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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1917-11-23 · Heft 47 (23.11.1917) · p. Seite 556

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
81 (1917)
Issue
Heft 47 (23.11.1917)
Date
1917-11-23
Page
Seite 556 (sequence 4)
Language
German
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556 Kreuz", „Chuzbe — - - Das Unterseeboot", „Meziehe — — Das hebert int Schützengraben", „Chamer-Der Kriiegskorresponden t", „ALeschugge-Die kriegiführenden Länder", „Gaues- Das neutrale Land", „Oser- Der Frieden." Der „Homme enchaino" fügt hinzu: „Das riecht deutlich nach Spionage. (5s ist klar, daß ein Verräter, der sein Handwerk versteht, sich bei der Korrespondenz mit dem Feinde nicht eines Schlüssels bedienen wird, da jeder Schlüssel entzifferbar ist, sondern einer verabredeten Sprache. Das vorliegende Dokument scheint nichts anderes zu sein-." Die Entdeckung des Clemenceauschen Blattes ist in der Tat ungemein interessant. Indessen, der Pariser Rabbiner Doktor Louis- Germnin Levh hat sich doch bewogen gefühlt, in einem Briefe Herr:: Elomenceau darauf aufmerksam zu machen, daß er einen Scherz mißverstanden und aus einem jiddischen Witz ein Geheimwörterbuch für Spionagezwecke gemacht habe. Der Rabbiner kannte nun freilich Elömenceau sehr schlecht - wenn Elemencean, den man etwas zu schmeichlerisch den „Tiger" nennt, und der jetzt eher einem bissig herumschnappeudeu alten Hoshmrde gleicht, einmal einen Knochen entdeckt hat, läßt er ihn nicht wieder los. Elemenceau führt im „Hemme euchaino" vom 9. November den Rabbiner gründlich ab. Er erklärt, dieser Versuch der „Synagoge", Margulies reinzuwaschen, komme ihnr nicht unerwartet, da Margulies selber zur jüdischen Religion gehöre. Niemand werde ihn, Elomenceau, glauben machen, daß man das Wort „Chuzbe" für Unterseeboot gebrauchen könne, ohne im Dienste der deutschen Spionage zu stehen. Das „Wörterbuch" hat, wie manchem bekannt sein dürfte, in den ersten Kriegsmonaten auch außerhalb Frankreichs zirkuliert - - es ist ein Witzfabrikat, gegen dessen Verbreitung in Berlin, gerade auch von jüdischer Seite, nicht mit Unrecht, Einspruch erhoben wurde. Clemenceau selbst hat in ferner Familie Personen, die durchaus die genügende Sprachkenntnis besitzen dürsten, nur ihnr, trotz mangelnden Begriffsvermögens, die Sache klarzmnachen." * Durch verschiedene Zeitungen gehen folgende Notizen: W i e d e r a u f r i ch t u n g des jüdischen Staates. Rotterdam, 30. Oktober. Ter Londoner Vertreter des jüdischen Korrespondenzbureaus schreibt: In England ist zugunsten einer Lösung der Palästinafrage in zionistischem Sinne ein sehr bedeutender Schritt getan worden. Mehr als 25 der verschiedenartigsten jüdischen Organisationen haben sich mit einer Bittschrift an die englische Regierung gewandt, die Wiederaufrichtung Palästinas zum nationalen Wohnsitz des jüdischen Volkes auf ihr Programm zu setzen. Die „Times", die diesem Vorgehen einen Artikel widmet, schreibt n. a.: Der von dem englischen Judentum unternommene Schritt ist von zu großer Bedeutung, um nicht die größte Beachtung zu verdienen. Zu diesem wichtigen Schritt würde man sich kaum entschlossen haben, wenn man nicht von vornherein davon überzeugt gewesen wäre, daß die Regierung hierzu Stellung nehmen würde. In der Tat ist es denn auch kein Geheimnis mehr, daß über die Wiederaufrichtung eines jüdischen Palästina bereits seit Monaten Unterhandlungen geführt werden, und zwar nicht nur durch die britische Regierung und ihre Bundesgenossen, sondern gleichzeitig auch mit dem OberLefehlshaber der britischen Armee in Palästina. Es ist begreiflich, daß die Juden zur Verwirklichung ihres jahrhundertealten Ideals die Hilfe der britischen Negierung erwarten: bis jetzt ist allerdings eine öffentliche Erklärnu'g bezüglich unserer Haltung in dieser Frage nnerklärticherau'irc noch nicht erfolgt. Fehlt es unseren Staatsmännern an der nötigen Einsicht, mn zu erkennen, von welchem Wert für die Sache der Verbündeten die herzlichen Sympathien der Juden der ganzen Welt sind, die allerdings nur zu gewinnen sind durch eine unzweideutige Klarlegung der britischen Politik? Deutschland hat schnell die Gefahr erkannt, die in einer Verbindung der nationalen jüdischen Erwartungen mit den Alliierten liegt, und hat sein möglichstes getan, uns in dieser Beziehung zuvorzukommen. Hat die Regierung den Wert des jüdischen Einflusses in Rußland zur Bekämpfung der listigen deutschen Propaganda erkannt? Zwei