oder Vorstandsmitglied allen großen Institutionen und Verbänden der deutschen Judenheit an. Als Vorsitzender des Bayerischen Landesvereins für israelitische Kultusgemeinden stiftete er Heilsames für die Unterstützung und Erhaltung kleiner Landgemeinden. In dein Verbände der deutschen Juden, dem Gemeindebunde, dem Zentralverein deutscher Staatsbürger war er erfolgreich tätig. Bis in die letzten Wochen seines Lebens, wo schwere Krankheit ihn bereits ans Krankenlager gefesselt hatte, war sein Sinn allen Bestrebungen auf charitativem und sozialem Gebiete zugewandt. Seine Herzensgüte fand in der Sorge für die Notleidenden den einzigen Trost bei dem herben Verlust, den er durch den Tod seines einzigen hoffnungsvollen Sohnes Jakob Ofner, der im Alter von 24 Jahren am 29. August 1916 an der Somme fürs Vaterland gefallen war, erlitten hat. Hatte sein selbstloses, aufopferungsvolles und segensreiches Wirken ihm im Leben Anerkennung und Verehrung verschafft, war er doch unter anderen auch mit dem Michaelsorden 4. Klasse ausgezeichnet, so zeugte seine Beerdigung von der großen Liebe und Achtung, die er genoß. Fast die gesamte Gemeinde und viele Vertreter der Stadtgemeinde und hervorragende Körperschaften waren an seinem Grabe vereinigt. Der Name des Justizrats Abraham Ofner wird für alle Zeit mit der Entwicklung der israelitischen Kultusgemeinde München unauflöslich verknüpft bleiben und seine Erinnerung in ihrer Mitte zum Segen fortwirken. F—r. Dr.WarlmsLandsu?um M.Gedurtstase m 21. November konnte einer der hervorragendsten Gelehrten und unermüdlichsten Schriftsteller, welche die deutschsprachige Judenheit der Gegenwart besitzt, in verhältnismäßig erfreulicher, gesundheitlicher Rüstigkeit, jedenfalls aber in erstaunlicher geistiger Frische und Leistungskraft das seltene Fest des 80. Geburtstags begehen: Dr. Markus L a n d a u in Wien. Wenn wir an dieser Stelle aus vollem Herzen uns den Glückwünschen anschließen, die den Herrn Jubilar zum Ehrentage trafen, so liegt der Grund dafür nicht nur in seiner bezeichneten Eigenschaft als hochanerkannter Mann der Wissenschaft und wundersam beweglicher, Veteran der Feder. Vielmehr erfüllt die „Allgemeine , Zeitung des Judentums" sehr gern die Pflicht, an der Feier des,21. November teilzunehmen, da sie ja damit eines vieljährigen willkommenen regen Mitarbeiters gedenkt. Wir brauchen beim Justizrat Abraham Ofner l.Dmsitzender der Jjr. Kultnsgemeinde München. §gggiit :f | i

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