wertvolle Gründe könnten genannt werden und würden einen Widerstand gegen die Wünsche der überwältigenden Mehrheit des britischen Judentums rechtfertigen: falls die Kolonisation und Entwicklung von Palästina durch die Juden praktisch unausführbar sein sollte oder wenn das jüdische Volk keine Neigung zum Wiederaufbau seines nationalen Wohnsitzes bezeugen sollte. Aber keine dieser Beweisgründe beruhen auf Wahrheit. In den letzten Jahren erzielten die jüdischen Kolonien in Palästina bemerkenswerte Ergebnisse und die gegenwärtige Haltung der englischen Juden muß matt als die Auffassung des Judentums überhaupt betrachten. Eine weitere Verschleppung einer offenherzigen Besprechung dieser Frage seitens der Regierungen würde deshalb ebenso unerklärlich wie in ihren Folgen gefährlich sein. Dazu ist — so schreibt das Haager Korrespondenzbureau — zu bemerken, daß die deutschen Zionisten die hier vorgeschlagene Lösung entschieden -ablehnen. Sie wollen ihr Ziel nur erreichen im innigsten Einvernehmen mit der Türkei. Auf den Volksversammlungen in allen großen Städten wurde folgende Entschließung angenommen: „Die Juden Englands, Zionisten und Nicht-Zionisten, versammelt in Anwesenheit von Vertretern der Negierung, vereinigen sich in der Idee der Aufrichtung eines jüdischen Staates in Palästina und richten einen Aufruf an die englische Regierung, alle notwendigen Schritte zur Verwirklichung dieser Forderung zu unternehmen." Auf der Versammlung in London erklärte der Abgeordnete Wedgewood, von höchstzuständiger Seite zu der Erklärung bevollmächtigt zu sein: die alliierten Regierungen und gleichzeitig der Vatikan seien Befürworter eines jüdischen Staates, dessen Ausrichtung gleichermaßen der Serbiens und Belgiens eine Pflicht sei. England und der Zionismus. Bern, ll. Novencher. Wie Schweizer zionistischen Kreisen aus London telegraphiert wird, gab die britische Regierung folgende Erklärung ab: „Die' Regierung Groß-Britanniens ist für die Errichtung einer Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina und wird alle Anstrengungen unternehmen, mn die Verwirklichung dieses Zieles durchzusetzen. Es gilt hierbei als selbstverständlich, daß den bürgerlichen und religiösen Rechten der in Palästina existierenden uichtjüdischen Genreinschaften kein Abbruch getan wird und daß ebenso die bürgerlichen und religiösen Rechte der Juden in anderen Ländern gewahrt werden." Dieser Erklärung wird von den Zionisten größter Wert beigemessen, weil England sich hierdurch formell verpflichtet, die jüdische Frage zum Verhandlungsgegenstand zu machen. Andererseits schließe das Wort „Heimstätte" die Errichtung eines jüdischen Staates durch England aus. Wir können nicht aufhören, uns gegen solche Auffassungen und Pläne auf das entschiedenste zu verwahren. Wir wollen von einem jüdischen Staate in Palästina nichts wissen. Wir wünschen einen solchen weder als Gründung der Zionisten noch unter dem Protektorat der Türkei, am allerwenigsten als eine Einrichtung von Englands Gnaden. Wir sind und wollen fein eine Glaubensgemeinschaft, deren Mitglieder Bürger der Staaten sind, denen sie durch Geburt, Sprache und Erziehung angehören. In diesen Staaten wollen wir um unsere Gleichberechtigung kämpfen; wir wollen erreichen, daß wir unseren Glauben rein bewahren und seine heiligen Aufgaben für die Zukunft erfüllen, aber wir lehnen den Traum einer Nation und das Wahngebilde eines selbständigen Staates mit aller Entschiedenheit ab. Wir fühlen uns wohl in der Aussicht, freie Bürger freier Staaten zu sein, wir hoffen, daß auch die Juden des Ostens sich allmählich daran gewöhnen, und in ihren Ländern eine menschenwürdige Stellung erlangen. Dann werden auch sie ----- vielleicht selbst die geknechteten Juden Rumäniens — erkennen, daß es für sie kein besseres Streben und kein anderes Heil gilt, als vollberechtigte Bürger des Landes zu sein, in dem ihre Väter wohnten Wir deutsche Juden sollten kein anderes Verlangen besitzen, als Juden zu bleiben und Deutsche zu sein und zu werden. Wir widmen Palästina, als der Heimat, der unsere Urväter entstammten, die gebührende Verehrung, aber wir empfinden keine Sehnsucht, dorthin zurückzukehren, wir tragen kein Verlangen nach nationaler Selbständigkeit; unsere wahre Heimat ist das Land Schillers und Goethes, die Sprache, die wir sprechen, ist die deutsche, die Kultur, die wir verehren ist die deutsche, Deutschland ist unser einziges Vaterland und soll es bleiben.

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